20. Jahrgang
Freitag, den 22. Dezember 1893.
JV 294
FuldattSZkitiilig
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fetten zur Therlnahms einzuladrn. In der Nahe von
Punkt der anzustrebenden Agrarreform bleibt aber die Einführung des RentenprinzipS als die allem gesetzlich zulässige BerschuldungSreform.
theile« sollten nach einer unlängst durch die Blätter gegangenen Mittheilung beabsichtigt fein. Die Nachricht ward dann aber angezweifelt. Jetzt wieder soll als Zeitpunkt für große Winterübungen des GardekorpS Mitte Februar in Aussicht genommen fein- Ein be- stimmter Tag soll vorher nicht angegeben werden, man spreche vielmehr in militärischen Kreisen von einer Alarmirnng sämmtlicher Garnisonen des Gardekorps. Es verlaute ferner, daß der Kaiser, der die Uebungen
Brandenburg werde ein großes nächtliches Biwack sämmtlicher Truppen stattfinden, am Tage darauf wahrscheinlich das entscheidende Gefecht.
* Zwischen dem Reichspostamt und der belgischen Poflverwaltung schwelen vorauf Verhandlungen wegen Herstellung einer Fernspechverbindung Köln-Brüssel.
* Wie der ,Bossischen Ztg.' auS Schlesien geschrieben wurde, sollte der frühere Domherr, Land- tagS- «nd Reichstagsabgeordneter Dr. Adolf Franz, „mit der Tochter eines RegierungSraths a. D. in Oppeln sich verlobt haben ober sich zu verloben im Begriff stehen." Augenblicklich sollten noch „Verhandlungen schweben zwischen Dr. Franz und den kirchlichen Behörden, mit denen er sich wegen der Gyrdt- schen Millionenerbschaft gütlich auS einandersetzen wolle." Dr. Franz beabsichtigte, die zur Gy'dtschen Ecbsiast gehörigen umfangreichen Kohlengruben bei Waldenburg in Schlesien zu verkaufen und ein Kapital von zwei Millionen abzutreten. Die .Köln. Volksztg.' bemerkt dazu nicht sehr geschickt: „Wir sprechen die Erwartung
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„Wie meinen Sie dies?"
„Wenn Soliveau wirklich, wie Sie soeben meinte», die Flucht ergriffen hat, so wird Paul Harmant ver- wuthen, daß man ihm eine Falle legen will und auf seiner Hut sein."
„Allerdings, nur wäre es möglich, daß er gar mcht weiß, daß fein Helfershelfer Paris verlassen hat. Möglicherweise glaubt er auch, daß er wieder zmückkehren wird. Auf jeden Fall wäre es zu versuchen."
„Wahr, aber es ist noch ein anderes Bedenken vorhanden."
„Und welches?"
„Angenommen, Ovide b-finde sich noch in PanS. Paul Harmant begibt sich zu ihm und sagt zu ihm: Ich habe Deine Depesche erhalten, war gibt'S? Ovide wird sofort die Falle errathen und wird jetzt erst recht auf seiner Hut sein."
„Er wird das Telegramm auf Rechnung Amanda S setzen. UebrigenS kann uns dies gleichgiltig sein. Während Beide mit einander sprechen, halte ich mich zum Handeln bereit."
„War gedenken Sie zu thun?"
„Ich werde warten, bis Paul Harmant die Wohnung Soliveau'S verlassen hat. AlsSann werde ich an seiner Thür klingeln, er wird mir öffnen, sich jedenfalls wundern, daß er mich si-ht, aber mir nicht im Geringsten mißtrsnen, da er keine Veranlassung hat,
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(199. Fortsetzung,)
Punkt zehn Uhr erschien Stephan Castel Rue des Domes an der Wohnung des Fräulein Amanda. Der Schließer erkannte ihn sofort wieder. „Ich habe Ihre Karte abgegeben, mein Herr," sagte er zu ihm. „Herr Duchemin erwartet Sie, er ist oben, vierter Stock, Thüre zur Linken."
Auf dem vierten Stock angelangt, klingelte der Maler, worauf der ehemalige Bürgermeisterei-Beamte von Joigry ihm öffnete.
„Kommen Sie herein, kommen Sie herein," sagte er im fröhlichen Tone. „Sie kommen gewiß, um mir mitzutheilen, daß Sie die Wohnung Ovldr SoliveauS entdeckt haben."
Stephan Castel schüttelte den Kopf. „Ich komme im Gegentheil," sagte er, um Sie zu fragen, ob Sie nicht die Spur dieses Elenden entdeckt haben?"
„Leider nein. Seit drei Tagen habe ich mich sozusagen an die Fersen Paul Harmanr's geheftet, aber er hat seine Wohnung nur verlassen, um sich nach der Fabrik in Combevoie und von dort zurück nach Hause zu begeben."
„Also nichts, nicht die geringste Spur," versetzte Stephan niedergeschlagen.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Dezember.
* Die beiden französische« Spione sind nicht nach Magdeburg sondern nach der Festung Gl atz überführt worden.
* Ueber den Stand der deutsch-russischen Handelsvertrags-Verhandlungen verlautet, daß die bisherigen Vereinbarungen der beiderseitigen Kommissare der Regierung in St. Petersburg vorliegen und eine Antwort von dort bisher noch nicht eingetroffen ist. Hier in Berlin ruhen die Berhandlrmgen einstweilen; die russischen Kommissare bleiben hier.
* DaS preußische Staats Ministerium hat sich in feiner letzten Sitzung u. A. auch mit dem Antrag des Justizministeriums betreffend die Abänderung des Strafprozeßverfahrens beschäftigt. Ueber die Frage, ob es bester sei, als Berufungsinstanz die Landes- resp. die Oberlandesgerichte einzuführen, sind, wie die ,Milit. Polit. Korresp." hört, die Meinungen der Minister getheilt, doch sind auch noch bezüglich anderer Punkte Meinungsverschiedenheiten hervorgetreten, welche nach dem Feste zu begleichen sind.
* Wintermanöver bei einzelnen Truppen-
ausgezeichneten Werke: „Erhaltung des Bauernstandes" (Seite 370) gibt: „Wrr fordern für den Grundbesitz nicht mehr und nicht weniger als ein spezielles Landrecht. Hat man denn nicht der Natur des Handels angepaßt ein besonderes Handelsrecht geschaffen? Hat man nicht das Börsen Papier unter einen besonderen gesetzlichen Schutz gestellt, wonach eS nicht wie andere Werthobjekte, sondern an der Börse versteigert werden muß? Hat die Schifffahrt nicht ihr besonderes Seerecht? Hat nicht das Eisenbahnwesen sein besonderer Recht? Haben wir nicht ein besonderes Wechselrecht? Gar nichts anderes wird für den Grundbesitz verlangt, aber für ihn vor allen Dingen, denn nichts ist in seiner Sonderheit im Staate so wichtig, als gerade der Grundbesitz."
Nachdem in diesem Sommer der Antrag auf Schaffung eines der sozialen Bedeutung des Bauernstandes entsprechenden Agrarrechtes int preußischen Abgeordnetenhause angenommen ist, muß nunmehr zu positiven Vorschlägen übcrgegangen werden. Der wichtigste
„Allerdings, absolut nichts, und ich befürchte sehr, daß Soliveau, als er bemerkte, daß man ihn verfolge, vorsichtiger Weise Paris verlassen hat."
„Dies wäre sehr fatal. Aber gibt es denn kein Mittel, sich zu vergewissern, ob Ihre Vermuthung wirklich begründet ist?"
„Ich dachte foebeu darüber nach und suchte dieses Mittel zu finden. Ich bringe meine Zeit fast ganz damit zu, alles Mögliche und Unmögliche zu ersinnen. Meistens freilich muß ich mir sagen, daß eL unmöglich ist. Jndeß ist mir da ein Gedanke gekommen."
„Und dies wäre?" fiel ihm der Maler hastig in's Wort. „Vielleicht ist er ein guter Gedanke."
„Ich dachte schon einmal daran, Paul Harmant eine Depesche zu schicken, die mit „Ovide Soliveau" unterzeichnet wäre."
„Und was soll düse Depeschen enthalten?"
„Ich denke, nur die Worte: „Heute Abend in meinem Haufe, eilig," und sodann die Unterschrift. Wmn Paul Harmant dieses Telegramm erhält, wird er in seiner Angst gewiß nicht versäumen, der Einladung feines Freundes Folge zu leisten. Ich werde alsdann auf meinem Posten fein, werde ihm nachgehen und durch ihn sodann entdecken, wo dieser Schurke wohnt. WiS sagen Sie zu meiner Idee?"
„Sie ist an und für sich ausgezeichnet, iudeß nicht ohne gewisse Schwierigkeiten und Gefahren."
agrarischenReform" (Tübingen, Verlag der Laupp'- schen Buchhandlung), welche besonders die Verhältnisse der Westens und Südens von Deutschland berücksichtigt. Leider ist der Bericht in nicht sonderlich gemein- verständlicher Sprache abgefaßt, enthält aber manchen vorzüglichen Gedanken, der die Beachtung weitester Kreise verdient, weshalb ich die Lektüre des Buches sehr warm empfehlen möchte. Ruhland's Ansicht ist: „Der Keim der agrarischen Krankheit wurde gelegt, als wir vor Menschenalter lernten, den Grund und Boden auch als Waare zu behandeln, während er sich doch wesentlich von Maaren, wie Besen und Zündhölzer unterscheidet dadurch, daß er der Träger des nationalen und volks- wirthschaftlichen GemeinschaftSbewußtseinS ist. Wir müssen unS daher nicht begnügen mit einer Kodifikation des Anerbenrechtes für land- und forstwirthschaftlichen Besitz, sondern wir müssen konsequent weiter gehen zu einer Reform der Grundverschuldung, mit andern Worten: es handelt sich um die Beschränkung des Mißbrauchs der Grundeigenthumsfteiheit in ganz ans- loger Weise für den Verkehr unter Lebenden, wie sie heute im Anerbenrechte für den Verkehr von Todes wegen von der ganzen landwirthschaftlichen Intelligenz gebilligt wird?'
Die Landschaften haben durch daS Prinzip der Unkündbarkeit und der Amortisation alles geleistet, waS zur Gesundung der landwirthschaftlichen Realkreditr im Rahmen der heutigen Rechtsordnung sich leisten läßt. Sie beleihen aber die Substanz der Bodens nach den Verhältnissen des jeweiligen Geldmarktes, welch' letzterer indessen wesentlich von Handel und Industrie, also der Landwirthschaft ganz fremden Faktoren bestimmt wird. Eine Gesundung des landwirthschaftlichen Realkreditr setzt voran; die Einführung der Beleihung des Reinertrages an Stelle der Substanz von Grund und Boden. Diese ist nur durchzuführen durch gesetzliche Maßnahmen und so muß
F. Zur Verschuldungsform des Grund- besitzes.
n.
Mit großer Freude haben wir die zu Gunsten des Rentenprinzips sich äußernden Ausführungen gelesen, nicht als ob dieselben uns eine neue Welt erschlossen hätten, sondern vielmehr, weil die dargelegten Gedanken so außerordentlich wichtig sind, daß sie gar nicht oft genug wiederholt werden können. ES ist ja bedauerlich, daß es heute so viele gibt, welche von sich glauben, sie müßten nothwendigerweise als „Entdecker von neuen bahnbrechenden Ideen" in der Geschichte paradiren. Kein Wunder, daß man daher von so manchem Geschreibsel mit dem alten Boß auSrufen muß:
„Dein redseliges Werk lehrt mancherlei Neues und WabreS, Wäre das Wahre nur neu, wäre das Neue nur wahr!"
Die grundlegenden Gedanken über den Nutzen der Einführung deS Renten Prinzips haben nicht den Vorzug der Neuheit, wohl aber denjenigen der Wahrheit.
Am AuSgange des Mittelalters hatte sich die Rentenschuld als die gebräuchliche Verschuldungsform des Grundbesitzes eingebürgert. Und es ist kein Geringerer als der alte JustuS Möser, welcher in seinen „Patriotischen Phantasim" im Jahre 1769 bereits schrieb: „Es ist ein großes Problem, warum die Religion so lange gegen alle Zinsen geeifert und das kanonische Recht solche durchaus verboten hat. Allein, wenn man die Sache aus dem Gesichtspunkt betrachtet, daß man dadurch, sowie der Erfolg bewiesen, den Rentenkauf hat begünstigen wollen, fo muß man gewiß die höhere Weisheit bewundern. Also sollte man den Rentenkauf für den Zinskontrakt wieder einführen. Unsere Einbildung muß nur erst wieder recht gewöhnt werden und jeder wird gerne Rente kaufen, wenn er nicht mehr auf Zinsen leihen kann." (Bergl. Möser'S gesammelte Hex fr, herausgeg. von Abeken. Berlin 1842. Band II, S. 99 ff. und Bd. V, S. 65 ) -------
Die Möser'schen Gedanken waren fruchtbare Keime, bedurften aber hundert Jahre zum Aufgehen. An Möser bildete sich Rodbertus und trat im Jahre 1868 sehr entschieden für Umwandlung der Grundschulden in Rentenschulden und einige Jahre später für Einführung einer Zwangsamortisation mit gleichzeitiger Rücksichtnahme auf Ausschließung einer abermaligen Verschuldung ein. (Bergl. Rodbertus: „Zur E-.klärung und Abhilfe der heutigen Kreditnoth des Grundbesitzes", sowie „Briefe und sozialpolitische Auf (ätze", I. S. 78 ff.) In neuerer Zeit mehren sich sodann die Stimmen, welche einen Ersatz des KapitalisationsprinzipS durch das Rentenprinzip fordern. Es würde an dieser Stelle nicht angehen, über die ganze neuere Literatur dieser Frage sich zu verbreiten. Hinweisen möchte ich aber hier auf die im Auftrage der 26. Wanderversammlung bayerischer Landwirthe von Ruhland als Berichterstatter verfaßte und vor Drucklegung von Mimsterialrath Bachenberger und Staatsminister a. D. Schäffle dmch- gesehene Abhandlung: „Lösung der landwirthschaftlichen Kredits rage im System der