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j\@ 23 Dienstag, den 30. Januar 1894. 21. Jahrgang

ßuldakrMZeitllng

fterhtm, für die schleunige Bekanntmachung und Aus- führung dieses Erlasses Sorge zu tragen.

* Anläßlich des heutigen Geburtstages des Kaisers wurden u. A. dekorirt: Der Handelsminister Frhr. v. Berlepsch und der Staatssekretär im Reichspost­amt Dr. v. Stephan mit dem Rothen Adlerorden mit Eichenlaub; Fürst Karl Egon zu Fürstenberg zu Donaueschingen den Rothen Adlerorden 1. Klasse, der Gesandte am bayerischen Hofe Graf zu Eulen­burg mit der Kgl. Krone und der Stern zum Rothen Adlerordev 2. Klasse mit Eichenlaub, der Reichstags- abaeordnete Graf v. Hollstein mit dem Rothm Adler­orden 2. Klaffe mit dem Stern und Eichenlaub, Fürst Ferdinand Radziwill mit dem Rothen Adlerorden 2. Klosse mit dem Stern, da- HerrenhauSmitglied Graf von der Schulen bürg mit dem Rothen Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Schwertern am Ringe und der König!. Krone, der LandeSdirektor von Hannover Frhr. von Hammerstein-Loxten mit dem Rothen Adlerorden 2. Klasse mit der Kgl. Krone, der Präsident deS Ober-KirchenratheS D.Barkhausev, FürstLexiS zu Bentheim-Bentheim, der Präsident der physi­kalisch-technischen Reichsanstalt Geh. Rath Dr. von Helmholtz und das Herrenhausmitglied Graf von Schönburg-Glauchau mit dem Kronenorden 1. Klasse, Geh. Rath Prof. Dr. Hinzpeter mit dem Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern u. A. Die kommandirenden Generale deS 10. und 7. Armeekorps GmerallirutevantS v. Seebeck und v. Goetze wurden i zu Generalen der Infanterie befördert. Der Gouverneur von Metz Generallirutenant von Holl eben erhielt dm Charakter als General der Infanterie.

• Rach allen bisherigen Meldungen tft der Besuch deS Fürste« Bismarck am kaiserliche« Hofe und in Berlin ohne jeden Mißton und ohne jeglichen störenden Zwischenfall verlaufen. Trotzde» kurz bemessenen Aufenthaltes deS Fürsten im königlichen Schlosse haben sich dennoch viele fälschliche Nachrichten hinsichtlich der Personen, die er empfangm und mit denen er mtime Zwiesprache gehalten haben soll, verbreitet. Einige Berliner Morgeublätter wissen Langes und Breite» über den Empfang der Grafen Caprivi beim Fürsten zu erzählen und knüpfen daran selbstverständlich »hochwich- tige“ politische Kombinationen. Nun hat Fürst BlS- l marck aus dem militärischen Gefolge und von den Mml- ' stern keine einzige Persönlichkeit empfangen außer den ! Grafen Lehndorff. Wester wußte mau zu berichten und sogar das „Wolff'sche Telegraphen-Bureau" verbreitet - diese Nachricht. Fürst Bismarck habe in den ihm zu- z gewiesenen Gemächern ein Diner gegeben. Da» ist falsch. Die Veranstaltung dieses DinerS, zu dem auch die beiden Söhne des Fürsten Einladungen erhalten hatten, ging vom Kaiser ans und sie trug den Charakter einer Hoftafel. Alle Dispositionen bis in die klen sten Einzelheitm hinein sind mit Umgehung des Hofmar- fchaüamteS vom Kaiser persönlich getroffen worden. Sehr feierlich verlief befonderS der Empfang im königlichen Schlosse, wo im ersten Zimmer, welches Fürst Bismarck betrat, das ganze „militärische Haus" Aufstellung ge­nommen hatte und im zweiten Zimmer die Herren deS

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Januar.

* Das heutig- Geburtsfest des Kaisers wurde allenthalben irn Reiche festlich begangen. In Berlin hatte sich eine ungewöhnliche große Zahl erlauchtete Gratulanten zusammengefunden, so daß die große Auf- fahrt ein Bild gewährte, wie eS selten noch in solchem Glanze gesehen wurde. Bei der Gratulation deS enge- - ren HofeS erschienen die Prinzessinnen deS Königlichen Hauses sowie alle erlauchten Damen mit duftenden? Blumeuspenden. Solche waren u. A. auch von dem ? Könige und der Königin von Italien eingesendet wor- i den. Die regierenden Fürsten der auswärtigen Mächte • hatten theilS schriftlich theilS telegraphisch gratulirt. - Bei der GratulativnScour, der ein feierlicher GotteSdtenst . in der Schloßkapelle vorauSgeganqen war,-begrüßte der « Kaiser den Reichskanzler Graf Caprivi mit Handdruck und sprach ihn in huldvoller Weise an. Bei der Cour umstanden den Kaiser der König von Sachsen in der Uniform deS 2. Garde-Ulanen-Reg., der König von . Württemberg in dem Paradeatilla der Leib-Garde- ; Husaren, der Großherzvg und die Großherzogin von ToLcana, die Großherzöge von Hessen und Oldenburg, sowie die übrigen Fürstlichkeiten. Während der Cour feuerte die im Lustgarten aufgefahrene Leibbatterie deS 1. Garde-Feld-Artillerie-Reg. den Königesalut von 101 Schuß, in den sich die Geläute der Glocken mischten. Im Anschluß an die GratulativnScour empfing der Kaiser eine Abordnung deS OsfizierkorpS deS Regiments der GardeS du Korps, an deren Spitze der Regiments­kommandeur Prinz Friedrich Leopold dem Kaiser einen Pallasch überreichte. Rach der Cour begab sich der Kaiser mit seinen fürstlichen Gästen zur großen Parole- AuSgabe nach dem Zeughause, auf dem ganzen Wege vom Publikum lebhaft begrüßt.

* DaS Armee - Berordnungs - Blatt vom heuttgen Tage veröffentlicht nachstehenden allerhöchsten Gnaden­erlaß: „Ich will den Tag, an welchem Ich tute 25jährige Militär-Dienstzeit vollende, hinsichtlich Meiner Armee durch einen Att der Gnade anSzeichnen und folgende, innerhalb des Bereichs der preußischen Militär- Verwaltung von militärischen Vorgesetzten oder von Mlitärgerichten verhängte Strafen, soweit am 27. Januar dieses Jahres noch nicht oder noch nicht voll­ständig vollstreckt sind, hiermit in Gnaden erlassen: 1.) alle im DiSziplmarwege verfügten Arreststrafen, sowie die in den Fällen des § 28 der Disziplinär- Strafordnung für das Heer auferlegten HZtstrafen oder Geldbußen, 2 ) die wegen militärischer Vergehen gerichtlich anerkannten Arreststrafen, sofern die Strafen vier Wochen gelinden oder drei Wochen mittleren oder vierzehn Tage strengen Arreste» nicht übersteigt. Aus­geschlossen bleiben jedoch diejenigen Militärpersonen, gegen welche a) wegen vorschriftswidriger Behandlung ober Mißhandlung Untergebener (§§ 121, 122 des Militär-StrafgesetzbucheS), b) wegen Diebstahls ober Unterschlagung auf Grund der § 138 a. a O., c) neben bet Arreststrafe auf eine militärische Ehrenstrafe erkannt worden ist. Ich beauftrage da^lkriegS-Mini-

Uach Sibirien verbannt.

«on Louis Calla». Mit Genehmigung des BerfafferS in'S Deutsch« übertragen von Ph. Freidank.

(7. Fortsetzung.)

An drolligen Vorkommnissen fehlte e» nicht; die Schwachheiten und Absonderlichkeiten meiner Leiden»- genossen bildeten für mich den Gegenstand deS Studium» und der Zerstreuung: man gewöhnt sich an alle», selbst an die peinlichsten Lagen. Je mehr wir unS unserem ■ Reiseziel nahten, um so weniger Sorgfältig gestaltete j sich unsere U-berwachung und, da wir nicht sehr zahl- | reich waren, so hatten mehrere von unS zu einander t vertraulichere Beziehungen angeknüpft; ich hatte mich an einen Moskauer Journalisten angeschlossen, der zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt worden war, weil er trotz der Abmahnung der Behörden einige Maßnahmen der russtschen Regierung scharf kritisirt hatte. Die Unterhaltung mit ihm war für mich sehr interessant, weil er Land und Leute genau tonnte und mir werthvolle Ausschlüsse über die russische Regierung geben konnte.

Wir waren in eine gebirgige Gegend gelangt, in die Borberge de» Altai mtb des Gebirge- von SayadSk, welche gegen Norden sich in die sibirische Ebene herab- jenken. Wir pasfirten oft enge Schluchten, welche

Civil-KabinetS. Im dritten Zimmer fchritt der Kaiser auf den Fürsten zur herzlichen Begrüßung zu. Dann verblieb der Kaiser einige Minuten im vertrauten Ge- spräch mit dem Fürsten, bis die beiden ältesten kaiser­lichen Söhne, der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz, sich in Uniform als jüngste der Armee beim Fürste« als einen General-Oberst der Armee meldeten. Fürst Bismarck war durch diese ehrenvolle und zugleich sinnige Art der Begrüßung aus'» Tiefste gerührt. Ueber da» GesprächS-Thema beim intimen Frühstück zu 3 Gedecke« dürfte wohl kaum jemals etwas in die Oefientlichkeit dringen. Wie versichert wird, betrat aber Fürst Bis­marck «ach dieser vertrauten Unterredung in frohester Stimmung die ihm angewiesenen Gemächer. Um 4 Uhr stattete er bet Kaiserin Friedrich einen Besuch ab, wo­bei ihm sowohl bei der Hin- wie bei der Rückfahrt Ovationen dargebracht wurden. Bei der Hostafel zeich­nete der Kaiser den Grafen BiSmarck ganz besonder» au» und gab den ausdrücklichen Wnnsch zu erlernte», den Grafen heute bei der Hofcour wiederzusehen. — Um 7 Uhr erfolgte die Abfahrt vom Schlöße au»; diesmal begleitete der Kaiser seinen Gast persönlich nach dem Bahnhofe und führte ihn mit Sorgfalt bte Stufen zum Bahnsteig hinab. Der Abschieb gestaltete sich sehr bewegt. Wie noch währenb der Nacht einge- laufene Telegramme melben, ist ber Fürst wohlbehalten und in vorzüglichster Stimmung kurz vor 12 Uhr Nacht» in Friedrichsruhe angenommen. Al» Präsent verehrte der Kaiser dem Fürsten de« Stoff zu einem grauen Militärmantel. .

* Der .StaatSarizeiger' veröffentltcht nachstehenden Könial. Erlaß: „Zur Förderung de» Studium» der klassischen Kunst unter den Künstlern Deutschlands will Ich au» Meiner Schatulle einen Preis von 1000 M. jährlich stiften. Diesen Preis »erde Ich an Meine« diesmaligen Geburtstage demjenigen Künstler verleihen, welcher aus einer von Mir ausgeschriebene« Konkur­renz al» Sieger hervorgehen wird. Sowohl die Stel­lung der Aufgabe al» auch die Verleihung deS PmfeS behalte Ich Mir selbst vor. Als erste Aufgabe stelle Ich: Die Restauration des in Meinen hiesigen Museen aufgestellten germanischen Frauenkopfe». Ueber Alt»-, schreibung und Einrichtung der Konkurrenz erwarte Ich baldigst Ihre näheren Vorschläge. Wilhelm R.

* Der Kaiser hat im Interesse der Steigerung der Marsch und GefechtSkraft der Infanterie den Kriegs- Minister beauftragt, schleunigst weiter auf die Er­leichterung de» Infanterie - GepackS abzmende Vorschläge zu mache«.

* Die in letzten Tagen im ReichS^Lisenbahn- amt abgehaltenen Besprechungen höherer Staats­eifenbahnbeamten über die in Nord-Amenka von ihnen gesammelten Erfahrungen find bei ber Reich­haltigkeit brS Stoffes noch nicht zum Abschluß gelangt nnb sollen anfangs März fortgesetzt werde«.

Ausland.

* Ueber die Katholikeuvcrfolguugen in Russisch- Pole« geht dem .Kourrier de BruxelleS' von einem katholischen Priester ein ergreifender Bericht zu, bem fasse« vorher schon herauSgeschleudert, die steile« Klipp« yioabloüeitM und so ben Tod fanden. DaS w»r?ser einzige ernste Unfall, Die Kutscher wurden wieder Herren ihrer Pferde und bald gelangten wir wieder glücklich zur Svene herab.

„WaS soeben passtet ist, kam nicht von ungefähr," sagte mit Katow inS Ohr. „Ich bin feft überzeug, sagte der russische Journalist, „ich bin sicher, daß den Pferden eine jener Ingredienzien beigebracht wurde, welche sie taub für ihre Führer und unempfindlich für Zügel und Peitsche machen." Ich wollte ihn untev- breche«.

„Später" antwortete er. — Da ich einsah, d^ eine weitere Erörterung ber Sache nicht ohne Gefahr war, so schwieg ich.

„Betrachten sie sich biese Fran gut, begann Kar- tow wieber. . ~ ,, , ,

Aufmerksam prüfte ich bieFran, welche er nurbe- zeichnet hatte. Ich hatte sie schon hävfiz unter ben Gefangenen bemerkt nnb tonrbe von bem seltsamen Ausdruck ihre» Gesichter vollständig gefesselt. Sie war noch jung; ihr Teint besaß jene» gelbliche Weiß, btt» an Elfenbein erinnert; ihre etwa» aufgestülpte Raft und ihre schmale« Lippe« zeigte« an, baß tartarlsche» Blut in ihren Adern floß — ist doch das öjÜiche Rußland «so wenig slavisch! Wenn auch ihre Züge

kaum Platz für unsere Wagen boten oder zogen lang­sam auf schmalen Saumpfade« dahin, die sich spiral- förmig um die Berge wanden. Ueber uu» kreisten Adler von fabelhafter Größe und unter uns gähnten tiefe Abgründe, in denen tiefe reißende Waldbäche rauschte«. Zu anderen Zeiten und unter anderen Um« ständen hätten diese wilden Naturschönheiten mein Entzücken erregt. Es bedurfte ber weltbekannten Ge­schicklichkeit ber russischen Kutscher, um bie Wagen am Rande bet Abgründe im Gleichgewicht zu halten.

In einem Augenblick aber schien ihre Erfahrung ohnmächtig, bie Gefahr zu beschwöre«. Die Pferbe, welche a« ber Spitze be» Transports sich befände«, wurde« scheu und setzte« sich, obwohl chre Führer und da» begleitende Kosokenpicket olle Anstrengungen, sie zu beruhigen, machten, in einem schmalen Saumpfad in Galopp. Die folgende« Pferde ahmte« diese (Sony art nach, so daß wir in wahnsinniger Fahrt durch bte Berge raste«, neben un» ben Abgrund, un» zu vrr- schlingen, über uns kreisenb Raubvögel, bereit sich zur gegebenen Zeit auf ihre Opfer zu stürzen.

Indessen war bet AnSgang biefer tollen und ge­fährliche« Fahrt weniger traurig al» wir ahnten; ein einziger Wagen verunglückte. Wir saym, wie er anf die Steine eine» kleinen WafferlaufeS fiel und nebst den Pferden zktschmettert wurde, wahrend die In-