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276 Freitag, den 1. Dezember 1893. 20. Jahrgang

FuldaerWZeitillg

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HauS davon schmerzlich berührt ist und Gott dafür dankt, daß dieser Versuch weitere Folgen für den Kaiser nicht gehabt hat. Die Einstellung eines gegen den Abg. Büeb (Soc.) schwebenden Strafverfahrens für die Dauer der Session wurde beschlossen und darauf die erste Berathung des Reichshaushaltsetat für 1894/95 . fortgesetzt. Abg. Möller (natl.) ist mit einem Theil seiner Freunde der Meinung, daß die Reich rstener« reform noch hinauSgeschoben werden sollte; gegen die vorgelegten Steuergesetzentwürfe sprächen ernste Be­denken. Hoffentlich werde eS gelingen, in der Kommission einen befriedigenden ModuS zu finden. Abg. Haußmann Bolksp.) kritisirt die Reichspolitik sehr abfällig und Zehnte jeden Pfennig für die Finanzreform ab. Finanz­minister Dr. Miquel vertheidigte die letztere. Abg. v. Kardoiff (Rp.) gab RamenS seiner Fraktion die Erklärung ab, in der die Ueberzeugung ausgesprochen st, daß wenn der Bund der Landwirthe Maßnahmen )er Regierung bekämpft, dies nur geschehe, weil seine Mitglieder ihre Königstreue nicht besser bethätizen zu können glauben, als indem sie den Stand äußerst zu erhalten bemüht sind, der allezeit die treueste Stütze der Monarchie gewesen. Abg. Rickert sfrs. Bereinig.) erklärte, nur das zu bewilligen, was durch die neue Militärvorlage erforderlich ist und bedauerte, daß der Reichskanzler der Richtung des Bundes der Landwirthe wie der antisemitischen Richtung keine runde Absage ertheilt habe. W-iterberathung morgen.

* DaS Weinsteuer-Projekt hat im BundeSrath eine ziemlich erhebliche Opposition gegen sich gehabt. Nach der .AllgemeinenZeitung' waren Württemberg und Baden erklärte Gegner und nach einigem Schwan­ken hat auch Hessen sich zur Ablehnung entschlossen. Im Interesse seines WeinhandelS gesellte sich Hamburg )en gegnerischen Stimmen zu, während Reuß ältere Linie aus alter Gewohnheit sein „Nein" abgab. Im Ganzen stimmen zwölf Stimmen dagegen.

aeaenwärtige Produktion von Cigarren ,n Deutschland wird auf 6V2 Milliarden Stück berechnet. Bon dem jetzigen Fakturapreis ist in Abzug gebracht dte be- stehende Tabaksteuer, und zwar mit dem gleichmäßigen Betrage von 3.4 Mark für das Melle C-garren. Unter der Voraussetzung, daß eine Verminderung deS Cigarrenkovsums nicht eintritt, würde der Steuertrag von den Cigarren im Ganzen sich aus 72,477,930 Mark belaufen. Bon dieser Steuersumme würden 66 42 pCt. entfallen auf die Zwei-, Drei-, Vier- und Fü'nspfennig-Crgarren, also auf diejenigen Cigarren, welche die armen und wenig wohlhabenden Personen rauchen. Weitere 26 55 pEt. würden entfallen auf die Sechs- bs Achipsennig-Cigarren, welche von den in mäßigem Wohlstands lebenden Pecsonen geraucht werden. Nur 7,05 pCt. würden entfallen auf die Zehn- bis Fünfzehnpfennig - Cigarren, welche von den reichen Leuten geraucht werden. Dabei ist abgesehen

begründet, eS ist hinreichend bekannt, daß eS einem großen Theil der mittel- und westdeutschen Landwirthe nur mit Hilfe der ausländischen MaiSeinsuhr möglich war, den Viehbestand zu erhalten.

Es würde sich demnach der auS dem Vertrage mit Rumänien drohende Nachtheil aus die Einfuhr von Weizen und Roggen zum ermäßigten Satze von Mk. 3.50 — den Rumänien seit 1. Juli 1892 thatsächlich genießt und auf weitere 10 Jahre erhalten soll — be­schränken. Da dieser Zollsatz nicht bloß an Oesterreich- Ungarn, sondern auch an Indien, Amerika und die meisten anderen Staaten, deren Einfuhr in diesen Ge­treidearten nach Deutschland 18 mal so viel beträgt als die rumänische, gewährt ist, so glaubt die Regie­rung, daß durch die Aufhebung des ermäßigten Satzes für Rumänien keine Verminderung der Einfuhr, son­dern nur eine Verschiebung eintreten würde, die in einer ganz geringfügigen Vertheuerung der Frachtkosten zum Ausdruck käme. Der Beweis dafür soll in der Kommission erbracht werden und davon wird eS für viele Mitglieder des Reichstages abhängen, ob sie für oder gegen den Vertrag mit Rumänien st mmen.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Abschluß des Vertrages mit Oesterreich-Ungarn, welcher bekanntlich die Zustimmung der überwältigenden.Mehrheit des letz­ten Reichstags gefunden hat, die Aufrechterhaltung höherer Zollsätze gegenüber anberen Staaten theils sehr schwierig, theilS ganz unmöglich gemacht hat, wenn sich Deutschland diese nicht zu Feinden machen will.

Körbe hinauHen Inhalt jeden Morgen von den städtischen Karren entleert wurden.

Ovide hätte nichts B sseres wählen können, um un­beachtet zu bleiben, als diese Beschäftigung, bissen Kleidung und Werkzeug er bei sich führte. Er ging von einem Aschenkasten zum andern, hier undda umher­wühlend, zugleich aber aufmerksam vmherfpahend. End­lich erschien Johanna in Begleitung zwerer Trägermnen, welche zu dem Personal des Meisters Lebret g-hörten. Nach Verlauf von wenigen Minuten sah Ovide, tote sie alle drei den Laden verließen, Jede einen großen mit Rädern versehenen und mit Broden beladenen Korb vor sich herschiebend, den sie mittels einer Mechanik, wie 'sie an den Kinderwagen angebracht ist. lenkten.

Johanna begann ihren Rundgang, indem sie bis zur Straße Saint Andre-des-Arts hinaufgixg, von HauS zu Haus daS Brod vertheilend und so ihre Last all- mählig verkleinernd. .

Gegen halb neun Uhr war ste fertig und befand sich ihrer Wohnung gegenüber, wo sie, wie wir wissen, daS Brod zuletzt vertheilte.

Ovide hatte sie nicht eine Minute aus den Augen verloren: wenn sie vorwärts ging, so that er eS gleich- falls, und ebenso blieb er stehen, wenn sie sich m em HauS hinein begab. „Jedenfalls ihre letzte Station, dachte er bei sich, als sie am Quai Bourbon angelangt war. „Sie wird jetzt auf dem nämlichen Wege wieder zur Bäckerei zurückkchren, um Rechnung abzulegen und

s Die Handelsverträge mit Serbien, Spanien und Rumänien.

Wie bekannt, hat in den Tagen vom 23. bis 25. ds. Mts. die erste Lesung der Handelsverträge mit Spanien, Serbien und Rumänien im Reichstage statt­gefunden. In Anbetracht der außergewöhnlichen Agi­tation, welche gegen diese Verträge jetzt betrieben wird, und bei den vielfach verbreiteten irrigen Ansichten über deren Wirkung, dürften einige aufklärende Mittheilungen hier am Platze sein.

Die Einfuhr Serbiens nach Deutschland kommt für die Landwirthschaft nicht in Betracht, weil Serbien keinen Ueberschuß an Getreide produzirt, hinsichtlich des Transports ungünstig gelegen ist und feine Haupt- auSfuhr nach Deutschland in gedörrtem Obst besteht, Spanien produzirt nicht einmal seinen eigenen Bedarf in Getreide, eS ist deshalb stets gezwungen Getreide zu kaufen und nur in solchen Zeiten, wo der Preis deS Roggens in Deutschland eine ungewöhnliche Höhe erreichte (wie eS im Dezember 1891 und Jan. 1892 der Fall war) hat Spanien etwas Roggen aus- geführt; dagegen ist eS aber auch von jeher ein wichtiges Absatzgebiet für deutsche landwirthschaftliche Erzeugnisse gewesen. Dieser Absatz soll, mit Ausnahme desjenigen von Sprit, durch den neuen Vertrag auch ferner er­halten werden. Durch Ablehnung deS Handelsvertrags mit Serbien würde unsere Landwirthschaft gewinnen, durch Scheitern des spanischen Vertrags würde ihr sogar ein nicht unbedeutendes Absatzgebiet verloren gehen.

Weniger einfach liegen die Verhältnifie mit Ru­mänien. Dieses Land hat seit mehreren Jahren eine recht bedeutende Getreideeinfuhr nach Deutschland und kommt für die Preisgestaltung einzelner Artikel aller­dings in Betracht. Diese Artikel sind jedoch weniger Weizen und Roggen als vielmehr Gerste und Mais.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(181. Fortsetzung.)

71.

In diesem Augenblicke öffnete sich die Thüre des Laders und Jo anna erschien, um der Magd zu Helsen, die Läden der Fenster wegzunehmen und hinemzu- tragen. „ ,

Zwei Brodtiäzerinnen kamen zu gletcher Zett auS dem Hintergründe deS Ladens hervor. Die Eme war ein junges Mädchen von etwa zweiundzwanzig Jahren, die Andere eine Frau in den Dreißigern.

„Madame Perrin," sagte das runge Mädchen zu Johanna, „wir begeben unS zum Rendez-vouS des Boulangers." ~ .

„Gut, geht, Kinder," versetzte Johanna, „tch komme ttfidh m

Ovide hatte genau gehorcht. „Madame Perrin," murmelte er vor sich hin, „sie ist <s al'o. Sie begibt sich zum Rendez-vouS bi s Boulangers. Ich mutz wissen, wo dieses Haus sich befindet: vielleicht ift mir dies von Nutzen." Anstatt also auf Johanna Portter zu warten, ging Ovide den beiden Frauen nach.

Sie schritten zur Rue de Seine in das Haus, wo die ganze Bäckergesellschaft sich zusammenfand, ^nt Handumdrehen halte Ovide seine Blouse ausgezogen, welche er rasch in seinen Sack steckte, drückte feine

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Mütze noch tiefer in die Augen, ließ Sack und Haken in einem dunkeln Gange stehen und betrat dann gleich- ! falls die Schenke. Das Zimmer, in welchem sich das ! Comptoir befand, war noch nahezu leer, aber werter - hinaus in dem geräumigen Zimmer war eine Menge

Bäcker-Gsillen, Brodttäger und -Trägerinnen ver- sammelt. Dazwischen kamen und gingen die Magde in dem großen Gemache umher, in dessen Hintergründe - sich, wie wir früher gesagt haben, die Küche befand.

Ein Theil der Anwesenden aß, während Andere tranken. ! Der Wirth thronte in der Theke im Saale am Ein- ; ^Ooide ließ sich daselbst ein Glas Weißwein geben, welches er stehend trank.

Johanna kam heran und betrat als die Letzte den großen Saal. Sie wurde von all-n Seiten aus s Wärmste begrüßt. „Guten Morgen, Mutter Llson,« i aalen die Einen. - „Guten Morgen, Frau Perrm, ' sagten die Andern, während man ihr allerseits mit der größten Höflichkeit die Hände drückte. Wir toiffen, daß Johanna sehr beliebt war, und Ovide konnte sich von dieser Thalsache selbst überzeugen, als er die Art und i Weise gewahrte, wie man sie empfing.

Ov-.de verließ die Schenke, nahm seinen Sack und 1 machte sich wieder daran, gewissenhaft in den Kehricht­haufen umher zu wühlen. Die Läden in der Nahe und die Häuser begannen sich zu öffien. Die Schließer- fronen und die Hausmütter brachten die Kisten und

Eingangszöüe, um welche es sich in diesen beiden, vc. Mars'zahl?nach dem höchsten Taris pro Tplztr. M. 2.- nach dem ermäßigten „ „ „ »

Gerste zahlt nach dem höchsten „ „ „ »

nach dem ermäßigten „ „ „ •

Es handelt sich also um eine E-Mäßigung des Ein­fuhrzoll-s von 20 Pfennig pro Centner Mars und 12 /s Pfennig pro Centner Gerste.

Diese Ermäßigung kann unmöglich einen nennens- werthen Nachtheil für die deutsche Landwirthschaft herbeisühren. Zu berücksichtigen bleibt außerdem, daß solche nicht etwa neu gemacht werden soll, sondern ebenso wie der ermäßigte Einfuhrzoll für Mäzen und Roggen bereits seit 17 Monaten that­sächlich an Rumänien gemacht worden ist, datz eS sich also lediglich um Aufrechlhalturg deS b.stchen- ben Zustandes handelt. Die starke Zunahme der ru- mänischen Einfuhr ist nicht am wenigsten durch die geringen deutschen Futterernten der^ahr^892/9

Deutsches Reich.

Berlin, 29 November.

♦ Bezüglich der Gefährlichkeit der an den Kaiser und Kanzler gesandten, sehr sinnreich zusammengesetzten Hölleumaschine« geht einem Berliner Blatte von dem Büchsenmacher Förster auS der Taubenstraße ein sehr UjkenmöWA SffM/Ä

Alles im Sinne des Absenders glatt verlausen wäre, sich trotzdem eine sichere Bürgschaft für die Explosion nicht ergeben haben würde, weil der Bolzen durch die zu geringe Kraft der Gummischnüre nicht die gehörige Durchschlagwirkung gehabt hätte. Anders wäre eS ge­wesen, wenn die Schnüre durch eine Spirale ersetzt worden wären. Die Ladung der Maschine hatte aller- dings sür den Oeffner. des PackctS verhängnißvoll werden können.

* Das Centrum wählte in die Handelsver­trags Kommission die Abg. Lieber, Bachem, Groeber, Klose, Pezold und Schmid (Jmmenstadt).

* Im Reichstage erklärte vor Eintritt in die Tagesordnung Präsident v. Levetzow: Das Haus war gestern tief entrüstet, als eS von einem Attentats- versuch gegen den Reichskanzler erfuhr. Inzwischen ist bekannt worden, daß ein gleicher verbrecherischer Ber- such auch gegen den Kaiser begangen worden. Ich spreche in ihrem Namen, wenn ich^rkläre^a^aS