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20. Jahrgang

JW 295

1892

1883 3,522,845 15,786,764 19,189,715 9,206,192 in Mark

1883 1,678,691,700 3,074 264,200 306.582 800 476,698,500

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(200. Fortsetzung.)

Der Wagen fuhr im schärfsten Galopp davon am Sinaana der Rue Murillo stieg Duchemin aus, nach­dem er fich mit Castel bezüglich deS Cafe's verständigt hatte, wo sie sich treffen sollten.

Am Hause der Millionärs angelangt, klingelte der Künstler. „Ist Herr Paul Harmant zu Hause?“ frng er den Schließer, welcher cha sogleich wlederer- kannte. , ,.

„SStin, wein Herr", antwortete er, „aber Fraulem Utaiti wird Sie jedenfalls empfangen."

„(geben Sie Ihr gütigst meine Karte."

Der Schließer nahm die Karte, zog eine Klmgel und begleitete den Künstler bis zum HauiMr, wo er die Karte dem Kammerdiener, Herrn Theodor,

„Fräulein ist im Salon, ich will Sie anmelden , faßte orr lefet ere.

Zwei Mmnten später wurde Stephan zu Mary geführt, welche fich erhob und ihm entgegenkam. TodeS- bläsi- bedeckte die Züge des jungen Mädchens. Ihr abgemagerteS Gesicht, aus dem dir rorhen Aepfel auf den Wangen grell hervortraten, verrieth krm weiteres Leben als den fieberhaften Glanz chrer Augen.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Dezember.

Pferde 1,880 865,200 Rindvieh 3,545 555,600 Schafe 217,749,300 Schweine 684,653,100

• Die Apotheken - Konzessionen betreffend hat der Kultusminister am 2. Dez. folgenden Erlaß an die Oberpräfidenten gerichtet, der nunmehr im,Reichs- An».' veröffentlicht wird: „

Der Runderlaß vom 13. Juli 1840, 6etreffenb dre A n* lequng neuer Apotheken, bestimmt tmSchluß,atz, „daß einem Apotheker, welcher bereits eine Apotheke besessen hat, dre Kon­zession zur Anlegung einer neuen Apotheke nicht zu ertherlen tft wenn nicht besondere Umstände obwalten, durch welche eme hierunter zu machende Ausnahme gerechtfertigt erscheinen düffte, in welchem Falle jedoch jedesmal die Genehmigung desMim- fteriuntS dazu einzuholen ist." Diese Bestimmung ist zur Ber- einsachung des Verfahrens sest langer Zeit m der Weise gehand­habt worden, daß solche Apotheker um eine Konzession sich nur bewerben durften, nachdem sie die diesseitige Genehmigung dazu erhalten hatten. Nach dem Wortlaut der Bestimmung 'st aber nicht die Bewerbung, sondern die ErtheUung der Kon­zession von meiner Genehmigung abhängig. E Ercellenz ersuche ich daher ganz ergebenst, tu Zukunft Be­werbungen von Apothekern, welche bereits eine Apotheke 6e- festen haben, nicht zurückzuweisen, sondern die Verhältnisse, welche den Betreffenden zur Veräußerung seiner Apotheke veranlaßt haben sorgfältig zu prüfen und in Fällen, welche danach zur Berücksichtigung geeignet erscheinen, behufs Entscheidung über

* Ei« deutsches Central-Komitee für die nächst­jährige Weltausstellung i« Antwerpen hat fich beute in Berlin unter Vorsitz deS Prmzen Franz von Arenberg, Mitglied des Reichstags, konstümrt.

* Der Buudesrath hat gestern das Gesetz über die Gleichstellung der Invaliden aus dm Kriegen vor 1870 mit den von 1870/71 in der vorn Reichstage beschlossmen Fassung, sowie dm bereits mltgechnltm Antrag wegen Anwendung der Satze deS allgemeinen Zolltarifs auf rufsifcheWaarm, die vor dem Mknege bestellt waren, angenommen. Die HandelS - Ver rage mst Spanien, Rumänien und Serbien, sowie die Muster- und Markenschutz-Konvention mit Serbien werden zur Ratifikation vorgelegt.

* Die ,910t. - Ztg.' widerspricht nachdrücklich dem Verlangen einzelner deutscher Blätter nach Begnadigung der französischen Spione. Dar AuSspähm unserer Befestigungen sei eine Vorbereitung für die militärische Niederwerfung Deutschlands und dürfe nicht als Leistung behandelt »erben, vor welcher man bei uns eme Art wohlwollender Bewunderung empfände.

• Das Kaiserliche statistische Amt veröffentlicht ine Hauptergebnisse der Zählung der wichtigste« Vieh- gattnngen am 1. Dezember 1892. Danach wurden gtzählt:

1892

Pferde 3,836,346 Rindvieh 17,555 818 Schafe 13,589,759

Schweine 12,174,513 Der Berkaufrwerth betrug

SamStag, den 23. Dezember 1893.

lMnWMtMg

$ * ^Zum Kapitel Sonntagsruhe beim Militär veröffentlicht der konservative »Badische Landesbote' in Karlsruhe folqmdm Brief eines Grenadiers über den Dienst am 3. Dezember. „Am Sonntag hatten wir einen schönen Tag: V»6 Uhr Morgens Aufstehen das Zimmer reinigen und Bette« baue« bis 7 Uhr; 7—9 Uhr Gewehr-Reinigen; 9—10 Uhr Anzüge aus- - klopfen; V-l2 Uhr AuSgeh-Appell; 1 Uhr Parole- Ausgabe; 2—4 U6r wurden wir ausgeführt. Statt daß wir nachher Ruhe hatten, ging'S erst recht loS: ’ vom Unteroffizier aus mußten wir um 5 Uhr antretm : mit frischgewaschenem Drillichzeug; */26 Uhr mit - schlechtem Anzuge; 6 Uhr mit fünftem Anzüge; */a7 - Uhr mit zwn Paar Stiefeln blank gewichst, dieielbm mußten wir aber zuvor mit Fett schmieren; da konnte j man schwitzen; 7 Uhr mit gewaschener Feldmütze; ; i/ 8—8 Uhr Gewehr-Einfetten; */49 Uhr Spinde- > Ordnen; 3/^9 Uhr hat's geblasen, und da war der Sonntag auch herum, aber wie!" Ist daS wahr? Wenn nicht, bann fasse man den oder bte Lügner; wenn aber wohl, bann haben bie militärischen Bor- i gesetzten die dringendste Veranlassung, in eine solche

Wirtschaft mit eiserner Faust hineinzugrerfen.

Castel empfand tiefeS Mitleid mit dem jungen Mädchen. „DaS arme Kind ist an den Verbrechen ihres Vaters nicht Schuld?" dachte der Maler bei sich.

Wäre es nicht dtsser, wmn sie sogleich stürbe, so daß sie nicht den Zusammenbruch ihres HauseS erleben

„Nun, was führt Sie denn zu mir, mein lieber Freund?" frag das junge Mädchen, mtt emem Lächeln, welches mit ihrm bleichen Lippen m Widerspruch stand.

Wollen Sie mit mir frühstücken? Das wäre em glücklicher Gedanke, ich bin nämlich allein, und so ware eS mir sehr angenehm, wenn Sie mtr Gesellschaft Ittfim$»oQten. gh„ freundliche Einladung

nicht annehmen zu können", antwortete drr Künstler.

„Aber weshalb den nicht?" „Ich habe bereits gefrühstückt.

„Um so schlimmer. Wollten Sie Mich oder mei­nen Vater besuchen?" .

Ich wollte Herrn Harmant sprechm. 34 würde nicht zu hoffen gewagt haben, von Ihnen so frühzeitig empfangen zu werden." ~ ,

y„8Rein Vater befindet fich in der Fabrik. Haben Sie etwas Eiliges?" ..

Ich wollte ihn um die Erlaubmß gebeten haben, seine" Fabrikräume besichtigen zu dürfen. Ich wollte das Innere einer Fabrik malen."

«itttkljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn uni» »esirugeio ____—

sH&Ä'VÄÄ Ä'WS'S i oder durch ihre sittliche Führung zu Bedenken Anlaß geben, fi$ - nidit zur Berücksichtigung eignen. Euere Excellenz .wollen die . Herren Regierungspräsidenten der Provinz hierüber in geeigneter Weise gefälligst verständigen. ,, _ .. . I

• Zwei Tagebücher Emin Paschas sind aus Brüssel der deutschen Regierung zugegangen, welche: der 'Kommandant Ponthier in Klbonge ausgefunden hat. Durch eine« Zufall scheinen dieselben der Der« - nichtung entgangen zu sein, da berichtet wird, daß die ■ Araber nach Emin'S Ermordung alle Papiere und Sammlungen die derselbe mit sich führte, ms Wasi.r geworfen hätten. Die Blätter enthalten, w,e das ,Kolonialblatt' mittheilt, Aufzeichnungen m englischer Sprache, die von Januar bis Mitte Marz 1892 reichen und größtentheilS naturwissenschaftlichen In- haltS ^jin(rett Hy. Dez. In der ReichSräthekammer für 1893 verlas Fürst Löwenstein eine Erklärung, in der e» heißt: Die große Militärlast sei eine Schädig­ung des nationalen Wohlstandes; dabei habe matt keine Garantien, daß nicht wieder größere Forderungen kommen. Das Ende sei doch der Weltbrand. ®r sehe kein anderes Hilfsmittel, als em ständiges, völkerrecht­lich anerkanntes Schiedsrichter amt, woraus bte ! Abrüstung fich entwickeln würde. Der Papst sei die geeignetste Persönlichkeit, dem Schiedsgericht vorzu- | stehen. Reichsrath Buhl erwiderte, Deutschland et I bet Träger der Friedenspolitik. Erne Abrüstung sei nicht möglich. Das F-fthaltenanderWehrkrast und gute Allianzen seien die beste Fr.edenSftcherung. Der Militäretat wurde hierauf ohne weitere Diskussion ge-

Aenderungen der Wehrordnung.

In Ausführung des Gesetzes vom 3. August 1893 Über die Friedenspräsenzstärke deS deutschen HeereS sind unterm 20. No- vember d. I. unter anderen die na4fteSenben Aenderungen der Wehrordnung vom 22. November 1888 genehmigt worden.

9Die bisherige Bestimmung, daß die a It i v e Dienstpflicht im Heere drei Jahre dauert, ist wie folgt abgeändert worden,

' Während der Dauer der Dienstpflicht tm stehenden Heere «nd die Mannschaften der Kavallerie und der rettenbett Feld­artillerie die ersten drei, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bei den Fahnen ver- nslicktet Insoweit Mannschaften, welche nach zweijährigem aKm Diknst E Herbst 1893 hätten zur Entlastung kommen müssen für das bntte Dienstjahr zurückbehalten »der während desielb'en einberusen worden sind, zählt diese Zurückbehaltung oder Einberufung für eine Uebung. Im Falle nothwendiger Verstärkungen können auf Anordnung des Kaisers die nach den vorerwähnten Bestimmungen zu ent^sfeuden Mannlchafteu im aktiven Dienst zurübehalten werden. Eme solche Zurückbehaltung

it Bestimmungen über die Landwehrpflicht haben jetzt fo^gen^BerMchtung zum Dienst in der Landwehr ersten Aufgebots ist von fünfjähriger Dauer. Mannschaften der Ka­vallerie und der reitenden Feldartillerie welche tm stAMn Sieete drei Jahre aktiv gedient haben und nach dem 1. Oktober 1893 zur Entlassung gekommen sind, dienen m der Landwehr ersten Aufgebots nur d'resi Jahre. Diese Bestimmung gilt auch für Mannschaften der Kavallerie, welche sich freiwillig zu einer vierjährigen aktiven Dienstzeit verpflichtet und diese Berpflichmng erfüllt haben. Für Mannschaften, welche^or^Begumdes^milt

Sie wollten sich also nach Courbevoie begeben?“ "ga «

"Sie werben meinen Vater dort gewiß antreffen, nicht bloß heute Morgen, sonder« bis zum Meub, benn er hat mir rnitgetheilt, daß er nicht zum Mahle erscheinen werbe, da er umfassende Arbeiten vorzu­nehmen habe, bie ihn spät zurückhalten.

Zch werbe ihm meine Aufwartung machen, ich hoffe", baß ich ihn nicht siöreu werde " y Sie stören ihn niemals, er freut fich immer, Sie zu sehen,' wie Sie wissen. S'nb Sie mit meinem Porträt beschäftigt?"

Rein, seit einigen Tagen nicht. Jnbetz könne« ; Sie "ohne Sorge sein, eS wird z« Zett ferttg »erben. | Ich habe dieselbe wegen einer f Jenen Retseunttrbrechen \ müffen. Ich bin nach Dijon, ut der Provinz Burgund,

® Heimath meines Vaters."

"Ja, man hat mit dort von thm gesprochen.

Wie?" rief Mary mtt einer Geberde beS er- I staunens auS. „Man erinnert sich seiner noch m - tim Stabt, welche er schon seit so langer Zeit ver-

JSm genau, Fräulein. Herr Harmant ist be­rühmt, brt Raf seiner angesehene« Stellung m Amerika unb jetzt in Frankreich konnte seinen Landsleuten kaum verborge« bleibe«, sie find stolz auf ihn."

Ausland.

* Belgrad, 21. Dezbr. Heute begann vor dem Staatszerichtshof bie öffentliche Prozeßverhandlmig gegen daS gewesene liberale Kabinet Avaknmovic. Dis Angeklagten erschienen alle, begleitet von 20 8er«

^Kürzlich gab bet russische Adel lnPeterSbnrg zu Ehren bei französischen Botschafter ein glänzendes Bankett. Dazu waren auch die höheren Beamten auS dem Auswärtigen Amt geladen, gaben stdoch der Ein­ladung keine Folge, was i-tzt 'n den PeterSburger diplomatischen Kreisen eifrigst dlSkuttrt wird.

P * Der anläßlich deS Barcelonaer Bomben-Att«- täte- verhaftete Anarchist Codina hat e»n umfüf mdeS Geständniß abgelegt und die Namen enter Mitschuldigen genannt Die^Bombe, welche er im Lizer-Theater ge­worfen, habe er selbst angesertigt, ebenso habe er bte . Bombe hergestellt, welche Palla» geworfen Er sei a«S 5 Frankreich zurückgekehrt, um in Spanien wiedn Arbeit l zu suchen, unb wiffe nun sehr wohl, welcher Schicksal

^Empfindlich berührt worden sind deutsche Inter- l essen durch den griechische» Etaatsbankerott.Dte I schlimme Lage der griechischen Fmanzm war fett Jahren : bekannt und dennoch ließen sich deutsche Klemkapitalistm ? nicht abhalten, ihre kleinen Vermögen m griechischen i Papieren anzulegen. Vielleicht wird oer Vorgang m Griechenland endlich einmal wirksam dazu betragen, i deutsche Bürger davor zu bewahren, ihre Erspannffe ; demAuSlandeanzuvertrauen. — In Serbien scheust übrigens demnächst eine ähnliche Finanzkatastrophe ein- treten zu sollen wie in Griechenland.