46
Dienstag, den 27. Februar 1894
21. JahrgMg
ulimtr
eitiiiig
* New-York, 24. Febr. Der ,New-Yorker Herald"
Montag: Etat der direkten unb inbiceften Steuern.
in's
sind unerforschlich; aus den ödesten Fluren läßt seine
Fedora erschien bald wieder, nachdem ihre Thronen
Güte Blumen erblühen und die Sonne scheint nach einem Gewitter ost am schönsten. ES kommen für Sie
Meine Freiheit erobern! War dies ein Spott aus meine Ohnmacht? Ich verstand ihre Worte nicht so
regung; die Straßen der Stadt sind mit Soldaten angefüllt. Die Aufständischen sollen die RegierungS- truppen am 21. d. M. bei Foczima geschlagen haben. Die Nationalpolizei hat sich den Aufständischen ange« schlossen.
vielleicht noch glückliche Tage. Ich sage zu Ihnen nicht: „Haben Sic Muth, sondern vertrauen Sie der Zukunft!" Bor allen Dingen müssen wir Ihre Frei« beit zurückerobern und damit für diejenige, welche, wo sie nur weilen mag, mit ihren Gedanken sich bei Ihnen befindet."
* London, 24. Febr. Dem Bureau Reuter wird aus Bathurst gemeldet, daß eine am Gambia stationirte kleine Abcheilung westindischer Truppen mit Marinesoldaten von den Kanonenbooten „Raleigh" und „Widgeon" gestern den Sklavenhandel treibenden Häuptling Fodi Silah angegriffen hat. Die Engländer erlitten eine Niederlage. Drei Marineoffiziere und zehn Mann wurden getödtet und etwa vierzig Mann verwundet.
Erscheirrt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
».ertellahrl.cher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
* Die Wagemneister der preußischen Staats- Eisenbahn
bilden eine Beamtenklasse, welche im dienstlichen Verkehr weniger, oder überhaupt gar nicht mit dem Publikum in Berührung kommt und daher im Großen und so gut wie keine Beachtung findet, obgleich gerade die Wagenmeister dem reisenden Publikum, wen man so sagen soll, am Nächsten von allen Eisenbahnbeamtey stehen. Jeder, der eine größere Reise per Eisenbahn unternimmt, fühlt sich wesentlich! beruhigt, wenn er einen Platz in einem Wagen einnimmt, von dem er überzeugt ist, daß sich derselbe in einem transportst- chern Zustande befindet. Für die Betriebssicherheit der Personenzüge hat nun Die Verwaltung in bester Weife nach jeder Richtung hin Sorge getragen. Der Stationsvorsteher bezw. dessen Assistent leitet mit Umsicht die Ein- und Abfahrten der Züge, der Locorno- tivführer hält weithin Ausschau, ob da» zu befahrende Geleise „bahnfrei", ob kein gefahrbringendes Hinder- v'ß im Wege und endlich, ob dar Signal auf „Einfahrt" gestellt ist; der Bahnmeister untersucht täglich die Gleise seines Bezirks, ob noch Alles ffft und gut, überhaupt betriebssicher ist, und dem Wagen- meister endlich liegt die Beaufsichtigung über den be» triedfichern Zustand der Wagen ob. Er hat die Wagen in ihren einzelnen Theilen genau zu untersuchen und jeden Wagen welcher einen grözeren Schaden aufweist, sofort dem Betriebe zu entziehen, dagegen kleinere Defekte, durch welche während der Fahrt größere Störungen eventuell entstehen könnten, feibst sofort zu beseitigen. Der Wagenmeister überzeugt sich von der Brauchbarkeit der Bremsen, von dem Zustande der
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Februar.
• Der Kaiser beglückwünschte heute ftüh dm Reichskanzler Grafen Caprivi zu dessen Geburtstage und wohnte dann einer Schießübung des ersten Garde- Feldartillerie-Regiments im Süden Berlins bet. Abends nahm der Kaiser an dem vom Oberpräsident Dr. von Achenbach dem Provinziallandtage der Provinz Brandenburg gegebenen Diner theil.
* Ueber bett Aufenthalt der deutschen Kaiserfamilie in Abbazia wird gemeldet: Die zahlreichen m der Billa Angiolma und in den Andrene-Billen für die hohen Gäste gemietheten Appartements werden bereits in Stand gesetzt. Die Billa Angiolma wurde früher wiederholt vom österreichischen Kronprinzenpaar bewohnt; sie ist die prächtigste im Kurort und ausgezeichnet durch die herrliche Lage am Meeresstrand mit einer auf's Meer hinausgebauten ^erraffe. Die Billa hat ein Erdgeschoß und ein Stockwerk und wurde kürzlich neu eingerichtet. Der Aufenthalt in einem südlichen Klima ist der Kaiserin und den Kindern während der rauhen Vorfrühlings ärztlicherseits empfohlen worden. Kaffer Wilhelm dürfte zunächst seine Familie bloS nach Abbazia begleiten und dann nach Berlin zurückkedren, um später wieder in Abbazia zum Besuche einzutreffen. Der Kaiser wird den dortigen Aufenthalt zu Seeausflügen in den dalmatinischen Gewässern, die er bisher nicht kennt, benutzen. Rach einer Londoner Meldung wird die vom Kaffer auf drei Monate zu Seefahrten im adriatischen und Mittelmeer gemietete, eben fertig gestellte Jacht „Christabel" in aller Eile zur Abfahrt nach Fiume bereit gestellt. Ferner verlautet, daß nächstens ein deutsches Kriegsschiff in den adriatischen Gewässern eintrifft, auf welchem Kaiser Wilhelm Pola und die dalmatinische Küste bis Sebenico besuchen wird. Abbazia (spr. -dsia), ein rasch empor- gekommener Winterkurort und Seebad, liegt in der österreichischen Bezirkshauptmannschaft Bolosca (Istrien), 4 km südwestlich von dec Statron Mattuglie-Abbazia der Sädbahnlinie St. Peter-Fiume, in herrlicher durch den Monte Maggiore (1396 m) geschützter Lage am Ouarnero-Bufen des adriatischen Meeres, mit alter Abteikirche, prächtigen Siöen’ luxuriösen Hotels usw. Schöne Strandpromenaden führen nördlich nach Bolosca, südlich nach den malerischen kleinen Hafenorten Jka und Lovrana. Abbazia namentlich durch den wiederholten Besuch der Kaiserin von Oesterreich rasch in Aufnahme gekommen, steht mit Fiume in Dampfer- Verbindung und zählte im Jahre 1890 gegen 1200 Einwohner.
* Der Reichskanzler Graf v. Caprivi empfing zu seinem heutigen Geburtstage zahlreiche Glückwünsche m jeder Form. Se. Majestät der Kaiser erschien persönlich zur Gratulation berm Kanzler und brachte demselben als Geburtstagsgeschenk einen Humpen und zwei Pokale aus grünem Glase mit, die für diesen Zweck nach den
Worten und sie nahm einen Vorwand, sich einen * Augenblick zu entfernen. Madam- Aproxin führte \ mich an eines der Fenster und sagte mit milder Stimme t zu mir:
„Ste haben Fedora sehr gekränkt, denn sie wußte * wohl, daß Ihre Anspielung auf die rasch vorüber- i gehende Dauer ihrer Erinnerungen sie tief schmerzen : mußte. Nein, Herr Graf, sie wird nicht vergessen. , , .
Glauben Sie denn, daß die Gefühle, welche sich ihrer < und ohne' mir es selbst erklären zu können, schöpfte ich ganzen Seele bemächtigt haben, der BeobachtMg ihrer s neue Hoffnung.
Mutter entgangen sein können? Ich habe versucht, s Fedora erschien bald wieder, nachdem ihre Thränen den Kampf gegen dieselben aufzunehmen, indem ich ( getrocknet waren. Ihr liebliches Antlitz zeigte den derer: Hoffnungslosigkeit darlegte, allein aße meine \ Ausdruck süßer Melancholie. Ich bot ihr die Hand Darlegungen scheiterten an ihrer schwärmerischen Em- • und sagte: „Verzeihen Sie mir?"
In Rußland bilden Beamte und Mensch zwei ganz verschiedenartige Dinge. Der Mensch in Uniform ist nach Haltung, Sprache, Gewohnheiten und Ledens- anschauungen ein ganz anderer als der, welcher ohne amtlichen Drill ans der Hand der Natur heroor- gegangen ist. Auch der General hatte sich nicht von dieser Herrschaft der Gewohnheit frei machen können. Heute, wo keine Verantwortlichkeit mehr auf ihm lastete, erschien er mir als ein ganz anders gearteter Mann.
Wie liebenswürdig war er im Umgang, wie zwanglos und herzlich in feiner Sprache. Selten sah ich in einer Person so wahre Würde und Leutseligkeit vereinigt. Die tiefe Neigung, welche er im Herzen; seiner Tochter entzündet hatte, schien ihn zu bedrücken, ■ weil er sie für aussichtslos hielt — mrd doch verrieth 1 mir nicht einmal ein Blick seine Gefühle. Seine alte - Freundschaft zu mir war durch nichts erschüttert und jedes seiner Wort; zeigte mir, daß er nichts Höheres erstrebe, als zu meinem Glücke, was an ihm liege, beizutragen.
Die beiden Damen mischten sich anfänglich wenig in unsere Unterhaltung; aber sie richteten kein Wort an mich, das nicht von Herzen kam. Alle in dem kleinen Kreise standen unter dem Eindrücke, daß jeder
Mach Sibirien verbannt.
Bon Louis CollaS. Mit Genehmigung des Verfassers Deutsche übertragen von Ph. Freidank.
(30. Fortsetzung.)
* Bei den preußischen StaatLeisenbahne« werden bekanntlich auf ministerielle Anordnung den langjährig beschäftigten Arbeitern bei Vollendung einer - fünfundzwanzig-, fünfunddreißig, und fünfzigjährigen l zufriedenstellenden Beschäftigung int Eisenbahndienste besondere Anerkennungen in der Form einmaliger Geld- belohnnngen zum Betrage von 30 M., 60 M. und 100 M. zu theil. Im Jahre 1893 sind in dieser Wnse 1312 Arbeiter bei Vollendung des 25., 323 Arbeiter bei Bollmdung dex 35. und 5 Arbeiter bei Vollendung des 50. Beschäftigungsjahres ausgezeichnet und hierfür im ganzen annähernd 60,000 Mark aufgewendet worden. Außerdem sind mehrere der ältesten Arbeiter der Staatsbahnen durch Allerhöchste Verleihung des Allgemeiner. Ehrenzeichens ausgezeichnet worden.
* Kiel, 24. Febr. Der Kaiser hat aus seiner Privatschatulle 3000 Mark für die Hinterbliebenen der Verunglückten der „Brandenburg" an die Prinzessin Heinrich gesandt.
Ausland.
* Bukarest, 24. Febr. Der Senat nabm mit 53 gegen 10 Stimmen den Handelsvertrag mit Oesterreich- Ungarn an.
* Paris, 23. Febr. Hemy gestand, der Urheber der Explosion in der Rue des Bons Enfants gewesen zu sein und behauptet ohne Komplizen gehandelt zu s haben.
* Loudon, 23. Febr. Zwischen den Bertrktern; der französischen Polizei, bte gegenwärtig in London \
etwas Besonderes auf dem Herzen hatte, es aber nicht s pfindsamkeit. Dte Eindrücke, welche Fedora einmal auszusprechen wagte. \ empfangen, haften unauslöschlich in ihr. Wenn ich
Unter solchen Umständen beherrscht eine gewisse 's, ihr verboten hätte, Sie zu sehen, wü de sie zwar Furcht bie Unterhaltung, irgend eine Saite anzuschlagen, l gehorsam gewesen, doch den Tod im Herzen, ftüh deren Klang aufregen oder verletzen könne. Die Unter- - dahin gewelkt sein. Ich konnte aber diese Verant- Haltung geht nicht recht von Herzen, sie wird ober- ' Wörtlichkeit nicht auf mich nehmen." flächlich. Um das stockende Gespräch wieder in Gang - „Ich sage Ihnen also," sagte die Generalin, „meine zu bringen, sprach ich von ihrer baldigen Ankunft in Tochter läßt ihr Herz hier. Klagen Sie sich nicht Petersburg, wo Fedora Bälle und allerlei sonstige s deswegen an; ich kenne Ihre Ehrenhaftigkeit und Ihr Festlichkeiten erwarteten, unter deren Eindruck sie bald i Zartgefühl, und weiß, daß Sie sich nichts vorzuwerfen das traurige Land vergessen würde, das sie zu ver< ” " ' 1 — — -■
lassen im Begriffe standen.
Intentionen der Gefchenkgebers angefertigt wurden. .. weilen, und der englischen Polizei fand gestern in Humpm wre Pokale sind mit Dekorationen versehen, s Scotland Yard eine Konferenz statt betreffend die das größere Gefäß trägt das Reichswappen und die \ Ueberwachuug der fremden Anarchist en in England Wappen der Bundesstaaten. D,e Mitglieder des Kaiser!. - und behufs Entdeckung des OrteS, wo die Explosiv- und Kömgl. Hanfes fuhren zum Theil persönlich beim ; stoffe h-rgestellt worden sind.
Kanzler vor oder sandten ihm ihre Karten. Die Staats-; " " ‘ -- -- - -
sekretäre, Bundesrathsbevollmächtigten und preußischen l Minister gratuürten persönlich, teß WtMH WW |
* Die akademische Kunstausstellung in Berlin z wird am 27. d. M. geschlossen.
* Das preußische Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Etats für Handel und Gewerbe fort. Regierungsseitig wurde u.A. erklärt, daß in Folge der letzten Gewichtrevisionen eine große Anzahl Bestrafungen nothwmdig geworden sind und daß die Regierung des- ov„,.
halb in Erwägungen darüber eingetreten sei, ob nicht ■ meldet aus Santo« über Monte'vidio, daß die Auf- eme Vergrößerung der gesetzlich zulässigen Gewichts- - ständischen sich in den nächsten Tagen in den Besitz dtfftrenz durch die Reichsgesetzgebung herbeigeführt wer- ; der Stadt setzen dürften. Es herrscht große Auf- den könne. In der Debatte wurde ferner die Errich- ’ -------- " *■ '— *■• ~ 1 1 —
tung einer keramischen Fachschule in Bunzlau angeregt, s wofür indeß auf Seiten der Regierung ein Bedürfniß s nicht anerkannt wurde. Der Mat für Handel und Ge- \ werbe wurde genehmigt und die vom Herrenhause be- > reits angenommene Novelle zum Berggesetz der Korn- ) Mission des Kaligesetzes zur Vorberathung überwiesen.
■ haben, denn ich habe Ihren Charak er genau studirt.
„ „ . I Verzweifeln wir aber nicht. Die Schickungen Gotter
DaS Lächeln, welches sich Frdora angezwungen \ hatte, um die Unterhaltung nicht noch mehr zu einer s erzwungenen zu machen, verschwand plötzlich bei meinen anwhS tt . ___ n r •______ !