Sonntag, den 25. Februar 1894.
21. Jahrgang
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MU» Erstes Blatt.
tf Die 41. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands
wird gemäß dem Beschluß der Würzburger Versammlung und im Einvernehmen mit dem ständigen Kommissar der Generalversammlungen S. D. Fürsten Karl zu Löwenstein in den Tagen vom 26. big 30. August in Köln stattfinden.
Sechrunddrelßig Jahre werden dann verflossen sein, seit zum ersten und einzigen Male eine der 40 Versammlungen der deutschen Katholiken in der. Mauern der rheinischen Metropole tagte. Wiederholt ist der lebhaste Wunsch, nochmals die Vertreter der Glaubens- genofien aus dem ganzen Baterlande in Köln begrüßen zu dürfen, an äußern Umständen gescheitert. Um so lebhafter war die Freude der Kölner Katholiken darüber, daß ihnen endlich wieder die Gelegenheit geboten wird, einer Veranstaltung eine würdige Srätte zu bereiten, die seit fast 50 Jahren so Vieles für die Bertheidiguug der Kirche und die Entwickelung des kirchlichen Lebens in Deutschland gethan hat.
Diese allgemeine Genugthuung fand ihren Ausdruck in der Schnelligkeit und Energie, mit welcher die Vorbereitungen in Angriff genommen wurden. Auf Ber- anlaffung des ständigen Kommissars und Sr. Eminenz der Herrn Kardinal-Erzbischofs von Köln, welcher den Plan freudig begrüßte, bildete sich schon Anfang Januar em Lokal-Komitee, welches sich in den folgenden Wochen ergänzte und in Ausschüsse für die verschiedenen Arbeiten gliederte. Eine besondere Freude war eS für das Somstee, als Ehrenpräsidenten zwei Männer in feiner Mitte zu sehen, deren Theilnahme eine besondere Gewähr für daS Gelingen bietet: Herrn AppellaiionS- rath a. D. Dr. August ReicheuSPerger, den Vorsitzenden der Kölner Versammlung von 1858 und Herrn Dr. Joseph Schmitz, der im vorigen Jahre, mit der bischöflichen Würde geziert, in seine Vaterstadt zurückgekehrt ist.
Gute Hoffnung erweckt auch daS ebenso estrige wie einträchtige Zusammenwicken, welches in allen Sitzungen des Komitee'S, des Vorstandes und der Ausschüsse zu Tage trat. Namentlich die schwierige Lokalfrage wurde in glücklicher Weise gelöst. Vorübergehend wurde die Frage erörtert, ob der im letzten Jahrzehnt gewaltig gestiegene Zudrang zu einer Theilung in zwei Lokalen nöthigen werde. Daß der schöne Gürzemch-Saal für die abendlichen Massenversammlungen nicht genüge, konnte ja keinem Zweifel unterliegen. Jetzt ist ein Ausweg dahin gefunden, daß die Begrüßung am 26 Aug. und die festliche Schlußveranstaltung am 30. August im Gürzenich fiattfindet, während für die großen Abend- sitzungen der reichlich 5000 Personen fassende, akustisch sehr geeignete Holzbau im Kaffergartm zur Verfügung steht. Bedenken konnte hier nur die Lage am äußersten Nordende der Stadt erregen; aber die bequemen Verbindungen und die Voitheite und Annehmlichkeiten, welche oer große Garten und die ausgedehnten Neben-
Uach Sibirien verbannt.
Bon Louis Calla». Mit Genehmigung des Verfassers in's Teutsche übertragen von PH. Freibank.
(29. Ksrtsrtzunz.)
Ich glaubte Fedora werde durch ZorneSworte ihre ungeheure Aufregung verraihen. Aber Sie nahm sich zusammen und erwiderte mit Trauer:
„Ja, eS gibt hier eine Menge Unglücklicher, welche durch grausame Urtheile zur Verbannung verurtheilt wurden und denen gegenüber er uns nicht ziemt, dm strengen Richter zu spielen. Man beliebte bisher diese B-rbannten nach zwei Methoden zu behandeln: nach derjenigen der Menschlichkeit und nach le-jemgen einer unbarmherzigen Härte. Mein Vater verfuhr nach der ersten Meihode. Er ersparte den Verbannten, so weit eS seine Instruktionen gestatteten, alle unvöthigm Leiden und gewährte alle jene Erleichterungen, welche sich mit dem Grütze in Einklang bringen ließen. Indem mein Vater dadurch die Irregeleiteten mit ihrem Geschicke versöhnte, glaubte er am besten dem Zaren und dem Vawrlande zu dienen. Sie haben das Gegentheil von der Meihode meines BaterS für gut befunden und der Härte der Bekannten unablässige Verfolgupg und Quälerei pinzugefügt, dadurch aber in den Herzen der Verbannten Haß und Verbitterung hervorgebracht. Wenn Diejenigen, welche Sie aus bloßer Freude am Lechen
bauten für RestaurationSzwecke u. s. w. bieten, lassen darüber hinwegsehen.
Weitaus das Meiste bleibt freilich noch zu thun übrig. Biel Zeit, Geduld und selbstlose Arbeit wird noch erforderlich sein, ehe das Komitee sich sagen darf: Alles ist fertig, und die Kö uer Versammlung wird den Vergleich mit ihren Vorgängerinnen nicht zu scheuen brauchen. Um dieser Ziel zu erreichen, rechnet daS Komitee auf das freundliche Entgegenkommen und die thätige Unterstützung der Kölner Bürgerschaft und der Freunde da draußen.
Um den Segen des Höchsten für dar begonnene Werk zu erbitten, wird am Sonntag, 25. d., Vormittags 11 Uhr, ein EröffnungS-GottkSdienst in der St. Mariä-Himmelfahrts'Kirche statlfinden. Herr Weihbischof Dr. Schmitz wird das hl. Meropfer barbringen und dann eine Ansprache an die Versammelten richten. DaS Kölner Lokalkomitee ist in folgender Weise zusammengesetzt:
I. Ehrenpräsidium:
Dr. theol. Schmitz, Weihbifchof.
Dr. jur. August Reichensperger, AppellationSgerichtS- rath a. D.
II. Präsidium:
1. Justizrath Custodis, Rechtsanwalt.
2. Justizrath Jansen, Rechtsanwalt und Beigeordneter der Stadt Köln.
3. Ed. Fuchs, Kaufmann, Reichstags-und Landtags-Abgeordneter.
III. Schriftführer:
1. Jac. Schmitz-Balckenberg, Kaufmann.
2. Carl Esser, Rechtsanwalt.
3. Heinrich Wirtz, Rechtsanwalt.
4. Carl Trimborn, Rechtsanwalt und Stadtverordneter. IV. Schatzmeister:
Elkan, Bank-Direktor.
V. Ehrenmitglieder:
Dr. Berlage, Dompropst und Protonotar Gros man, Landgerichtsrath a. D. Heimann, Stadtbaurath.
Dr. Klein Hardt, Generalvikar und Domdechant. Pünder, OberlandeSgenchtsrath.
Reichensperger, Landgerichts-Direktor.
Schenk, Justizrath.
Thomas. Pfarrer, Ehren-Domherr und Stadt-Dechant.
VI. Vorsitzende der Kommissionen: a. Finanz-Kommission:
Elkan, Bank-Direktor.
Jac. Schmitz-Balckenberg, Kaufmann.
b. Empfangs- und Wohnungs-Kommission: Otto Loosen, Kaufmann.
Michael Bilstein, Rentner und Stadtverordneter.
c. Bau- und Ausschmückungs-Kommission: Albermann, Bildhauer und Stadtverordneter. Krings, Regierungs baumeister.
d. Begrüßung«- und Fest-Kommission:
Michael Du Mont, Kaufmann und Stadtverordneter. Horten, Kaufmann.
e. Ordnungs-Kommission: von der Acht, Landtags-Abgeordneter. Rody, Kaufmann.
f. Redner-Kommission: Ditges, Pfarrer.
Dr. Cardauns, Hauptredakteur.
g. Preß-Kommission: j Franz X. Bachem, Verleger.
Heinr. Theissing, Verleger.
Außerdem gehören dem Komitee noch weitere 94 l Bürger der verschiedensten Staube und Berufs küssen an.
I Anderer bis auf's Blut ^peinigt haben, hier zugegen I sein kö.mren, sie würden fordern, daß ich unbarmherzig ; von den Waffen Gebrauch mache, welche Sie mir selbst ; gegen Sie geliefert haben."
I Sir hielt mit ihrer Rede inne. Koleüff hatte einen j vergeblichen Versuch gemacht, sie zu rühren. Als er i diese Worte voll aufrichtiger Trauer vernahm, wagte s er auf's Neue zu hoffen. Ec versuchte seine Haltung \ durch die Schwierigkeit seiner Stellung, durch uaerbilt- l liche Befehle, welche er erhalten hak-e, zu entschuldigen; s er verlegte sich schließlich auf'S Flehen und verviel- i sättigte seine Versprechungen.
I „Bon Herrn Grafen Strinbick habe ich gelernt, ; daß die Früchte der Rache bitter sind," sagte Fedora . endlich. „De Freuden der W edervrrgeltung besitzen s keinen Re?z für mich und deshalb ziehe ich die chrlst- : liche Pflicht der Verzeihung vor und will mich an Ihr
Gewissen wenden. Werden Sie, sagen Sie er mir offen, die Verpflichtungen, welche Sie übernehmen »erben, I auch halten? Ich will dies hcffen. Auf alle Fälle : werden S e mir Bürgschaft dafür leisten, daß Sie den } Herrn Grafen für b.e Niederlage nicht büßen lassen, | welche Sie sich selbst bereiteter. Bitte erwarten Sie : mich an der Gcsä«anißrhür, in einigen Augenblicken ! werde ich dort bei Ihnen fein."
Koleüff entfernte sich nach diesen Worten, nachdem er an Fedora Worte der tiefsten Erkenntlichkeit und
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Februar.
* Dar deutsche Kaiserpaar nimmt Kuraufenthalt in Abbazia wegen der Kaiserin, welche in letzter Zeit eine Entziehungskur mit Erfolg gebrauchte, aber sich etwas angegriffen fühlt. Kaiser Wilhelm dürfte feine Ausflüge zur See in der Adria bis Corfu aukdehnen.
* Ei» Aufruf zum Besten der Hinterbliebenen der auf dem Panzerschiff „Brandenburg" Verunglückten, unterzeichnet von der Prinzessin Heinrich, als Vorsitzende des Baterläudischm FrauenvereinS zu Kiel, wird veröffentlicht; eS heißt darin: „Die staatliche und genossenschaftliche Unterstützung, die gesetzlich auch nur einem Theile der von dem Unglück betroffenen Familien zu Gute kommen kann, wird nicht genügen, ihnen die Roth dauernd und völlig fern zu halten. Die freie LiebeSthätigkeit kann und muß hier helfend em- treten, und ich bin überzeugt, daß gar viele milde Herzen mit offener Hand die Pflicht der Nächstenliebe freudig erfüllen werden." — SS muß bei dieser Gelegenheit nochmals betont werden, sagt die .Germania', daß für die Hinterbliebenen derjenigen Verunglückten, welche in Marinediensten standen, selbstredend das Reich zu sorgen hat und sorgen wird. Für die Angehörigen Derjenigen aber, welche weder auf diese noch auf genossenschaftliche Hilfe und Unterstützung Anspruch hatten, müssen die Arbeitgeber resp. Gesellschaften, in deren Auftrag die umS Leben Gekommenen auf dem Kriegsschiffe weilten und dessen Probefahrt witmachien, in vollem Maße sorgen. ES Ware doch ein starkes Stück, wenn zu Gunsten dieser Gesellschaften, die meist recht hohe Dividenden machen, der öffentliche Klingelbeutel rund geschickt würde. Damit ist allerdings nicht gesagt, daß Jemand, der sich angetrieben fühlt, für die Hinterbliebenen eine Gabe zu spende», dies unterlasse solle; nur dürfen dadurch Diejenigen, deren moralische Pflicht eS ist, für die ihrer Ernährer Beraubten zu sorgen, von dieser Pflicht nicht entbunden werden.
* Gestern ro. rbe vomBundesrath der Gesetzentwurf über die Aufhebung des Identitätsnachweises von der Tagesordnung abgesetzt, weil sich noch einige materielle Schwierigkeiten ergeben haben. Der Entwurf wird voraussichtlich erst nächste Woche im Bundesrath berathen werden, aber im Reichstage schwerlich vor Erledigung dis russischen Handelsvertrages auf die Tagesordnung gesetzt werden.
* Im Betreff der Silber - E»q«ete ist Gcheim- haltung der Verhandlungen nur insolange proklamirt, als nicht die Stenogramme in der Korrektur gelesen und in der nächsten S tzuog genehmigt sind. Sodann erfolgt sofort die Publikation der Verhandlung.
* Heute fand unter dem Bo sitze des Präsidenten der R-'.chsbank Dr. Koch eine Sitzung des Central- Ansschuffes der Reichsbauk stark, in der vorbehaltlich der Genehmigung der RerchskauzlerS beschlossen wurde, eine Gesammt-Drvldende von 7,53 °/o zur Ser» theilung zu bringen.
Ergebenheit gerichtet hatte. Ich blieb also mit der jungen Lame allein.
„Ich weiß sehr wohl," sagte fr, „welchen Werth die Versprechungen eines Koleüff besitzen, aber die Ueberlegenheit der Waffen, welche wir besitzen, ist nicht so groß, um ihm ohne Gefahr trotzen zu können. Sein Ansehen wurzelt tief, und ohne Kampf würde er nicht unterworfen werden können. Wenn sich die Großen streiten, werden aber bekanntlich die Kleinen vernichtet. Leider find Sie eben einfacher Verbannter und wiegen als solcher im Streit recht wenig. Unter allen Umständen müssen Sir gerettet werden. Zum Glücke steht Koleüff unter dem Banne der Furcht vor uns, und auf diese stelle ich einzig und allein meine Rechnung."
Nach diesen Worten veradsLiedete fie sich von mir und ging hinaus, nicht ohne mir zu versichern, daß sich dir Gefängnißthüre bald vor mir offnen werde. Und wüklrch: Nach einigen Minuten erschien der Ge- fängnitzwärter und kündete mir au, daß ich frei sei.
D 8 anderen Tages sah ich F-dora. Sie ihn lte mir mit, daß Koleüff eine Jospekt onSreife von einigen Tagen unternommen habe und alle Vorbereitung en getroffen seien, um mich vor seinen Häschern sicher zu stellen, nicht nur so lange der G nerol in Irkutsk weile, sondern auch, falls er geröthigt sein sollte, die Siabt zu verlassen.
Diese Abreise war also eine Möglichkeit, mit