J\@ 19 Donnerstag, den 25. Januar 1894. 21. Jahrgang
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Trauerrede
am Tage der Beisetzung
des verewigten Hochw. Bischofs Joseph Weyland von Fulda,
gehalten vom Hochw. Herrn Bischof von Mainz
Paulus Leopold Haffner
im Dome zu Fulda am 16. Januar 1894.
„Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Laus vollendet und den Glauben bewahrt." 2. Th. 4, 7.
In wenigen Tagen jährt es sich, daß die Diözese Fulda den neuen Oberhirten begrüßte, welchen daS hochw. Domkapitel gewählt und der hl. Vater präkonisirt hatte. Wir begleiteten im feierlichen Zug am 25. Januar 1888 den Hochw. Herrn zum Dom, woselbst ihm der Hochw. Herr Erzbischof Johann Christian von Freiburg die hl. Weihe ertheilte und er selbst nach einer ergreifenden Ansprache den Gläubigen seinen ersten Segen spendete. In Stadt und Land herrschte allgemeine Freude. Klerus und Volk vereinigten sich zum innigsten Danke gegen Gott, welcher der verwaisten Diözese Fulda wieder einen so guten Hirten gegeben hatte.
Heute, meine Lieben, ist die freudige Stimmung tiefer Trauer gewichen. Trugen wir ja doch soeben denjenigen, den wir vor sechs Jahren in frischer Gesundheit zur Kathedrale begleiteten, als Leiche zum hohen Dom. Bald wird die düstere Gruft ihn ausnehwen und die Diözese Fulda muß aufs Neue den Witwenschleier anlegen.
Sechs Jahre nur sollte der geliebte Hochwürdigste Oberhirte seiner treuen Herde angehören. Das ist eine kurze Zeit und mit Recht klagen Volk und Klerus, daß es ihnen nicht länger gestattet war, einen so vorzüglichen Oberhirten zu besitzen. Doch, meine Lieben, was Gott gethan, ist wohlgethan, und wir haben kein Recht, zu klagen gegen die Rathschlüsse der ewigen Vorsehung. Auch ist es ja keineswegs eine kurze Zeit, daß der Hochw. Herr Bischof Joseph im Dienste Jesu und seiner heil. Kirche wirkte. Ehe er als Bischof waltete, hatte er schon vierzig Jahre den guten Kampf gekämpft und das Bischöfliche Amt sollte nur die Vollendung seines Laufes fein, die Besiegelung des Glaubens, der ihn allezeit leitete.
Ich darf darum wohl dem theuereu Verstorbenen die Worte des Apostels in den Mund legen, die wir soeben vernommen. Mit diesen soll er zu uns sprechen und im Anschluß an diese Worte will ich zeigen,
1. wie er als Priester den guten Kampf kämpfte,
2. als Bischof den Lauf vollendete und in frommem Hin- fcheiden seinen Glauben bewahrte.
1.
Der Hochw. Herr Joseph Weyland ist geboren in Hadamar, einem hübschen Städtchen der Diözese Limburg, am 13. März 1826. Das genannte Städtchen zeichnet sich durch gläubige, sromme Gesinnung aus und bat der Kirche viele Priester gegeben, von denen ich mehrere als Freunde verehre. Auch Weyland's Eltern waren brave, gottesfürchtige Leute. Der Vater, ein angesehener Dachdeckermeister, die Mutter eine bescheidene, einfache.
Mach Sibirien verbannt.
Von Louis Callas. Mit Genehmigung des Verfassers in's Deutsche übertragen von Ph. Freibank.
(3. Fortsetzung.)
Mit Innigkeit ergriff ich seine Hand und sagte: „Mein Freund, Du verursachst mir Furcht. Losse mich Dir sagen, daß Du das Sch ckjal mit unverantwortlichstem Leichtsinn herausforderst und daß die Zukunft unseres Landes vielleicht die Kosten Deiner Unbesonnenheit tragen wird. Wenn ich sterbe, sagst Du. In der Thal, Tod oder Gefangenschaft erwartet Dich. Denn die Zeit ist zum LoLschlagen noch nicht reif. Polen ist noch zu schwach, um allein in den Kampf zu gehen. Im AuLlandr werden wir zwar belobt und verherrlicht werden, doch wird dort nicht ein einziger Mensch für uns eine Flinte abfeuern. Wenn ich sterbe, ..... gesetzt, Du spielst va banque und setzest alles auf eine Karte, Du dringst dar Opfer für Dich und Deine Frau, welche noch so große Ansprüche ans Leben besitzt, kannst Du das Recht des Todes auch für diejenigen so leichthin in Anspruch nehmen, welche Du in den Kampf führen wirst? Dir wird vielleicht die Krone des MartyrivmS gereicht werden, wie steht es aber mit jenen, welche in dem nutzlosen Abenteuer eines rühmlosen TodeS sterben? Sie werden ihre Stimme gegen Dich erheben und sagen: Du hast das Unglück über uns heraufbeschworen, gib uns Rechen
fromme Frau. Gern bestimmten sie den talentvollen, lebensfrischen ältesten Sohn zum geistlichen Stande und Gottes Gnade g,b diesem selbst in frühester Jugend den Gedanken ein, Priester zu werden.
Er machte feine ersten Studien in der Lateinschule zu Hadamar und an dem Gymnasium zu Weilburg. Dann besuchte er die Universität Gießen, welche der damaligen Staats-Bevormundung zufolge den Kandidaten der Diözesen Limburg und Mainz gemeinsam vorgeschrieben war.
Die theologische Fakultät daselbst entsprach leider den Anforderungen der theologischen Wissenschaften sehr wenia und noch I weniger das rein weltliche studentische Treiben der Kandidaten ihrem erhabenen Berus.
Wenn dessen ungeachtet viele brave Priester auf diesem Wege erwuchsen, so ist dieses ein Werk der besonderen Gnade Gottes, der stark ist in dem Schwachen, der die Jünglinge im Feuerofen bewahrte, der Paulus sich erwählte auf dem Wege nach Damaskus und Augustinus berufen hat aus der Verwirrung der Gnosis.
Nachdem der liebe Verstorbene mit Energie und Beharrlichkeit seine Studien beendigt und nach damaliger Vorschrift in Wiesbaden vor weltlicher Behörde ein sogen. Staatsexamen bestanden hatte, trat er in das Bischöfl. Seminar zu Limburg ein, um sich auf die Priesterweihe vorzubereiten, die er am 6. September 1848 aus den Händen des hochseligen Bischofs Blum erhielt.
Ein inniges Band der Liebe und Freundschaft knüpfte sich zwischen dem damaligen Bischof und dem jungen Priester für alle Zeiten. Der Bischof schenkte seinem jungen Freunde das höchste Vertrauen und dieser nahm seinen Oberhirten sich in Allem zum Vorbild. Beide kämpften den guten Kampf unter dem Zeichen des Kreuzes.
Nach der Priesterweihe kam der hochw. Herr zuerst nach Oberursel. Es war eine tief bewegte Zeit und gerade dieser Ort in der Umgegend von Frankfurt war der Schauplatz gewaltiger Agitation. Unser junger Priester trat ihr sofort unerschrocken entgegen und hielt schon am ersten Abend eine herrliche Rede im Pius-Verein.
Nach vorübergehender Wirksamkeit in Oberursel, Rennerod und Höchst kam Joseph Wtyland als Kaplan nach Frankfurt, woselbst er unter dem genialen Stadrpsarrer Beda Weber 7 Jahre eine weitgreifende Wirksamkeit entfaltete. Die Katholiken Frank- furts bildeten damals nur eine Pfarrei, deren Pastoration außerordentliche Schwierigkeiten bot. Weyland erwarb sich bald die Liebe der Armen und Reichen, der Niederen und Hohen und lebte in freundlichem Verkehr mit den bedeutenden Katholiken jener Zeit: v. Steinle, Frau Rath Schlosser, Brentano u. A.
Im Jahre 1861 bestellte ihn der Herr Bischof zum Pfarrverwalter und bald darauf zum .jfarrer von Wiesbaden. Diese Gemeinde zu leiten, wurde zur Hauptaufgabe seines Lebens Hier hat er die größten Arbeiten, Kämpfe und Leiden erlebt und mit dieser Gemeinde blieb er stets aus's innigste verwachsen. Als er die Pfarrei übernahm, war die Zahl der Katholiken noch klein — etwa 6000 — sie wuchs aber von Jahr zu Jahr und beläuft sich jetzt aus 20,000.
Kaum war damals die Kirche vollendet worden ohne die Thürme und ohne Glocken. Der neue Pfarrer betrieb sofort eifrig die Sammlung von Mitteln und ließ alsbald eine große Glocke aufstellen, welche er dem hl. Joseph weihte. Das Pfarrhaus bedurfte einer Erweiterung. Katholische Schulen gab es — außer einer Mädchen-Privatschule — nicht. Nur zwei Kapläne standen dem Pfarrer zur Seite. Der Verstorbene arbeitete mit unermüdlichem Eifer auf der Kanzel, im Beichtstuhl, am Kranke: bett Er berief barmherzige Schwestern und verschaffte ihnen allmälig ein großes Haus, gründete Vereine aller Art, lud fremde Priester zu Predigten und Borträgen ein und that Alles, um das religiöse Leben zu fördern. Ich habe persönlich wiederholt die Freude gehabt, dabei mitzuwirken unb mich stets des lebhaften Interesses erfreut, welches in Wiesbaden für alle religiösen Angelegenheiten sich zeigte.
Das J-Hr 1866 brachte Wiesbaden eine große Veränderung. Die Stadt hörte auf, die Residenz des Herzogs zu sein und kam unter preußische Hoheit. Der Verstorbeoe war seinem bisherigen Landcssürsten treu ergeben und hatte dessen Wohlwollen in
fchaft von dem Einflüsse, dem wir gehorcht haben. Wenn alle diejenigen, welche die Völker in solche kriege- rifche Abenteuer verlocken, der furchtbaren Verantwortlichkeit sich bewußt wären, welche sie vor Gott und der Welt auf sich laden, würden sie mit weniger leichtem Herzen vorgehen ..."
Ich bewies ihm die Unmöglichkeit des Erfolges, die Nothwendigkeit zu warten und langsam, aber sicher zu oprriren, wie ich es für gut hielt. Er blieb aber taub für meine Vorstellungen. Die Eigenliebe und ein falsches Ehrgefühl beherrschten ihn vollständig. Ein lautes Hoch auf die Erhebung Polens erschütterte in diesem Augenblick die Hallen deS alten Schlosser.
Er verließ mich und ich blieb ous'r neue allein. Einige Augenblicke sah ich wieder den Schatten eines Menschen an den Mauern des Schlosst s hingleiten, welcher schon vorhin meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Der Spion, denn ein solcher mußte die Gestalt sicher sein, hielt sich hinter einer Säule der Vorhalle verborgen; er mußte unser Gespräch belauscht habe«. Ich verfolgte ihn, allein er hatte einen zu großen Borsprung und die dicht stehenden Bäume des Parkes erleichterten seine Flucht. Es war mir unmöglich, ihn zu erreichen.
3. Die Verhaftung.
Den anderen Morgen verabschiedete ich mich herzlich und begab mich auf die Heimreise. Währenddem mich mein Wagen durch die schneebedeckten Ebenen trug,
hohem Maße genossen. Er verstand es aber auch rasch durch würdevollen Takt sich das Vertrauen der neuen Regierung zu erwerben und wurde von Sr. Majestät dem Kaiser und König wiederholt ausgezeichnet.
Ein bitteres Leid kam über die katholische Gemeinde Wiesbadens und ihren Pfarrer im Jahre 1^70. Es hatte sich daselbst nach Schluß des vatikanischen Konzfls ein altkatholischer Verein gegründet, welcher auf Grund des traurigen Gesetzes vom 4. Juli 1875 Anspruch auf den Mitgebrauch der Kirche und das Kirchenvermögen erhob.
Weyland und sein Kirchenvorstand thaten Alles, um diesen Anspruch zurückzuweisen. Aber vergeblich. Die Wogen des s. g. Kulturkampfes waren damals zur höchsten Höhe gestiegen. Die Kirche wurde durch die Polizei gewaltsam erbrochen und dem altkatholischen Gottesdienst überwiesen.
Pius IX. hatte gleich bei Beginn der altkatholischen Bewegung durch Kardinal Antonelli erklärt, daß es den Katholiken nicht gestattet sei, in einer Kirche Gottesdienst zu halten, welche von Aitkatholiken gebraucht wird. Darum mußten die Katholiken Wiesbadens gleich denen vieler Orte in Baden und Rheinpreußen ihre Kirche verlassen. Das Allerheiligste wurde in die Kapelle der barmherzigen Schwestern getragen, später wurde ein Saal in einem Privathaus gemiethet, zuletzt ein eigener Saal gebaut.
Das Alles machte dem Verstorbenen unsägliche Mühe und tiefen Kummer. Sein Haar wurde gebleicht in diesem Jahre mehr als in einem Jahrzehnt. Es war aber zugleich erhebend und erfrischend zu sehen, mit welcher Treue die nun auf 12,000 Seelen angewachsene Gemeinde die schwere Prüfung bestand. Ich j habe öfters in diesen Tagen dieselbe besucht und mich an ihr erbaut.
Leider besteht das Gesetz, auf welches die altkatholische Sekte ihre Ansprüche stützte, noch fort. Die Sekte selbst aber hat sich allmälig zersetzt und verloren. Die Staatsgewalt konnte : ihr nicht aufhelfen und in Wiesbaden wie anderwärts blieben ! nur eine kleine Zahl von Altkatholiken übrig.
Unter diesen Umständen wurde es diesen selbst unheimlich - zu Muthe in der großen Kirche und Jie folgten gern der Auf- ; forderuug, mit dec katholischen Gemeinde zu tauschen, d. i. in | die Nothkirche überzuziehen.
Ueberglücklich zog der schwer geprüfte Pfarrer in seine j schöne Kirche zurück. Sie wurde alsbald erneuert und geschmückt ■ und es begann ein neues Leben in der stets wachsenden Ge- : meinbe.
Dem Hochwürbigen Herrn schien nunmehr ein ruhiges Leben beschieben. Hoch verehrt unb geliebt von seiner Gemeinbe, ' hochgeschätzt von seinen Mitbrüderu würbe er 1878 vom Hl. ' Vater zum Hausprälaten ernannt. Er hatte ben guten Kampf ' gekämpft; aber noch nicht ben Lauf vollendet. Die göttliche i Vorsehung wies ihm ein anderes größeres Arbeitsfeld zu, indem • sie ihn zum Bischöfe dieser Diözese erhob.
II.
Die Diözese Fulda hat in diesem Jahrhundert 6 Bischöfe ; gehabt, welche sich theilweise nach langer Verweisung folgten. ' Nachdem Adalbert III. 1814 verstorben war, war der Bischofs- : stuhl 15 Jahre unbesetzt. Ebenso nach dem Tode des Bischofs Kött 8 Jahre. Mit großer Freude war darum 1881 der Hoch- würdigste Bischof Georg Kopp begrüßt worden, welcher die Schäden des Kulturkampfes zu heilen kam. Aber nur 6 Jahre wirkte dieser hochbegabte und hochverdiente Heer in Fulda. Im Jahre 1887 wurde er zum Fürstbischof von Breslau und später zum Kardinal erhoben.
Nach dessen Weggang wählte das hochw. Domkapitel am 4. Nov 1887 den Herrn Stadtpfarrer Aeylaud zum Bischof. Vom Hl. Vater am 25. Novbr. präkonisirt, wurde er am 25. Januar 1888 im hiesigen Dome konsekrirt.
Mit inniger Freude wurde die Erhebung des Hochw. Herrn auf den Bischofsstuhl von der Diözese, von feinen Freunden und ; insbesondere von dem deutschen Episkopate begrüßt.
Die Kirche Fuldas hat den Vorzug, das Grab des hl. Bonifatius zu besitzen. Ihr Bischof ist darum Hüter des Apostels der Deutschen und nimmt als solcher ein ganz einziges Vorrecht eine Art Primatial-Würde in Deutschland ein. Der Hochwürdigste
schickte ich taufend Gebete zum Himmel, um eine Katastrophe unseres Vaterlandes zu verhindern und diese wahnwitzigen Helden zn beschützen, welche mit einem Lächeln auf den L ppen in den Tod oder in das Ge- fängniß gingen. Ich war Überzeugt, daß binnen wenigen Tagen hinter Ladislaus die Thüren irgend eines Ge- färkgNtsseS sich schließen würden. Ich täuschte sinich, denn nicht er war es, den zuerst der Haß unserer Feinde erreichte.
Für den Augenblick hatte ihn seine Kühnheit beschützt. Der Haß der Gewalthaber konzentrirte sich ans die klügeren Gegner, welche die nationale Sache ruhig und kalt vertrieben unb mit der Znt zu rechnen verstanden. Ich wurde, wie ich leicht bewirken konnte, doppelt überwacht und doppelt mißtrauisch beobachtet. Mehrfach wurden mir Fallen gelegt, fei eS, um mich irgend eines der Regierung feindlichen Aktes zu überführen, fei eS, um mich bei meinen Freunden zn verdächtigen. Ich erhielt eine Menge von Briefen, welche mich beschworen, aus meiner Zurückhaltung heranSzu- treten. Ein Elender, angeklagt an einer Verschwörung betheiligt zu sein, ries mein Zengniß und mein Eintreten für sich an. Verborgene Zeugen hörten unserer Unterhaltung zu, um mich in'S Verderben zuMürzen, wenn ich mir die geringste Blöße gegeben hätte. SB ernt die russischen Gewalthaber irgend einen Polen ver- hasteten, erhoben sich überall dunkle Gerüchte, welche mich als Urheber seiner Verhaftung bezeichneten. Mi