Donnerstag, den 16. November 1893.
____ 20. Jahrgang
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es
.Ich habe mich sehr gefreut, Ihnen denselben er-
weisen zu können. Jetzt möchte auch ich meinerseits, Künstler fort.
Herr Hacmant, Sie um etwa- bitten.
Der Industrielle stand wie verklärt auf. Die
die zu
* Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir von Rußland sind heute Nachmittag zum Besuch am kaiserlichen Hofe in Potsdam eingetroffen und von der Kaiserin begrüßt worden. Der Kaiser wird die hohen Gäste morgen früh bei seiner Rückkehr aus Oberschlesien begrüßen; er hat mit Rückficht auf den Besuch den Aufenthalt in Kuchelna abgekürzt.
* Gegenüber der Mittheilung einzelner Blätter, wonach die Hierherkunft mehrerer süddeutscher Minister mit den in Bezug auf die Weinstener noch schwebenden Meinungsverschiedenheiten Zusammenhänge, wird officlöS darauf verwiesen, daß in den kommenden Tagen die BundeSrathSverhandlungen über die Steuergesetzentwürfe stattfinden. Gin Dementt ist dies nicht, und zwar um so weniger, als die Herren aus Süddeutschland noch vor den erwähnten Berhandlungen eintreffen. Eine in Mainz gestern stattgefundene Versammlung der Vertreter der deutschen Handelskammern und landwirthschastlichen Vereine hat die Reichsweinsteuer verworfen, weil dieselbe den deutschen Weinbau und Weinhandel dem Auslande gegenüber concurrenzunfähig machen würde.
* Im freisinnigen Lager hat sich angesichts der Wahlniederlage der übliche Streit entspannen, wer denn an dem Unglück Schuld sei. Biele möchten alles auf Herrn Richter hängen lasien. Dieser aber erklärte bekanntlich, das Malheur kommt daher, weil
„Im voraus bewilligt natürlich. Um was handelt sich?"
„Mir Tag und Stunde anzugeben, wann Sie mir Ehre schenken könnten, mich bei Ihnen empfangen können."
„Herr Lucian Labroue hat mich nämlich gebeten, bei ihm die Vaterstelle zu vertreten", fuhr dann der
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(168. Fortsetzung.)
_ M« Ihnen gerne zur Verfügung. Wo be- findet sich das Gemälde?"
„Bei einem Händler in uer Rue des MartyrS."
„Weymann, nicht wahr?"
„3a."
„SS ist gewiß das Gemälde, welches die „Ber- sammlung der Götter" darstellt, einen Meter hoch und einen Meter zwanzig breit?"
„So ist'S! Ich sehe, daß Sie das Werk kennen. Was sagen Sie dazu? Soll ich eS kaufen?"
„Hüten Sie fich wohl."
„ES ist also ohne Werth?"
„Das nicht, eS geht noch an, aber e« ist nur eine Kopie. Wkymann verlangt von Ihnen fünfzigtausend Franken für die „Versammlung der Götter". Das Original würde dies auch werth sein, aber die Kopie darf höchsten- hundert LouiS kosten. Kaufen Sie es also nicht."
„Ich danke Ihnen sehr, für chren freundlichen Rath.^ Sie haben mir damit einen großen Dienst erwiesen."
Deutsches Reich.
Berlin, 14. November.
„Tag und Stunde ganz nach Ihrem Belieben, mein lieber Künstler. Haben Sie mir etwas Wichtiges rnitzutheilen?"
„Schmollte zu Ihnen kommen, als Bertr-ter meines Freundes Lucian Labrone, . . antwortete Stephan, indem er dem jungen Manne einen gebieterischen Blick zuwarf.
Lucian verstand Alles, und ein eisig kalter Schauer überlief ihn.
„Ah!" sagte Paul Harmant, seinen Beamten an- sehend.
n „Sie wissen," fuhr Stephan fort, „daß Lucian Labrone Waise ist?"
„Ja, ja . . ." stammelte der falsche Paul Harmant, unwillkürlich die Stirne in Falten legend.
^wußte eS allerdings sehr gut, da er ja Lucian jum Waisen gemacht hatte, indem er seinen Vater getötet.
I daS Ergebniß der zweiten Lesung gegeben; eine gutachtliche Aeußerung scheint mit Rücksicht darauf, daß unsere Regierung in den erwähnten rusiischen Zuge- ständniffen keine Grundlage für den Abschluß einer Vertrags erblicken kann, nicht gefordert zu werden. Es findet nun eine dritte Lesung statt, bezüglich derer es in einer offiziösen Notiz heißt, daß sich über deren voraussichtlichen Ergebnisse „zur Zeit noch nichts sagen läßt", d. h. die Hoffnung, noch etwas zu Stande zu bringen, ist herzlich schwach.
* Der Staatssekretär des Reichs-Postamts hat sich auf Einladung der Stadtverwaltung und der Handelskammer nach Köl n (Rhein) begeben, um morgen die Eröffnung des neuen Reich-post- und Telegraphengebäudes daselbst zu vollziehen. Das Personal der Kaiserlichen Oberpostdirektion, deS Postamts, der Tele- graphie und des Fernsprechwesens in Köln beträgt 2136 Köpfe; die Einnahme an Post- und Telegraphengebühren belauft fich auf 4 Millionen Mark jährlich. Die von der Postverwaltung durch Ankauf der Domini- kanerkaserne und einer Anzahl von Privatgebäuden erworbene Grundfläche umfaßt 20,895 qm; sie ist durch Straßenregulirungen, bei welchen die Stadtverwaltung volles Entgegenkommen bewies, nach allen Seiten frei- gelegt. Der ganze Bau, im frühgothischen Stil, hat 4 Vs Jahre gewährt.
I die Freisinnigen zu gut für biefe schlechte Welt seien, alle anderen Parteien dienten nur den Sonderinteressen einzelner Bevölkerung?- und BerufSklassen. Die Frei- sinnigen allein dienten dem allgemeinen Wohle. Ihr Rückgang sei eine natürliche Folge der zunehmenden Demoralisation deS deutschen Volker in seinem Ber- galten zu politischen Fragen. WaS die anderen frei- sinnigen Zeitungen schrieben, sei eitel Gewäsch, nicht werth des PapiereS, auf dem eS verbreitet werde. Die Vorhaltungen gegen ihn führt er darauf zurück, daß dieser oder jener Redatteur das ersehnte Mandat nicht erlangen konnte. Die .Bossische Zeitung' antwortet darauf, die Mehrheit der Volkes sei liberal; wenn trotzdem die freisinnigen so wenig errungen hätten, so müßten schwere Fehler begangen »arbeit sei». Man solle nach diesen Fehlern forschen. Bon Personen- kultus und Personalvergötterung wisse der Liberalismus nichts. Ohne Zweifel wird man Herrn Richter in nächster Zeit daS Leben recht ferner machen. DaS ,Berl. Tagebl.' macht sich ben Spaß, bett Nachweis zu erbringen, baß zur Erklärung ber diesjährigen Niederlage ber Deutschfreifinnigen Partei Herr Eugen Richter in feiner .Freisinnigen Ztg.' wörtlich biefelben Aus- einanbersetzungen bringt, bie er int Jahre 1888 über die freisinnige Wahlniederlage gebracht hat.
* Der Bund der Landwirthe zählt jetzt bereits 163,256 SRitgtieber, hiervon entfallen laut einer Tabelle be« BunbeSorgans auf bie Provinz Ostpreußen 6,560, Westpreußen 6,210, Pommern 10,690, Posen 6,200, Schlesien 23,500, Brandenburg 16,720, Sachsen 18,210, Hannover 5760, Westfalen 1070, Rhein- provmz 320, Hessen-Nassau 5160, Schleswig. Holstein 6000, auf Bayern 1300, Sachsen 28,900, Württemberg 290, Badm 1800, Mecklenburg 7600, Großherzogthum Hessen 4800, Thüringen 6540, Braun- schweig 2460, Oldenburg 1, Waldeck 760, Lippe 1360, Lübeck 1040, Hamburg 2 und Elsaß-Lothringen 3.
* Breslau, 13. Nov. Der Kanonikus Dr. Franz Lor ins er, Rath ber fürstbischöfl. geheimen Kanzlei und beS General-Vikariats, ist gestern gestorben.
* Trier, 13. Nov. Die Strafkammer verurtheilte ben cand. theol. Reichard, den bekannten Verfasser der Schmähschrift gegen den Bischof Korum, wegen Beamten- bestechung zu 30 M. Geldstrafe und in die Kosten. (Reichard hatte dasMergehen in betrunkenem Zustande bei seiner Verhaftung aus Anlaß einer nächtlichen Ruhestörung begangen.)
• Dortmund, 11. Nov. Wie wir stüher berichteten, hatten bie Vorstände verschiedener katholischer Vereine Dortmunds aus Anlaß eines die katholische Kirche beschimpfenden Feuilletons, in der .Dort» wunder Ztg.' Strafantrag gefteDt. Darauf ist jetzt unter dem 7. November folgende Antwort an die Beschwerdeführer eingegangen:
m Dortmund, 7. November.
Aus bte Anzeige vom 17. September 1893 gegen den Re- dakteur der .Dortmunder Zeitung' wegen Beschimpfung der katho- Ilschen Kirche resp. ihrer Einrichtungen werden Sie benachricht, daß ich es ablehnen muß, die öffentliche Klage zu erheben.
Falten auf seiner Stirne waten mit einem Male wie durch Zauber verschwunden.
„3a, jetzt errathe ich, um was es fich handelt," sagte er lachend, „Lucian will annehmen, was ich ihm angeboten habe. Wir find unter uns, meine Herren, Sie sowohl als Herr Georg Darier sind mit Herrn Lucian Labrone eng befreundet. Wir können uns also frei und offen und ohne Rückhalt hier aussprechen, Lucian hat, veranlaßt durch ein großes Zartgefühl, was ihn in meinen Äugen nur noch höher erscheinen läßt, sich einige Tage Bedenkzeit auSgebeten. Er hat fich wbhl die Sache überlegt, ohne Zweifel ist Ihr Rath bei ihm maßgebend gewesen, ich danke Ihnen sehr dafür. Jedenfalls war ber Zweck Ihres Besuches Herr Castell, mich für Lucian um die Hand meiner Tochter zu bitten?"
Der Maler gebot jetzt durch eine kaum wahrnehmbare Geberbe beut jungen Manne zu sprechen.
Der Sohn Julius Labrone'S stammelte also vor lauter Erregung kaum fähig, ein Wort hervor zu bringen:
„Ja, mein Herr!"
„Nun, meine lieben Freunde, bie Bitte ist bewilligt, Sie roiffen eS wohl, beim sie war im Voraus bewilligt. Wir werden also nur noch gewisse Fragen von untergeordneter Bedeutung zu erledigen haben. Ich vertraue darauf auf Herrn Georg Darier, welcher ja ein Gesetzeskundiger ersten Ranges ist, er wird die
* ®ine Kammer der Landräthe kann man in gewissem Sinne das neue preußische Abgeordnetenhaus nennen. Dasselbe wird nämlich nicht weniger als 43 Landräthe enthalten, wozu dann noch eine ganze Anzahl anderer höherer Staatsbeamten kommt. Ob em parlamentarisches Haus den Namen einer freigewählten „Volksvertretung" verdient, in welchem ein so starkes Beamtenkontingent die Geschicke des Landes mit ent- Reibet, biefe Frage kann sich Jeber leicht beantworten. Wie immer in früheren Zeiten sind eS auch jetzt zu- meist altpreußische protestantische Bezirke, in welchen bie Mehrheit ber Wähler fich so „erleuchtet" zeigte, erneu direkten, unmittelbaren Untergebenen ber Staats- regierung zum Abgeordneten zu bestellen. Außer diesen 43 Landräthen, von denen 27 ber freikonservativen unb 16 ber konservativen Partei sich zurechnen, gehören bem neuen Abgeorduetenhause an: 6 RegierungSpräsi- benten unb Staatsminister, (2 kons., 3 freikons. unb 1 natl.); 113 Majorats-, Ritterguts-, HerrschaftS-, Guts-, Grunb- unb Hofbesitzer (61 konf., 14 freikons., 18 natl., 15 Centr., 3 Polen, 1 Däne unb 1 freif. Bereinigung); 56 Richter (5 kons., 3 freifonL 16 natl., 28 Centr., 1 freif. Bereinigung, 2 freif. DolkSp. unb 1 Pole); 12 Rechtsanwälte (2 konf., 4 natl., 4 Centr. j unb 2 Freif. BolkSp.); 15 Gelehrte unb Aerzte (2 kons., 6 natl., 4 Centr. unb 3 Freis. BolkSp.); 11 Geistliche (2 kons., 5 Centr., 1 Freis. BolkSp. unb 3 Polen); 13 Rentiers (1 kons., 4 natl., 6 Centr., 1 Freis. BolkSp. unb 1 Pole); 6 Kommerzienräthe (1 freikons. unb 5 natl.); 22 Handwerker, Fabrikanten unb Kaufleute (1 kons., 1 freikons., 10 »all., 8 Centr. unb 2 Polen); 4 Schriftsteller und Redakteure (1 ^eckons. 1 Centr. und 2 Freis. BolkSp ), und endlich 8 Offiziere (4 kons., 2 freikons. und je 1 Centr. und Pole).
* Der Buudesrath hat heute den Militäretat und den Etat ber Reichsschulb genehmigt, womit bie Etats- berathung abgeschlossen ist. Im Zusammenhang bamit würben bas Etats- unb bas Anleihegesetz für 1894/95 angenommen. Ferner stimmte ber BunbeSrath dem Handelsvertrag mit Rumänien zu.
* Die zweite Lesung ber deutsch-russischen Tariffragen ist gestern beendet worden. Die russischen Delegirten haben während derselben zwar im Einzelnen
* » -r ■ • < - --—। einige Zugeständnisse gemacht, bie sich aber zu beut
, Der Kaiser wirb am Donnerstag unmittelbar Minimum ber deutschen Ansprüche verhalten wie ein nach Eröffnung be$ Reichstags ber Vereidigung der Tropfen auf bem heißen Stein. Dem Zollbeirath wirb Rekruten ber Garnisonen Berlin, Charlottenburg, "" " "" ' " ■
Spanbau unb Groß-Lichterfelde beiwohne».
* Bei ben gestrigen Berliner Stadtverordneten- Ergänzuugswahleu hat die konservativ-antisemitische Bürgerpartei ihre sämmtlichen Sitze im „Rothen Hause" emgebüßt; allerdings kommt dieselbe in einem Bezirke zur Stichwahl, doch ist wenig Aussicht auf Erfolg vor- Hande». Gewählt wurde» 7 Freisinnige unb 6 Sozial- bemotrate», von benen 4 Restaurateure sind. 3 Stich- wählen haben stattzufinden. Dis Sozialdemokraten haben 3 Mandate gewonnen.
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