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Donnerstag, den 21. Dezember 1893

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Brief Ovide's erhielt. Er las feinen Inhalt rafch dnrch.

ES sind nur zwei Säle vorhanden, die aneinander­stoßen, ich bin mit den Räumlichkeiten bekannt.

„Dann ist'S gut."

„UebrigenS müffen wir unfere Anzüge wechseln^ um als Arbeiter zu erscheinen; ich gehe eben nach

auSaerichtet. ' ' , . .,

Der Chef der Sicherheitspolizei war gerade mit

fort jefäj dastjx sorgen. Muß ich auf Antwort warten?"

„New."

„Geben Sie her." „

Hier sind die zwei Franken und der Bnrf.

"Danke, ich werde mrch beeilen."

Der Dienstmann war iu stiuem Handwerke ergraut und kannte deshalb das Gebaute der Pol,ze,prafektur ganz genau. Er ging geraden Weges auf daS Vor­

haben, daß Life Perri« oder jene Person wirklich Jo- Hanna Portier ist, so werden Sie handeln. Ver­standen?"

Ja"

"Sie bedürfen keines Haftbefehls, weil es sich nicht darum handelt, eine Verbrecherin zu verhafte«, sondem eine Flüchtige wieder einzufangen. ^Vollmachten, welche Sie besitzen, sind genügend. Gehen ^S»e also, und ich denke, daß ich Sie dies?« Mal belobige«

toiitt"

Die beide« Agenten verließe« daS Kabinet. Birchard

Weizen hiesiger (neuer) . . • • • • Ausl.Eorten (Red-winter, KansaS, La Plata) je nach Qualität und Herkunft . . .

Roggen hiesiger, (neuer).......

Gerste (Brauerwaare) ungar Gerste (Brauwaare) hiesige Gerste (Futterwaare).......

Hafer (neuer)..........

Mais, (mixed.) per .......

Donaumais per Nov

Matzkeime ..........

Roggenkleie Weizenkleie ..........

Getr. Biertreber

Torfstreu •

Zehn Minuten vor zwölf." „Gut."

Die beiden Polizisten schieden von einander. * *

zimmer des Cabinets des angesehenen Beamten zu, welcher über die Sicherheit der großen Semestadt wacht und übergab dm Brief persönlich dem Chef der Sicher- heitSpolizei. 8g"

Ovide war inzwischen wieder iu'S Cafe zmückge- kehrt und blickte zum Fenster hiuaM,. NachVerlanf einer halben Stunde sah er semen Dwnstmann Meder an seinem gewöhnlichen Platze. Sem Austrag war also

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S§1 >2.3

5 g

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

staunt aus.

| „Ja."

„Soll dies Lise Perri» sein?"

„Vielleicht. Wie dem auch sein möge, während deS Bankettes wird etwas geschehen, waS die Flüchtige uöthigen wird, sich zu verrathen."

„WaS soll denn geschehen?"

„Ich weiß es nicht - ich weiß nur, daß eS ge­schehen wird. Sie müssm darauf achten. Sie werden schon einen Borwand finden, um in die Schänke zu gelangen. UebrigenS ist eS ja eine öffentliche Wirth- schäft. Sie werden also warten, bis daS geschieht, waS I mit hier mitgetheilt wird. Sobald Sie sich überzeugt

UltU<-vuu» ***** ***** —iru-- / ,

welche dies geschrieben hat, scheint ihrer Sache sehr sicher zu sein. Vielleicht ist eS eilte ehemalige Ge- fauaene von Clermont, die ihre frühere Mitgefangene wieder erkannt hat und sich jetzt ein Vergnügen daraÄ macht, sie uns auszuliefern. Ich werde natürlich diese Mittheilung benutzen, mag sie kommen, woher immer, jedenfalls ist sie sehr angenehm." -,schL SÄS3ÄW* |»,*•

der Chef der Sicherheitspolizei zu ihm, „Brichard und H°«s-. wir un" ?" Mont-l müsse« da sei«. Schicke« Sie st- m.r auf der „Wo

° Einige Minuten verstosse«, dann öffnete sich die "A^^Min«t-n^vor"rwöl

Thür-, «nd die beiden bezeichneten Agenten erschienen. „Zehn Mmuten vor zwol Er richtete an sie die Frage: „Wie welt tst es mit den Nachforschungen, welche man ongesteM hat, um die Mchtige von Clermont wiederzusinden?

„Der Chef hat vielleicht heute Morgen unserm Bericht gelefen?" antwortete Brichard

„Noch nicht; ist ein Ergebniß eh.rlt!"

„Rein, die Flüchtige ist und bleibt «nfindbar.

„Auch keine Spur."

„Nein, Monte! und ich habe« uns unfere Ueber- zmgung gebildet."

„Und welche denn?" m

„Daß Johanna Portier gar nicht m Pans ist, sondern sich irgendwo in der Provinz verbirgt.

„Johanna Portier ist in Paris," versetzte der Chef in trockenem Tone.

Di- beiden Agenten wollten sich nicht erlauben, ihrem Vorgesetzten gegenüber verneinend zu antworten, | aber sie wechselten mit einander einen Blick, der ihre Ungläubigkrit deutlich genug verrieth.

Sie zweifeln an der Wahrheit meiner Aussage i fuhr" der Beamte fort. „Binnen einigen Stunden wer- den Sie den Beweis haben, daß Sie nicht gesucht haben und daß ick> sehr genau unterrichtet bin." „Der Beweis?" frug Brichard. .

Ist in meinen Händen, kennen Sie eine Wem- schenke, welche zum „Rmdezvous des Boulangers, heißt?"

Ja, diese Schenke ist in der Rue de Seine."

^Jn welchem Rufe sicht sie?"

„Ihr Ruf ist sehr gut, es ist ein achtbares, ruhiges Haus ohne verdächtige Kundfchast. Die Bäckergesellen, sowie die Brodträger und Brodträgerinnen kommen dort gewöhnlich zusammen."

Heute soll dort ein Bankett gegeben werden einer Brodttägerin zu Ehren, welche sich als Lise Perri« ausgibt. Notiren Sie sich di-S."

„Ja. , *

„Um Mittag soll daS Bankett begumen, die Flüch- üae"von Clermont wird daran theilnehmen."

„Johanna Portier!" riefen die beiden Agenten er-

auf die

,Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Januar beginnende

1. Warta! 1894 wolle man nicht bis auf die letzt« Tage deS laßenden Monats verschieben, damit unS dieselben rechtzeitig uber- mittät werben können und prompte Zusendung ermög­licht wird. . ... ~

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(198. Fortsetzung.)

Wir wollen Amanda einen Augenblick verlassen, um uns nach Ovide Soliveau umzusehen. Er hatte gleichfalls schon Morgens seine Wohnung verlassen und das Fläschchen zu sich gesteckt, welches noch zu bret Viertel a«S dem kanadischen Stqueur gefüllt „war, mit­tels dessen er, wie wir uns ermnern, zunächst Paul Harmant in Amerika und alsdann Amanda tn Bois- le-Roi zum Sprechen gebracht hatte.

Er begab sich zum nächsten Tekegraphenamt, wo er an den Industriellen Harmant die folgende Depesche abgab: „Bitte Zusammenkunft auf morgen zu ver- schieben, werde erst nächsten Montag abreisen. Ovide.

Hierauf nahm er einen Wagen und ließ sich nach der Piace Mietet bringen.

Er begab sich in ein Cafe und bat um Schreib­zeug, während er zugleich irgend em Getränk bestellte. Mit verstellter Handschrift warf er daim rasch die folgenden Zeilen auf das Papier: „Die Pariser Pott- zei sucht sehr eifrig, indeß ohne den geringsten Erfolg eine Frau NarnenS Johanna Portier, welche wegen des dreifachen Verbrechens des Mordes, der Brandstiftung und des Diebstahls zu beständiger Haft verurtheüt worden ist und später aus dem Central-Sefängniß von Clermont entflohen ist. Wir glauben, daß es der Poli­zei gelingen würde, die Gesuchte zu entdeck n, wenn sie zwei ober drei Polizeiagenten an einem Banket theil- nehmen ließe, welches heute Donneritag Punkt zwölf Ub- in einer Weinschänke der Rne de Seme, zum Rendezvous des BouSlangertz" zu Ehren einer Brod- trSgerin gegeben wird, die sich für Life Perrm auS- aibt Man wird eS schon so einrichten, daß die Flüch- ttae von Clermont ihre Identität selbst feststellt."

Ovide schob diese infame Denunziation m em Couvert «nd schrieb dann, ebenfalls mit verstellter Handschrift die Adrefse: t ,

* An den Herrn Chef der Sicherheitspolizei

Polizeipräfektur.

Dringend.

Hierauf verließ er daS Cafe, und winkte einen Diepstmann der Straßenecke herbei. „Wollkn Sie zwei Franken verdienen?" sagte er zu dem Manne.

„Natürlich! Was muß ich thun?

„Dies«» Brief zur Pobzeipräsiktur, zum Bureau der Sü^rheitSpolizei besorgen. Nur muß daSselb. so-

Spelzem'preu

Haferhülsen Erdnußschalen

Weizen verlassen, Roggen matt, Gerste unthätig und nur Umsatz in exquisiten Qualitäten; Mittelsotten schwerfälliger Ber­kaus-Saferpreise zu Gunsten der Käufer; Mais nur zu unserer Notiz gehandelt; Spelzenspreu und Haserhülsen rasch steigend, Verkäufer treffen hier einen guten Martt. Grundtendenz für fämmtliche Attikel: Feiertagsstimmung. Bei An- und Bettauf halte mich bestens empfohlen.

Joseph Str »ass, Agent.

WW b-'-blm. .da' ist ja -im 8nw, im^ch -°iwK irmche» gar leinen Plan Sn entwerfen,' gar mcht erwartet habe. UebrigenS kommt ptejeioe «« g-g-r soeben sagte, ist es

gerade zur rechten Zeit, denn bie Agenten betrieben, me zgeinschenke^ also eine öffentliche Wirthschast. durch ihren Mißerfolg entmnthigt, ihre Nachforsch Obgleich heute dort ei« Bankett stattfindet, kann man

U N.ch w°hl Mt

liefern. Wir wollen also dort frühstücken.

Wen« ma« uns aber 'm ein anderes Zimmer

+ Frankfurt a. M., 18. Dezember 1893. 15V«-1/« 16-17 14-14Vio 17'/-—19 1 16*/«—17 11*/, 16—18 11.90 11.70 10-11 91/« 8-8*/« 11.40 1.60pr.Ctr. 3*/«-*/i„ 3*/«-*/«,, 21/« „

( Forts, folgt.)

Verwischtes.

* Ein Chemiker in Genf, Raoul Rietet, fiat einen neuen Sprengstoff erfunden, der in seinen Wirkungen das Dy­namit übertttfst und für die praktische Verwendung bedeutende Vorzüge vor allen bisher bekannten Sprengstoffen zu haben scheint. Der Erfinder nennt das Fabrikat „Fulßurit ., Mit Bezug auf feine Expausionskraft wird eS in drei verschiedenen Graden hergestellt. Die Versuche, die bisher gemacht wurden, haben sowohl bei der Verwendung zu- Schießzwecken, als bei Felssprengungen ganz überraschende Ergebnisse gehabt. Die Ansangsgeschwindigkeit, die bei der neuen schweizerischen Waffe und unter Anwendung des rauchschwachen Pulvers 550i bis 560 Mtr. in der Sekunde beträgt, stieg beim Fnlgurtt auf 670 aRtt. Bemerkenswerth ist, daß das Fulgurit kemen, Rauch entwickelt und den Gewehrlauf teilt läßt. Auch be* de« versuchsweise an- gestellten Felssprengungen war die erzielte Wirkung überraschend. die Trümmer des harten und massiven Felsens wurden bis aiff 40 Mtr. Entfernung geschleudert, trotzdem die m das Bohrloch gelegte Patrone nur 78 Gr. Fnlgurtt enthielt Was das neue Sprengmittel ganz besonders vor Pulver und Dynamit auszelch- nen soll, ist der Umstand, daß die Hantlrung damit gefahrlos ist, da zufällige Explosion ausgeschlossen zu sem scheint. —

» (Hohes Alter.) Nach Nowo-Czerkask m Rußland kam dieser Tage ein alter Manu, der an den Kämpsen des Jahres 1812 gegen Napoleon theilgenommen hatte. Der Alte, der sich Peter Kaluzyn Kuczerenko nennt, ,st *m Jahre 1782 geßoren und wohnt gegenwärtig in Rostow. Wie die russischen Zei­tungen mittheilen, ist K. noch verhältmßmäßig kräftig, nur sem Augenlicht ist schwach.