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JV 273 Dienstag, dtzLL8. November 1893. * 20. JahrgMg

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deutsches Reich.

Berlin, 25 November.

* Die Mehrheit bei Reichstage» wird wahr­scheinlich bezüglich der Handelsverträge zu einem Mstimmeudeu Votum kommen. Die gesummte Linke stimmt ohne Zweifel dafür. Die „Wirthschaftliche Ber­einigung" hat sich die endgültige Stellungnahme wegen der KommisfionSberathung Vorbehalten. Die ihr ange- hörenden National-Liberalen find sich aber sicher über hie Annahme schon klar. Die Reichspartei scheint eben­falls dahin zu neigen. Wenigstens mahnt die Post, den Bogen nicht zu überspannen. Ein Mal, meint sie, wäre er vom taktischen Gesichtspunkte ei« zweifel­haftes Manöver, wenn die agrarische Bewegung die «ste parlamentarische Kraftprobe auf einem Gebiete machen wollte, wo kein Erfolg in Aussicht stehe. So­dann liege die Gefahr nahe, daß man durch einen zu heftigen Vorstoß die wirthschaftliche Bereinigung lockere oder sprenge. Endlich könnte lucht der für die Politik deS Schutzes der nationalen Arbeit so wirksame Ge­danke der Harmonie oller Zweige der heimischen Pro­duktion in die Brüche gehen. Manche Abgeordnete, die Aber de» Werth der Verträge zweifelhaft sind, werden wohl auch dafür stimmen an» Besorgniß, daß wir ohne sie in eine schlimme Lage kommen könnten, und die Negierung vor dem Auslande bei der Ablehnung bloß­gestellt wäre. Die Abstimmung wird indeß keinen Schluß auf da» Schicksal eine» etwaigen Vertrage» mit Rußland zulassen. Allem Anschein nach hat eS mit diesem Vertrage im Uebrige» noch weite Wege. Wie die ,Rat.-Ztg/ hört, ist bis jetzt ein Einver­nehmen nur über einige unbedeutende Dinge erzielt; der Stand der Verhandlungen über die wichtigen Fragen biet« noch keine Gewähr gegen einen negativen AuSqang der Verhandlungen.

* Der Reichstag nahm die Anträge auf Ein­stellung der gegen die Abgg. Stadthagen, Hofmann- Dhemnitz (Soz.), Müller-Saga« (fts. Bolkrp.) und Werner (Reformp.) schwebenden Strafverfahren für die Daner der Session an und setzte dann die erste Be- rathung der Handelsverträge mit Spanien, Rumänien Und Serbien fort. Abg. Frhr. v. Hammerstein (kons.) polemifirte gegen die gestrige Rede de» Reichskanzlers. An der Lauterkeit der Gesinnung deSfelbm habe Niemand gezweifelt; hier komme eS aber nicht auf die Gesinnung, fenbern auf Thal« an. Sollte die gestrige Rede des Reichskanzler» eine Absage an die Konservative« sein, fo würden sich diese damit abfinden, obgleich er nicht

Endlich entlarvt!

Rom« von R. von Wollersheim.

(178. Fortsetzung.)

Paul Harmaut hatte drei volle Stunde« auf da» Erschein« Ovide Soliveau'», seines angeblichen Vetters, vergeblich gewartet.

Seitdem der angebliche Baron de Reiß sich in BoiS-lr^toi von Amanda getrennt hatte, hatte er ihn uur ei« einziges Mal gesehen, und er wußte nicht, was seit dieser seiner letzten Zusammenkunft mit ihm oder au» ihm geworde« war. Da er die unruhige Natur feine» Helfershelfers kannte, so fing er sich schon mit Schrecken, ob er nicht etwa plötzlich Pari» ganz vrr- lasten habe.

Za biefer Besorgniß gesellte sich eine weitere Be­fürchtung. Wer bürgte bafflr, daß Ovide nicht irgend ein Verbrechen begangm hatte oder in irgend einer «mderm Weise mit der Polizei in Konflikt gekommen war, nnd in Folge besten hinter Schloß und Riegel sich befinde? Befand sich aber Ovide im Gefängnisse, so bedentete die» für den Millionär eine stündlich drohacke Gefahr, da» Schwert be» Damokle» schwebte alsdann fortwährend über seinem Haupte. Er begab sich also zu dem kleinen Hause in der Avenue de Mchy zurück und klingelte.

Die Thüre blieb indeß, wie da» erste Mal, ver-

glaube, daß heute ein Minister noch ohne die Stütze einer konservativen Partei regieren könne. Man hätte den autonomen Tarif auftecht erhalten sollen. Er stimme prinzipiell gegen jeden Handelsvertrag, der eine Herab­setzung der Getreidezölle enthalte. Staatssekretär Frhr. von Marschall erwiderte, daß die gestrige Rede de» Reichskanzler» keine Absage an die konservative Partei enthalt« konnte, sondern in den agrarisch« Agtta- tionen gerade da» bekämpfte,. war nicht konservativ sei. Wir könnt« ««» nicht auf den Standpunkt de» auto­nomen Tarif» stell«, well wir auf den Export ange­wiesen sei«, d« wir nur durch Tarifverträge erhalt« könnt«. Abg Dr. Hammacher (nl.) befürworte zwar eingehende Prüfung der Verträge in der Kommission, sprach sich aber zustimmend zu denselben au», da er eine Bmachtheiliguvg der Landwirchschaft nicht davon befürchte. Abg. v. Kardorff (Rp.) wie» auf die Ge­fahr russischer Getreideeinfuhr Über Rumänien zu den billigere« Zollsätzen hin und legte der Regierung die Wäh«ng»frage an» Herz, mit der« Erledigung die Bedenken gegm die Handelsverträge behoben würden. In Frankreich wiffe man die Landwirthschaft ander» zu schützen al» bei uns. Abg. Dr. Rayer-Halle (fts. Bereinig.) trat für die Beiträge ein und empfahl dem Bunde der Landwirthe unter großer Heiterkeit, eine Lauddotation für die Minister ueb Abgeordneten an« zuregen, damit diese Berständniß für die Landwirth­schaft erhielten. Abg. Dr. Böckel (Reformp.) erklärte sich mit seinen Freunden gegen die Verträge, weil sie aus Kost« der Landwirthschaft geschloffen werd« solle». Abg. v. DziembowSky erklärte, daß sich die Pol« ihre Entscheid««- bi» nach Abschluß der Kommission»- berathung Vorbehalte« müßt«. Nachdem «och Abg. Schultz-Lupitz (Rp.) seinen Standpantt gegenüber dem Bunde der Landwirthe bargelegt, wurden die Ver­träge an eine 21er Kommission zur Borde- rathung »erwies«. Morgen: Etat.

* Die JuUiativ»A«tr8ge der sozialdemokra­tische« Fraktion find jetzt im Reichstage eingegangen. Sie bezieh« sich zum groß« Theile auf dieselben Frag«, wie die Initiativanträge der freisinnig« Volkspartei, gehen indessen insofern weiter, al» sie die Betheiligung der Frauen in Betracht zieh«. Er handelt sich also auch um Einführung der allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht» in all« Bundes­staaten, Erweiterung be» KoalitiouSrechteS, Regelung und Vermehrung bet Wahlkreise.

* Der ReichSkomuristar Dr. Karl Peters ist in Berlin eiugetroffm.

* Da» Kaiserliche Gesundheitsamt macht folgende vom 17. bi» 23. November gemeldete 17 Cholera- fälle bekannt. Westprmß«: Im Kreise Briesen 1 tödtlich verlaufener Krankheitsfall. Oderarbiet: I« Stettin 3 Erkrankungen (mit 2 Todesfällen), Gartz a. O. 4 (1), Pallnow 2 (2), in je einem Orte der Kreise Angermünde und Gleiwitz (Oberschlesien) zu- fammen 3 (1), Elbgebiet: In Berlin eine Erkrankung, in 3 Landort« bet Kreise Rupin und Zauch-Belzig 3 Fälle, davon 2 tödtlich.

schloffen. Wir wiffen, daß die Wohnung Ovide'» etwa» allein lag. Paul Harmaut hätte wohs die gegenüber wohnend« Nachbarn ftagm könn«, aber dadurch hätte er sich auffällig, vielleicht sogar verdächttg gemacht, dazu «och wegen eine» sehr zweifelhaft« ErgebniffrS.

Ungeduldig, erregt «nd fast witthend kehrte er also zurück. Er sah auf die Uhr, fie zeigte Halb sech». Er begab sich abermals i« das Caf«, wo er vorher bereit» drei Stund« gewartet hatte, verlangte ein zweite» Sla» Absinthe und setzte sich dicht an'» Fenster, so daß er von hier au» alle vorübergehmdmi Person« überseh« konnte.

Eine volle Stunde saß er in der größt« Unruhe da. Endlich verlor er die Geduld und entschloß sich, nach Hause zu gehen.

Ed« wollte er die Thürschwelle überschreit«, al» er plötzlich ein« halb unterdrückten Seufzer der Er­leichterung aukstieß. Er hatte nämlich auf dem Trottoir von der entgegengesetzt« Seite der Straße tzvide Soliveau bemerkt, welcher rasch« Schrittes in der Richtung auf seine Wohnung znellte. Er überschritt also d« Führdamm und holte Ovide noch eben efe.

«Richt so schnell!" sagte er zu ihm, ihm die Haßd auf die Schulter legend. ■

Ovide wandte sich um.

„Ah, fitz' da!" rief Ovide au», indem er feinem angeblichen Vetter die Hand entgegenstreckte, „welch'

* Nach einer vom LandwirthschaftS - Minister ver­öffentlicht« Ueber ficht über d« Stand derMunl- uu» Klauenseuche herrschte die Seuche Ende Ottober 1893 noch in 37 Kreis« an 132 Ort«, während sie Ende Oktober vorig«Jahre» «nicht w«igeral»305Kreise« an 4080 Ortschaft« grasfirt hatte. Jetzt scheint dem Minister der Zeitpunkt gekommen — so betont er i» einer Verfügung an die Regierungs-Präsident« — mit allen zur Verfügung stehenden Mittel« die Unter- drückuvg der Maul- und Klaumfmche zu erstrebe«, um so mehr, al» im Bezirk Gumbinnen die Verbreitung der Seuche neuerding» erheblich und auch in d« Be­zirken Königsberg, Breslau, Wiesbaden und Koblenz etwa» zugmornrn« habe. Solle die Verschleppung der Semtz in entfernte LandeStheile verhütet werd«, ft müßten in einem um den neuen Seuchen ort abzugren­zenden nicht zu klein« Bezirk sofort alle JsolirungS- Maßregeln zur Anwendung gebracht wem«. Solche fei«: 1) die Untersagung der Abhaltung aller Lieh- «nd Pferdemärkte, sowie de» Austrieb» von Lieh auf die Wochenmärkte, 2) das Verbot des Treiben» von Rindvieh, Schwein« und Schafen außerhalb der Feld­mark-Grenz«, 3) da» Verbot der Verladung vo« Rind­vieh, Schweinen und Schafen auf den in dem gefähr­deten Bezirke beleg«« Eifmbahn-Station«, 4) Be­schränkung in dem Weggeben von Magermilch au» Molkerei«. Die Regierung» - Präsident« und Land- wirthe werden zur sofortig« Anwendung dieser Maß­regel« beim WiederanSbruch der Seuche ermächtigt.

* Die Nothlage der Bangewerkschulen wich immer größer. In Idstein, Buxtehude, Eckernförde und. Deutsch-Krone mußte für dies« Muter je eine Klaffe weg« Mangels an geeignet« Lehrkräften geschlossen werd«. Diese unerfreulich« Thaffachm sind durch die schlecht« AnstellungSbchingungen der Lehrer an dies« Anstalt« hervorgeruf«. Die Lehrer — e» find solcher geuügeud Vorhand« — bezieh« im Durchschnitt kein ausreichende» Gehalt und werd« nicht fest und nicht als p«fion»fähig »«gestellt. Während an all« ander« Schulen die Lehrer auf Lebenszeit mit Pmfio^ange- stellt sind, hält man für die Bangewerkschulen ein p>lche» Zugeständniß für entbehrlich. Für die technisch« Hoch- schul« und die Universitäten ist reichlich gesorgt. Und doch tbäre kein Kapital besser angelegt als da», wa» man für Fachschulen auSgibt; denn diese Schulen kom- mm birett den erwerbend« Ständen zu Gute und heben somit die Steuerkrast und die Steuerfähigkeit de» Landes. An» Fachkreisen wird geschrieben, daß in Preußen noch w«igsten» 10 Bangewerkschulen mit je 10 Klaffen fthl«, die unter mäßiger Beihilfe der Städte der Staat zu errichten die Pflicht hat. So lange diese Forderung nicht erföflt wird, müssen preußische Ange- hörige nach Bad«, Sachs«, Württemberg und anbern Ländern gehen, nm sich unterrichten zu lass«. Dieser Schul- »nd Klasseumaygel hat aber noch eine andere unangenehme Folge, nämlich, daß immer mehr unter- werth'ge Schul« «istehen. Die .Baugeweikzettun^ schließt einen länger« Artikel; „Niemals könne« die Bangewerkschulen »ach einheitlich« Grundsätzm sich

ein Zusammentreffen! Welcher Zufall führt Dich hi« in diese Gegend?"

„ES ist kein Zufall. Ich habe vier Stunden dort in dem Casö gewartet?"

„Allerdings vndrießlich. Die Zett wird Diteb«- sall» lang geworden fein. Hast Du auf Jemand ge-. wartet.

„Ja, auf Dich."

„Haben wir mit einander zu sprech«?"

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„Bei Dir, wenn möglich."

„Gewiß, durchaus," antwortete Ovide, „ab« D« kommst gerade in einem Aug«blicke, wo ich Hung« wie ein Wolf habe. Wird's lange baue«?"

„Ich glaube."

„Dann, mein lieber Setter und theurer Freund", antwortete Ovide stehen bleibend, „wollen wir zurück- geh« und speisen. Wir können später mit einander plaudern, wofern nicht Gefahr im Verzüge ist und ein Aufschub von ein oder zwei Stund« keine bös« Folg« hat."

„So schlimm ist e» nicht, wir hab« Hinreichmd Zeit."

Die beiden Männer betytt« einen an der Place Clichy liegend« .Gasthof und ließ« sich ein Zimmer geb«. '