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21. Jahrgang

uldaerMZkitiliig

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Dienstag, den 23. Januar 1894.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Januar.

* Der Kaiser empfing am Sonnabend Nachmittag 58/< Uhr in Gegenwart deS Staatssekretärs des Aus­wärtigen Amtes Freiherrn von Marschall die tü r k i s ch e Ordensmission in Audienz.

♦ Die Präsidien beider Häuser des Land­tages werden dreS Mal vom Kaiser nicht in beson­derer Audienz, vielmehr morgen, Sonntag, während des OrdenssesteS empfangen werden. — Sonnabend Mittag 12^2 Uhr wurden beide Präsidien von der Kaiserin Friedrich empfanaen.

* Die Budgetkommisfion des Reichstags beschloß zum Postetat eine Resolution, in welcher die Regierung ausgefordert wird, im nächstjährigen Etat für die mitt­leren Postbeamten das System der DienstalterS» zulagen durchzuführen, auch für die unteren Beamten die alsbaldige Durchführung in Aussicht zu nehmen, doch so, daß für diese eine Schädigung nicht eintritt.

* Der Reichstag wählte heute nachstehende Abge­ordnete zu Mitgliedern der Kommission für Arbeiter­statistik: Dr. Hitze, Dr. Kropatschek, Letocha, Merbach, Molkenvuhr, Scymidt - Elberfeld und Siegle. Darauf wurde die erste Berathung der Weinsteuervorlage fort­gesetzt. Abg. Payer (Bolksp.) machte der Regierung zum Borwurf, diese Vorlage ohne Rücksicht auf die Stimmung deS Volkes eingebracht zu haben. Sie wider­spreche auch den beruhigenden Versicherungen, welche den Bevollmächtigten der süddeutschen Regierungen 1870 gegeben worden seien. Die Vorlage hätte gegen den Widerspruch der süddeutschen Regierungen gar nicht eingebracht werden dürfen. Nur Bayern habe ihr zu- gestimmt, dar feit Jahren als Schildknappe im Gefolge Preußens mitlaufe. Württembergiicher Staatsminister v. Mittnacht, der selbst bei den 70er Verhandlungen beiheiligt war. erklärt, daß Württemberg damals den Ausschluß ins WeinS von der Reichsbesteuerung be­antragte, daß sich die übrigen süddeutschen Regierungen dem Anträge aber nicht anschlossen und dieser nicht durchging. Doch wurden mündliche Zusicherungen ge­geben, daß daS Reich von seinem verfassungsmäßigen Rechte hinsichtlich des Weines nicht ohne Zustimmung der betheiligten Staaten Gebrauch machen werde. Einen Rechtsanspruch habe die württembergische Regierung damit nicht erlangt. Die württemb. Regierung halte ihre Bedenken gegen die Weinsteuer aufrecht und habe deshalb im BnndeSrathe dagegen gestimmt. Diese Er­klärung rief große Bewegung hervor. Nachdem noch Abg. Roeren Namens der CentmmS gegen die Wein- steuer gesprochen, beantragte Abg. v. Kardorff (Rp.) Vertagung, um den verbündeten Regierungen Gelegen­heit zu einer Aeußerung über die in Abwesenheit deS Reichskanzlers abgegebene Erklärung deS württemb. Ministerpräsidenten zu geben. Daran schloß sich eine längere GeschäftSordnungSdebatte. in welcher Staats­sekretär Graf PosadowSly ftststellte, daß der württemb.

Aach Sibirien verbannt.

Bon Louis CollaS. Mü Genehmigung deS Verfassers in's Deutsche übertragen von PH. Freibank.

(1. Fortsetzung.)

Man macht sich im Westen Europas kaum eine Idee von dem beinahe asiatischen Prunke, welcher bei solchen Festlichkeiten in Polen entfaltet wird. Die Kisten, in welchen die Kostbarkeiten verwahrt wurden, leeren sich mit fabelhafter Geschwindigkeit und der ganze seit Jahrhunderten aufgespeicherte Familienschmuck wurde zur Schau gettagen. DaS Gold glänzt nicht nur auf allen Kleider», sondern auch auf allen mög­lichen Gebrauchsgegenständen. Die Tafeln biegen sich unter den in goldenen und silbernen Geschirren auf- getragenen kostbaren Speisen und Jedermann wird un­eingeschränkte Gastfreundschaft gewährt.

Sein Charakter zwang Ladislaus, die nationalen Gebräuche strenge zu beobachten, ja sie beinahe zu übertreiben. Während mehrerer Tage bot daS Schloß das Schauspiel eines fast unerhörten Besuches und Glanzes und nichts wurde verabsäumt, um den Gästen dar Bild einer glänzenden, adeligen Hofhaltung vom alten Schlage zu zeigen. Aber all' dieser Glanz stand m der Willkür unserer Bedrücker. Eine einzige Un­klugheit konnte dar ganze Bild der Glückes in Traum und Elend verändern.

Der Reiz des Aufenthaltes lag weniger in der Pracht und Abwechslung der verar.st.ltenden Feste,

Ministerpräsident lediglich von seinem verfassungsmäßigen Rechte Gebrauch gemacht habe, indem er die abweichende Stellungnahme seiner Regierung hier zum Ausdruck brachte. Minister v. Mittnacht erklärte noch, daß seine Ausführungen mit Vorwissen der Reichskanzlers er­folgten, was Staatssekretär Frhr. v. Marschall bestätigte. Schließlich fiel der Vertagungsantrag in Folge unzu­reichender Unterstützung. Gegen die Weinsteuervorlage sprachen noch Abgg. Blankenhorn (nl.), Hirsche! (Rfp.), ColbuS (Els.) und Joest (Soz.), welcher Letzterer er­klärte, daß die Sozialdemokraten auch gegen Kunstwein- und Champagnersteuern stimmten. Sodann wurde die Vorlage an die Steuer kommission verwiesen. Montag: Sozialdemokratische NothstandS-Interpellation, kleine Vorlagen.

* Die Aufgaben von LandwirthschastSkammern werden § 2 des dem Landtage zugegangenen Gesetz­entwurfes wie folgt formulirt. Die LandwirthschaftS- kümmern haben die Bestimmung, die Gesammtinteressen der Land- und Forstwirthschaft ihres Bezirkes wahr­zunehmen, zu diesem Behufe alle auf die Hebung der Lage deS ländlichen Grundbesitzes abzielenden Einrich­tungen zu fördern und die Verwaltungsbehörden bei den die Forstwirthschaft betreffenden Fragen durch thatfächllche Mittheilungen, Anttäge und Erstattung von Guthaben zu unterstützen. Insbesondere haben die LandwirthschaftSkammern auf Erfordern nicht nur über solche Maßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung sich zu äußern, welche die allgemeinen Interessen der Landwirthschaft oder die besonderen landwirthschaft« lichen Jnteresfen der betheiligten Bezirke berühren, sondern auch bei allen Maßnahmen mitzuwirken, welche die Organisation deS ländlichen CreditS und sonstige gemeinsame Aufgaben betreffen. Die LandwirthschaftS­kammern haben außerdem den technischen Fortschritt der Landwirthschaft durch zweckentsprechende Ein­richtungen zu fördern. Zu diesem Zwecke könne» sie die Anstalten, sowie die Verpflichtungen und daS ge­summte Vermögen der bestehenden landwirthschaftlichm Vereine in der Ausführung ihrer Aufgaben unter­stützen. Den LandwirthschaftSkammern kann eine Mit­wirkung bei der Verwaltung der Produktenbörsen und bei den PreiSnotirungen bei diesen sowie bei Märkten übertragen werden.

* Die Branntweinproduktion der Deutschen Reichs betrug in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende Dezember v. I. 998,134 Hektoliter reinen Alkohol gegen 981,353 Hektoliter in demselben Zeitraum der Vorjahre S.

* Die Wechfelstempelstenereinnahme im Deut­schen Reich betrug in den drei Quartalen vom 1. April bis Ende 1893 6,104,765 Mk., 187,233 Mk. mehr als im gleichen Zeitraum deS Vorjahres. Von den 40 Oberpoftdirektionsbezirkm hatten 24 Mehreinnahmen, ebenso Bayern.

* Die deutsche überseeische Auswanderung über deutsche Hafen, Antwerpen, Rotterdam und Amster-

alS in dem herzlichen Empfang, der dm Gästen sütenS der Schloßherrschaft zu Theil geworden. Welch' lie­benswürdigen und sympathischen Charakter besaß LadiS- la«S! Seine frische und mittheilende Fröhlichkeit steckte alle qn. Ohne es zu wollen, ließ man sich in seine tolle Sorglosigkeit mit fortteißen.

Ich sehe ihn noch, wie er unS auf den kleinen ge­frorenen See mitschleppte, um ein Wettschlittschuhlaufen zu veranstalten. I« der Gesellschaft von Helena glitt er mit einer eleganten Sicherheit über die spiegelglatte Fläsche dahin, zog Spirale, phantastische Krürnmungm, entfernte sich bald von ihr, um sie darauf eng zu um­kreisen und dann Arm in Arm mit ihr dahin zu sau- ßen. Wir alle bewunderten die beiden jugendschöum Gestalten mit ihren vor Glück ftrahlenden Augen und wünschten aufrichtig, daß ihre Fahrt durchs Lebm ebenso glatt und ohne Hinderniß verlaufen möge.

Bei ihrem wilden Laufe hatten sie die übrigm Schlittschuhläufer weit hinter sich gelaffm, wie wmn sie an diesem herrlichen Tage mit ihrem Glücke ganz allein sein wollten. So erreichtm sie bald daS Ende der SeeS, während ich dem Paare auf dem Fuße folgte. In diesem Augenblicke lief Ladislaus voraus und beschrieb eine lange Kurve. Helma zog nach der anderen Seite auS und gedachte ebenfalls mittelst einer > Kurve wieder an die Seite ihres Gemahls zu gelangen. Plötzlich bemerkte ich, daß sich in dem Eise eine leicht zugefrorene O ffnung befand, die zum Fischfang ge­dient hatte und von Helena nicht bemerkt wurde.

- dam betrug im Jahre 1893 83,812 Personen (gegen 112,208 i. I. 1892). Davon gingen 39,852 über Bremen, 30,510 über Hamburg. Aus deutschen Häfen wurden im vorigen Jahre neben den 70,362 deutfchen ‘ Auswanderern noch 97,910 Angehörige fremder Staaten s befördert. Davon gingen über Bremen 69,548, Ham- ' bürg 28,362. lieber Stettin gingen im vergangenen i Jahre überhaupt keine Auswanderer.

* Der preußische Staatshaushalt, welcher ‘ von Seiten des Finanzministers dem Hause der Abge« \ ordneten vorgelegt worden ist, sieht für 1894/95 in dem ; Etat der Justizverwaltung eine an der Hand deS : Gerichtsverfassungsgesetzes für unerläßlich erklärte Ber- ' mehrung der Richterstellen vor: 1. Senats-Präsi- ■ deuten in Breslau, 7 OberlandeSgerichtsräthe, und ] zwar 4 bei dem Kammergericht, 2 in Naumburg und : 1 in Königsberg; 5 Landgerichts-Direktoren, und zwar \ bei den Landgerichten in Düsseldorf, Kiel, Könitz, Halle ■ a. d. S. und Magdeburg; 59 Richterstellen bei den > Land- nnd Amts-Gerichten; bei den L a n d g e r i ch t e n: i 3 in Berlin I, 2 in Berlin II, je 1 in Köln, Elber­feld, Frankfurt a. M., Altona, Kiel, Allenstein, Halle a. d. S., Magdeburg und Naumburg a. d. S.; bei den Amtsgerichten: 8 in Berlin I, 3 in Berlin II, je 2 in Charlottenburg, Breslau, Hannover und Magde­burg, je 1 in Köpenick, Rixdorf, Harburg, Frankfurt a. M., Buer, Dortmund, Gelsenkirchen, Altona, Blankenese, Kiel, Neumünster, WandSbeck, Königsberg i. Pr., Erfurt, Halle a. d. S. und Stettin; 10 im Bezirk Köln, von diesen sind bestimmt 3 für Köln, je 1 für Andernach, Mülheim a. Rh., Odenkirchen, Uer- dingen, Mettmann, Ottweiler und Trier. Die Ver­mehrung wird durchweg begründet mit dem schon Jahre hindurch festgestellten Anwaasen der ganz erheb­lichen Geschäftsvermehrung, die sich thellweise zurück­führt auf ein rapides Anwachsen der BevölkerungS- ziffern. Bezüglich deS Kölner Amtsgerichts ist gesagt, daß dort in den letzten Jahren eine so ganz außer­ordentliche Geschäftszunahme eingetteten ist, wie sie bei nur wenigen Amtsgerichten der Monarchie sich ergeben hat. Der Erste Staatsanwalt in Berlin soll im Gehalt dem Oberstaatsanwalt (Durchschnitt 8700 M.) gleich­gestellt werden. ES wird nur ein neuer Staatsanwalt, und zwar bei dem Landgericht in Stettin vorgesehen. Zur Berbefferung deS Einkommens der GerichtS- schreibergehülfen und Assistenten sind 55,600 Mark angesetzt. DaS in 18 Jahren in Stufen von drei Jahren erreichbare Höchstgehalt soll 2200 (bisher 1800) Mark betragen.

* Im Dezember v. I. waren 361 Rübenzucker- fabriken im Betriebe. Die verarbeitete Rübenmenge betrug 21,603,118 und in den Monaten August bis mit Dezember 103,085,037 Doppelcentner (gegen 95,083,083 in demselben Zeitraum deS Vorjahres). Produzirt wurden in allen Zuckerfabriken, Raffinerim u. f. w. in den Monaten August bis zum JahreSschluß 11,063,316 Doppelcentner Rohzucker, 3,432,789 Doppelcentner

Wenige Meter trennten Helena noch von dem Ab­grund, in welchem sie unrettbar versinken wußte, denn sie konnte unmöglich in ihrem Laufe einhalten, auch wenn sie dar Loch im Eise bemerken sollte. Ich warf mich daher mit der Schnelligkeit deS Blitzes Helena entgegen, schloß sie in dem Augenblicke, wo sie auf die trögerifche Eisdecke gelangen mußte in meine Arme und warf sie mit aller Kraft zur Seite, so daß wir auf Augenblicke um daS Gleichgewicht kämpfen mußten. Der Anprall war zu heftig gewesen; wir stürzten zu­sammen auf'S EiS. Ich versuchte bin Fall für Helena dadurch zu lindern, daß ich ihr alS Wall diente.

„WaS machen Sie denn, Sigismund? schrie sie betäubt vom Falle, da ihr das Geschehene vollständig unbegre.flich war.

„Ich rettete Sie," erwiderte ich, indem ich ihr die gähnende Oeffnung im Eise zeigte, die sich wenige Schritte von unS befand.

Ladislaus hatte sich unS inzwischen genähert. Hatte er die Frage, welche seine Frau an mich richtete, ge­hört, eine Frage, deren Ton aus eine alte nähere Be­kanntschaft zwischen unS schließen mußte. Hatte die komische Lage, in welcher wir unS befanden, feine Un­zufriedenheit erregt? Ich bemerkte in feinem Blick daS Gefühl des Zweifels. Als ich ihm über den Vorfall Aufklärung gegeben hatte, drückte mir LadiSlanS herz­lich bie Hand und sprach seinen innifcften Dank auS.

Meine Beziehungen zu LadiSlanS für den Rest deS Tages athmeten dieselbe Offenheit und Ungezwungen-