Sonntag, den 26. November 1893. 20. Jabrgsn;
MMOZtiMß
Die Zusendung unbestellter Maaren.
Bei dem immer heftiger werdenden »rrthschaftlichen Wettkampfe ist es ein Brstceden jedes gewerdltchen Unternehmers, feine Kundenzahl und fernen Absatz zu vergrößern. Ems der Mittet, welches zu diesem an sich gerechtfertigten Zwick immer häufiger angewendet wird, besteht barm, baß dec Unternehmer ferne Maaren Personen, welche bisher mcht in Gefchrftsvervmdung mit ihm standen, in die Wohnung schickt, ohne daß dies- Personen dre Waar.cn bei ihm bestellt haben. Zu den Ariik ln, weiche auf diese Weife vertrieben werden, gehören vorzugsweise Loiterikloose, Cigarrrn, Z! - schristen, Bücher und BilletS zu Vorlesung^ und Koa- certen. Dec Unternehmer rechnet darauf, daß der Empfänger auS B guemüchkeit oder, .aus rrgend einem falschen Schamgebret die Artistl ibm richt zurücksÄickcn wird, daß ec durch das iSülrche Bor-Augm-Haven dc° Waaren, durch ihre Qualität ober ihren Preis sich zu einem Gebrauche derselben bestimmen sissm wird, oder daß die Sachen mit der Zeit verlegen, und dadurch nicht in bcr Lage sein wird, st- in Natur zmückzu- geben. Nach Ablauf einiger Z-st pflegt der Unternehmer, welchem die Waarm mcht züEgeichickt wor- den, Zahlung zu verlangen; ist er rücksichtsvoller^ so verlangt er Zahlung oder Rücksendung der Sachen, hatte mittlerweile die Vorstellung oder Vorlesung, zu welcher das Billet lautete, oder die Ziehung, für welche das Loos bestimmt war, stattgefanden, fo verlangt er natürlich ausschließlich Zahlung. .... . „ .
Wie ist dem gegenüber die Rechtslage des Empfängers? Hat dieser eine Pflicht, d H Waarm aufzubewahren, zurückzufenden ov-r zu bezahlen? In der ,Voss. Zeitung' werden Lust Fragen folgendermatzeu
nicht zu.
Vorstehende Ausführungen sind, wie bereits avge- deutet, nicht für den Fall zutreffend, wmn «ne Ge- schäfiSverblndung zwischen den ParMen destand uno die Zusendung der Waare im Verlaufe derselben statsiand.' Hierher getö t u. A, wenn ein B-chhändler einem Äunben' Ansichtssendungen zuschickt, wenn «ne Berliner Konfektionsficma ihren ständigen Abnehmern in der Provinz zum Beginn der Saison logen. Aus- wahlfendungen zugehen läßt, wenn ein Lotteruhänd.er Jemandem, der bei ihm längere Zeit ein Loos geepult hat vor einer neuen Ziehung em solches übersendet. In diesen Fällen tft der Empfänger durch die Geschäftsverbindung verpflichtet, die Waare aufzubewahren und mit ihr so zu verfahren, wieder andere es nach Treu und Glauben verlangen konnte; er wird deshalb beispielsweise das Loos, wenn er es nicht spielen will, rechtzeitig, allerdings unfrarckirt, zuruckschicken müssen. .....
Lstct a'-et eine Geschäftsverbindung zwischen den Parteien niet' t vor, so erwachsen durch die Zusendung von Waaren 'em Empfänger keine Pflichten. Er braucht sich al, durch die lithvstraphntm Zasindungen, welche er'von ZÄt. zu Zeit von dem. Absender dec W 'are erhält, in keiaer. Wüst MfchÜchtern zu lass'N. So zuversichtlich auch' diese Mahndrnfe abgefatzt stm mögen, so fehlt es ihnen doch a.i..jeder,, rechtluüe" Grundlage; je drohender.stchruftreten, desto mchr Myern sie sich der Grenze d-S E pr^sf-Lngsväragraphest.,M unsie unter l-tzeren regelmäßig'nicht sagen,, so stch^vken sie tS häufig nur dem llmstaude, daß mau i^rstü Autor nicht Nachweisen kann, daß er sich der Uttgeri chsierpgt- hest f-iner aafgkstrMen Forderung rewußrist. Siestao^ nur auf jene berechnet, bie nie alle weiden; ,auf.schwach- nervige Persoucn» dst aus Angst, daß sie veik.ogi werden-könnten/ ober daß ihnen gar wegen .Büststr- schoffang ungezahlter Maaren eine «nUage,' Mgen Uaterschlaganz drohen . könnte, schleunigst zÄ -Postanweisung greifen. •
Hoffentlich ist lS unS gelungen, die Zahl dieser L-ute zu vermindern, denn in Wirklichkeit enthalten die Üebersendung von unbestellten Waarei! an Fremde, und die sich hieran anreihenden Geschäsisprakttrm nur Gekahren für den Absender. Je weiter diese Erkenniniß sich verbreitet, desto mstr ist zu erwarten, daß diese Belästigung des großen Publikums auftzört.
Endlich entlarvt!
Roman von R. von WollersheiA.
(176. startstsung.)
Schwankenden Schrittes - begab sich Johanna zum Quai Bourbon zurück. Sie fand die Wndergenesende ein wenig besser, was ihr w-e ein Frmdevstrahl war in den namenlosen Qualen, die sie rrbult ete. Sie fand sogar den Muth, ihrerTochter gegenüber ein fröhliches Gesicht zu zeigen. , . , ,
Während der wenigen Tag-, welche Luc^e m hes- tiaem Fieber dagelegen hatte, hotte sie sich des Besuches nicht erinnert, welchen die Bro:träzerm Georg Darier zu machen beabsichtigte. Als, das Fieber nachlr-ß, hatte sie sich der Sache wieder erivneit. Luce sagte sich, daß der Advokat, der für den Augenblick von Paris abwesend war, jetzt zurückgekehrt sein müsse.
„Mutter Lsion," frug daS junge Mädchen, »ho^en Sie daran gedach', Herrn Darier zu besuchen, wie Tie eS thun wollten?" . „ m
Diele Frage tief Johanna All s wieder wS Ge- dächtmß zurück, SaS sie eben erduldet hatte. Sie cnt- schloß sich also, dem Kinde die schreckliche Wahrheit zu verbergen.
Anders ist eS, wenn er aus dieser ^»thattgkest heraustritt, affo z. B. die Büch-r oder Zestschrrsrea aufichneidet. Dadurch rauet er dem Sortuncmsduch- händlrr die Möglichkeit der Z rrückgabe au den «er- leger, und er hat deshalb den hieraus entstandenen
„Ja, meine Theure,^ antwortete sie also, „ich hab daran gedacht."
„Sie waren bei ihm?"
„Ja."
„Wann?"
„Gerade heute Morgen."
„Ah", sagte Sucie muthlos. „Sie waren vergebens bei ihm." _ t
„ißein, mein Kind. Herr Darier war zu Hause, er war gegen mich sehr liebenSwüldig, er har mi, ge» rathen ..."
„Was hat er Ihnen gesagt?"
Daß Diejenigen, welche Sie mit solcher W'tth v rfolgen, Ungeheuer, wirkliche Ungeheuer seien, daß Sie iadeß nichts gegen sie ausrichten könnten, da das Gesetz solche Elenden nicht bestraft,, welche einem braven jungen Mädchen die Schande seiner Mutier vorweifen." , ..
Lucies Augen füllten sich mit Thranen. _
„Meine Mutter, . . •" stammelte sie. „Sie ist vielleicht noch mehr zu bedauern als ich! Gewiß, lüde ich sehr, und doch. fühle ich nicht den M-uh -in mir, ihr zu fluchen, ihr, der Urheb rm memeS Kumm-rs." „ .
„Johanna glaube vor Bewegung und Rührung zu erstcken. - . r.
Unfähig, eilt Wort hervorzubrmgen, drückte sie Lucie an ihr Herz. , ,,
,Und dennoch," setzte das pmge Mädchen hrnzu, muß ich es bedauern, daß sie mir das Leben ge-
Die Brodtragerin hatte nicht übel Lust, Lucie zu» zurufen, als sie vernahm, daß sie, ihrer unbekannten Mutter nicht fluchte: „Ich bin Derne Matter. Die l^tz'en Worte freilich, welche Lucie ausgesprochen hatte, machten diesen Ruf auf ihren Lippen ersterben. Fluchen wollte das junge Mädchen ihr zwar Nicht, aber sie verzieh ihr nicht, daß sie ihr das Leben ge- ^^Luci? versank, wie sooft seit dem Tage, wo Lucian sich von ihr abgewendet hatte, m eine dumpfe schm^z« l'che Träumerei. Johanna wollte sie ihrem Smaen jetzt nicht entreißen, während sie die kleine Haushaltung
UrbriamS täuschte sich die arme F-au , wenn sie meinte, daß Paul Harmant versuchen würde, sie der Polizei zu überliefern. Nachdem bie Angechgevy tt, Wfß n derer er zu Georg Darier gekommen war. er- :E war, bestieg d r MM onär wieder fernen Wagen Eließ sich nach der Rue Murillo bringen. Sobald >r sich 'allem befand, erwog er sorgfälttg hte^Lage, wie sie Beworben war durch die Anweienhest JohamNS iS Paris, j n-r Johanna Portier, welche ihre To^ter t»W HE-. und durch den M°« mit ihm zMÄMnAetrofferk war. Mr l-.cht „arte Johanna itzn-rsOekererkerme« und fernen N mm a»S» "' Bü 'dstfnn G danken glaubte der falsche Paul HärniMt sein Bktst erflvrre ihm in seinen Adem zu E«.
Ich handelte nicht richtig, daß ich mich so w-1 .foifcetßtW 'M WAohMna Posttt' u^er dem Namen Li-a Pcrrin wiMr erfännt halte.- «w verhaften zu lassen, wie iHD^d« ersten Ltffwallm^ wollt-, wäre die größte Thötcheu g wesen. Ware ich in etwa besonnener gewesen, lo würde ich geschickte Worte gesundV haben, um die ganze Sache au zu» schieben oder bedeutungslos zü machen. Ich würde, ihre Küraer! angehört haben, ich w^e ihr gisagt habkn, daß ich "mit dieser Lücie, tiefes MMeür kEpfiide "Und daß ich bereit sei, ihr die- zu beweisen. Acht freu ich ist cs zu spät, diesen Fehler wieder gut zu machen, das hecht noch nicht, um sie zu verhmdern. da« sw mir lävger meine Ruhe stmt. Johcnma Portier iwPsns ist eine stets drohende Gefahr für mich — dies. Ge
^r Wagen langte vor dem Hause in dem. Augen- blick- an, wo dieser litzte Gedanke im Haupte deS MillmnärS aufstieg. „ „
(S- fand Luc'.an Labrone mit Mmy zufammen. Gew.ffenhaft spielte der junge Mann die Rolle weiter, w-lche ihm durch den Msler Mepgan Castel anbc- fohlen war. , £'
Paul Harmant drückte ihm bie Hand und frug: „SindSie in der Fibrik gewesen, lieber Fceund? „Ich komme eben daher."
„Nichts N urs?"
‘ „Nicht das Geringste."
Schaden jenem zu ersetzen. Man kann in dem Au.f- schneiden sogar unter Umständen eine genügende Willenserklärung finden, daS betreffende Exenplar kaust ch behalten zu wollen. Das .inzige dagegen, was der Uedersender von demjenigen, welcher sich ganz untätig vrrhäit, verlangen kann, ist die Rückgabe oder — unfrankirt- Rücksendung der Waare voraus- cesitzt natürlich, daß bk Waare noch da ist. Ist sie nicht m-hr beim Empfänger, fcört auch diese Pflicht auf Dies folgt daraus, daß der Eigenkhümer ernt . Sache dstselb: auf Grund seines Eigenthums nur von demjenigen verlangen kann, von dem er nachweist, daß er entweder sie — zur Z-it der Klagestellung im Gewahrsam bat oder sich in iwloser Weise ihrer vor- her entledigt hatte. Beides trifft aber in unserem Falle
beantwortet:
Zuvörderst ist davon auSzugcheri, daß em Vcr.^s- verhältmß zwilchen den Parteien mcht besteht, welches eine der eben genannten Pflichten oegrundm könnte. Insbesondere liegt weder ein Kauf noch em Diposi um vor. Dadurch, daß Jemand Mir ohne^ Bestellung Waaren ins H ms sendet und daß ich dieselbe« ruh'g bei m r liegen lasse, kommt kein Kausverlrag den - dieser sitzt eine Will-nsemigung zweier Menschen über den Umsatz von Waare gegen einen bchimmt-n Preis voraus. An der Zustimmung M Empfängers sih t kS aber, und man kann sie keineswegs .auS Jetnem unthätig-n Verhalten folger . Ein DepofstM verlangt eine Vereinbarung, daß einer dem anderen eine Sache anfvewahren und Verlangen zurück reden soll. Eine derartige W-llesabsicht liegt aber auf knn-r der beiden S-it'en vor. Der ll b-tfender wünscht nich , daß der E-, pfäagec sie für ihn aufbewahren und ihm zurückg-ben, sondern bas er sie käuflich übernehmen soll. Und selbst wenn man be> dem Uebersinder jene Absicht für den Fall, daß der Empfänger die Waare nicht ’ tauf,, übernehmen sollte, so fchtt is doch an jeder Wstlenserklärurg des Anderen, datz er sich zar Verwahrung oder Auibewahrung anheifchitz macht.
An diesem Resaltille äaden es auch .mchis, wenn der UVersender bei der Zusendung erklärt, er nehme a» haß, wenn der Empfänger mcht die Waare binnen bestimmter Frist zürLck ch'ck!, er sie käuflich behalten wolle. Denn er hat nicht Ca5 R'cht, btm Empfänger eine Präjudiz für sein Stillschweigen anzudrohen; trotz jener Bemerkung würde es3 immer an der für den Kauf nvthwmdigen Zustimmung des anderen The-.les, fehlen. Liegt Mithin kein Veriragrverhältmß vor, fo fehlt eS an jedem RechtSgruude, bei den Empfänger zu einem positw-n Thun verpflichtet. Er braucht dis inqefer.bet; Wmre weder z-r veiMeßen roch zu ver- wahren, er kann sie ruhig in der Ecke liegen lassen und braucht sich um ihr werteres Schick'al nicht zu bekümmern. Stammt sie weg, indem ein Diensibote sie beim AufräumrN mit anLsigt oder ei« Dritter sie wegnimmt, io hat der Empfänger dafür mcht aufzukommen, denn da weder Set trag noch Gesetz ihn zu einem positiven Thnn vnpfl-chtrn, kann fern pastoeS Verbauen auch mcht die Grundlage eines Entschädignngs in'p rmchs
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