21. Jahrgang
Donnerstag, den 4. Januar 1894
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toten und Lehrer von selbst bemüht seien, etwaigen Mißständen abzuhelfen. Auch hätten die Provinzial- Schulkollegien ihr AufstchtSrecht durchaus mit der nöthigen Umsicht auSgeübt. Daher werden die alte Ordnung im Wesentlichen bestätigt und nur einige Ein- zelpm kte hinzugefügt. Zunächst haben diejenigen Oberlehrer, die als Nebenbeschäftigung an einer andern Anstalt einige Unterrichtsstunden ertheilen, die Genehmigung des Provinzial-SchulkollegiumS unter Vermittelung des Direktors nachzusuchen. Siner getheilten Auffassung
• Prag, 1. Jan. In der gestrigen Nacht wurden in der Vorstadt der Weinberge abermals die kaiserlichen Adler aus Brief-Sammelkasten mit Lack über-
Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung' werden noch fortwährend entgegengenommen.
„Seit etwa fünf Uhr Abendr. Man hat Sie be- WußtlqS hierhin gebracht."
Ovide erinnerte sich an nichts. Wie au allen Gliedern gebrochen und v rnichtet, ließ er sich dumpf auf sein Lager zurückhalten, stützte den Kopf in beide Hände und sann nach.
Der Krankenwärter schritt auf die Thüre de» kleinen Saales zu, öffnete sie, schloß sie dann wieder sorgfältig hinter sich ab und sagte alsdann zum Oberwärter: „Der Mann ist erwacht. Sc spricht."
„Gut, gehen Sie und theilen Sie er dem Chef mit."
Der Wärter entfernte sich schnell.
Zum zweiten Male wieder! ölte der Dijonnese, dies Mal fast mit lauter Stimme: „Im Depot der Prä- fektur! Und doch befand ich mich in der Rue be Seine bei dem Bankett, welches Johanna Portier zu Ehren gegeben wurde, welcher Marianne so eben ein GlaS von jenem Chartreuse eingeschenkt hatte, bei welche» sich eine Menge meines kanadischen LiqueurS beigemischt hatte."
Plötzlich stieß Ooide einen Wuthschrel au?. SS war ihm mit einem Male Alle- klar geworden.
„Ich begreife jetzt Aller!" murmelte er dann vor sich hin. „Marianne hat sich geirrt, sie hat mir den höllischen Liqaeur eirgeschänkt — ich bin verloren, denn ich habe jedenfalls gesprochen, und die Agenten
Erst gegen nenn Uhr glaubte der Wärter zu bemerken, daß der Mann eine leichte Bewegung mache. AlS er ganz genau zusah, nahm er sofort wahr, daß er sich nicht geirrt habe. Ovide wachte in der That bald körperlich und geistig zugleich wieder auf. Sr reckte die Arme, öffnete die Augen, richtete sich auf seine« Lager empor und blickte um sich.
Der schwache Schein einer einzigen Gaslichter erhellte nur sehr schlecht den kleinen Saal, in welchem er sich befand. Reben seinem Bette erblickte er den Wärter, welcher ihn ebenso ausmerksam als neugierig betrachtete.
Ovide fuhr mit der Hand an die Stirne. „Aber wo befinde ich mich beim eigentlich?" frug er bann fast ohne zu toifien war er sagte, während er zugleich fast zu träumen glaubte.
„Sie befinden sich in der Krankenabtheilung der Polizeipräfektur," antwortete der Wärter.
Ovide schrak heftig zusammen und zitterte am ganzen Leibe. Dann sprang er hastig von dem Bette herunter, auf welcher man ihn, ohne ihn seiner Kleider zu entledigen» gelegt hatte.
„Im Depot der Polizeipräfektur!" wiederholte er todtenbleich.
„Sa.“
„Seit wann?"
Endlich entlarvt!
Roman een R. von Wollersheim.
(207. Fortfetzemg.)
Der Chef der Sicherheit! Polizei ließ einen Polizei- kommifsar rufen mit welchem er sich einige Minuten lang unterhielt, kehrte zur Präfektur zurück, ertheilte hier einige Befehle und begab sich alsdann zur Kranken- abtheilnng des Depots.
Ovide Soliveau schlief noch: nur schien sein Schlaf etwas leichter zu sein:
„Ich werde punkt acht Uhr in meinem Kabiuet sein," sagte der Chef zu Einem bet Wärter, welche in der Krankenabtheilung den Dienst versahen. „Sobald bet Mann die Augen öffnet, theilen Sie es mir mit ober lassen Sie es mir sagen, ohne eine Minute zu verlieren."
Dann verließ er bie Präfektur, um speisen zu gehen. Um acht Uhr war er bereits zurückgekehrt. „Ist §emonb von bet Krankenabtheilung hier gewestn?" frug er bett Bureaudiener.
„Rein, Niemand."
Der Wärter der Krankenabtheilung hatte, um dem Befehle des Chefs pünktlich Folge leisten zu können, in der Nähe des Bettes Ooide SoliveauS Platz ge- itommen.
litatioD, ohne ■ werden. Wird in einem Einzelfalle eine Verletzung bet * ““! in Betracht kommenben Interessen festgestellt, so gab eS auch bisher Hanbhaben genug, um weiteren Uebelstänben
betheiligen sich an der konservativen Agitation, ohne daß gegen sie eingeschritten wird; also müssen die preußischen Minister mit dem Reichskanzler nicht so recht übereinstimmen. Nun hat der Minister deS Innern den Erlaß von 1882 wieder ein geschärft. Da ent
gegnet man aber wieder: das ist ihm kein Ernst; er hat nur eine Verbeugung gegen den Reichskanzler machen wollen, denkt aber nicht daran, den Beamten etwas in den Weg zu legen. Auch Miquel steht bei mißtrauischen Leuten in Verdacht, daß er heimlich die Opposition gegen den Reichskanzler billige, bei Gelegenheit sogar unterstütze. Die Beweise? Das ist eben dar Unerträgliche an der ganzen Lage, daß zwar keine bestimmten Beweise vorliegen, aber doch allgemein dar Gefühl herrscht, eS sei da oben durchaus nicht alles in Ordnung. Seit dem 18. März 1892 ist im Volke der Glaube an die Stetigkeit unserer Politik geschwunden. Und keineswegs bloS bei denen, die durch den berühmten 18. März so peinlich überrascht wurden, ist das Vertrauen geschwunden, sondern auch bei denen, die damals als Sieger galten. Warum soll Graf Caprivi mit seiner HandelSpolitik nicht ebenso festsitzen können, wie vor zwei Jahren mit seiner Schulpolitik? Vielleicht kommt bald Klarheit, indem die Konservativen einen Triumph erleben. DaS wäre aber nur der Anfang neuer, verstärktet Unsicherheit, denn nun toßrben wieder die andern einen Heidenlärm machen. Wir wollen nur hoffen, daß das neue Jahr die Zahl der Unzufriedenen nicht noch vermehrt. Allzu stark ist diese Hoffnung allerdings nicht. Insbesondere sind wir auch als Katholiken nicht besonders hoffnungsvoll, wenn wir sehen, wie man uns noch immer bei der Besetzung der öffentlichen Amtet behandelt und die Jesmtenfrage behandeln zu wollen scheint.
* Ende vorigen JahreS verfügte ein Erlaß deS Kultus - Ministeriums Erhebungen zwecks Neuregelung der Bestimmungen über den Privat - Unterricht nnd daS Halten von Pensionären dnrch Oberlehrer. ES wurde s. Z. bargelegt, warum bie bisher bestehenbeOrbnung für auSreicheub zu halten sei. Sine neuerdings erlassene Rnndvetfügung bestätigt im Ganzen diese Auffassung: eS bleibt der Hauptsache nach beim Alten. Anerkennend wird hervorgehoden, baß bie Direk-
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Januar.
* Der Kaiser hat auch beim diesjährigen Neujahrs- Empfänge eine politische Ansprache nicht gehalten; wenigstens ist über eine solche nichts bekannt geworden. Beim Empfange der Generalität sprach sich der Kaiser befriedigt über die Entw'ckelung deS deutschen Heerwesens im abgelaufenen Jahre aus. Bei bet Cour zeichneten der Kai er wie die Kaiserin den Reichskanzler Grafen Caprioi durch Absprachen auS. Heute Abend fand anläßlich der Anwesenheit der kommandirenden Generäle hierfelbst im Schlosse hohe Tafel statt.
* Für politische Bleigießer muß die Sylvesternacht diesmal großen Reiz gehabt haben. Gibt es doch so viele Fragen, mit deren Lösung sich alle Welt augenblicklich abrnüht, ohne sie zu finden. Die allernächste Entwickelung nnserer inneren Politik ist in völliges Dunkel gehüllt. Soll man aber Thalsachen angeben, weshalb es denn nicht ruhig weiter gehen könne, wie bisher, warum denn ein unberechenbares Ereigniß, ein plötzlicher Umschwung eintreten müsse, so ist man in Verlegenheit. Man munkelt allerlei von Krisen, allein sobald etwas Bestimmtes unter Nennung von Namen behauptet wird, erfolgt gleich Widerruf und Widerspruch. „Hie Caprivi, hie Miquel!" tust man, aber daß beide wegen der Steuerreform in Streit gerathen sein sollten, ist unwahrscheinlich und wird ausdrücklich von den verschiedensten Seiten in Abrede gestellt. Er wat insbesondere aufgesallen, daß am letzten Donnerstage der Reichskanzler und so viele Minister beim Kaiser Vortrag hatten. Die .Notdd. Allg. Ztg.' erklärt offiziös, sie hätten nicht gemeinsam, sondern nach einander Vortrag gehabt, und die Minister über ganz andere Gegenstände als der Reichskanzler. DaS Blatt hätte nun auch gleich sagen können, ob der Reichskanzler unter Zustimmung des Kaisers mit Miquel übereingekommen sei, sich mit der Beschaffung der Kosten der Militärvorlage zunächst znf rieben zu Kien. 68 wird dies von anderen bestritten, auch der iqnel'sche OffiziosuS tritt neuerdings für die Finanz- refotrn ein. Wie eS nun steht zwischen Miquel und Caprivi, ist aber nach wie vor für viele Gegenstand deS Kopfzerbrechens. Dann verweist man auf den Zwist zwischen den Konservativen und dem Reichskanzler. Der Reichskanzler hat aber den Kaiser zweifellos bei der Handelspolitik auf feiner Seite. Was wäre denn nun groß dabei, daß eine Partei heftige Opposition gegen diese Politik macht? Ja, sagt man, es muß doch nicht alles in Ordnung fein, denn die von der preußischen Regierung abhängigen Beamten
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vorzubeugen.
* In Betreff der Vorbildung der Pharma- ceuten hat der „Deutsche Pharmaceuten-Verein" an den Bundesrath eine Eingabe gerichtet, in welcher eS heißt: Wie durch die Presse verlautet, hat bie Regierung von Preußen beim BunbeSrath den Anttag gestellt, daß als Vorbildung für den Eintritt in den pharmaceutischen Beruf in Zukunft nunmehr das Quali- fikationSzeugniß zum einjährig-freiwilligen Militärdienst und Quartanerblldung in Latein vorgeschrieben sein solle. Der Centralvorstanb des „Deutschen Pharma- ceuten-BereinS" richtet im Namen dieses Vereins und einer größeren Zahl von Pharma ceuten, welche sich in dieser Angelegenheit dem Vereine freiwillig angeschloffen haben, an den BunbeSrath bie ehrerbietigste Bitte: Der BunbeSrath wolle bent Anträge bet Regierung Preußens nicht stattgeben, er wolle dahingegen beschließen, daß als Bedingung für den Eintritt in den pharmaceutischen Beruf der Besitz deS Reifezeugnisses eines Gymnasiums oder Realgymnasiums verlangt werde.
* Der Gesetzentwurf über die Entschädigung fit Verluste durch Schweineseuchen, der kürzlich vom preußischen LandwirthschastSminister den Oberpräsiben- ten zur Begutachtung übersandt würbe, ist durch Petitionen auS landwirthschastlichen Kreisen veranlaßt worben. Wie eS heißt, hatte baS Lanbwirthfchafts- ministerium vor Aufstellung beS Entwurfs burch die OrtSbehörben über ben Umfang der verschiedenen Biehversicherungen Erhebungen anstellen lasten. Die Erhebungen erstreckten sich auf alle Artm dieser Besicherungen aus die Zahl der in den letzten Jahren versicherten Tiere und diHHöhe der gezahlten EutschS- digungen. ES Wird beachsichtigt, demnächst auch sür andere an Seuche gefallene Haustiere im Wege der Gesetzgebung der Grundsatz der Entschädigung S- pflicht festzustellen. Hierauf gerichtete Petitionen sind bereits von verschiedenen Seiten an den Bundes- rath gerichtet worben, und auch bet deutsche Land- Wirthschastsrath hat sich dahin ausgesprochen, daß sür die Tubercolose im Wege der ReichSgesrtzgebung der Grundsatz der EntfchädigungSpflicht sestgestellt, und durch die Landes« oder Provinzialgesetzgebung bie Art bet Entschädigung und der hieraus erwachsenden Kosten
Wird die Neuerung begegnen, daß auch bezüglich des schunert, sowle auch sonst beschmutzt.
Privat-UnterrichtS an Andere als an Schüler derselben * Der ungarische Landes-Katholikentag, der Anstalt dem Direktor Mittheilung gemacht werben soll, einberufen ist, um den gläubigen Katholiken deS matiant- ES muß einerseits anerkannt werden, daß dies lediglich scheu Königreichs Gelegenheit zu geben, gegen daS * “ ' — ' *' ” ' * kirchenfeindliche kulturkämpfenfche Vorgehen des Mmt-
steriumS Wckerle öffentlich und feierlich Protest zu er- heben, findet, wie schon kurz rnitgetheilt, am 16. Im.
im Interesse der StandeSehre und zur Wahrung der Berufspflichten geschehen soll; aber eS wird doch anderseits als Eingriff in die persönliche Freiheit empfunden