JW 297 Donnerstag, den 28. Dezember 1893. 20. Jahr§
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auf die »Fuldaer Zeitung' All II f II UlUll II für das 1. Quartal 1894 wer« 'VVfllUUlHJVU ben fortwährend von allen Post« anstalten, bett Boten und in der Expedition angenommen.
Sitzungen die Berathuvg der Bestimmungen über das eheliche Süterrecht erledigt und sich dann bis zum 9. Januar vertagt.
* Die frauzöfische» Spione haben in Glatz ihre Strafe angetreten. Der .Reichsbote' spricht die Erwartung aus. daß man bei der Nähe der österreichi« I schm Grenze, die eine Flucht sehr leicht macht, beson« berg strenge Vorkehrungen zur Verhütung einer solchen treffen werbe. Daß man bie schlesische Bergfestung der großen Festung Magbeburg vorgezogen hat, führt ber .Reichsbote' auf die Erwägung zurück, daß man so gewiegten Befestigungskennern, wie es die beiden fremden Offiziere sind, nicht Einblick in eine unserer bedeutenderen Festungen gewähren dürfe.
I * * Aus Südwestafrika kommen recht unerfreuliche Nachrichten. Die Leute Hendrick Witboir haben eine deutsche Niederlassung bei Kubuk zerstört und alles Vieh geraubt. Dm dmtschen Kolonisten Hermann und Quitzow gelang er, nach der Küste zu entkommen, von wo aus sie sich nach Kapstadt einschifften. Der Kreuzer „Falke" ist nach Lüderitzland gegangen, um über die dortige Lage Erkundigungen einzuziehen.
* Die Militärschwärmer erdenken doch Allerlei. Im vorigen Jahre wollten sie die Unteroffiziere alr Lehrer angestellt wissen und heute wollen sie gerade dar Umgekehrte, sie wollen die Lehrer zu Unter- offneren gemacht wissen. Diese Weisheit mtspringt der konservativm .Kreuzzeitung'. Sie empfiehlt zur Hebung des Ansehens der „einst so geehrten Stander", daß die Lehrer möglichst zu Unteroffizieren gemacht werden, damit sich die „Achtung der Besseren im Volke" wieder zu wende! Die „Tressen" gelten auf dem Lande noch etwa- und die Schule der Kaserne, die sie natürlich in der gleichen Weise und auf die
! gl-iche Dauer wie die übrigen Wehrpflichtigm gmießeu müßtm, würde ihnen in ihrer Berussthätigkeit von größtem Nutzen sein. Kurz, dar ist der Schluß der „KrmzzeitungS"-WeiSheit, die Lehrer würden im All- gemeinen und im Besonderen erst brauchbare Menschm werden, wenn sie wie die Anderen bienen und bie hohe Charge des Resetve-UnterosfizierS erklimmen würben. Daß bie Lehrer bann auch mehr Respekt vor bent Grundbesitzer, der meist Lieutenant oder Rittmeister ' a. D. ist, bekommen würden, sagt dar Blatt nicht, f aber dar ist sein Hinter- und Hauptgedanke dabei. {
* Der Betrag ber für die Naturalverpflegung der bewaffneten Macht int Frieden zu gewährenden Vergütung ist für das Jahr 1894 dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist: für die volle Tageskost mit Brot 80 Pf-, ohne Brot 65 Pf., für die Mittagskost 40 bette. 35 Pf., für die Abendkost 25 bezw. 20 Pf. und für die Morgenkost 15 bezw. 10 Pf.
* Durch KabinetS-Ordre ist vom Kaiser die dem- selben vorgelegte Probe einer Kochgeschirr» au« Aluminium bei Neubeschaffungen für die Infanterie, die Jäger und Schützen, die Pioniere und die Eisenbahn-Formationen genehmigt worden.
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(202. Fortsetzung.)
Wenn Amanda noch gezweifelt hätte, daß der Mann welchen sie im «ug-hatte, in der That ber ehemalige Baron Arnold de Reiß fei, so enthob sie ber Klang ferner Stimme allen Zweifels, Er war es, das war für sie gewiß.
Ovide, welcher einstweilm von ferner Mahlzeit ganz in Anspruch genommen war, ahnte nicht im Ent- Mvlesten, daß sich Jemand in dem anstoßenden (Sahnet befand.
Marianne erschien, um aufzutragen.
„DaS ist weuigsteus ein Anfang," sagte sie dann, „Ich bringe Ihnen sogleich noch Brod, Käse und Wein."
»Ja, beeilen Sie sich etwas, meine Tochter, ich werde Ihnen sogleich auch etwas zeige»."
„WaS denn?"
„Sie werden es sogleich sehen."
Amanda, dicht bei dem geöffneten kleinen Fenster stehend, verlor nicht ein einziges Wort von ber ganzen Unterrebung. Sie konnte durch die nicht ganz b»cht anschließenden Vorhänge Ovide sehen, der ihr ben Rücken kehrte.
Marianne erschien jetzt abermals unb brachte die werteren Speisen.
„Nun, was wollen Sie mir denn zeigen?" sagte sie.
„Ich scherze nicht und frene mich, Ihnen gefällig zu sein."
„Run denn, so danke ich bestens. Sie find zu liebenswürdig." Die Magd schloß das Meine Etui wieder, steckte eS in bie Tasche unb fuhr bann fort, »ich höre so gern fingen: Sie werden unS gewiß etwas vortragen, nicht wahr?"
„Gewiß, fo viel man will."
„Aber alle müffen mitfingen."
„Natürlich. Auch Mutter Lison."
„Dies wird lustig werden, ab« ich glaube nicht, daß eS gelingen wird. Sie ist immer fo ernst. Es ist fast unmöglich, sie etwas aufzuheitern."
„Wenn Sie wollen, Marianne, wird es nicht fo schwer sein."
„Wie so?"
„Es handelt sich lediglich darum, sie ein wenig angeheitert zu machen."
„Aber ich soll nicht bie Getränke auftragen."
„Mutter Lison braucht auch nicht viel zu trinken", sagte Ovibe. „Nach bem Kaffee wirb man ja Liqueur trinken, nicht wahr?"
„Gewiß, währenb beS Mahle? und auch vorher, nichts wirb fehlen."
„Gut, fo können wir uns verstänbigen. Nach dem Kaffee werbe ich sagen, baß ich auch meinen Willkomm geben will, ich werde Mutter Lison mein Geschenk überreichen und mit ihr ein Glas Chartreuse trinken.
„Ah, Neugieriger! Sie haben es eilig. Run, Sie werden eS sehen."
Ovide zog zwei Etui'S von Maroquin aus der Tasche, daS eine in rothem, das andere in schwarzem I Leder. Er öffnete das Etui in rothem Maroquin. Auf entern kleinem Riffen von blauem Velours ruhte ein Paar Ohrringe.
„Nun, war sagen Sie dazu?" frug jetzt Ovide. , "Sehr schön, herrlich muß ich sagen, gewiß sehr thmer! Wollen Sie Mutter Lison damit ein Geschenk machen?"
„Sie haben es errathen."
„Sehr liebenswürdig - die arme Frau wird sich gewiß sehr freuen."
„Ich wünsche und hoffe eS."
„Ganz sicher wird sie sich freuen. Aber war ist denn in dem andern Etui?"
„Noch ein Paar Ohrringe."
-Wollen Sie ihr denn zwei Paar fchenken?"
„DaS zweite Paar ist für Sie bestimmt, Mariane!" .®‘c Biagd erröthete bis über die Ohren. „Für mich!" wiederholte sie.
_ fagen Sie mir nun, ob sie Ihnen gefallen." Ovtde öffnete letzt das zweite Etui.
Marianne stieß einen Freudenschrei aus. „Herrlich, herrltchm ber That!" rief sie aus. „Ich glaube, Sie scherzen, wenn Sie sagen, baß bieS für mich fein soll."
Stadt, Provinz und Nachdargebiet.
Fulda, 27. Dezember.
* Gestern, am zweiten Weihnachtsfeiertage, Nachmittags 5—6x/4 Uhr, fand in der „Harmonie" die diesjährige Generalversammlung der beide« Ko«« ferenze« de» Vincenzvereiu» statt. Unser Hochw. Herr Bischof beehrte und erfreute bie zahlreich An« wefenben bnrch seine persönliche Theilnahme an ber Versammlung. Nachdem der Borsitzmde der örtlichen BerwaltungSratheS, Herr Fabrikant Richard Schmitt, die Versammlung mit Gebet eröffnet und eine kurze einleitende Ansprache an dieselbe gerichtet hatte, nahm Herr Stadtpfarrer Rhiel das Wort zu einem längeren Bortrage über das heldenmüthige Wirken eines ManneS, der den Mitgliedern, der Bincenzvereine als Vorbild dienen könne. Es ist dies der unseren Lesern schon auS früheren Mittheilungen unseres Blattes bekannte Pater Damian, welcher im Jahre 1873 aus freiem Entschlüsse zur Insel der Aussätzigen im stillen Ocean (Sandwichmseln) ging, nach mehrjährigem priesterlichem Wirken selbst vom Aussätze befallen wurde und im Jahre 1889 als Opfer der christlichen Nächsten- liebe auf jener Insel seine Ruhestätte sand. DaS erfolgreich begonnene Werk des Verstorbenen wurde von emem nicht minder heldenmüchigen Nachfolger, Pater Conradi, mit Hilfe eines Laienbruders und mehrerer
Ausland.
* Rom, 23. -Dez. Der Papst nahm die Glück- wünsche des heiligen Kollegiums zu Weihnachten entgegen. Kardinal'Monaco verlas eine Adresse, welche dem Papst ein langer Leben wünscht, damit er der Welt den Frieden geben könne. Der Papst erwiderte, indem er den Kardinälen für die dargebrachten Wünsche dantte. Er vereinige seine Wünsche mit den ihrigen, die Ergebenheit der Völker für ben hl. Stuhl erflehend, und bat Gott, in Wirklichkeit der Bote des Frieden- fein zu können. Niemand könne beffer den Friedm bringen als der Papst, denn der Friedm fei die Tochter ber Gerechtigkeit unb SaS LebeuSelement ber Glaubens, unb ber Papst ist ber Hüter bes Glaubens und ber Bertheibiger ber Gerechtigkeit. Wenn man biefem Vermittler den Weg frei gibt, fo wird man die Ordnung wieder erstehen sehen, nach welcher die Völker seufzen. Dm Grund der heutigen Agitationen muß man in dem Stolz suchen, der sich weigert, die Augm zum Himmel zu erhebm, um die Vorgänge auf der Erde zu bmrtheilen. Aber man braucht nicht zu verzweifeln, denn Christus wird niemals die wiedererkaufte Mmfchhett verlaffm. sDie Tage des SlaubmS werden wiederkehren. — Die Gesundheit des hl. Vaters ist ausgezeichnet.
* Odessa, 23.Dez. Die hiesige Firma DreyfuS u. Comp. ist wegen Unterschleife bei der Lieferung von Getreide für die nothleidmde Bevölkerung des GouvernemmtS Samara vor Gericht gestellt werden.
Deutsches Keich.
Berlin, 26. Dezember.
* Der Kaiser begab sich am Sonntag Mittag nach Charlottmburg unb verweilte längere Zeit in stiller Andacht im Mausoleum, woselbst er anläßlich der 100- jährigm Hochzeitstages seiner Urgroßeltern, deS KänigS Friedrich Wilhelm HI. und der Königin Luise auf deren Särge Kränze niederlegte. Abends fand bei den Majestäten im Neuen Palais die WeihnachtSbescheerung statt, beten Aufbau ber Kaiser unb bie Kaiserin selbst geleitet hatten.
* Die Sitzung bes preußischen Staat»mi«isterium» am Freitag bauerte 5 Stunden unb würbe am Sonnabend fortgesetzt. Es soll zu lebhaften Erörterungen gekommen sein; über die Natur derselben ist man indeß nur auf Berumthlmgm angewiesen.
* Die Aufgaben der nächste« Landtag-sesfion werden nicht sehr zahlreich irnb auch nicht sehr groß an Bebeutnug sein, so baß nur eine kurze Session zu erwarten ist. An erster Stelle kommt ber Etat, nehm diesem dürfte das Eisenbahngesetz bie wichtigste Vorlage bilben, burch welcher zur Erleichterung der Krebitr beim Bau von Kleinbahnen bie Möglichkeit gewährt werden soll, die ganze Bahnunternehmungen zu verpfänden. Bon Seiten der KultnSmi- nisteriums ist nur der Gesetzentwurf bett, dar Ruhe- gehalt und die Berhältnisie der Hinterbliebenen von Lehrern an Mitteschulen ausgearbeitet. Im In- ftizministeriums ist ein Gesetzentwurf über die Verhinderung der Güterzertrümmerung (GüterauSschläch- terei) vorbereitet worden. Weiterhin hat man sich im Landwirtschafts-Ministerium unb ben übrigen beteiligten Ressorts mit ber Errichtung von Landwirth- I schaftS-Kammern beschäftigt, doch scheint eS noch nicht sicher, daß diese Vorlage an den Landtag gelangt. Bon Seiten des Ministeriums des Innern sind zwei Vorlagen in Aussicht gestellt: eine Landgemeinde- Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau und ein Gesetzentwurf bett, die Einverleibung der Vororte in die Stadt Berlin. Unwahrscheinlich ist es dagegen, daß ein KomptabilitätSgesetz und Vorlagen betreffend die Herstellung von Freihafengebieten für Dan- Ztg, Stettin und Kiel schon in der nachstm Session an ben Lanbtag gelangen werden.
* Dem österreichischen Erzherzog Albrecht, der gelegentlich der Anwesenheit des deutschen Kaisers bei ben österceich-ungarrischm Manöver» z«m preußischen Feldmarschall ernannt worben war, ist der Marschallstab dieser Tage im Auftrage bes deutschen Kaisers b«rm den Generaloberst von Los überreicht worden. I ... Äommiffion für bie zweite Lesung eines burgcrlichel^Gesetzentwurfs hat in ihren letzten