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Samstag.
eine Wendung, die selbst dem Grafen Mirbach zu weit zu gehen schien. Daß die angekündigte Entquete nicht auf theoretische Tiefsinnigkeiten, sondern auf praktische Vorschläge hinausgehen soll, ist gewiß richtig. Aber schwerer ist zu verstehen, warum die Regierung über» Haupt die Frage aufwirft, ob Deutschland allein in der Lage sei, durch gesetzgeberische Maßregeln den Silberpreis zu heben. Deutschland fällt weder als Produzent noch auch für die nächste Zeit als Verbraucher in die Wagschale. Durch unser« alten Thaler»
bestand sind wir so reichlich versorgr, oap wir jajmeuiaj bald in die Lage kommen können, Silber in erheblicher - Menge zu kaufen. Die Preishebung durch Berminde» rung der Produktion, auf welche schließlich alles ankommt, hängt von Nordamerika ab. Graf v. Mirbach hat zweifellos Recht, wenn er ohne weiteres eine internationale Abmachung als unbedingt noth» wendig bezeichnet. Ist eine solche Abmachung zu er» reichen? Wenn nicht mit Emschluß Englands, dann wenigstens für die andern Hauptstaaten? Wer darauf baut, der muß doch immer noch anerkennen, daß viel Zeit zu einem solchen Vertragsabschluß erforderlich ist. Eine Abhilfe gegen augenblicklichen Noth» stand in Folge dls PreiSdruckeS ist also hierin nicht zu finden. DaS erkennt auch Graf Mirbach an, indem er zur vorläufigen Aushilfe die bewegliche Zoll- skala gegenüber Rußland vorschlägt.
Auch das Bö rf enge setz ist nicht im Handumdrehen zu machen. Und wenn es endlich fertig ist, so bleibt doch abzuwartev, ob die Einschränkung der Produktenbörse bald eine preissteigerr.de Wirkung hat. Es mehren sich die Stimmen, welche von den Vorschlägen der UntersuchungS»Kommission sich in dieser Hinsicht nicht viel versprechen. Frhr. v. Durant wies z. B. auf dieselbe Gefahr hin, die wir schon zur Erörterung gestellt haben, daß daS „Register für Termin- geschäste" einen privilegirten Spekulanten-Rivg schaffen
könne. . _ , ., .
Die Aufhebung des Jdentltäts-NachweifeS würde wohl schneller die Preisbildung beeinflußen. Aber nicht überall in derselbenRichtnng. Im Westen und Süden erwartet man davon einen weiteren Druck auf die Preise, und zwar erst recht, wenn auch die Staffeltarife beibehalten werden, was die östlichen Vorkämpfer unbedingt verlangen. Die Maßregel würde, wie Graf Mirbach anerkennt, auf die Gleichheit der Preise im Osten und Westen hinaus- kommen; diese Gleichheit aber fürchtet der Westen als eine Schädigung, weil et höhere Produktionskosten hat. Ob nun im Osten durch die Aufhebung des Identitäts- Nachweises dem Landwirth bald und dauernd ein höherer Verkaufspreis gesichert wird, wird von vielen bezweifelt. Freiherr von Schoilemer - Alst meint, die Händler und nicht die L-ndwirthe würden das Fett abschöpfen. Jedenfalls steht fest, daß die Aufhebung des Jdentitäts»Nachweises nicht zu erreichen ist ohne den russischen Vertrag. Alle Versuche der Grafen Mirbach und Genossen, den Brnf der of.preußischen BereinS-AuSschusses harmlos za inteipretiren, ändern
nichts an der Thatsache, daß man die Otffnung der rusiischen Grenze in den Kauf nehmen muß, wenn man die Bortheile der Aufhebung der JdentitäS-Nachweises haben will. So lange der Differentialzoll besteht, bleibt der Identitäts-Nachweis. Ferner ist eS zweifellos, daß die sogen. Solidarität der ganzen deutschen Land- wirthschaft in die Brüche geht, wenn dieser Ziel weiter verfolgt. Darüber hat die Rede des Freiherrn von Schorlemer-Alst volle Klarheit geschaffen. Endlich ist wohl zu brachten, ob nicht die Aufhebung des Identitäts- Nachweises den Börsenspekulanten eine neue Daumschraube gegenüber der Landwirthschaft liefert. Er wird ihnen dann leichter, im Herbste, wenn der Landwirth verkaufen muß, fremdes Getreide in Massen heranzuziehen, um den Preis zu drücken, und später, wenn daS Getreide in ihren Besitz gekommen ist, mit Hülfe der Exportvergütung die Aursuhr so zu steigern, daß die Preise starr in die Höhe gehen. Je leichter beweglich dar Getreide gemacht wird, desto stärker die Macht der Händler.
Die bewegliche Zollskala im Anschlüsse an den Rubel-KurS, von der Graf Mirbach seine Abstimmung über den russischen Handelsvertrag abhängig machen will, wird ebenfalls der Spekulation neue Nahrung bieten. Die Matadore an der Produktenbörse werden dann schon den RubelkurS machen, um erst ihr russischer (Betreibe billig hereinzubekommen und später, wenn die hohen Preise wohl ihnen, aber nicht mehr ben brutschen Lanbwirthen oder Müllern nützen, den Nachschub theuer zu machen. Unsere Setreibepreise vom Rubelspiel an bet Börse abhängig zu machen, baS heißt in brr That den Bock zum Gärtner und das Spekulantenthum zum Brodherrn der Landwirth- schaft machen.
Gegen den gegen-wärtigen Nothstand mußte der Minister schließlich nur die Steigerung der Produktion zu empfehlen. Die mtensive Wirthschaft erfordert aber leider erhöhte Geldaufwendungen. Somit war da» Tröstliche in der ganzen Debatte der letzten Tage der Schluß der Rede SchorlemerS: Dte Landwirthfchaft habe schon noch schlimmere gelten durchgemacht, man möge den Kopf oben behalten, darm sei schon viel gewonnen.
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^“sie^n st e Gruppe bilden die Reformen, welche ihrer Natur nach nut langsam ihre Wirkungen äußern können, also zwar eine bessere Zukunft versprechen, aber die Noth der Augenblickes, die sich hauptsächlich aus den zeitigen niedrigen Preisen ergibt, nicht lindern können. Dahin gehören die von der Thronrede ange- kündigten Reformen: Errichtung von LanbnmthschaftS- Kammern, Umgestaltung des SchuldenwefenS nach dem Prinzip der zu amortifirenden Rentenschuld, Einführung des Anerbenrechts zur Vermeidung der Ueberlastung durch ErbtheilungSschulden. Diese großen Pläne finden allseitig (bis auf die Manchester»Fanatiker) levhaste Sympathie; doch gibt eS noch viele Hüibermsse und Klippen, auf die namentlich Freiherr v. Schorlemer-Alst in seiner besonnenen, abwägenden Rede hinwies. Em ZwangS-Anerbenrecht findet nicht überall, z. B. nicht im Rheinlande, die erwünschte Gmndlage in den Gitten und Verhältnissen; die mit der Schuldreform verbundene Beschränkung der Kredituahme kann vielleicht dm stark verschuldeten Lanbwirthen unangenehm werden und die Ueberwindung schlechter Jahre erschwerm. Die Landwirthschafts - Kammern werden msthelfen mäßen, daß für die zweifellos richtigen Prinzipien überall die rechte Form der Ausführung gefunden wird. Diese Kammern können sich auch erfolgreich bethätigen in den weiteren Reformen dieser Gruppe, die im Herrenhause erwähnt wurden; gedechliche Ausführung des Renten- güter-GesetzeS, Heimstätten-Sesetzgebung, Vorsorge gegen Verschleuderung beiSubhastattonen, Ausbau der Absatz» Wege für die Landwirthschaft (Kanäle, Kleinbahnen).
Auf die zweite Gruppe (schnell wirkende Maßnahmen gegen den jetzigen Nothstand) hatte es die Interpellation Manteuffel abgesehen. Bon dem Fragesteller und seinen Frmnden wurden erwähnt: 1) Währungsreform zur Hebung des SilberwercheS, wovon man eine Hebung der Preise für die landwrrth- schaftlichmProdukte erwartet; 2) ein Börsengesetz, daS den Einfluß der Börse auf die Preisbewegung em- schränkt; 3) die Aufhebung deS JdentitätS-Nach- Weiser, und zwar unter Beibehaltung der Staffel- Tarife und dazu 4)-provisorisch eine Zollskala nach dem Rubelkmse gegenüber Rußland.
Zur WährungSfrage lautete die Erklärung der Regierung sehr mtgegmkommend; ja, sie enthielt sogar
Uach Sibirien verbannt.
Bon Louis Colla». Mit Genehmigung der BerfafferS m'S Deutsche übertragen von PH. Freidank.
(10. Fortsetzung.)
Der General blickte seiner Tochter nach; sein Blick ruhte a«S der Thüre, durch welche sie verschwunden war und ein liebevolles Lächeln verklärte seine Züge; man sah, daß sie für ihn der Gegenstand der zärtlichsten Fürsorge war. Endlich bemerkte er mich wieder und wurde so zu seinen amtlichen Obliegenheiten zurückgeführt, welche er ganz vergeßen zu haben schim.
„Verzeihen Sie/ sagte er, „daß ich Sie vergeffm habe."
Dann schrieb er rasch einige Worte auf ein Blatt Papier, läutete einer Ordonnanz und befahl ihm, indem er ihm daS Schriftstück übergab, mich zu dem Posten, ben er bezeichnete, zu verbringen.
Im HerauSgehen erblickte ich die Tochter deS GmeralS, wie sie sich mit ihrer Voliere beschäftigte; ich ging vorüber, ohne sie anzusehen. Die Leicht- Herzigkeit, mit welcher sie über gleichgültige Dinge plauderte, während von der Unterhaltung mit ihrem Pater dar Glück ober Unglück einer Gefangenen abhing, hatte mich gegen sie eingenommen.
DaS Silberbergwerk, bem ich zugetheilt war, lag w dem Gebirge südlich von Jrkatrk, und befand sich
* Die Maßnahmen jum Kesten der Dandmirthschast.
In den Parlamenten ist in der lrtzten Zeit eine so große und bunte Reihe von Haupt» und Nebenhilsr- Mitteln besprochen worden, daß daSZurechtfinden Manchem
nicht weit von der Stadt entfernt; cS war seit mehreren Jahren in vollem Betrieb und galt für sehr reich an Mineralien. Der Direktor des Bergwerks war ein junger Jngenieuroffizier. Er fand mich nicht stark genug, um unterirdisch beschäftigt zu werden, was mich sehr glücklich machte. Denn der Betrieb unter der Erde ist weit gefährlicher, anstrengender und ungesunder.
Ich wurde der Erzwäscherei zugetheilt, welche unter militärischer Aufsicht wie der ganze Bergwerksbetrieb stattfand. Abends zeigte ein Trommelsignal den Schluß der Arbeit und den Beginn der Hauptmahlzeit an. Die Nacht mußten wir in Baracken verbringen, welche von Ungeziefer wimmelten und in denen man von mephitifcheu Düsten beinahe erstickte.
Ohne jede Kriecherei (hat ich bereits zwei Wochen Dienst, ohne zu dem leifeftm Vorwurf Anlaß zu geben, alr mich der Direktor während der Arbeit beobachtet.
„Es ist erstaunlich/ sagte er mir, „Sie stellen sich weit geschickter wie Ihre Kameraden an, man sollte beinahe meinen, Sie hätten ähnliche Arbeiten schon früher verrichtet."
„Sie sind mir tn der That auch nicht fremd, antwortete ich. , ,
p»aben Sie schon tn Bergwerken gearbeitet?
»Nein, aber ich habe einige Studien im Bergfache gemacht."
„Wo benn?"
ÄÄ bestand stob »ir fo rei ner»it schwerlich
gefaßte Ueberstcht über bie Frage zu geben suchen, indem ' die Laae kommen können, Silber m erhebliche, wir die besprochenen Maßnahmen in zwei Gruppen scheiden nach der erwarteten Schnelligkeit ihrer
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Januar.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht einen Erlaß des Kaisers an ben Reichskanzler, worin bet Kaiser hervorhebt, daß er bei dem Eintritt in ein neues Lebensjahr, daS der 25jährigen Zugehörigkeit zur Armee, durch die mannigfachen Beweise treuer Liebe Seitens des deutschen BolkeS, das mit den Fürsten wetteiferte, den Kaiser an dem Doppelfesttage zu ehren und zu erfreuen, beglückt worden sei. Innige Be- stiedignug gewähre es dem Kaiser, aus den schriftlichen und telegraphischen Glückwünschen wahrzunehmen, wie die von allen patriotischen Herzen dem Feste entgegen» gebrachte freudige Theilnahme durch den Bffuch deS
„In der Bergakademie zu Paris, in den Gruben des Harzes in Deutschland, tn CornwalliS und Wales in England."
DaS schickt sich ja wunderbar; Sie können mir da gute Dienste leisten und werden sich dabei gewiß nicht schlecht stellen. Wenn man unS solche Arbeiter schickt, wie Sie, darf man nicht mehr sagen, daß die Regierung den Bergbau vernachlässigt."
®r führte mich dann in den verschiedenen Werken zur Ausbeutung dex Erze umher und konnte sich so überzeugen, daß ich sowohl theoretische als praktische Kenntniffe besaß und mit den verschiedenen Prozessen der Verhüttung vollständig vertraut war. Er zeigte mir Erzproben, ich konnte mit Leichtigkeit ihr Vorkommen, ihren Gehalt und ihre Abbanwürdigkert be»
war eine höchst brauchbare Hülfkkrast und brauchte deshalb bald nicht mehr gleich einem gewöhn- lichen Handarbeiter thätig zu sein. Man beschäftigte mich theilS in den BureauS, theilS damit, meine früheren ArbeitSgenoffen, zu beaufsicht'gm. Einige Spitzbuben, die ich entdeckte, einig-. Nachweisungen über höhere Erträgnisse, die sich später bewährten, erhöhten mein Ansehen. .
Der Gouverneur schenkte m r, ohne auS seiner ; Reserve und der Kurzangebundenheit seines WesenS ' herauSzutreten, mehrmals die Ehre seiner Unterhaltung