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21. Jahrgang

Sonntag, den 11. Februar 1894.

llldilcrMZcitlliig

edelster «nd würdigster Art

Mit Genehmigung des Bersassers frei nach

dem Englischen Gearbeitet yon B. Hammer.

Jllukrirt von Ant. C. Baworowski.

Erscheint in 20 Lieferungen ä 50 Pfg , 0 Alle 14 Tage wird eine Lieferung ausgegeben. ♦

Durch den von Baworowski mit seinem Berständ- niß geschaffenen prächtigen Bilderschmuck wird „Ben Hur" noch mehr als bisher

ei» iüustrirtes Haus- und Familien-Buch

beweisen kann, daß dadurch keine Existenzen ver- nichtet werden oder diesen eine auSreichendeEnt« schädigung geschaffen werden kann. Das Gegentheil zerstört den sozialen Frieden.

„Die Emzelstaaten haben anstatt der schwankenden Mehrüberweisungen eine sest normirte Einnahme von 40 Millionen erhalten." Wir wollen zugeben, daß dieser Umstand bei Feststellung der Etat- der Einzel- staaten inr Gewicht fällt: der Etat kann mit größerer Sicherheit in seinen Ergebnisten veranschlagt und Defizite leichter vermieden werden. Eine gänzliche BesettigMg der Schwankungen in den Einnahmen ist indeß durch den Miquet'schey Plan keineswegs gegeben. Es bleiben die Schwankungen in den Ergebnissen der Eisenbahnen, des BergetatS, der Salinen, der Forsten und Domänen, ja schließlich auch der direkten Steuern, die inSgrsammt mit vielen Millionen sich fühlbar machen und Ueberraschungen bringen können. Besei­tigt wären also für die Einzelstaaten diese Schwankungen keineswegs. Wie aber sähen nun die Berhältniste im Reiche auk nach Durchführung der Finanzreform.

Bisher mußten Fehlbeträge durch die Matrikular- beitrüge der Emzelstaaten gedeckt werden, damit war das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen in allen Füllen gesichert, Schwankungen in den Ein- nahmen vermieden. In Zukunft würde das Reich auf diesen Ausgleich seines Etats einfach verzichten müsten, und damit wären die Schwankungen, die man eben in den Emzelstaaten beseitigt, auf dar Reich übertragen. Und nun denke man sich dm Grad dieser Schwank- ungm beim Reich, daS seine Einnahmen aus den zwei in ihren Erträgnissen stets schwankenden Zöllen- und Verbrauchssteuern zu decken hat, und dessen Ausgaben in steter Proportion wachsen, abgesehen von späteren Mehrausgaben für Heer und Marine, die immerhin noch möglich, zum Theil aber schon durch die bis­herigen Bewilligungen herbeigeführt werden. Jeder Handelsvertrag, der jeweilige Ertrag der Ernte, Han- delSkrism u. s. w. bringen die Einnahmen sofort inS Schwanken, und war würde geschehen, wenn für die Zukunst große Fehlbeträge mtständen.

DaS Reich würde zu neuen indirekten Steuern seine Zuflucht nehmen müssen und daS Erwerbsleben stets vor der Gefahr fortgesetzter Er­schütterungen stehen. Wenn Miquel auSführt, daß die Sicherheit, Deckung für bewilligte Ausgaben in den Matrikularbeittägen zu finden, leicht zu einer wenig sparsamen Wirthschaft führen könnte, so erhellt auf den ersten Blick, daß daS Gegentheil der Fall sein werde.

Heute kann jedes Mitglied des Bundesraths sich darauf berufen, daß jede Mehrbewilligung auch auf die Höhe der vom Einzelstaat zu leistenden Matrikular- beiträge bestimmt einwirkt, er hat seinen Rückhalt an Landtage deS EinzelstaateS, den er vertritt, das stähle ihm daS Rückgrat zum Widerstande gegen Mehr­forderungen. Später wird der Einzelstaat von der Finanzlage des Reiches nicht mehr berührt, er bekommt feine fest normirten 40 Millionen Ueberweifungen, und dann ist jeder Widerstand gegen Mehrforderungen der Reiches gegenstandslos geworden. Die Finanzreform wird also im Reiche eher zum Bewilligen als zum Sparen avleiten und damit ihren Hauptzweck ver­seh lt haben. Wir resumiren unS dahm: Die Finanz­reform ist daS schöne Aushängeschild für die Forderung von 100 Millionen neuer Steuern, nichts weiter.

fein, das unbedenklich jedem Familienangehörigen in die Hand gegeben werden kann.

Empfohlen von der Presse aller Konfessionen.

Lieferung 1 ist vorräthig bei

F. J. Reinhardt

(G. Nehrkorn’sche Buchhandlung), Fulda.

Deutsche Berlags-Anstalt 1« Stuttgart.

Soeben beginnt zu erscheinen eine Jlluftrirte Ausgabe

Vermischtes.

* Ueber die letzten Tage Kaiser Wilhelms I. war vor Kurzem in der Zeitschrift „Ueber Land und Meer" eine Dar­stellung veröffentlicht worden, die auch in der Tagespreffe Be­achtung gefunden hat. „Um der historischen Wahrheit willen" tritt in der ,Boss. Ztg.' A. Engel, Intendant der Garderobe und Kammerdiener a. D. des hochseligen Kaisers Wilhelms I. dieser Erzählung entgegen. In ,Ueber Land und Meer' war be­hauptet worden, der Kaiser sei in seinen Leidenstagen während der Nacht aus dem Bett gestiegen, sei hingefallen und habe längere Zeit hilflos am Boden gelegen, sich in Folge dessen auch eine starke Erkältung zugezogen, die seinen vorzeitigen Tod herbeigeführt. Dem gegenüber erklärt Herr Engel: „Was den Nachtdienst beim Kaiser anbetrifft, so versahen ihn zu gesunder Zeit ein Kammerdiener und ein Garderobier, die eine Treppe tiefer schliefen, während der Krankheit jedoch drei Kammerdiener und zwei Garderobiers, die sich in einem Nebenzimmer des kaiserlichen Schlafzimmers aufhielten. Außerdem hatte noch Nacht­dienst der Oberstabsarzt Dr. Timann, der in einem andern Nebenzimmer weilte." Im Hinblick auf diesen Nachtdienst, der

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspalttge Zelle oder deren Raum 15 Pst» bei Wiederholungen entspreche^er Vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Slerne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mark öv

«sttesbieust-OrdAttng in FrUba.

Sonntag, den 11. Februar.

Dom. Um 5'/-, 6, 6'/., 7*/. Uhr hl. Messen. 9 Uhr Amt und Predigt, um 11 und 1 Uhr Christenlehre, um 2 Uhr Vesper, um 4 Uhr Fastenpredigt und Andacht, um 7 Uhr Predigt und Andacht in der Marien-Kapelle. Während der hl. Fastenzeit: Montag Abends 8 Uhr Fastenpredigt, Freitag Nachmittags 4 Uhr Kreuzweg-Andacht. — Studtpsarrktrche. Um 5 Uhr heil. Messe mit Predigt, um 7 Uhr hl. Messe, um 8 Uhr hl. Messe mit Predigt, um 91/« Uhr Hochamt und Predigt, um 11 Uhr hl. Messe, um 11 und U/s Uhr Christenlehre. Um 3 Uhr Bruderschaft von der Todesangst des Herrn. — MichaelSktrche. Um 10 Uhr hl. Messe. - Hospitalskirche z. hl. Geiste. Um 8 Uhr Amt mit Predigt, um 4 Uhr Andacht mit Segen. — Sodalität. VslO Uhr — Frauenberg. Um 5 und 6i/. Uhr hl. Messen, um 8 Uhr Hochamt, um 2 Uhr Nachm. feierliche Besper.

* Die Parlamente der Einjelstaateu und die Träger der direkten Strmra

sind es, von welche« von der Regierung noch Hilfe er­wartet wird für die Miqaet'sche Steuerfabrik, die, wie die Firma Maas in Mannheim, elend verkracht ist. Wir möchte« dm Herren vom RegierungStiiche rathm, lieber in ihrem eigenen Jntrresi« recht bald GraS wach­sen zu lassen über ihre falsche Politik und ihr Verkennen aller BolkSpsychologie. Es war eine h-illose Verblen­dung, in einer Zeit wirthfchaftlichen Druckes und sogar nach dem wirklichen Hungerwinter von 1891/92 sofort mit der horrmdesten Militärforderung zu kommm, die wir je erlebt haben, dieselbe danv trotz der wider- sprechenden Mehrheit deS deutschen Volkes mit allen Mitteln dnrchzudrücken ohne jede Deckung, dann sogar über die Deckung hinaus nach Steuern auf Vor- rath zu erstreben und außerdem noch die Deckung zu versuchen auf Wegen, welche manche Winzer, manche Kleingewerbetreibende in Tabak und Tausende von Tabak ar beiter« brodloS machen müßten. Ein solches Verfahren ist baar jeder Kenntniß der Volks- läge, jeder Rücksicht auf Volksstimmung, eS zwingt das Volk geradezu in Erbitterung hinein. Wir können der Regierung sagen, daß man selbst in höchsten Beamtenkreisen entrüstete Urtheile hören kann Über die Militärwirthschaft, die niemals ein Ende nehme, die Alles aufzehre, Alles ruinire, und bezüglich der breiten BolkSmaffe« und des Mittelstandes möge die Regierung sich nur mdlich, will sie nicht Millionen neuer Sozialdemokraten schaffen, mit der Erkenntniß durchdringen und danach handel«, daß die Geduld der Völker gegenüber neuen Militärforderungen und Steuern vollständig erschöpft ist. Nach dem offiziellm Zeugniß deS Herrn Miquel sind seit Dielen Jahren schon nicht entfernt bloß „nothwendige" Ausgaben gefordert worden und dabei ist in Regierungskreisen vielfach nach dem Prinzip verfahre« worden, „das Geld ist ja da", wir brauchen bloß Matrikular-Beiträge „aus- znfchreiben!" So lange die.Nordd.' nicht auch ihrer­seits solche Sündenbekenntniffe macht, hat sie noch weniger Recht, als in den Sachm selbst schon, irgend ein Wort des Tadels ober der Mahnung auSzuspreche«.

Herr Miquel sagt ja sogar, gerade wegen jener Mißbräuche in der Verwendung der Volksgelder müsse ein stärkerer Zwang zur Sparsamkeit geschaffen werden, er fängt es aber leider am falschen Ende an. Denn er will ja wieder der Bevölkerung der Einzel­staaten neue 40 Millionen Steuern auf Borrath ab» nehmen, von denen es dann wieder heißen würde, „das Geld ist ja da", das Reich schenkt ja den Einzel­staaten jährlich 40 Millionen. Nein, das einzige Mit­tel, wirklich zur Sparsamkeit zu zwingen und damit auch für die Finanzen der Emzelstaaten Ruhe und Ordnung zu schaffen, das ist, das Reich knapp zu halte«. Das werden auch die Bevölkerungen und Parlamente der Emzelstaaten sehr gut verstehen. Sie Haden lange genug unter den ewigen Steigerungen der Reichsausgaben gelitten, sie werden sich hüten, kleiner vorübergehender, m 2—3 Jahren zu beseitigender Molesten wegen zu hindern, endlich gründliche Abhilfe zu schaffen, indem das Reich knapp gehalten wird. Das gilt auch von den Steuerzahlern. Durch Abstriche amReichsetat und durch neue Bewilligungen wird im Wesentlichen die neue Militärvorlage gedeckt werden, es kann sich höchstens nur um Weniges handeln» was zunächst ungedeckt bleibt, dem gegenüber steht aber der entscheidende Vortheil dauernder Sistirung der bisher so heillos steigenden ReichSforderungen.»DaS soll, wie die»Rat.-Ztg/ triumphirend meldet, in einer süddeutschen Korrespondenz gestanden haben: „Die Idee, den Tabak stärker und in gerechterer Weise heranzuziehen, wird nicht von der Bildfläche verschwin­den, wenn auch der jetzige Entwurf scheitern sollte. Die Tabak-Industrie kommt nicht zur Ruhe, bis die Frage gelöst sein wird." Ja, aber warum denn keine „Ruhe", wenn Volk und Volksvertretung fest bleiben? Wir sind jetzt auf dem besten Wege, endlich, sogar im Allgemeinen mehr Ruhe für die Steuern zu schaffen. Möge da nur Jeder helfen und nicht stören. Möge man aber vor Allem noch bedenken, daß man nicht das Recht hat, allgemeine Lasten auf einen einzelnen Erwerb zu legen, wenn man nicht

stets mit gespannter Aufmerksamkeit verrichtet wurde, liege daS Unwahrscheinliche der Erzählung vollständig aus der Hand. „Bei dem geringsten Geräusch, daS im kaiserlichen Schlafzimmer ent­standen wäre, hätte sofort einer der mit gespannter Aufmerksam- leit wachenden Kammerdiener oder Garderobiers die Thür ge­öffnet und seinem kaiserlichen Herrn Hilfe geleistet."

* (Ein Brief von Anno 14.) Der .Deutschen Verkehrs­zeitung' ist von einem Leser ein an den Feldmarschall Blücher gerichtetes Schreiben, welches die Feldpost betrifft, zur Verfügung gestellt worden. Der Bries hat folgenden Inhalt: „Allerunüber­windlichster Feldmarschall General, Herr General Vorwärts Excellenz; liebwerthester Herr Blücher. Verzeihen Sie, Excellenz, Liebwerthester Herr Blücher, General Vorwärts, daß ich als un­zeitige Geburt es wage, an Sie zu schreiben; aber ich kann mir nicht helfen; es ist wegen meinem Traugott; ich bitte Sie um alles in der Welt, liebster Herr Blücher Excellenz General Vor­wärts, was ist das für eine infame Confusion mit dem Feldpost­amt, ich habe meinen Traugott bei den Gardejägern, er kennt Euer Excellenz Vorwärts genau und gut, schon zweimal habe ich ihm Zulage geschickt, aber er hat nichts bekommen. Ich bitte Euer Excellenz demüthigst, corrigiren Sie die Kerls doch einmal, aber nach alter preußischer Manir, Sie verstehen, wie ich's meine, das wird gewiß helfen, denn es ist um die Schwer- noth zu kriegen, wenn man den Kindern, die sür's Vaterland streiten, was schickt, und sie nichts bekommen. Euer Excellenz werden den Kerls doch ein Donnerwetter auf den Hals schicken, deshalb habe ich es Ihnen geschrieben, denn ich weiß schon, daß mit dem Alten nicht viel zu spaßen ist, Euer Excellenz unüber­windlichster Feldmarschall General Vorwärts genannt, lieb­werthester Herr Blücher, ich verbleibe Ihr unterthänigster Schorn­steinfeger Matthias Keller, Schweidnitz 1814." Wie der Gewährs­mann mittheilt, hat Fürst Blücher auf dieses Schreiben ge­antwortet, und zwar kurzer Hand auf dem zweiten Blatte des Briefbogens. Leider ist dieses Blatt abhanden gekommen.

* (Bor der Saison.) Hausarzt: . . . Gnädige Frau können ganz beruhigt sein — Sie haben keine Spur von einem Leberleiden!" — Dame (die für Karlsbad schwärmt): „Liebster, bester Herr Doktor wenn ich Sie aber darum bitte!"

* (Ganz einfach.) Professor: „Herr Kandidat, wenn Ihnen Jemand heut' diese Krankheit, morgen jene nennt, an der er leiden will — wie würden Sie den behandeln?" — Kandidat: „Saugrob, Herr Professor!" (Fl. Bl.)

* (Annonce.) Eine Wittwe, die bereits drei Töchter ver- heirathet hat, wünscht auch ihre jüngste an einen braven Manu zu verheiratben. Referenz: Die drei Schwiegersöhne.

* (Vorsichtig.) „Tante, ißt Du gern Pfeffernüsse?" — Oh ja, mein Kind!" - „Dann will ich meine Düte lieber einem Anderen zum Aufbewahren geben!" .

* (Immer gemüthlich.) Gast: „Nehmen Ste's mir nicht übel, Herr Wirth, das Beefsteak ist aber unglaublich klein!" — Wirth. „I nee, mei Verehrtester, wo werd' ich denn Ihnen das iebel nehmen!" ,

* (Bestimmte Auskunft.) Fremder: „Was ist das für ein Haus?" — Dienstmann: „Dös is a Eckhaus!"

______von_______

Eine Erzählung aus der Zeit Christi von

Lew. Wallace.

Ben Hur