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JW 39 Sonntag, dm 18. Februar 1894. 21. Jahrgang

FuldaerWZciiiüig

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Sie sah sich an ihr Händchen Ihr Händchen zart und klein; Wie glitzerte am Finger Im Ring der Edelstein.

Die junge Gräfin meinte. Dar sei die schönste Hand Und die begehrmswerth'ste. Die man bei Frauen fand.

Ich hab eS auch bewundert, Dies Händchen klein und zart, Doch eine- fand ich schöner Da- war ganz and'rer Art.

War eine Hand, die schwielig Und von der Arbeit roth. Die hart und rauh geworden Im Kampfe um das Brot.

Die lang in Treu gepfleget Den armen kranken Mann, Die Kinder chm erzogen, Sie selbst emährt noch dann.

Wie kann mit der sich meffen .Der Gräfin zarte Hand,

Trotz ihrer Lilienweiße Trotz ihrer Ringe Tand?

Erscheint täglich, Sonn» und l ««teljährlicher «bonnrment-preiS ohne

Mach Sibirien verbannt.

Bon Louis CollaS. Mit Genehmigung deS Verfassers in'S Deutsche übertragen von PH. Freidank.

(23. Kvktsetznng.)

11.

An den Ufern der Baikalsee's.

Es ist ein alter Erfahmngrsatz, daß, wenn ein blutdürstiges Raubthier feiner Beute nächstem, diese ivstinktuläßig, ohne den Feind zu sehen oder zu hören, die drohende Gefahr fühlt und vorsichtig wird. So erging eS mir in Beziehung auf meinen alten Feind Koleieff. Bei jedem Geschehnifse gedachte ich seiner Feindschaft; ich wußte ganz genau, daß ich überwacht werde. Um es kurz zu machen, so fühlte ich, daß Koleiest mich nicht auS den Augen ließ und bereits die Hand erhoben hatte, um mich wieder in feine Gewalt zu bringen.

Em Brief Fedora'S bestätigte meine Bermuthungen.

„Nehmen Sie sich in Ach!," schrieb sie mir, „denn Sie werden von einem unversöhnlichen, unbarmherzigm Feinde verfolgt; die Sorgfalt, mit welcher das Netz gewoben wird, mittelst besten Sie gefangen »erben sol­len, beweist, daß man Si; fürchtet, Sie fallen unter allen Umständen vernichtet werden. Doch wachen Ihre Freunde über Sie und sind bemüht, die Fäden, welche unablässig an dem für Sie bestimmten Netze gestrickt werden, so viel als möglich zu zerschneiden.

„Aber sind sie nicht mächtig genug, um diese Pläne offen zu vernichten? fragen Sie. Leider nicht. Mein Vater wird beschuldigt, durch seine Milde und Ver­söhnlichkeit die allerhöchste Gewalt bloßgestellt und ge­schwächt zu haben. Sein durch die beinahe unbeschränkte Gewalt Koleieff'r an und für sich fchon fehr geschwäch­ter Einfluß ist stark erschüttert, sein Ansehen schwan­kend, und wenn man die Zurückhaltung seiner früheren Schmeichler als Gradmester ansehen darf, so glauben diese Leute an einen nahen Sturz.

„Wir müssen daher die kurze Zeit, welche uns noch verbleibe« wird, ausnutzen, um unseren Freunden hel­fen zu können. ES ist mir endlich gelungen, zu Helena und ihrem Gemahl durchzudringen. Welch' eine be­wunderungswürdige Frau! Welche Selbstverleugnung, welche Hingebung und heldenmüthige Aufopferung be­sitzt sie! Ich habe sie in diesem von Ungeziefer wim­melnden, einer Kloake ähnelnden Lager, das sie mit so vielen Anderen theilt, gesehen; mein Herz vrach mir beinahe. Und in all' diesem Elende, in all' dem Jam­mer denkt sie nicht an sich, sondern nur an den Mann, den sie liebt."

F - „Der Verstand Ladislaus', schon! stark erschüttert durch die Anstrengungen der Reise,hat den letzten SchicksalSschlägen nicht Stand halten können; er ist vollständig unzurechnungSsähig, erkennt Niemanden mehr und öffnet nur den Mund, um unzusammenhängende Worte an Gebilde seiner Einbildung zu richten. Seine Wahngebilde^entspringen seiner Chrraktereigenschast, der Eitelkeit. Er leidet an Größenwahn und spricht von fürstlichen und königlichen Ehren, welche ihm zu er­weisen seien, von seinen Ministern und Untertanen. Ist er zu beklagen? Nein, nicht, ihn bemitleide ich zunächst.

„Jch'habe eS durchgesetzt, daß er durch einen Spezial­arzt beobachtet wird. Er befindet sich jetzt in einem Hause der Vorstadt von St. Michael, wo er von seiner Frau gepflegt wird.

„Er scheint, daß meine Eltern gegen Ihre«Freund einen persönlichen Groll hegen, weil er einen Theil der Schuld trägt, daß zwischen ihn« so lange Jahre die bekannte tiefe Verstimmung herrschte; aber Sie kennen ihre Herzen zu genau, um zu wissen, daß darin auf die Dauer gegen einen Mann, der so grausam vom Schicksal heimgesucht worden, kein Groll Platz finden kann. Ohne Jemandes Borwiffm haben sie dem Un­glücklichen Alles zugebilligt,^wa« sein hartes Loos mil­dern konnte.

„Koleieff hat Ladislaus besucht; er [blieb lange dort, um angesichts seiner OpserS in Muße den Triumph feines HaffeS zu genieß«. Der Unglückliche hat seine« Peiniger nicht erkannt und die spöttischen Redensarten nicht verstanden, mit welchen ihn derselbe überschüttet bat; er hielt ihn für einen der Gesandten, welche a« feinen Hof gefandt worden. Sollte man annehmev können, daß Koleieff von einem gewiffm Mitleiden be­

wegt wurde, oder glaubte er nun sein Rachewerk voll­endet? Ich weiß eS nicht; aber gegen mein Erwarten hat er seins Einwilligung ertheilt, daß die beiden Gatten einstweilen in ihrem Asyle verbleiben dürfe«, bis ihre Gesundheit eS erlaubt, über ihr künftiges Schicksal end» giltig zu bestimme«.

„Beruhigen Sie sich also, was Ihre Freunde be­trifft, ist für dieselben vorläufig kein neues Unglück zu befurchten. Aber denke« Sie an die Gefahren, welche Sir bedrohen. Ich schließe meinen Brief mit denselben Worten, mit denen ich ihn begonnen habe: „Haben Sie Acht!"

Koleieff nahm seinen ständigen Aufenthalt in Ir­kutsk, nachdem er vorher alle die Verbannt«» welche er hierher begleitet hatte, ihren verschiedenen Be­stimmungsorten zugetheilt hatte; die meisten kamen in die Minen von Rrrschinsk und in die schrecklichen Ge­fängnisse von Kartaga in der Nähe drs stillen OzeanS. Irkutsk war der Mittelpuntt, von welchem er seinen schrecklichen Wirkungskreis sich vornahm. Diese Stadt paßte andererseits zu seinen Plänen verzehrenden Ehr­geizes. Hier konnte er bequem alle die Fäden zu einem Netze verweben, in welchem er seine Feinde und Neben­buhler zu vernichte« gedachte. Zugleich konnte er an diesem Knotenpunkt des Handels Schätze sammeln, indem er sich die Kaufleute deS unendlichen Reiches zinSpflichtig machte.

Uebereinftimmenbe Symptome, welche ich beobachtete, sagten mir, baß sich über meinem Haupte ein Gewitter zusammenziehe; dunkle Gerüchte tarnen mir zu Ohren und mit leiser Stimme raunte man sich, daß mir Ge­fahr drohe. Aber Koleieff war ein umsichtiger Mann, welcher mit Vorsicht operirte, feine Zeit auswählte und sich wohl hütete, feine Pläne zu gefährden, indem er ihre Ausführung überstürzte.

Obwohl ein Verbannter außerhalb des gemeinen Rechts steht, dergestalt fogar, daß sich feine in Ruß- land zurückgebliebene Frau wieder verheirathen darf, weil er als politisch tobt gilt, so fühlte Koleieff sehr wohl, baß er gegen mich alle Rücksichten zu nehmen hatte, baß ein brutaler Schlag unmöglich war.

Die Gunst, welche General Apraxin mir zuwanbte, war in seinen Argen eine schwere Sünbe; doch mußte er betreiben Rechnung tragen, bis zu bem Augen­blick, wo er dieses Hinderniß zu beseitigen sich stark genug fühlte.

Unter der Bevölkerung von Irkutsk zählte ich viele Freunde. Die Familie«, welche mich als Hauslehrer ober unter sonst einem Titel in ihr HauS ausgenommen hatten, brachten mir lebhafte Sympathien entgegen. Selbst Russen, ausgenommen natürlich biejenigen, bei welchen ein ehrgeiziges Streberthum jedes andere Be­fühl erstickt hatte, vergaßen, daß ich Pole und Ver- banntet war, und bezeugten mir ebenso viel Hoch­achtung wie herzliches Entgegenkommen. Bei Hoch und Niedrig war ich beliebt und angesehen, ebenso bei den Eingeborenen. Diese besaßen von Civilisation und Christenthum bloß einige Spuren. Und ich gab mir häufig genug Mühe, dieselben in den Geist des Christen- thums und der Bildung einzuführen, ein Unternehmen, bas auf fruchtbaren Boben gefallen war.

Das allgemeine Anfehe«, baS ich mir während meines Aufenthaltes in Irkutsk erworben hatte, war eineStheilS geeignet, mich bei mißtrauischen Behörden verdächtig zu machen, andererseits verlieh eS mir eine Stärke, wäche meinen besonderen Feind Koleieff zur Vorsicht mahnen mußte.

Mit äußerster Vorsicht und zaudernd belauerte er mich wie die Katze bie'MauS, in Geduld abwartend, bis ich mir durch Begehung irgend einer Unvorsichtig­keit eine Blöße gab, welche er zur Befriedigung feines HaffeS anSvutzen konnte.

z z General Aprax'm, welcher eine Zeit lang vermieden hatte, mich zu fehen, ließ mich damals zu sich rufen. Ich fand chn sehr verändert; seine Gesichtsfarbe wat bleich und seine abgemagerten Züge trogen Spuren große« Leidens und tiefer Entvmthigung.

yS „Nehmen Sie Platz", sagte er zu mir, nachdem er mir herzlich die Hand gedrückt hatte.

Et blieb dann einige Augenblicke rotzig und nach­denklich sitzen.

„Wir find in schwierige Zeitverhältnisse eingetreten", sagte er endlich.

IP* ,3ch weiß es wohl, Herr General, ich bin auf alles vorbereitet."

„Daran zweifle ich nicht. Sie habe« dmch Jhrro Muth und Ergebung des Beweis geliefert, baß Sie

allen weiteren Prüfungen gewachsen sind. p

wir unterliegen, dürfe« wir nichts veroachläffigen, um ben Kampf gegen schwere Schickungen mit Kraft auf­nehmen zu können."

„Dieser Koleieff", fuhr bet General fort, „ist bei­nahe allmächtig; man hat ihm äußerst behnbare unb daher gefährliche Vollmachten ertheilt, Vollmachten, welche ihn jeben Augenblick, sobalb es ihm beliebt, zu mir in Gegensatz bringen können. In gewöhnlichen, ruhigen Zeiten würbe ich über ihn ben Sieg davon tragen; man würde im Falle eines Streites uns beide« Unrecht geben. Aber heute weht in den höheren Regionen der Wind des Zornes über die polnische Revolution und deshalb würde dieser Apostel deS Hasses den Sieg davon tragen. Nichtsdestoweniger würbe ich den Kampf aufnehmen» wenn es sich nur um meine Person handelte. Fedora, welche nur ben Eingebungen ihrer HetzerrS folgt, wünschte, baß ich bem Manne offen entgegen trete. DaS würde aber einfach bedeuten, demselben offene Bahn zu schaffen. Deshalb dämme ich meinen Stolz zurück und greife zur sicheren Waffe der Klugheit. Damit werde ich wenigster S fo viel Zeit gewinnen, daß die von ihm avserfehenen Opfer bem Manne nicht zu frühe auf (grabe ober Ungnade überliefert werden. Nützen wir daher all<s aus, war wir mit unserer Ehre unb & ürbe in Einklang bringen können.

(Forts, folgt.)

vermischtes.

§ So weit verbreitet die Liebhaberei für unsere einheimi­sche« Vögel sich zeigt, so ist es doch eine bekannte Thatsache, daß die Züchtung derselben in Bogelstube und Käfig bei Weitem nicht so leicht gelingt, wie die zahlreicher fremdländischer Arten. Es gibt unter unseren bekanntesten einheimischen Vögeln nur wenige, die sich der Züchtung im Zimmer bereits zugäng­lich gezeigt haben, und jeder einzelne Erfolg in dieser Hinficht erregt selbst in den Kreisen der erfahrenen Bogelpfleger Aufsehen. In Nr. 6 der Zeitschrift ,Die gefiederte Welt', Wochen- schrift für Bogelliebhaber, -Züchter und -Händler, herausg. von Dr. Karl Ruß (vierteljährlich M. 1,50), ist nun eine solche gelungene Züchtung, die bisher noch Niemand geglückt war, ein» gehend beschrieben. Es handelt sich um einen der bekanntesten und schönsten gefiederten Bewohner unserer heimischen Fluren, der indessen als Stubenvogel nur wenig gehalten wird, die Bachstelze. Die lebensvolle Schilderung des Brutvorgangs, der Aufzucht der Jungen u. a. dürste für alle Vogelfreunde von höchstem Interesse sein. Außerdem enthält die Nr. 6 noch: Ein­bürgerung fremdländischer Wachteln in Deutschland: Ernste Fragen auf dem Gebiet der Kanarienvogelzucht; Briefliche Mit­theilungen (einzelne interessante Erscheinungen in der Bogelpflege betreffend); Anfragen und Auskunst; AuS den Vereinen; Vom Bogelmarkt. Ein Bild der Bachstelze und ihrer nächsten Ver­wandten ist beigegeben. ,

* (Ein Riesenfaß.) Man schreibt aus Par iS: Das Heidel- Bergei Faß ist „untergetaucht" und bleibt nur noch ein Fäßchen im Vergleich mit dem Monstrum, das soeben in der Pariser Weinhalle, dem größten Stapelplatze deS Rebensaftes, den die Welt kennt, fertiggestellt wurde. Dieses Riesenfaß saßt 850 Hektoliter und seine Höhe erreicht 7 Meter. Die Dauben, auS einem Stück gezimmert, werden von 16 eisernen Reifen zusam­mengehalten. Die Originalität dieses Meisterwerks der Böttcherei besteht jedoch in seiner Einrichtung. DaS Faß der Pariser Wein­halle wird nämlich durch Bretter in fünf ungleich große, herme­tisch gegen einander abgeschloffene Abtheilungen geschieden, welche es ermöglichen, fünf verschiedene Weinsorten einzufüllen, ohne daß sich die geringste Mischung vollzieht. Diese Füllung wird durch eine Lustdruckmaschine, einen neu konstruirten Dampsheber, vorgenommen, der den Wein in ungeheuren Schläuchen aufsaugt und in den ihm bestimmten Behälter leitet. Sin Ascenseur,führt zu den kleinen Thüren, die in der Faßwand angebracht find und den Arbeitern Zutritt gewähren, die dieses Gefäß zu reini­gen haben. DaS Faß wiegt leer 11,000 Kilogramm und 96,000 Kilogramm, wenn eS seinen Inhalt empfangen haben wird.

* Die kluge Mutter. Backfisch (im.Theater): „Mama, der Lieutenant da drübeu sieht mich fortwährend an!" — Mutter: „So sieh weg . . . aber recht freundlich!"«

* Einverstanden. Bermietherin: „Herr StudivsuS, ich mache Sie nun noch aufmerksam, daß vor allem bei mir tue Miethe pünktlich bezahlt werden muß; mein voriger Mrether, auch ein Student,ist mir den Zins zwei Monate schuldig geblieben — da hab' ich ihn einfach 'rauSgefchnnssen 1 — Student: „Gut, ich bin mtt Ihren Bedingungen vollständig em- verstanden!''

Die zarte Hand!