rbeitung eines neuen WemsteuerprojektS. Es soll sich an die Grenze eng anlehnen, innerhalb deren eine Weivbestkuerung' Aussicht auf Annahme hätte. Aus dem Ganzen ergiebt sich nur so viel mit Gewißheit, daß die Hoffnungen M'qnelS, mit seinem jetzigen Finanz« und Steuerplan durchzudringen, auf den Gefrierpunkt gesunken sind. Das Weitere kann in Ruhe abgewartet werden.
* Bei dem Ordensfeste wurden 1732 Auszeichnungen verliehen. Der Erzbischof von Gnesen-Pcsm, Dr. v. StablewSki, erhielt den Kronenorden 2. Klasse, der Biichvf von Paderborn, Dr. Simar, den Kronenorden 3. Klasse.
* Straßburg, 22. Jan. Die Auferstehung der F e d e l t a unter Aenderung dreier Buchstaben im Namen (Fidelitas) wird im Reichsland mit großer Genug- thuung begrüßt. Auch die ,Straßb. Bürgerztg? schreibt: „In jenen säbel klirrenden Zeiten (nach der Straßburger Reichstagswahl) erhielt manch' bravster Regierungs- beamter und steuerzablender Bürger von zahlungsfähigster Moral — Prügel (sogar Säbelhiebe Haven die waschechtesten Straßbürger Liberalen in der denkwürdigen Wahlkrawallnacht reichlich erhalten) — und auch die Fedelta zollte ihren Tribut. . . . Eine Genehmigung der FidelitaS bedeutet nichts anderes als die Zurücknahme des Verbots der Fedelta. Erfreulich ist es, daß man zu der Urberzeuguxg gelangte, daß die Berhältniffe si ch anders im Rauche des Palvrr- dampfes und zu Friedenszeiten ausnehmen. Die FidelitaS ist genehmigt — und damit wieder ein Stück „Wahlnachlaß" beseitigt. Jetzt steht nur noch die Episode Spies auf dem Kerbholz." — Das ,Berl. Tageblatt' hat herausgeklügelt, daß die Genehmigung der Ftd-litaS „eine Schwenkung in der Politik der Regierung, ein Zilgeständniß an die katholische Partei" sei, um mit deren Hülfe den v. Köller'schen Entwurf einer neuen Gemeinde-„Ordnung" im Landes-Ausschuß durchzusetzen. Wir neigen ur.S demgegenüber doch der Ansicht zu, daß die Regierung sich einfach durch das Gefühl der Gerechtigkeit hat leiten lassen. Jedenfalls werden die kathol-schen Mitglieder des Landes- Ausschusses — eine „katholische Partei" gibt eS darin nicht! — sich bei der Bmrtheilung der Gemeinde- Ordnung, gerade so wie ihre protestantischen Kollegen, nur durch sachliche Gründe bestimmen lassen.
Ausland.
* Prag, 24, Jan. (Omladina-Prozeß.) In der heutigen Verhandlung wurde das Protokoll verlesen, welches die Polizei Über die Vernehmung deS inzwischen ermordeten Mrva ausnahm. Mrva gibt am Schluffe deS Protokolls an, er habe sich wegen seiner Aussagen Feinde gemacht und befürchte, daß man ihm nach dem Leben trachte. Morgen Vormittag wird der letzte Angeklagte, Redakteur Hain, verhört.
* Nicht geringe Überraschung brachte die Konversion der französischen Staatsschuld, welche sehr glatt unter Dach und Fach gebracht worden ist. Angesichts der schweren wirthschastlichen und Finanznoth, unter der Italien zu seufzen hat, erscheint eS beinahe als eine weltgeschichtliche Ironie, daß die französische Republik in diesem Avgenbl cke eS unternehmen kann, die ungeheuere Operation einer Konvertirung von mehr als 6'/z Milliarden ihrer 41/2p:oj?ntigen Rentenschuld in Angriff zu nehmen. Auch in Frankreich ist eS ein ständiger Fehlbetrag, welcher den neuen Finanz Minister Burdean dazu zwingt, die seit Jahren immer vertagte Maßnahme, die dem Staatsschatz eilte Ec'parniß von 68 Millionen an Zinsen eintragen soll, zu versuchen. Jn Frankceich. dem Lande der kleinen Rmtner, erscheint eine derartige Unternehmung als ein besonders kühnes Wagniß. Denn diese Rentner bildeten gewissermaßen daS feste Rückgrat deS steuerfähigen Staat S und indem man diese Leute, welche zum großen Theile nicht mehr in der Lage sind, ihr Renteneinkommen durch anderweitige Beschäftigung zu erhöhen, kurzer Hand in ihrem Einkommen verkürzt, schafft man eine Klaffe Unzufriedener, deren Groll die R-publik nur deshalb auf sich nehmen darf, weil ks jenseits der Vogesen an jener strcfforganisirten sozialdemokratischen Partei gebricht, die mDeutschland zum Sammelbecken aller Unzufriedenheiten geworven ist. Bei der Abwesenheit aller ernstlichen Prätendenten braucht der königlose Staat nicht einmal zu besorgen, durch diese Mißnahmeleine Verstärkung Der antir-publikamschen Parteien herbeizusühren.
* Wie aus Palermo berichtet wird, sind in Villalba, Provinz Caltanifelta, Truppen eingetcoffen, um die Auslieferung der Waffen durchzuführen. DaL Militär wurde von der Bevölkerung freundlich begrüßt. Ein gleicher Empfang wurde den Truppen in Castroreal zu Tyeil. — In den sizilianischen Gefängnissen tritt in Folge dec vielen Verhaftungen bereits Raummangel ein. Die Genrffen der Arbeiterbünde werden zu Hunderten eingesperrt. Die bisher ststgeuommenen fünfzehn Obmänner der Arbeiterbünde sind beschuldigt, eine Verschwörung behuss bewaffneten Ausstandes gegen die Staatsgewalt angestiftet, sowie Handlungen verübt und veranlaßt zu haben, die Bürgerkrieg, Plünderung, Zerstörung und Gemetzel herbeigefübrt hatten.
* lieber die Reise des Bischofs von Tiraspol «ach Rom erhält die .Köln. Volksztg.' folgende Mit- theilungen: „Bischof Zerr erhielt anfangs Oktober 1893 von der russischen Regierung die Erlaubniß, auf sechs
Monate in'S Ausland zu gehen, um seine angegriffene Gesundheit zu pflegen. Bei seiner Abreise, anfangs November, ging er über St. Petersburg, um bei der Regierung die Zustimmung zu seinem Besuche in Rom einzuholen, einem Besuch, der jedem katholischen Priester und noch mehr den Bischöfen an und für sich untersagt ist. Wer ohne Erlaubniß der Regierung Rom besuchen würde, könnte sich der Gefahr auSsetzen, nicht mehr über die Grerzr hereingelassen zu werden. Die Zustimmung der Regierung erfolgte, doch beweist das nur, daß Bischof Zerr augenblicklich als der einzige Bischof in ganz Rußland persona grata ist. Nicht die traurigen Zustände der katholischen Kirche in Polen, vielmehr Angelegenheiten seiner eigenen Diözese bestimmten u. a. den Bischof, auf seiner Reise Rom auf» zusuch-n. Obenan steht die durch den letzten russisch- türkischen Krieg ersolgte Veränderung der Grenzen der Tnakpoler Diözese. Die von der Türkei an Rußland abgetretenen Provinzen in B-ssarabien und im Kaukasus wurden von der Regierung dem Bischöfe von TirsSpol übertragen, ohne daß vorher mit der römischen Kurie über diese Dinge verhandelt worden war. Eine zweite zu behandelnde Angelegenbeit ist das neulich durch die Regierung erlassene Verbot der grusinischen Sprache. Die Armenier und die Grusiner im Kaukasus bereiten dem Bischof überhaupt durch ihre Zwietracht und ihren Hader fortwährend große Schwierigkeiten. Er vergeht beinahe kein Tag im Jahr, wo nicht eine oder gar zwei Klageschriften in der bischöflichen Kurie eiulausen, in welchem sich beide Parteien gegenseitig verklagen, und meistens wegen ganz lächeilachen Kleinigkeiten. Bekommen sie nicht sofort Recht gesprochen, alsdann verklagen sie den Bischof selbst bei allen geistlichen und weltlichen obrigkeitlichen Instanzen. Die Grusiner haben den lateinischen Ritus, während die Armenier den Gottesdienst in ihrer Nationalsprache verrichten. Die armenischen Priester sind ganz ohne Bildung, kaum daß sie das Armenische lesen und schreiben können; sie stehen überhaupt in jeder Beziehung auf einer sehr niedrigen Stufe. Auch sind sie sehr schlecht besrlrrt, was noch dadurch erschwerender wirkt, daß sie sehr oft, weil verheirathet, die Ernährung einer zahlreichen Familie zu bestreiten haben. Dieser traurige Zustand im Kaukasus scheint von der Regierung gern ausrecht erhalten zu werden, denn er ist eine praktische Schule, gefügige Unterthanm zu bekommen. Die russische Regierung synpath'.sict mehr mit den Armeniern als mit den Grusinern, weil bei Jenen mehr und nähere Aussicht auf „Bekehrung" vorhanden ist. In dem Verbot der grusinischen Sprache wollen Manche schon den Vorboten der BckchrungS« Pläne erblicken.__________________________________________
Stabt, Provinz nnb Nachbargebiet.
Fulda, 25. Januar.
M Der Schulamtskandidat Joseph Auth von hier wurde zum 6. Lehrer an der kalhikschen Stadtschule in ©amtet (Regierungsbezirk Polen) ernannt.
* Der Auftrieb zum heutigen Viehmarkt bez ffert sich auf 419 Stück Rindvieh, eine für die gegenwärtige Jahreszeit ziemlich hohe Zahl. Der Handel war lebhaft und wurden in Folge d-ssm gute Bei kaust preise erzielt.
* Die nächste Hufschmiede Prüfung sichet in Fulda Dienstag den 20. März d. I. statt. Anmel- düngen hierzu sind bis zum 20 F bruar d. I. nebst Geburtsschein und 10 Mark Prüfungsgebühren an Herrn Kreisthierarzt Eberhardt in Fulda abzugeben. Zur Vorbereitung für die Prüfung wird das Buch: „Anleitung zum Bestehen der Huffchmiede-Pcüfung von Professor Dr. Möller empfohlen.
* AuS der Strafkammer-Sitzung des Landgerichts Hanau vom 22. Januar berichtet die ,H. Z.' u. A. Folgendes: Die A-.klaze richtete sich gegen einen Nagelschmied von Fulda, der mit seiner HauLwirthin wiederholt in Streitigkeiten gerachen und am 7. S p:emb r v.J. sogar mit einem glühenden Eisen drohens auf sie eingedrungen war. Am 14. September kam es wieder zu einem Zusammentreffen, bei welcher Gelegenheit der Nagelschm'.ed mit einem Thürichloß in der Hand Drohungen ausstieß. Tas Schöffengericht hatte g-gen den Angeklagten auf eine Gesammtstrofe von 10 Tagen Gefängniß erkannt, gegen welch s Urtheil der Angeklagte Berufung eingelegt hatte. Dieselbe wurde jedoch versorsen, da der versuchte Gegenbeweis vollständig mißlang.
* Das Längerwerden der Tage wird im Volksmund durch folgendes Sprüchlein angedeutet:
Der Tag um einen Schritt Zu Neujahr vorwärts tritt, Und am Dreikönigstag Um einen Stundenschlag.
Und in der Thal beginnen jetzt die Tage bereits merkwürdig länger zu werden. In der ersten Hälfte des Monats Januar nahmen die Vormittage um 7 Minuten, in der zweiten Hälfte nehmen sie um 21 Minuten zu, die Nachmittage in der ersten Hälfte um 19, in der zweiten um 29 Minuten. Die Nachmittage sind während des ganzen Monats länger als die Vormittage, in der ersten Hälfte beträgt der Unterschied 8, in der zweiten Hälfte des Monats 28 Minuten.
* Bezüpl-ch der anberroeiten Eintheilung der Eifeubahu Direktionsbezirke hält trotz dem W.der-
spruch der ,Nocdd. ALgem. Z g/ dasjenige Erfurter Blatt, welches die betriffenöe Meldung brachte, seine Behauptungen aufrecht. Danach würden am 1. April 1895 an Stelle der biZher-gm 11 DirektionSbezirke 26 kleinere Direktionsbeirke mit 26 Königs. Eisen- bahn-Ditektionen treten. Diese ressortiren nicht, wie bisher angenommen wurde, von 3 General-Direktionen, sondern direkt vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Die Verkehrs-Kontrollen, Tarif-Bureaus und Drucksachen werden centralisirt.
• Zur Steuer Veraulaguug hat der Finanzminister am 9. d. ein Rundschreiben an die Vorsitzenden der Einkommensteuer-Berufungs-Kowmissionen gerichtet bett, die Behandlung der Zins-Einnahmen aus sogen, nothleidenden Werthpapieren. Danach sollen die mit Bezug auf die ZinSversprechen eingetretenen Aenderungen insbesondere Convertirungen oder andere Verkürzungen d s Zinssatzes berücksichtigt werden. Hat ein Staat erklärt, daß er die Zinsen nicht mehr in der früheren Höhe ober gar nicht zahlen werde, so sind die Zinsen zu dem niedrigem Betrage bzw. gor nicht anzurechnen. Ist eine solche Erklärung nicht erfolgt, aber nach Lage der Verhältnisse auf die freiwillige Zahlung der Zinsen nicht zu rechnen und die erfolgreiche Geltendmachung des Anspruches ausgeschloffen, so ist die Einnahme aus den Papieren als unbestimmte oder schwankende in Ansatz zu bringen.
(Personal Chronik.) Ernannt: der Forstaufieher Tonke zum Förster zu ForsthauS Fischbach. Ver« liihm: dem RegierungS-Sekretair Faßhauer der Charakter als RechnungSrath, dem ersten Lehrer Huf- schm i e d t in Zier enberg der Kantortitel. Uebertragen: dem Förster Mogall in Wambeck die Revierförsterstelle in Immichenhain auf Probe. Versitzt: der Gerichtsvollzieher Schmidt in Grebenstein an das Amtsgericht in Schmalkalden
* Hersfeld, 24. Jan Das bereits anfangs Dezember aufgetauchte Gerücht, daß Kaplan Schlitt dahier als Strafanfialsgeistlichkr nach Wehlheiden versitzt werden würde, hat sich jetzt bewahrheitet: Herr Schlitt verläßt am 1. Februar unsere Stadt und tritt mit diesem Tage die oben genannte Stelle an. Sein Nachfolger dahier wird Herr Kaplan Jestädt in SofftI. (H. Z)
* Somborn, 22. In der hiesigen Gemeinde wird in nächster Zeit eine Niederlassung der barmherzigen Schwestern aus dem Mutter hause in Fulda ins Leben treten, für welche ein Haus zur Aufnahme im Bau begriffen ist und seiner Vollendung entgegengeht. — Der hiesige Larlehntkassenverein nimmt fortwährend an Mitgliederzahl zu. Man kann daraus sehen, daß derartige Institute trotz mancherlei Anfeindungen blühen und gedeihen.
* Wiesbaden, 22. Jan. Heute wurde das Testament des verstorbenen Frl. Stuber von hier auf dem Gerichte geöffnet. In dem Testamente ist b>e Stabt Wiesbaden zur Univerfalerbin eingesetzt. Mit Legaten siud bedacht: 1. das langjährige Dienst- mädchen der Erblasserin, Margaretha Steinbach mit 100,000 Mark und sämmtlichen von Frl. Stuber benützten Mobilien, 2. Herr Rentner Ludw. Heppenheimer in Biebrich (zwischenzeitlich auch gtftorben) mit 100,000 Mark, 3. Herr Weinhändler und Wnnqutk- besitzer Jakob Stuber hier mit 50,000 Mark, 4. die Kinder einer entfernten Anverwandten in C.ftel mit 20,000 Mark. Das Vermögen der Erblasserin, tod» cheS m zwei Wohnhäusern, 32 Aeckern (sammtlich in guten, viele in den besten Lagen), sowie Staats-Werth- papieren besteht, wird auf über eine halbe Million Mink a-schätzt.
* Meiningen, 23. San. Allem Anschein nach ist die Meldung, daß die Kalischutzbohrgesellfchast im Werraihale auf Meiningischem Gebiete „fündig" ge» wis-n sei, lediglich ein Manöver gewesen, wie man überhaupt über die Manipulationen der genannten Gesellschaft allerlei merkwürdige Dinge erzählt. Dagegen hat nunmehr heute der Konkurrent des Syndikats, Bergwerksbesitzer E. Sauer aus Dresden, in feinem bei Wernshansm durch den Ingenieur Schaffeld geleiteten Bohrthurm Salz gefunden und sofort bei dem Herzoglichen Bergamt in ©mlfdb Antrag auf Ertbettung des MuthangsrechteS gestellt.
* Würzburg, 23 Jan. An Stelle des zum Oberbürgermeister von Fulda gewählten Herrn Rechtsanwalts Dr. Antoni wird Herr Landgerichtssekretär Romuald Schmitt der Nachfolger des Genannten in der Rechtsanwaltschaft als Rechtsbeistand des unter» fränkischen christlichen Bauernvereins im Landgerichts- dezirk Schweinfurt ausgestellt werden. Herr Rechtsanwalt Schmitt ist ein Bruder des Sekretärs deS Bauern- v-rein s, deS Pfarrers Dr. Schmitt in Donnersdorf.
Vermischtes.
* Leipzig, 21. Jan. Billige Cigarren glaubt mancher bei Auktionen oder ähnlichen Gelegenheiten erstanden zu haben, wenn ihm 103 Stück zum Preise von 2 M. 50 Psg. bis 3 M. zufielen. Interessante Aufklärungen gibt ein Betrugs- und Bankerotlsprozeß, der sich gegenwärtig vor den Schranken deS hiesigen Landgerichts g-gen einen Leipziger Cigarrenfabrikanten abspwtt. In einer der letzten Bertzandlungen erklärte dieser, daß er eigens für Auktionen Cigarren iabrizirt habe, deren Herstellungskosten mit Einrechnung von Löhnen u. s. w. per ICO Stück sich auf 1 M. 40 Pf beliefen. Dieser Fabrikant hat von dieser Sorte innerhalb zweier Monate durch einen Auktionator i 65000 Stück versteigern lassen und für 1030 Stück durchschnitt» ' lich 19 Mark herausgeschlagen.