JW 38
Samstag, den 17. Februar 1894.
21. Jahrgang
iildaer
mm
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
* Die deutschen Zölle Rußland gegenüber find, falls der Handelsvertrag die Genehmigung des Reichstages findet, folgende:
a) Getreide (bie Angaben verstehen sich auf 100 Kilogr.): Weizen 3 50, Roggen 3,50, Hafer 2,80, Buchweizen 2, Hülsenfrüchte 1,50, andere, nicht besonders genannte Getreidearten 1, Gerste 2, Raps, Rüb- faat, Mohn, Sesam, Erdnüsse und anderweit nicht genannt« Orlfcüchte 2, Leinsaat frei, Mais 1,60, Malz (gemalzte Gerste) 3,60, Anis, Koriander, Fenchel uns Kümmel 3, Cichorien, getrocknet (gedarrt) 0,80 Mk, Erzeugnisse des Landbaues, anderweit nicht genant frei.
b) Holz (auf 100 Kilogr.): Holzborke und Ger- berlobe frei, Bau- und Nutzholz: roh oder lediglich in der Querrichtung mit der Axt oder Säge bearbeitet oder bewaldrechtet, mit oder ohne Rinde; eichene Faßdauben 0,20; in der Richtung der Längsachse beschlagen oder auf anderem Wege als durch Bewalvrechtung vor- gearbeitet oder zerkleinert; Faßdauben, welche nicht unter 1 fallen; ungeschälte Korbweiden und Reifenstäbe; Naben; Felgen nnd Speichen 0,30; in der Richtung der Längsachse gesägt; nicht gehobelte Bretter; gesägte Kanthölzer nnd andere Säge- und Schnittwaaren 0,80; grobe, rohe, ung färbte Böttcher-, Drechsler-, Tischler- und bloß gehobelte Holzwaaren und Wagnerarbeiten, mit Ausnahme der Möbel von Hartholz und der four- sirten Möbel; geschälte Korbweiden: grobe Korbfiechter- waaren, weder gefärbt, gebeizt, lackirt, polirt noch gefirnißt; Stuhlrohr, gebeiztes oder gespaltenes 3; Spahngeflechte, ungefärbt 1, Hornplatten und rohe bloß geschnittene Knochenplatten 1,50, Holz in geschnittenen Fourniren; unverleimte, ungebeizte Parquettbodentheile, seine Korbflechterwaaren 30, Spahngeflechte, gesärbte, 10 Mark.
c) Bieh (per Stück) und thierische Produkte: Stiere und Kühe 9, Ochsen 25,50 (Anmerkung zu c). Für Bewohner deS GrenzbezirkS dürfen unter den vom Bun- deSrath vorzuschreibenden besonderen Kontrollen Zugochsen von 21/, bis 5 Jahren zu dem Zollsätze von 20 Mark für 1 Stück eingeführt werden, sofern fte zum eigene« WirthschaftSbetriebe nachweislich nothwendig find), Jungvieh im Alter bis zu 2^/, Jahren 5, Kälber unter 6 Wochen 3, Schweine 5, Spanferkel unter 10 Kilogr. 1, Schafvieh 1, Lämmer 0 50 Mk. Thiere und thierische Produkte, nicht anderweit genannt: Lebende Thiere und thierische Produkte, anderweitig nicht genannt; ferner Bienenstöcke mit lebenden Stetten frei. Die folgenden Artikel verstehen sich wieder zu 100 Ka- Eier von Geflügel 2 WM., Butter, auch künstliche, 16, Fleisch, auSgeschlachteter, frisches, mit Ausnahme von Schweinefleisch, 15, Schweinefleisch, auSgeschlachteter, frischer, und Fleisch, zubrreiteteS, mit Ausnahme von Speck, frisch oder zubereitet 17, Fleischextrakt, flüssiger, und Tafelbouillon 20, Fische: mit Essig, Del oder Gewürzen zubereitete, in Fässern eingehend 12, Federvieh aller Art, nicht lebend, 12, Wild aller Art, nicht lebend 20, Kaviar und Kaviar-Surrogate 150, Hartkäse in
Mach Sibirien verbannt.
Lon LouiS CollaS. Mit Genehmigung der Verfassers in'S Deutsche übertragen von PH. Freibank.
(22. Fortsetzung.)
LadiSlauS hatte, wie er meinte, in seiner Liebe i eine Enttäuschung erlebt, vor allem fühlte er sich in i seiner Eigenliebe verletzt, und diese Wunde war für : ihn vielleicht schmerzlicher als die erstere; er hatte sich fest vorgenommen, an seinem ersten Urtheil nicht rütteln zu lasten. Dann batte -r sich in eine Reche von Zerstreuungen und Vergnügungen geworfen, znerst auS Bedürfniß. seinen Kummer niederzukämpfeu und später, »m seine Selbstvorwürfe zum Schweigen zu bringen.
Später hatte er Gelegenheit, die schwarze Seele Koleieff'r vollständig zu würdigen, als er erfuhr, daß dieser selbst ehemals die Hand Helena'S begehrt, aber einen Kord erhalten hatte. Bei irgend welchem guten • Willen hätte er sich nun von der Unschuld feiner ; Gemahlin vollständig überzeugen können; aber er > suchte diese Ueberzeugung nicht. Er wollte sein tolles j Leben nicht aufgeben und sich ins Unrecht setzen, er j wollte aber auch nicht als schwacher, nachsichtiger Gatte gelten.
Die arme Frau litt in diesem Lebensabschnitt auf t dar Grausamst«, und doch kam niemals ein Wort der ■ LorwurfS oder der Bitterkeit über ihre Lippen. Ihre 1 eigenen Worte über LadiSlauS laste ich hier folgen:
mühlsteinförmigen Laiben, das Stück im Gewicht von mindestens 50 Kilogr. 15, anderer Käse 20 Mark.
d) Anderweitige Gegenstände (wo nichts angeführt ü 100 Kgr.). Obst, Sämereien, Beeren, Blätter, Blüthen, Pilze, Gemüse, getrocknet, gebacken, gepulvert, bloß eingekocht oder gesalzen, alle diese Er- zeugnifle, soweit sie nicht unter andern Nummern des Tarifs begriffen find; Säfte von Obst und Beeren zum Genuß ohne Zucker eingekocht 4, Mühlenfabritate ans Getreide und Hülsenfrüchten, nämlich geschrotene oder geschälte Körner, Graupe, GrieS, Grütze, Mehl; gewöhnltcheS Backwerk (Bäckerwaare) 7,30, Rückstände, feste, von der Fabrikation fetter Dele, auch gemahlen frei. Schmalz von Gänsen, sowie andere schmalzartige Fette, als Oleomargarin, Sparfett (Gemisch von talgartigen Fetten mit Del), RindSmark (beef marow) 10. Fischspeck, Fischthran 3, Talg von Rindern und Schafen, Knochenfett und sonstiges Thierfett, anderweit nicht genannt 2, ungebleichtes ober gebleichtes Halbzeug aus Lumpen frei, ungebleichter oder gebleichter Halbstoff zur Papierfabrikation aus Holz, Stroh, Esparto oder anderen Fasern, graues Lösch- und gelbeS rauheS Stroh- popier, Pappe mit Ausnahme der Glanz- und Lederpappe 1, Packpapier nicht unter b oder d begriffen, ungeglättet 3, Packpapier, geglättetes 3, Glanz- und Lederpappe, Preßspäne 6, Druck-, Schreib-, Lösch- und Seidenpapier aller Art, sowie lithographirteS bedrucktes oder lininteS vorgerichtetes Papier zu Rechnungen, Etiquetten, Frachtbriefen, Devisen usw. 6, Gold- und Silberpapier, Papier mit Gold- oder Silbermuster: durchschlagene« Papier; ingleichen Streifen von diesen Papiergattungen, Malerpappe 10, Pelzwerk (Kürschnerarbeiten) : überzogene Pelze, Mützen, Handschuhe, ge» fütterte Decken, Pelzfutter und Besätze und dergleichen 150, fertige, nicht überzogene Schafpelze, desgleichen weiß gemachte, nicht gefärbte, nicht gefütterte Angoraoder Schaffelle, ungefütterte Decken, Pelzfutter und Besätze 6, SeidenkokonS; Seide, abgehaspelt (unfilirt, Grez«) oder gesponnen (filirt); Floretseide, gekämmt, geiponnen oder gezwirnt; alle diese Seide nicht gefärbt, auch Abfälle von gefärbter Seide frei, Seidenwatte 24, Waaren aus Seide oder Floretseide, in Verbindung mit Metallfäden; Waaren aus Seide gemischt mit anderen Spinnmaterialien und zugleich in Verbindung mit Metallfäden 800, Waaren aus Seide oder Floretseide 600, Steine, roh oder bloS behauen, auch gemahlen frei, Mühlsteine auch mit eisernen Reifen frei, Wolle, rohe, gefärbte, gemahlene; ferner Haare, nicht anderweit genannte, rohe, gehechelt, gesotten, ge» färbt, auch in Lockenform gelegt frei, Tuchleisten frei, grobe unbedrvckte, ungefärbte Filze 3, unbedruckte Tuch- und Zeugwaaren, soweit sie nicht zu Ziffer 7 oder 8 gehören: im Gewicht von mehr als 200 Gramm auf den Quadratmeter Gewebefläche, mit Ausnahme der hierunter besonders anfgeführten 135, rohe Filztücher aus Wolle, auch in Verbindung mit Baumwolle ober Seinen, endlos gewebt zur Holzstoff-, Strohstoff-, Cellulose- unb Papierfabrikation 100, bedruckte Waaren,
„Ihm fiel eS leicht, sich zu betäuben, denn er war nicht glücklich; sein Charakter war beweglich nnb leicht; ich sah ihn oft sorgenvoll; bald war ein Theil seines Vermögens in alle Winde zerstreut und ich stellte ihm daS meinige zur Verfügung.
„Er schlug mir vor, mit ihm nach Paris zu reifen. Mit wahrer Freude willigte ich ein, denn ich hoffte, daß er dort, in anderer Umgebung wieder zu mir zurückkehren werde. Er fchien sich mir in der That wieder nähern zu wollen und mir dünkte, daß ihn mein stilles Dulden rührte. Ich hoffte, daß sich diese Wiederversöhnung endlich vollziehen werde, als die bekannten Ereignisse von Warschau eintraten. Er beschloß, unverzüglich nach Polen abzureisen. Ich machte den Vorschlag, ihn za begleiten. Er nahm meine Begleitung an, doch nur als Waffenbruder, nicht als seine Gemahlin, mit welcher er des Lebens Schmerz und Freude hätte theilen müssen.
„Ich will Ihnen nicht die Wechselfälle dieses Krieges erzählen; heute fehlt mit vollständig der Muth dazu. Ladislaus benahm sich als Held. Immer stand er an der Spitze der Angriffskolonnen und fügte den Rusien den größten Schaden zu. D, wenn Sie ihn gesehen hätten, wie er unsere ungeübten Scharren den kampfgewohnten, wohlbewaffneten russischen entgegen» führte!"
Sa zurückhaltend Helena während ihrer Erzählung in allen solchen Dingen war.Kdurch welche ihr Gemahl
soweit sie nicht zu den Fußbecken gehören, im Gewicht von mehr als 200 Gramm auf ben Quadratmeter Gewebe fläche; ferner Posamentir- unb Knopfmacherwaaren; Plüsche, Gespinnste in Verbindung mit Metallfäden 150, bedruckte Waaren, soweit sie nicht zu ben Fuß» decken gehören, im Gewicht von 200 Gramm ober weniger auf ben Quadratmeter Gewebefläche 220, Leinwand, Zwillich, Drillich, ungefärbt, unbedruckt, ungebleicht: bis 40 Fäden in bet Kette und dem Schuß zusammen auf eine quadratische Gewebefläche von 4 Quadratcent.; Fußbecken aus Manillahanf-, KokoS», Jute- nnb ähnlichen Fasern, ungefärbt 12, Packlein- toonb aus Jute ober Manillahanf, sowie bett biefett gleichstehenden Spinnstoffen (Flachs ausgenommen), ungefärbt, unbedruckt, ungebleicht, bis 40 Fäden in der Kette und dem Schuß zusammen auf eine quadratische Gewebefläche von 4 Quadratcent. 10, Zwirnspitzen 600, Häute unb Felle, rohe (grüne, gesalzene, gekalkte, trockene), zur Lederbereitung, enthaart frei, Felle zur Pelzwerk- (Rauchwaaren-) Bereitung frei.____________
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Februar.
* Der Bundesrath wird den rnsfische« Handelsvertrag erst Montag genehmigen, am selben Tage geht er dem Reichstage zu.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht den einleitenden allgemeinen Theil der Denkschrift zu dem deutsch- rnsfische« Handelsverträge. Darin heißt eS: Bei Prüfung des russischen Vorschlages, Handelsvertrags- Verhandlungen mit Deutschland einzuleiten, kam eS darauf an, ein klares Bild zu gewinnen, wie die Ge» Währung der Meistbegünstigung an die Bodenerzeug- niffe Rußlands auf unsere BolkSwirthschaft wirken würde. WaS die drffentielle Behandlung des russischen Getreides anlange, so fei eS in hohem Maße zweifelhaft, ob dieselbe, wenn sie auch zur Zeit stchergestellt sei, auf längere Zeit sich mit gleichem Erfolge würde durchführen lassen, namentlich im Falle der Ausdehnung des Müllereigewerbes in ben meistvegünstigten Nachbar» länbern. Aber selbst wenn dies zolltechnisch möglich wäre, würde doch der deutschen Landwir thschaft daraus kein Nutzen erwachsen, weil die Annahme, daß daS Fernhalten des russischen Getreides ben Preis der deutschen Bodenerzeugnisse günstig zu beeinflussen geeignet sei, nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht zutreffend sei. Die Denkstrift weist nach, daß die russische Getreideausfuhr bezüglich der von ihr zu erzielenden Preise lediglich von der jweiligen Lage des Weltmarktes und dem Weltmarktpreis abhängig sei. Rußlands überwiegende Stellung bezüglich der Se- treideverforgung Deutschlands wurde seit 1892 erschüttert, Rußland größtentheilS durch koukurrirenbe Produktionsländer ersetzt. Rußland war daher genöthigt, als eS 1893 über einen Ernteüberschuß verfügte, für sein Getreide neue Absatzgebiete zu niedrigen Preisen aufzusuchen. Ja der durch die Unzugänglichkeit deS
belastet schien, so begeistert trat sie für diesen ein, wenn sie von seiner Haltung im Feldzüge gegen die Russen, welche auf ihn ein fo günstig s Licht warf, sprach.
Die schließliche Niederlage war besiegelt, wenn auch einige vorübergehende Ersolge sie mit einem Glorienschein umgaben. Bon einem Benäther irre geführt, stürzte sich LadiSlauS mit unserer Abtheilung auf eine russische Truppe, welche er zu überrumpeln gedachte; wir wurden umzingelt, doch gelang eS den meisten sich zu retten. Plötzlich bemerkte ich, daß LadiSlauS sich unS nicht angeschlossen hatte. Wir suchten nach ihm und geriethen bei dieser Gelegenheit selbst in Gefangenschaft. Wir theilen sein Schick ml und glücklicherweise erhielt ich die Vergünstigung, ihm nach Sibirien folgen zu dürfen.
„Armer LadiSlauS!" DaS war eine schreckliche Reife für ihn, er litt entsetz! ch an dm Folgen seiner Verwundungen, an Uebermübrmg und Entbehrungen; er müßte einen eisernen Körper besitzen, um solche Strapazen ertragen zu können. Keine Prüfung wurde chrn erspart, selbst die Mißhandlungen Koleieff'S mußte er ruhig hinnehmen.
„Dieser Elende hat uns niemals ans den Augen gelassen. Seine Rache nzar vollständig und er schwamm darüber in Wonne. Bald näherte er sich mir und richtete einige leis« Worte an mich, deren Sinn Ladislaus nicht vernehmen konnte, dann ging er wieder zu