•Ag 300 Sonntag, den 31. Dezember 1803. 20. Jahrgan.
Fuldaer W Zeitung
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In heiliger Absicht hat die Kirche die Feier dieses RamenSfesteS auf den ersten Tag im Jahre verlegt: sie sagt dem Christen: mit Sott, mit Jesus be- iinne das Jahr; Alles was du thust, sei im Namen »otteS!
Werden wir so im neuen Jahre fortfahren? Davor bewahre unS Sott! Es möge ein neueSZahr beginnen für «nS Alle. Seiner von uns möge dm attm Menschen, »Sin an seiner Seele etwas auSzusetzm ist, mit hin- Sberschleppen in'S neue Jahr. Nicht bloS im Kalender beginne das neue Jahr, sondern, was weit wichtiger ist, es beginne in unserem Herzen und habe feinen guten Fortlauf in unserem Wandel. Sorgen wir vor allen Dirg-n dafür, daß wir die heilige Gnade nicht verlieren! Wenn wir unS diesen kostbarsten aller Schätze bewahren, dann können wir getrost der Zukunft ent» gegensehen.
Deutsches Keich.
Berlin, 29. Dezember.
* Der preußische Landtag ist durch Königliche Verordnung vom 26. d. M. auf dm 16. Januar 1894 nach Berlin berufen worden.
i * * Bei Erörterung der Paritätsfrage ist neuer- dingS auch die vorwiegend katholische Prov nz West- Preußen und das fast ganz katholische Ermland in Betracht gezogen worden. Hier stellen sich die Berhältviffe noch viel schlimmer als in Westfalm und der Rhein-
Wegen des Neujahrsfestes er- scheint das nächste Blatt erst am Dienstag.
So kann man Leanthier, dm Anarchistm, bezeichnen, der in Paris kürzlich den ehemaligm serbischen Gesandten Georgowitsch mit einer Schusterahle zu erstechen versuchte. Er hat selbst zugestanden, daß weder I Entbehrung noch schlechte Behandlung ober verkehrte Erziehung ihn zu diesem frevlerischen Schritte getrieben hat, sondern einzig und allein das Lesen zweier Anarchistenblätter. Diese geistige Kost hat er anfangs nur widerwillig zu sich genommen, später aber mehr md mehr Gefallm daran gefundm, und schließlich ging dieselbe so ganz in fein Wesen über, daß er M „Propaganda der That" schritt, indem er sich gewissermaßen als Apostel der Lehre von der blutigen I Gewalt gegen die Besitzenden fühlte. Bon Rme ist I bei ihm keine Spur zu mtdecken, mit cynifcher Offen» heit verkündet er seine Grundsätze und erklärt, wenn er frei käme werde er wiederum so handeln, d. h. Mmchelmord begehen, und wie er, dächtm seine sämmtlichm Genossen.
Leauthier mag ein überspannter Kopf fein und dem Maß e nach eine Ausnahme bilden, aber im Prinzip geht es ihm nicht anders, wie dm übrigm Lesern verderblicher Lettüre, namentlich der schlechten TageSblätter. „Sage mir, mit wem Du umgehest, Ich will Dir Nnn sagen, wn-Du kannte- Wort; man könnte cs jetzt umändern in: I »Sage mir, welche Zeitung Du liest, ich werde Dir ! dann sagm, weß Geisteskind Du bist". Steter Tropfm höhlt den Stein; Jemand mag anfangs über die in der schlechtm Presse vertretmen Grundsätze empört fein, man darf wetten, wenn er dieselbe Jahraus Jahrein liest, wird er schließlich daS „Gruseln verlemm" und ohne daß er eS mertt zu den Anschauungen kommen, die ihm tagtäglich von dem Verführer im ZeitnngS- gewande gepredigt werden. ES ist außerordmtlich viel leichter, em Faß die Anhöhe hinab- als hinaufzurollm, im Frühjahre hat sich daS Unkraut viel eher entwickelt als der Weizen, und wenn mau er nicht zu Beginn ausreißt, überwuchert eS das ganze Feld und erstickt die edle Saat. Böse, unchristliche, gegen Sitte und Ordnung gerichtete Schriften können in kurzer Zeit gewaltige Verheerungen aurichteu und auch die von Natur gut beanlagten Gemüther alsbald auf den Pfad der Verkehrten führen. Wir leben in der Zeit der Flugblätter und TageSblätter, diese beherrschen die äffmttiche Meinung und, da sie alle Gebiete des menschlichen Fühlen« und WollmS in ihren Bereich ziehen, auch den Charakter uud das Handeln des ! Menschen in hohem Maße. Wo eS einmal gelungen | ist, sozialistische Zeitschriften und Flugblätter regel- mäßig einzuführen, dort wird allmählich die Bevölke- ’ rung sozialistisch angehaucht werden und schließlich in . Die Sozialdemokratie »etß da« selbst am beften, deshalb sucht sie,, wo ihre Agitatoren zu reden nicht wazm, durch daS Papier Propaganda zu machm und weiß auf diesem Gebiete immer neue Sifindurigm auSzunutzm. In der aller- neuesten Zeit schickt sie ihre Eintreiber in der Schalt von Hau si r e r n über Land. Dieselben Bieten Schreib- waare, Blider — auch religiöse! — bei Arbeiterfamilien und Landleuten zum Kaufe an und vertheilm bei dieser Gelegenheit, wo sie eS eben für räthlich halten, sozialistische Blätter und Flugblätter unter allerlei Anpreisungen. Wenn auf diese Weise von 100 oder 200 nur ein Einziger für die Sozialdemo- kratte gewonnen wird sind die Parteihäupter schon « £ > »" erst Einer ist, kommen erfahrungsgemäß Andere nach, unb wer erst sozialdemokratische Blätter liest, der entgeht den Krallen der Partei fo leicht nicht mehr.
Aber nicht die sozialistische Presie ist eS allem, gegen welche Alle, die eS mit dem Christenthume ernst meinen, energisch Front machen müssen, sondern die antireligiöse Tagespreise sowie auch die sogenannte „parteilose", zur Gleichgültigkeit erziehende, muß mit Entschiedenheit bekämpft werden. Es ist geradezu traurig, wie wenig sorgsam man vielfach auf
Billig bleiben wir an diesem Tage bei dem Anfang eines neuen Zeitabschnittes stehen, blicken zurück auf das verflosieue Jahr, auf unsere schon zurückgelegte Lebenszeit und fragen unS selbst, ob wir auch alle Handlungen unserer verflossenen Lebenslage mit Gott angefangen hoben? Ob wir dankbar waren für die Menge von Wohlthaten, welche unS Sott erwies?
Taufende sind in diesem Jahre gestorben; wir leben noch. Tausende litten schwere Krankheiten; wir blieben gesund. Biele traf großes Unglück; wir blieben ver- schont. Sogar unsere Unternehmungen hatten gesegneten Fortgang. Biele Wohlthaten der Leibes, noch mehrere und größere der Seele haben wir von Gott erhalten' «usmuvterungen zum Guten, die Stärkung durch seine , c„.8u,uyit,„ w«e SL Gnadenmittel, Erleuchtung durch fein göttlicher rung sozialistisch angehaucht > Wort, Warnung durch daS Gewisien.. Wir sind nicht | das rothe Lager übergehen, einmal im Stande, Alles zu überdenken, was Gottes ---- - ~ ■
«flte unb Barmherzigkeit zur Förderung unseres Seelenheils an unS gethan hat.
Mit Recht fragen wir uns nun aber auch: WaS haben wir gethan, um Sott für so viele Wohlthatm «nsere Dankbarkeit zu bezeigen? Haben wir seinen heiligen Willen auch redlich erfüllt? Keilich müssen wir hier zu ngserer Beschämung bekennen, daß wir in diesem verflofieaen Jahre viele Fehler, viele Sünden begangen haben und, anstatt dankbar zu sein, «ndankbar waren.
Du katholische Kirche begeht am 1. Januar ein doppetteS Fest: die Beschneidung des Herrn und den Anfang eines neuen Jahres.
DaS ,göttliche Kind, welches zu Bethlehem geboren war, erhielt an diesem Tage den Namen Jesus, d. i. Heiland, Erretter. Seliawacher. Dieses ist der heiligste Name, in welchem unsere Erlösung schon angedeutet wmde, und welchen wir daher nur mit größter Ehr- furcht aussprechen sollen. „In dem Namen JefuS sollen sich alle Knie bengen Derjmigen, welche in dem Himmel, auf der Erde und unter der Erde find." Es ist der Name, in welchem wir Alles anzufangen und zu vollenden haben.
katholischer Seite in diesem Puntte ist. Daß Niemand mit beschmutzten Füßen inS „beste Zimmer" kommt, dasür borgt man ängstlich, aber Tag für Tag läßt man die Zeitung herein, welche der Religion und Sittlichkeit Hohn spricht, solchen geistigen Unflaht HStt man für eine nothwendige Zuthat zur „Bildung". Und war das Schlimmste ist: man scheut sich nicht. . die Kinder, sobald sie am Lesen Lust finden, solche ; Blätter gerade in den Theilen, wo sie dar meiste Sist enthalte«, durchstöbern zu lassen: im Feuilleton und „Vermischten". In solchen Blättern enthält der letzt- genannte Theil in der Regel anfregende und „pikante" Notizen, Schilderungen von Verbrechen, unsittlichen Thaten, Freveln aller Art, unb Aller wird in einer Form servirt, daß eher zur Nachahmung, als zum Abscheu vor solchen Thaten angereizt wird. Um nur ein Beispiel zu geben: ein in katholischer Gegend erscheinendes „parteiloses" Blatt brachte kürzlich eine rührende Schilderung der Art und Weise, wie der Dichter Heinrich von Kleist „verkannt nnd unverstanden in seiner höchst eigenartigen Persönlichkeit" sich selbst daS Leben nahm, nachdem er vorher seine Freundin, die Frau eines Andern, erschossen hatte. Am Schluffe hieß er bann: „Der Gebenkstem trägt unter Angabe des Namens unb der Daten die schönen (!) Worte: „ES lebte still und fang In schwerer trüber Zeit; Er suchte hier den Tod Und sand Unsterblichkett." Ist daS nicht eine direkte Verherrlichung deS Selbstmordes? Em anderes „farbloses" Blatt, die berliner Mendztg/, schrieb in ihrer Nr. 268 vom 10. November zum Selbstmorde beS Falschspielers v. Meyerinck in Hannover: „Somit hat sich die Gruft über einen Mumie geschlossen, der durch ferne Selbstmord bewiesen, daß er den Muth besaß, mit feiner, Ehre auch fern Leben zu verspielen — ein Abschluß eines gew-ffm Zuge« entbehrt." WaS sagt der christliche Leser zu solchen Grundsätzen? | Und trotzdem zählen die christilchm Abonnenten dieses Blattes nach Tausenden!
Nun daS Feu i l l eto n. In vielen nichtkatholischen Blättern begegnet man „unter dem Strich" kaum einer Erzählung ober einem Romane, in dem nicht wenigstens entweder ein Ehebruch oder ein Selbstmord vorkommt, unb das ist bann alles so natürlich, so harmlos, so berütfenb geschildert, daß der nichts Bösis ahnende Leser, und ganz besonders der jugendliche Theil, ohne daß er irgendwelche Absicht dabei hätte, unbewußt sich in den Gedanken hineinlebt, daß die Helden der Er- ziihlung nichts Schlimmes gethan haben — vom Zu» ftimmen bis zum Nachahmen ist nur ein Schritt. Wie mancher jugendliche Verbrecher, wie manche unglückliche Verführte aus sonst braver Familie mag in Schande unb Entehrung gekommen fein in Folge bet schlechten Lektüre, welche die in der Familie sorglos gehaltenen unchristlichen TageSblätter Voten — er ist dies ein Moment, welches nur gar zu wenig beachtet wird. Zu einem Leauthier bringen e» zwar in Folge der schlechten Tageslektüre die Wenigsten, aber zu Sozialdemokraten, Unchristen und Unmoralischen sehr Biele.
ES steht daS neue Jahr vor der Thüre, die Zeitungen müffen von Neuem bestellt werden, bei dieser Gelegenheit möchten wir die recht ernste und dringende Mahnung an alle christlichen, katholischen Familien» Vorstände richten: Schaffet die unpassende Lektüre aus dem Hause, mag sie sich sozialdemokratisch, liberal oder parteilos nennen; an betet Stelle aber sitzet katholische Zeitungen unb Zeitschriften und nur solchel Wer an biefen keinen Gffchmack findet, der ist schon innerlich angekränkelt, und falls er noch unter bet elterlichen Hand ist, muß Batet und Mutter ihn gründlich unter die Zucht nehmen, um noch zu retten, was zu retten ist. Fort mit dem unchristlichen Sauetteig aus dem Hause; jedes antikatholische Blatt — und sei eS ein verkapptes — w'.tt im christlichen Haufe wie der Funke im Klc iber kästen!
Neujahrs-Wunsch.
ftyi” Jahr dahin! Wie schnell entschwunden K- Ist es und nimmer kehrt's zurück, ö Wohl Manchem schlug es tiefe Wunden, Wohl Mancher dankt ihm Freud' und Glück.
Du magst Dich nun von dannen heben. Um ist die Dir gesetzte Zeit!
Bald wirst Du, altes Jahr, Dich weben Jn's Traumbild der Vergangenheit.
Das neue Jahr winkt uns entgegen So freudig, so verheißungsvoll, Wir hoffen von ihm reichen Segen, Des alten Schuld es zahlen soll.
Wir hoffen! — Ob sich wohl erfüllet WaS bang' ersehnt die Menschenbrust? — Ein dunkler Schleier noch verhüllet Der Zukunft Leid, der Zukunst Lust.
Wir hoffen! Gott allein gegeben Ist die Erfüllung immerdar.
Nach oben fromm den Blick wir heben: „Herr, seg'ne Du das neue Jahr!"
* Zum neuen Jahre.
Herr, gieße in dem neuen Jahr Aus alle Menschen deinen Segen, Und leite alle immerdar Trotz Kampf und Mühen und Gefahr Dem Born des wahren Hells entgegen.
Und wär' dies unser letztes Jahr Im vielumstürmten Erdenwallen, Dann reich' unS, Herr, die Rechte dar Und führ' uns zu der Jubelschaar In deines ew'gen Reiche- Hallen!
> Ein Gpfer der schlechten Kresse.