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Mittwoch, den 21. Februar 1894.
21. Jahrgang
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Friedrich Wilhelm-IV. über die Offiziers-Misch- eh en zurückzunehmen. Diese Gegenüberstellung ist \
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Für den Monat März werden Abonne- ments auf die ___
symptomatisch für die Praxis des „neuen Kurses" gegenüber den Katholiken. Man tritt immer liebens
würdig gegen sie auf; das „Reichsfeind"-Schimpfeu, wie eS zu Bismarcks Zeiten üblich war, hat aufgehört. A«S den Spalten der ober-offiziöfen ,Nordd. Allg. Ztg/ kliuge» den Katholiken keine Kriegserklärungen, sondern Friedensworte und freundliche Urtheile entgegen. Stellen aber die Katholiken berechtigte Forderungen, so werden dieselben rund, wenn schon in höflicher Form, abgeschlagen. Auf unsere Paritätsforderung wird nicht eingegangen, die Forderung der Aufhebung des JesuitengefetzeL wird abgelehnt, und nun foll sogar noch diese alte KabinetS - Ordre beibehalten werden. Dar ist ein starkes Stück! Gründe find natürlich wohlfeil wie Brombeeren, und was man sagt über die Bedenkltchkeir eines Gelöbnisses, von dem ein Offizier nicht wisie, „ob er e» werde halten
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Februar.
* Der Kaiser ist um 2 Uhr 20 Minuten mittelst SonderzugeS nach FriedrichSruh abgereist.
* Der.Reichsanzeiger' schreibt: Die vom Reichs- Marineamte eingeleitete technische Ermittelung der Ursache der Unglücks auf der „Brandenburg" ergab zunächst als sicher, daß das Personal des Schffts und der kaiserlichen Werst in jeglicher Beziehung seine Schuldigkeit gethan hat. Maschine und Kefl-l waren sachgemäß bedient.
* Die Entscheidung des Bundesraths über die Frage der Aufhebung des Identitätsnachweises und der Staffeltarife wird, wie die ,R. A. Z/ erfährt, nicht gleichzeitig mit der über dm russischen Handelsvertrag, sondern erst später getroffen werden, so daß auch dem Reichstage zunächst nur der Handelsverttag zugeht.
* „Worte und Thaten". Unter dieser Ueber- schrift bringt die ,Köln. BolkSztg.' einige sehr treffende Bettachtungm. „Die ,Nordd. Allg. Ztg/ — so schreibt das rheinische Centrumsblatt — lobt hmte in allen Tonarten den Fastenhirtenbrief deS Fürstbischofs von BreSlau; ebenso stellt sie den Hirtenbriefen der Erzbischöfe von Köln und Gaeseu-Posen ein sehr günstiger Zeugniß aus, dagegm konnte in der Budget- Kommission der Reichstags der Regierung- - Bertteter, Minister v. Bronsart, nicht die Bereitwilligkeit der Regierung erklären, die bekannte KabinetS • Ordre
vor» allen Poftanstalten, Landbriefboten, Zeitungsträger« und von der Expedition (Harmonie) znm Preise von 50 Pfg. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
Aach Sibirien verbannt.
8on Louis Callas. Mit Genehmigung deS Verfassers in'S Deutsche übertragen von Ph. Freibank.
(25. Fortsetzung.)
Selbstvergessen und von der harmonischen Natur in Schlaf gewiegt, soß ich immer noch da; dunkle Nacht war der Dämmerung gefolgt und immer noch blieb ich sitzen, ohne von der Flucht der Stundm eine Ahnung zu haben.
Plötzlich vernahm ich da- kaum hörbar.. Geräusch eines Bootes» da- auf dem See daherglitt und cm Ufer anlangte; er bewegte sich so geräuschlos, al? ob die Ruder mit Stoff umwickelt wären und landete mitten zwilchen Felsen, wo die Fischerboote niemals anzulegen pflegten. Das Murmeln von Stimmen drang an mein Ohr; plötzlich vernahm ich einen durchdringenden Schrei, dem ein Fall, wie wenn ein Körper m's Waffer geworfen würde, folgte. Ich lauschte lauge mit aller Aufmerksamkeit, doch hörte ich nichts weiter. Später glaubte ich ein Geräusch zu hören, wie es ein geschickter Schwimmer macht, welcher seine Anwesenheit zu verbergen sucht. Der Mensch schien nach der Richtung hin zu schwimmen, wo ick saß.
Ich stieg hinab zum See, um ihm Hilfe zu leisten. In dem Augenblicke, als ich bei der Keinen sandigen Bucht anlangt-, wo ich annahm, daß der Mensch landm müsse, stand ich ihm bereits gegenüber. Als et mich erblickte, stieß er einen leichten Schrei aus.
können", verdeckt doch die Thatsache nicht, daß diese s Kabinets'Ordre die Wirkung hat, die katholische Trau- | ung von Offizier- * Mischehen zu verhindern, und die s protestantische Trauung derselben zu fördern, denn da | man auch nicht will, daß die Offiziere sich blo- stander-
amtlich trauen lasten, bei katholischer Trauung aber eine Maßregelung erfolgt, bleibt nicht- übrig, al- die protestantische Trauung. Die Annahme ist berechtigt, daß die Regierung auch anderen katholischen Forderungen gegenüber einfach ablehnend sich verhalten wird. Diese Methode ist gerade die entgegengesetzte, als die Bismarcks. Wenn Fürst BiSmarck ein kirchenpolitisches Zugeständniß machte, so geschah da-stets unter furcht- baten Ausfällen gegen das Centrum. Der Kanonendonner der,Rordd. Allg. Ztg, war bestimmt, feinen Rückzug zu decken, bezw. zu maSkiren, zugleich aber die Rarionalliberalen und Freikonservativen, welche die Konkurrenz der Centrumspartei fürchteten, zu beruhigen.
: Allein dem Fürsten BiSmarck kam wenigsten- nichts I darauf an, den Katholiken ein Zugeständniß oder auch i mehrere zu machen, wenn es ihm gerade in seine ; politischen Cirkel paßte. Die Staatsmänner de- „neuen Kurses" bewilligen einfach nicht-, dagegen stecken sie ihre Ablehnung in eine Attrappe von Zucker« werk und sagen nicht polternden Tone-, sondern mit verbindlichem Lächeln Rein. Mit einer solchen Politik kann man sich zwar eine Zeit lang „durchfretten", schließlich aber werden die Katholiken bei fortgesetzter Weigerung der Regierung, ihre berechtigtsten Forderungen zu erfüllen, doch mehr al- ungeduldig werden.
* Der Reichstag beriech den Gesetzentwurf betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege in erster Lesung, wobei Abgg. Müller (srs. Bp.) und Gröber (Kon.) einige Ergänzungen für nötdig erklärten. Die zweite Berathung de- Entwurfs findet ohne kommissarische Borberathung demnächst im Plenum statt. Dann wurde die Berathung de- Etats der Schutzgebiete mit dem Etat für Kamerun fortgesetzt. Pänz Areuberg konstatirte als Referent der Kommission, daß nach übereinstimmender Ansicht bet» felben die Meuterei in Kamerun durch unzweifelhafte Mißgriffe hervorgerufen sei. In den ganzen dortigen Vorgängen liege eine Blamage für Deutschland, Kanzler Leist müsse, wenn sich die vorliegenden Nachrichten bestätigten, di-z plivansch bestraft werden. Abg. Graf Arnim (Rp.) betonte die Nothwmdigkeit einer Aenderung deS jetzigen Systems unserer Kolvnialpolitik, verurtheilte die Vorgänge in Kamerun, die Programmlosigkeit der Regierung in Kolonialsachen und ben Verzicht auf die wichtigsten Punkte im Hinterlande von Kamerun in dem Vertrage mit Frankreich. Reichskanzler Graf Caprivi erwiderte, daß wir uns durch letzteren Vertrag Gegenden gesichert haben, die nie eines Deutschen Fuß betrat. Die Untersuchung der Kameruner Vorgänge sei im Gange; jedenfalls habe eine Meuterei nicht vorau-gesehen werden können. Einer Aeußerung de- Grafen Arnim gegenüber bemerkte der Reichs-
„Fürchten Sie nicht-," sagte ich, „e- ist ein Freund, der Ihnen zu Hilfe kommt."
„Herr Graf Steinbtck, Sie sind es? Gott fei Dank!" sagte der Fremde, der mich an der Stimme erkannt hatte.
Es war Stephan Lipan-ki, welchen Fedora mit meiner besonderen Ueber- und Bewachung betraut hatte.
Ich wollte ihn suSfragen.
„Richt hier," sagte er; „fliehen wir, denn wenn sie merken, daß ich ihnen entkommen bin, werden sie mich verfolgen. Sie dürfen un- nicht hier finden; e- wäre forst um uns geschehen."
Da ich die Fußpfade zwischen den Felsen genau kannte, so führte ich meiner. Gefährten nach einer Stelle, wo nicht mehr zu befürchten war, daß sie ihn erwischen konnten. Bon da aus bemerkten wir einige Schatten hin und her huschen und vernahmen Stimmen, welche geheimnißvolle Worte austauschten. ES war unS klar, diese Menschen glaubten, daß derjenige, dm sie suchtm, umgekowmm sei. S-e entfernten sich endlich in der Richtung nach Irkutsk.
LiPanSki zitterte vor Frost, doch wagte ich nicht, ihn nach meiner Wohaung zu führen. Ich eilte daher selbst dahin und brachte ihm Kleider nach der Grotte, ; wo ich ihn unkerzebracht hatte. Dann bestürmte ich ihn mir Fragen über daS Abenteuer, das er erlebt ; hatte.
Er erstattete folgenden Bericht:
„Da ich beauftragt war, über Sie zu wachen, so
kanzlet, er schätze Wißmann ebenso hoch als Graf Arnim selbst. Abg. Haffe (nl.) bedauerte die mit England und Frankreich vereinbarten Verträge betreffs die Hinterländer von Kamerun, wandte sich gegen die diesen Verträgen zu Grunde liegende Theorie, wonach die Okkupation der Gebiete über deren Besitz ent- scheiden soll. Abg. Beckh (frs. Bp.) brachte den Fall deS Premierlieutenants Bolkamer zur Sprache, der von der Verwaltung im Stich gelassen und infolge dessen zu Balinga in grausamer Weise ermordet worden sei. Direktor der Kolonialabtheilung Kayser vertheidigte da- deutsch-französische Abkommen über daS Kameruner Hinterland und bestritt, daß daS beklagenswerthe Ende BolkamerS durch ein Verschulden von Außen her veranlaßt sei und die Berwaltung dafür ein Vorwurf treffe. Abg. Bebel verwarf die ganze Kolonialpolitik, deren der deutsche Handel nicht bedürfe. Wmn sich Frankreich in Afrika festlege, könnte unS daS nur recht fein, denn je mehr es geschehe, um so weniger hätten wir von ihm zu fürchten. Redner schilderte dann den von der Firma Mölbe und Brohm betriebenen Sklavenhandel und verlangte strafrechtliche Ahndung. Weiter- berathung morgen. Zum Schluß theilte Präsident v. Levetzow noch mit, daß der Handelsvertrag mit Rußland eingegangen sei.
• Betreffs der zur Ersetzung des Wemstmer-Projektes bestimmten Flascheuweiusteuer - Borlage soll die Besteuerung bei dem Preise von 1 M. per Flasche beginnen; die Erhebung soll durch Stempeldänder erfolgen, welche, weil über dem Kork angebracht bei der Oeffnung der Fasche zerstört würden. Der Plan scheint sich noch in den ersten Stadien der Erwägung zu befinden. Bei dieser wird mit in Betracht zu ziehen sein, daß vielfach auch Privatleute ihrm Bedarf an Weinen, die per Flasche einen höheren Werth als 1 M. haben, in Gebinden kaufen und selbst in Flaschen füllen.
* Eine empfindliche Lektion hat die Strafkammer deS Berliner Landgericht- I dem österreichischen Anarchisten Dr. Gumplowicz, einem Sohne de- bekannten Staatsrechtlehrers Professor G. in Graz, ertheilt. Derselbe hatte in einer am 22. Januar ungehaltenen Arbeitslosenversammlung den Staat eine gesetzlich geschützt Räuberbande genannt. Als daraufhin der überwachende Polizeilieutenant die Versammlung auflöste und den Gumplowicz verhaften wollte, widersetzte sich dieser mit Gewalt. In der Verhandlung bekannte er sich rückhaltlos zum Anarchismus. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefänguißstrafe von einem Jahre, damit dem Angeklagten beigebracht werde, daß Berlin keine Abladestelle für derartige Elemente fei. Der Gerichtshof aber ging über den Antrag hinaus, weil durch die Aufreizung in einer Versammlung von 2500 Arbeitslosen schwere Folgen hätten entfielen können, und bemaß die Strafe auf anderthalb Jahre Gefängniß.
* Der Erzbischof von Stablewski von Posen wurde, wie man der »Schles. Ztg/ von angeblich gut unter
mußte ich, ohne ihren Verdacht zu erregen, Ihnen nahe sein. In dem Augenblick, in welchem ich Sie von Wertem beobachtete, erblickte ich Koleieff, welcher äußerst behutsam zwischen den Felsen schlich; leise folgte ich ihm und erreichte einen Ort, wo ich chn ungestört belauschen konnte. Ich sah alsdann, wie sich eine Barke dem Ufer näherte; derselben entstieg ein Mann, mit welchem er sich, nachdem sie vorher geheimnißvolle Erkennungszeichen ausgetauscht hatten, lange unterhielt. Diese Zeichen waren mir sehr auffällig. Ich erinnerte mich der Genossenschaft der SclopiS, unter welchem Namen alle jene zahlreichen geheimen Gesellschaften bezeichnet find, welche einig sind in ihrem Haffe gegen den Zar und die orthodoxe Kirche. Einige Erinnerungen stiegen mir bei längerem Nachdenken auf. Die stumme Zeichensprache, welche fte anwachten, war die der gefährlichen Sekte der RaSkols
„Aber wie kam eS, daß Koleieff in diese Geheimnisse der Sekte eingeweiht war? Ja seiner Kindheit al- Leibeigener und später als Polizeiagent konnte er sehr leicht Beziehungen mit diesen Geheimbündlern erlangt haben, aber nichts drstoweuiger mutzte eS ein wichtiges Interesse sein, daß ihn zum Eintritt in diese von der Regierung mit dßn schwersten Strafen bedrohte Sekte konnte veranlaffen. Ich beschloß zu bleiben; nach einer lebhaften Unterhaltung brstiez er, in dichtes P:lz« werk verhüllt und dadurch uakeamlich gemacht, da- Boot, welche- sich dann nach dem östlichen Ufer des See'S in Bewegung setzte.