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JM 18

21. Jahrgang

Mittwoch, den 24. Januar 1894.

iildacrWZeitlliig

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Mitglieder der Omladina ein Erkennungszeichen hattm das in einem weißen Bändchen auf rothem Grunde mit den Buchstaben R. V. B. (den Anfangsbuchstaben der czechifchen Worte für Gleichheit, Freiheit, Brüder­lichkeit) bestand. Die einzeluen Mitglieder hattm ihre besonderen BundeSnamen, wie Rigolo, CoriuS, Bakunin, Tfchigorin und dergleichen.

Die Organisation dieses GeheimbundeS umfaßt nicht blos das Gebiet der Stadt Prag, sondern er- str ckte sich auch auf entferntere Orte und Städte, so z. B. auf Pilsen, BudweiS, Reichenberg, Brüx, Klodno, Jungbunzlau, OberleutenSdorf, Aussig a. E. u. s. w-, wo vielfach auch Zweigvereine des Geheimbundes mit dem gleichen Namen gegründet wurden. Häufig fanden auch Versammlungen in den genannten Orten statt, die von der Prager Omladina veranstaltet waren- Der Anaeklagte Wenzel Cizek, ein Advokatenschreib-:, bet" früher in der Kamlei des bekannten jungczechischen Abg. Dr. Herold beschäftigt war, gab an, daß die Prager Omladina auch in Beziehungen uud in regem Verkehr zu den Wiener, galizischen und ruthevi- schen Omladimsten, zu den serbischen Pro- gressisten uud zu den Slowenen in Graz stand; bekannt sind auch die freundschaftlichen Beziehungen dieses Bundes zu den jungczechifchen Abgeord­neten, die, was als interessantes Detail der Anklage­schrift hervorgehoben zu werden verdient, einem omlu« dinistischen Blatte eine Unterstützung von 25 Fl. an­boten, was jedoch nicht avgenommm wurde. Einige von den jnngczechischen Abgeordneten besuchten sogar die vertraulichen Sitzungm der Omladina! Allerdings kann man annehmm, daß dieselben über den eigent­lichen Zweck de? Geheimbundes, befielt Einfluß ein so weitreichender war, nicht vollkommen unterrichtet waren.

Die Kundgebungen der Omladina werden von der Behörde als antireligiöse, antidynastische und antiösterreichische bezeichnet. ES werden in der Anklage alle Zusammenrottungen und Widersetzlichkettm aufgezählt, über die in der Presse seiner Zeit Mit­theilung gemacht worden ist. Hervorgehoben wird in der Anklage der bemerkenswerthe Umstand, daß in der Rächt vom 19. August v. IS. die Reichsadler ver­unreinigt, vielfach herabgerissen und mit Schnüren ans die nächstgelegenen Bäume ausgehängt, und daß ferner in der Nacht des 22. August Zettel mit hochvet- rätherischen Aufschriften verstreut wurden, von welch« viele lauteten: „Zittert, Mörder, noch habt Ihr die Richtigen nicht, und ehe Ihr sie bekommet, habt Ihr schon die Köpfe unter!" In einem Briefkasten wurde ein namenloses Schreiben gefunden, da- von Majestät-- beleidigungen strotzte; die Zahl der Fälle, welche die Verunglimpfung kaiserlicher und behördlicher Abzeichm betreffen, ist erschreckend groß.

Die Prozeßverhandlungen werden laut einem von den Angeklagten und deren Brrtheidigern vergeblich bekämpften Beschlüsse deS Gerichtshofes geheim geführt.

Dir Gmladirm.

Am 15. Januar begPM in Prag der Prozeß gegen den Geheiwbund Omladina (zu deutsch: Jugend­bund), dessen Mitglieder fast sämmtlich deS Verbrechens : der Majestätsbeleidigung, deS HochverrathS, des Verbrechens und Vergehens derStörungderj öffentlichen Ruhe und Ordnung und der s Seheimbündelei anaeklagi sind. Im Ganzen sind 77 Personen der verschiedensten Berufs-und Gesell- schaft-klassen in die Anklage einbezogen, darunter find ; 51 Arbeiter, Gehilfen und Handwerker, 13 Schrift- i setzer, 2 Kontoristen, 1 Schreiber, 1 absolvirter Gymna- l siast, 2 Studenten, 1 Lehramtskandidat, 5 Journalisten , und 1 Advokatur-Konzipient. Der Netteste der Ange­klagten, ein Handlungsdiener Namens Jelinek, ist 31, , drei sind 29, zwei sind 27, alle Uebrigev zwischen 26 • und 16 Jahre alt; die Meisten sind schon wegen Ber- brechenS oder Vergehen? der Störung der öffentlichen ’ Ruhe und Ordnung öder wegen Vergehen- bei Auf­kaufes u. bgl. vorbestraft. Die Anklage erstreckt sich auch auf bie Umtriebe und Kundgebungen, deren Schau­platz Prag am 17. August v. I., dem Vorabende der kaiserlichen Geburt-feste-, und am 12. September, dem Tage der Reskriptfeier, war.

Die Entstehung und Einrichtung bei Geheim- bunde- reicht ber Anklageschrift zufolge bis auf baS Jahr 1880 zurück, wo ein in Wien abgehaltener Kon­greß ber fortschrittlichen slavischen Stubentenschaft beit Anlaß zu einer Bereinigung mit einem Theile ber fort­schrittlichen czechischen Arbeiterschaft gab. Der Leilplan | dieser Bereinigung war ursprünglich die bunde-staat- | liche Verfassung der österreichischen Monarchie, bie An- ; Näherung aller Stände und insbesondere bie Verbrübe- ä tuns des Arbeiterstandes mit den gebildeten Klassen, l Später, zu Beginn des Jahres 1892, entstanden unter ; diesem Leitplane sogenannte nationale Cirkel in ver- \ schicdenen Bezirken Prags, die sich bald unter dem ' Titel Omladina vereinigten und ihre Thätigkrit auf bie Veranstaltung von Straßrnkundgebungen nationaler nnb internationaler Art erweiterten. Dieser Bund be­traute einen zwölfgliebrigen Ausschuß mit ber Aus­arbeitung von Satzungen, bie jedoch nicht bie Genehmi- i gung d.r Statthalterei erlangten.

Die ersten äußeren Lebenszeichen bieser Bereinigung ' fall« in bas Jahr 1891, wo zur Zett der Prager i Landesausstellung bie ersten beutschfeinblichen Demonstrationen in! Werk gesetzt würben. „Das Enb- - ziel ber Omlabina, so heißt ei in ber Anklageschrift, ’ ist somit bie gewaltsame Aenderung ber RegieruvgS- { form, eventuell im Wege einer Empörung ober eines , Bürgerkrieges." .

BemerkenSwerth ist bie Einrichtung ber Omladina. i Sie war nach Aussage vieler ber Angeklagten der i Organisation ber Mazzinischen Carbonari nachgebildet und hatte die Zahl 5 als Grundlage. ES gab einen \ fünfgliedrigen „Senat" als Aufstchtsorgan, aus welchem ! die Vorsitzenden der weiteren, aus fünf Mitgliedern i

bestehenden „Kreise" ernannt wurden. Jedes Mitglied' deS Senates wählte vier verläßliche Leute als Exekutiv- organe, von denen Jeder seine bestimmte Funktion, entweder als „Geschäftssührer" ober „Referent der Ausrüstung", als „Verwalter der Kolportage" oder als „geheimer Kundschafter" ausübte. Vorsitzender dieses fünfgliedrigen Organs war das betreffende Mitglied des „Senats" selbst, das gleichzeitig das Amt eines KassirerS versah. Der fünfgliedrige „Senat" wählte einen „Diktator" mit unumschränkter Gewalt, einen zehngliedrigen Rath und einfünfzi ggliedr iges Bertrauensmänner-Kollegium, die sämmtlich unter Eid standen.

Die Einrichtung hatte auch ihre, wenn man so sagen darf, eigene Geschäftssprache. Die Organe des Bundes zerfielen demnach in „Daumen" und „Finger"; der in vertraulicher Sitzung gewählte „Daumen" wählte vier „Finger, diese letzteren wählten einen zweiten „Daumen", der sich dem ersten „Daumen" vorzustellen hatte. Der zweite „Daumen" wählte aber­mals vier „Finger", und diese einen dritten „Daumen", der sich ebenfalls dem ersten „Daumen" vorstellte u. s. w. Der erste „Daumen" kannte somit alle übrigen „Daumen", während sich letztere gegenseitig nicht kannten; von den „Fingem" kannten sich immer nur die vier, welche einen gemeinschaftlichen „Daumen" hatten. Alle Aktionen ber Omladina leitete ber erste „Daumen", bet sonach mit bem Diktator identisch ist; berselbe setzte bie übrigen „Daumen" von den geplanten Unternehmungen in Kenntniß, welch' letztere wieder ihren „Fingern" und diese den ihnen zugetheilten gewöhnlich« Mitgliedern ihre Besehlr er- theilten. Jedem „Finger" waten nämlich zehn Mit­glieder deS Geheimbundes zugetheilt, und eine Anzahl von zusammengehörigen „Daumen", „Fingern" und BundeSmitgliedetn, bildeten eine „Centime". Nach einet Aussage des ermordeten „Rigoletto von Toskana", Rudolph Mrva, hatte dir Omladina 16 „Finget", woraus die Staatsanwaltschaft auf eine Gesammtzahl von 720 Mitgliedern schließt. Wie bereits erwähnt, be­stand die Omladina hauptsächlich aus zwei Gruppen, ber fortschrittlichen Arbeiterschaft und der fortschritt­lichen Studentenschaft. Nach Angabe des Angeklagten Legner zählt bie elftere Partei hundert, letztere drei- hunbert Mitglieder, bie alle mit hohlen Stöcken, welche Messet enthielten, bewaffnet waten. Beide Parteien hatten verschiedene Abzeichen: Die Arbeiter­schaft, bas thätige Organ ber Omladina, trug weiße, mit einem rothrn Streifen versehene Schärpen, die Stubentenschaft, bie Reserve deS Geheimbundes, war mit roihm Schippen all Kennzeichen versehen. Aus einem beim Angeklagten Ziegloset Vorgefundenen Tage- buche geht hervor, daß in einer am 28. August 1892 abgehaltenen Sitzung ber Angeklagte Anton Holbach, ein 19jähtiger „Journalist" zum „ständig« Vor­sitzenden", und ber Angeklagte Joseph Dutka, ein 20jähtiger Buchbindergehilfe, zu dessen Stellvertreter ernannt wurde. Weiter wurde festgestellt, daß olle

Aach Sibirien verbannt.

Bon Louis Collar. Mit Genehmigung der Berfaffers in's Teutsche übertragen von PH. Freibank.

(2. Fortsetzung.)

„Wenn diese Erinnerungen für mich noch freudig waren, so hat sie bie Heraufbeschörung durch Deinen Mund in daS Gegentheil verwandelt. Sehe weiter!"

Sie bewegte sich nicht von der Stelle und ihr Blick haftete mit wahrhaft teuflischem Haffe auf Ladis­laus. Diese Frau, ein Typus aller Schamlosigkeit und frei von allen Gewissensbifsen, war schrecklich, ihre Gegenwart däuchte mir ein Schandfleck für daS Haut. Aber eS schien, als ob Ladislaus trotz Der Heftigkeit feiner Sprache Furcht vor dem Weibe habe.

„Ladislaus PokoSki," sprach sie wieder, „ich habe Geschmeide neuesten Geschmacks; wollen Sie nichts davon für Ihre Frau kaufen?"

„Nein, denn ich müßte erröthen, wenn sie einen Schmuck, ber aus Deinen Händen kommt, tragen würde."

„Die Heirath machte Sie nicht liebenswürdiger, junger Herr, da? ist ein schlechtes Zeichen."

Er machte eine Geberde der Ungeduld.

„So alte Freunde wie wir dürfen sich nicht ent­zweien. Machen wir heute dal letzte Geschäft zusam­men, Ladislaus! Ich habe Dinge in meinem Koffer, welche Prinzessinnen in Versuchung führ« könnten. Sie sind ja Renner, urtheilen Sie!"

Bei diesen Worten zeigte bie Alte in ber That eine großartige Kollektion von Broch«, Ringen, Arm- spangev, Ohrgehängen tt. Die Rubin«, Smaragden, Tovase erglänzten im blikenden Feuer. Man hätte nicht geglaubt, baß diese Alte mit ltzrnN zerknitterten verschossenen Kleide und dem abstoßenden Benehmen über derartige Reichthümer zu verfügen habe.

„Ich bin sicher," fügte sie hinzu, „daß Ihnen diese- Medaillon gefallen wird."

Sie zeigte ihm einen goldenen Gegenstand von vorzüglicher Arbeit, der mit funkelnden Diamanten vom reinsten Wasser besetzt war.

„Wa- ist da-?" sagte Ladislavs, seine Hand mit ber Geste bei Erstaunens danach auSfireckend.

„Ich wußte wohl, baß Sie da- wiebererkennen werden," sagte die Alte mit einem plötzlichen Auf­flammen in ihren Augen.

„Wie kam dieses Medaillon wieder in Deine Hände?" frag Ladislaus.

„DaS Schicksal schlägt ost seltsame Wege ein. Heute kann jemand noch reich sein, ber morgen sich von bem liebsten, waS er besitzt, zu trennen gezwungen ist. Wir andern kennen daS. Eine grausame Rothwendigkeit zwang sie, mich zu bitten, ihr da- Medaillon, an wllchem ihr Herz hing, wieder abzukaufen. DaS ist daS Leben; Glück und Unglück folgen sich auf bem Fuße. . . . Ich erinnere mich noch recht gut bei Tage-, wo sie von Ihnen dpgdabtn wurde, unter meinem

Geschmeide zu wählen, wa- ihr am besten gefiel. Wie glänzt« damals ihre Blicke vor Liebe und vW -hnen verrieth Freude und SettrsUai auf die Zukunft. Als ich Sie fs strahlend vor Hoffnung, Glück und Jugend erblickte, sann ich über meinen eigeNKt Leb«-- frühling nach. Zwei Monate gingen darüber hin und ber Roman war verflogen, er war zu Erde. Uyb boch liebten Sie sie so sehr nnb sie schien Gleiche- mit Gleichem zu bezahlen."

„Sie schien . . . ?"

Die alte Frau lachte bitter unb spöttisch.

„So glaubten Sie also ben Betheuerungen, welche ihr Mund an Sie gerichtet hat! Sie dürfen nicht baran zweifeln, baß später ein anderer ganz diesllb« Versicherungen wie Sie empfing unb bieser andere wellt nicht weit von hier; er befindet sich unter den Gästen, welche sich Ihrer großartigen Gastfreundschaft erfreuen. Die Männer glauben da- Privilegium de- Trage- zu besitzen, mögen sie sich nicht täusch«! Wenn bie Fran« wollen, lassen sie bat stärkere Ge­schlecht in ber Kunst bei Hintergehens weit hinter sich."

ES bereitete ber Alten offenbar großes Vergnügen, bie Eigenliebe Ladislaus zu demüthigen unb nach kurzem Stillschweigen fuhr ste fort:

„Jetzt, wo Sie verherrathet sinb, Ladislaus, müffm Sie sich-einen Borrath von Lebensweisheit anschaff«. Erheben Sie die Anmaßung, ber erste zu fein, für d« da- Herz Ihrer Frau geschlagen? Glauben Sie, daß,