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21. Jahrgang

Freitag, den 2. März 1894.

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G.H. Warnung;«r rechten Zeit.

i zeigt dem größten Optimisten, daß hier von einer finan­ziellen W tderaebmt keine Rede sein kann. Die italientiche *L.. - •* rf L • ____________ kzl-V* ©iXWt«

Vom Koschersten" Börsenblatt bis herab zum liberalen Provinzblatte geht ein Jammerruf durch dre Presse: „Gebt unS unsere Millionen wieder", d. h. lene Tausende von Millionen, nach der Berechnung emeS Experten der Bölsenkommiffion find eS 1500 Millionen Mark, welche Deutschland in zehn Jahre» an daS Aus­land und die — Emissionsbanken, Börsenfärsten rc. gezahlt bat. Argentinier, Griechen, Portuxfiesen, Mixi- kaner, Panamaakticn haben unsern deutschen Markt überschwemmt. Sie wurden bei unS noch als gute Anlage-Po Piere empfohlen, als für sie in England teilt Markt mehr war. Die gleichzeitigen ZinSkonverfione» unserer inländischen Staat! pipiere mit 3 und SV-Mgen ZmSfuß begünstigten das Bemüten der Haute Finance, die meist 5°/0 41/2°/e und 4°/« tragenden exotischen Wrrthe abzustoßen und, um im Börsenfargon zu sM ch-n, die Dummen einzuseifen. Thatsächlich hat die Milliarden« Verluste, welche Deutschland seit 20 Jahren durch Ent­weichung fremdländischer Papiere erlitten hat, zum größeren Theile unser Mittelstand getragen. Die­selben Blätter, welche j.tzt Klokodilsthränen über die verlorenen Milliarden weinen, hiben zum großen Therle seiner Zeit in ihrem HandelStheile warm diese „Anlage- vopiere" empfohlen, da sie ja „einen höheren ZmS als die inländischen Welche trügen. Der bekannte Nebenverdienst des Verlegers und HandelSredaktemS, von dem in der Börsener quetekommission auch die Rede war, verfehlt da nie seine Wirkung.

Die katholische Presse weiß stL tu dieser Hin­sicht frei von Korruption. Zu wünschen wäre nur, daß sie allerorten auch auf diesem Gebiete ihrer Macht sich bewußt werde. Sie allein vertritt rückhaltSloS die Interessen diS Mittelstandes und läßt sich kein Schweigen auferlegen, wem, es sich nm die Vertretung feiner Inter- essen handelt. Ein WarnunqSruf soll gerade 1‘fct durch unsere ganze katholische Presse gehen, er kommt noch zur rechten Zeit. Wenn die aoldenen Vögel auSgiflogen sind, macht man den Vogelkäfig zu foät zu. Em neues Attentat ist auf daS Geld unseres Mittel­standes geplant; bereits erklingen die Srrenenrrrfe in jener Posse, weiche auch sür die von ihr sitzt be­weinten Milliarden Rcklame gewacht hat. 360 Millionen Verlust hat daS deutsche Volk in den letzten Wochen durch den lbprozentigen Kursrückgang italienischer Werthe erlitten; die in Deutschland feftgelegten ttaltem- scheu Warthe werden auf IV2-3 Milliarden Deren- Wagt. Und bereits wird mit den bekannten Hilfs­mitteln neuerdings die Werbetrommel für eine neue, in Deutschland aufzubringende italienische Anleihe ge­rührt. „Die finanzielle Wiedergeburt Italiens", die „glücklich" beendigt? KrisiS in Sizilien (als ob sich dort die Zustände auch nur um ein Jota geändert Härten !), die Wiederkunft des großen CriSpi, werdm als günstige Momente auSgeschlachtet. Zweifellos, über kurz oder lang werden auch die Böisenverickte melden: „Italiener steigende Tendenz!" Und die Bar qrierS, die reellen natürlich niät, werde« ihren kreinkapnalistischen Kunden

Zeit künstlicher Haufse, um Stimmung für den Fisch zug zu machen, wird dazu die beste Gelegenheit geben

„Vor Taschendieben wird gewarnt," steht an be­suchten Orten an allen Wänden angeschrieben. Dem deutschen kleinen und mittleren Kapitalisten möchten wir eindringlich zurufen: Hüte dich vor Italienern! Höre nicht auf die Lockrufe, laß bir daS Geld durch hohe Zinsv ^sprechen nicht aus der Tasche locken. Heute zahlt Italien noch seine Zinsen. Wie lange noch? Qui Vivra, verra! Wer eS erlebt, wird er sehen. Viele werden später denen dankbar sein, die sie rechtzeitig gewarnt nahen vor dem Millionenattentat aus den deutschen Mittelstand.

außergewöhnliche Stellung, welche ich einnahm, gestattete mir vorzügliche Spezialkarten zum Zweck: unser Flucht zu Rathe zu zu her. Ich kannte, Dank meinem Material, Die genaue Topographie der Landstriche, welche wir zu durchziehen harten; jeden Flußübergang, Paß, leben Pfad kann ich sagen. Ich verzichtete auf die Idee, den Wez nach Südwest, nach Persien zu nehmen, weck wir, ehe wir dort ongelangt waren, fortwährende Kämpfe mit kriegerischen wilden Stämmen bestehen wußten. Denn Plünderung und Räuberei sind dort nationale Gewohnheiten. ,

Weit weniger schwierig erschien mir der Erfolg, wenn wir unfern Weg nach Südosten durch daS himm­lische Reich nehmen würden, welches damals m voller Auflösung war. Ohne große Schwierigkeiten konnten wir den Weg nach dem rördlichen China einschlagen, welcher Theil deS Reich's von den Russen politisch be­arbeitet wurde, und deshalb eigentlich weder vollständig zu China, noch zu Rußland zu zählen war. Mil etwas Energie war es leicht die Hindernisse zu überwinden, welche uns die chinesischen Mandarinen in den Weg legen konnten, und dann die Küste deS stillen OccanS zu erreichen.' Dieser Plan fand allgemeine Zustimmung.

Alles war endlich vorbereitet. Im Geheimen hatten wir unS mit Wofftn und Lebensmitteln versehen und jedem war seine Rolle und sein Posten zugetheilt. Die Zeichen zum Aufbruch, der Ort der Vereinigung- Tag

Staatsschuld, ohne die ungeheuren Schulden der Korn- j munen, beläuft sich auf 131/* Milliarden Franken; sie verschlucken jährlich 693 M.ll. Lire oder 554.478 507 Mark Zins, po Kopf und Jahr 18 16 Mk. (cf. Richard ■ von Kaufmann, Die öff ntlichen Ausgaben der größeren i europäisch'» Länder). ES beanspruchen von den gk- sammten Staats- und Lvkalaasgaden die Ausgaben für Staatsschulden in StHie» heute schon 28,43 "/g -Mr Einnahmen. Italien steht in dieser Beziehung an der Spitze aller Länder. (In Preuße» 11,43% m O sterreich 17,30 "/o, in Frarckre-ch 23 34°/» rc.) Dabei leidet das Land an einem chronischen Difizit, bte Expe­dition nach Sizilien und der Aufstand haben 160 Millivkie» verschlungen. Wie farm man Angesichts solcher Thatsachen von der Möglichkeit einer finan­ziellen Wiedergeburt Italiens sprechen! Italien ist gk- zwunaen, wenn eS nicht in nächster Zeit seinen Bankerott erklären will, eine neue Schuld von einigen hundert Millionen vufzmtehmen. Und die Zus», woher ollen die kommen? Bereits seufzt das Vock unter den er- drückende» Lasten; was es ißt ur-d trinkt (Verzetzrungs- steuer) ist doppelt und dreifach versteuert. Man spricht von einer neuen Anleihe mit Zugrundelegung deS Tabak- rnonopols. Das Tabakworwpol besteht schon längst m Italien und bringt jährlich 40 Million?» Lire in die Staatskasse. Eine Anleihe auf das Tabakmovopvl käme einer Verpfändung gleich. Woher wird dieser Emnahme- auLkoll alsdann im Staatsbudget gedeckt? —

Die B-rsuche, mit deutschem Kapital ein großes italienisches Bankinstitut zu gründen, find bis j tzt miß­glückt. Die Haute Finance wird stutzig. Wohl oder Übel wird Italien zur Konversion seiner 5°/0:gen Renten seine Zuflucht nehme» müssen; das wäre eine jährliche Ersparmß von ca. 50 Millionen Mark DaS deutsche Pudlikurn aber, besonders unser Mittelstand, möge die Zeit benutzen, um italienische Werthe abzustoßen. Die

uuterqestoßen hätten.

Em Blick auf die wirthschafckiche Lage des Landes

Aach Sibirien verbannt.

Bon Louis CollaS. Mit Genehmigung des Verfassers in's Teutsche übertragen von PH. Freidank.

(33. Fortsetzung,)

14.

Die Flucht.

Koleieff war nicht behebt, noch weniger geachtet. Er besaß viele Feinde, selbst unter den Russen. Man hielt ihn jedes Verbrechens fähig, wenn er damit fernem Geize und feiner Lüsternheit stöhnen konnte. Die Mit­schuldigen seiner Schandthaten, welche vollständig in seiner Hand waren, freuten sich sehr, ihn nicht mehr fürchten zu müssen. Die höheren Beamten fühlte» sich durch seine unbegrenzten Vollmachten zurück^sitzt und ihre Stellung geschädigt. Deshalb erregte sein Ser» schwinden nirgendwo Bedauern. Man stellte wenige Nachforschungen zu seiner Auffindung an. Als nirgend­woher eine Nachricht über ihn eintraf, nahm man an, daß er wilden Thieren zum Opfer gefallen sei.

So kühn unser Unternehmen war, so günstig lagen auch seine Vorbedingungen. Die Slaven besitzm eine besondere Geschicklichkeit für geheimnißvolle Jntnguen, welche Klugheit und Bmchwiegenhnt erforberr, nicht weniger die Cirkasfier. Die Einsetzung eines neuen Gouverneurs war von einer vollständigen Verwirrung im Verwaltungs« und Militärdienste begleitet. Die

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Februar.

♦ Die Abreise dir Kaiserin mit den Königlichen Kindern nach Abbazia findet vmaMchtlich am 8. März über Breslau, Oderberg statt. Der Kaiser dürfte einiae Zeit später Nachfolge».

* Der Reichstag fitzte bte erste Berathung des russsich n Handelsvertrags m Verbindung mit dm An­trägen betreff mb gleitende Zollskala fort. Abg. Richter tsts. Vp ) vertbeidigte die Linke gegen den Vorwurf des Herrn v. Bennigsen, daß sie bei dem deutschen Einigungswerke in der Opposition gestanden, und griff das ostelbische Junkerthum an, dos er keineswegs mit dem in allen Parteien vertretenen Adel identifiz'.re. Er verurtheilte ferner die Nationaüiberalen, bereit Sp sttung in einer so bedeutenden Frage, wie die vorliegende, den Vertrag gefährde. Er bekämpfte weiter die Aufhebung der Stcffcktanst, warnte vor dem Sprunge ins Dunkle, der mit der Aufhebung des JdentitätsnachwetfeS gethan werden solle, und sprach sich überhaupt gegen Kompen­sationen für Beseitigung deS Differentialzolles auS. Den Bund der Landwirthe bezeichnete er als eine Miß­geburt, dankte demselben ober dafür, büß er einen Leu zwischen Industrie und Lmdwirthfchaft getrieben und so die Aufhebung der Jndustriezölle die Wege geebnet habe. Er schloß mit der Aufforderung, dm Vertrag ohne vorherige Kommisfionsderathung avzunehmen. Abg. Dr. Lieber (Ctr.) beantragte Zwecks eingehender Prüfung des Vertrags Verw-isung desselben an bte durch 7 Mitglieder verstärkte Kommission für bte früheren Handelsverträge. Er fonftatirte, daß sich m einer Partei Gründe für und Gründe gegen den Ver­trag geltend machten und sprach die Hoffnung aus, daß eS in der Kommission gelingen möge, d;e Bedenken der Landwirthschaft zu beseitigen, indem er dte Ueberzeugung I hegte, daß die Regierung ihre bezüglichen Versprechungen einhalten werde. Im Gegensatz zu Herrn v. Kardotff sprach Redner dem Reichskanzler tm Auftrage des CentrumS volles Vertraue» aus. Abg. Schultze-KöntgS« berg (Soz.) erUärte die Zustimmung seiner Freunde i im Interesse billiger Volksernährung für den Vertrag : mit dem Vorbehalt, daß seine Partei bet geeigneter ’ Gelegenheit weitere Zollherabs tzuugen, nam-ntucy der Kornzölle, beantragen werde. Abg. Fchr. vm^stumm

rathe», doch jetzt ja hinzuzukaufen, um frühere Verluste zu decken. Und ste werden wieder heretnfallen, und einige Jahre später weint die obengekennzeichnete Presse die rührendsten KrokodilSthränen über die Verluste in „Italienern". _ ,,,

So wird es kommen. Die katholische Presse Deutsch­lands aber soll jetzt, da eS Zeit ist, warnen vor dem Ankäufe von italienischen Wenhen. Die Taschen zu! Möge man nicht Sirenenrufen glaube», möge man sich nicht davon bestechen lassen, daß Italien heute noch feine 5% Zinsen (mit 12°/0 Steuerabzug, also 4% Zins) zahlt. Italien steht vor seinem Bankerott. Kern s CciSpi wird denselben aufhalten. Wäre dar Vertuschungs- ; syftem nicht angewmdet worden, der Krach wäre fitzt; schon unvermeidlich gewesen. Der Freigeist und Sozialist - Pcof. Lombroso sagte unlängst, alle Parteien Italiens, ; mit Ausnahme der katholischen, seien ko-rumpirt. Sie 1 werde und müsse einst an die Regieru'g kommen, wenn , die sitzt Herrschenden Italien vollends ins Elend hm«

und Stunde des AbmarschiS: Alles war festgesetzt. Ich begab mich zu einer letzten Zusammenkunft zy Bramil und den übrigen Häupter» unserer Verschwörung, als sich plötzlich der bereits erwähnte Lieutenant Platosf zu mir gesellte.

Platosf war ein stolzer, junger Mann, heißblütig und jähzornig; den Anforderungen derDiSzplm konnte er sich niemals recht fügen. Obwohl einer der eisten Familien Rußlands angebörig, wurde er in Folge emeS Jugendstreiches mit Stock streichen bestraft und a.s ge­meiner Soldat nach JokutSk in em sibirisches Regiment gestickt. In Folge seiner Tapferkeit und Intelligenz wurde er bald wieder zum Lieutenant befördert

Platoff wußte aber, daß feine Karriere nichtsdesto­weniger vernichtet war, besonders da er von unversöhn­lichen Feinden verfolgt wurde. Verbittert, irre geleitet und an und für sich ein Querkcpf, setzte er em gewisses Vergnüge» darin, seinen Feinden zu trotzen und ihren Haß herauSzufordern. Seine Uniform war für ihn em Gegenstand des Schreckens; feinen Umgang wählte er unter ven Gegnern der Verwaltung. Sem offner Cha­rakter und seine jugendliche Schneidigkett hatten mich zu ihm hingezogen und er bezeigte mir ebenfalls leb­hafte Sympathie.

„Nehmen Sie sich in Acht," sagte er zu mir, „man überwacht Sie strenge." , . .,

„Gut, waS könnte man bei nnr entdecken? ftug ich.