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Mittwoch, den 15. November 1893.
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Bei reellen Geschäften, und speziell solchen mit großem Umsatz, sollte man am meisten zurückgesetzte Maaren vermuthen, weil dieselben erstens in der Abgabe der Maaren ihres Rufes halber sehr vorsichtig
«Sie sagten dies, Herr Lucian?"
Abermals warf Stephan seinem Freunde einen vielsagenden Blick zu.
lede Lüge ihm einen tiefen Abscheu ein- stoßte, so antwortete er dennoch:
»Ja, Fräulein. Ich sprach soeben mit Herrn Castell und meinem Freunde Darier von dem Anerbieten, das mir Herr Harmant gemacht hat, von der Theilhaber- schäft, welche für mich die Sicherstellung meiner Zu-
Pfennig heruntergegangen war, und wenn es auch that- sächlich in etwa der Fall gewesen sein mag, so war doch zu deutlich, daß der Unfall den Grand abgeben mußte, um das Publikum anzulocken. Ein anderer — ebenfalls Jude — hatte ein Brändchen, und zwar ein gänzlich unbedeutender, zu verzeichnen, sofort war ihm das „ganze Lager" so beschädigt, daß eS auSverkauft werden mußte, und damit die Leute es doch vor Allem glaubten, waren selbst Plakate, io denen das große Erergniß dem Publikum mitgetheilt wurde, — an den Ecken angebrannt! Obwohl das Publikum sofort gewahren mußte, daß dieser Wohlthäter der Menschheit mit ihm blutigen Hohn trieb, gab eS doch Leute genug, die dumm genug waren, darauf „hineinzufallen".
Mit dem „Restgeschäfte" ist eS nicht viel anders. Dasselbe nimmt in der letzten Zeit eine gewaltige Ausdehnung; an allen Orten und Kanten der großen Städte, namentlich Berlins, tauchen diese orien- talischen Geschäfte auf. Die Preise sind thatsächlich medng, wenn man nach dem Preise für reelle Stoffe rechnet, aber darin liegt eben der Haken. ES werden ganze Stücke zu „Resten" verschnitten, die Qualität ist
Pfand einer glücklichen Zukunft genannt werden kann."
Mary zitterte vor Freude. Mit freudestrahlendem Blick und geröthetem Antlitz trat sie auf Lucian zu und ftug:
angebracht sein dürfte. Also Vorsicht bei „zurückgesehte Maaren und „Achtung" vor den „Restgeschäften r
„Er hat sogar gesagt, daß Sie mich ordentlich durchgezogen haben."
„Dann fhat er sich allerdings sehr weit von der Wahrheit entfernt."
Während diese wenigen Worte gewechselt wurden, hatte Stephan das angefangene Portrait mit einem
Deutsches Reich.
Berlin, 13. November.
* Zur ReichStagreröffuung erläßt der Stellvertreter des Reichskanzlers Staatssekretär Dr. v. Bötticher folgende Bekanntmachung:
../-Mit Bezugnahme auf die in Nr. 36 des ReichsgesetzblattS verkündete Kaiserliche Verordnung vom 28. Oktober d I. durck welche der Reichstag berufen ist, am 16. d. M. in Berlin au« sammenzutreten, wird hierdurch bekannt gemacht, daß die Er- öffnung deS Reichstags an diesem Tage um 12 Uhr Mittags im Weißen Saale des hiesigen Residenzschlofses stattfinden wird. Zuvor wird ein Gottesdienst, und zwar für die Mitglieder d« evangelischen Kirche in der Schloßkapelle um 11 Uhr, für die Mitglieder der katholischen Kirche in der St. 6tb' wigskirche um 11 Vs Uhr abgehalten werden. Die weiteren Mit- theilungen über die Eröffnungs-Sitzung erfolgen in dem Bureau des Reichstags, Leipzigerstraße 4, am 15. November in den Stunden von 9 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends, und am 16 November von 8 Uhr Vormittags ab. In diesem Bureau werden auch die Legitimationskarten für die Eröffnungssitzung verabfolgt und alle sonst erforderlichen Mittheilungen gemacht werden. Eintrittskarten für Zuschauer werden von dem Bureau des Reichstags ausgegeben."
* Der ,Reichsanzeiger' meldet: Bei dem am 11 d. M. stattgehabten Schluffe der Berhandlnngm der Börsen - Enquete - Kommission dankte der Bor- fitzmde, ReichSbankpräsident Koch, den Mitgliedem NammS der Regierung für ihre mühevolle Thätigkett und sprach die Hoffnung aus, daß die Arbetten auf- klärend wirken und dem Baterlaude dauernd zum Nutz« gereichm würdm. Das älteste Mitglied dankte dem Borfitzendm und deffen Stellvertreter, Geheirnrath Gamp, für die onftrengenbe, erfolgreiche Leitung der Berhandlnngm. lieber die Veröffentlichung des Berichts und der sonstigen umfangreichm Materialim, welche thellweise noch im Drucke sind, trifft der Reich«, kanzler seinerzeit Entscheidung.
* DaS Staatsministerium hat in seiner letzt« Sitzung das DiSziplinar-Erkmutniß de« Provinzial- SchulkollegiurnS bestätigt, das Ahlwardt zur Amts- entsetzung verurtheilt.
* 3» den höheren Kommaudostelle« der Mari« werden umfangreiche Personalveränderungm erwartet, die von der ,Boss. Zeitung' mit dem Umstande in Ber- binbnng gebracht werben, baß bie letzten großen Flotten- Manöver „unter einem Unstern gestanden" hätten. Einige dieser Veränderungen sind bereits eingetreten. Der Chef ber Manöver flotte Viceadmiral Schröder und der Korvettm-Kapttän Pawelzki sind bereits zur Disposition gestellt,. Biceadmiral Köster ist zum Chef der Manöverflotte und Kontteadmiral Karcher zum Direktor im Rei smarineamt ernannt worden. An die Spitze der zweiten Division ist Kontteadmiral v. Diederich« gestellt.
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täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.
sind und b,j dem starken Zuspruch auch am 'ersten" 8on"dm Art?'wie bm
Zurückgesetz es ansammeln. Aber sonderbarer Weise Zweck gefertigte Schundwaare. Einen inttresian en
lommen solche Geschäfte mit derartiger Maare nur ! Beleg dafür, wie es mit dm Resten" aemadit wird ^Ä'^re'nzelt an die Oeffentlichkeit. Sie haben eS hatte ich kürzlich. In P M ich§XemÄÄ
h'- 6fOr*^antne Geschäftsbranche ge- eines — jüdischen Geschäftes lauter Reste von Kleider.
k m solch- Maare auf auft und sie dann bei stoffm stehen. Ich ” SRemir ÄS
haHe? *!ä,toSr “n.tcr d-r lügen- gehen und mir einen Rest, den ich genau nach Rum-
hasten Angabe, daß sie vollwetthig seien, ober als I mer und Preis bezeichnete vorleam an lassen Da«
äßaare minderen Werthes. Aber trotzdem wird meistens I war aber so einfach nicht,' die beiden aef<fiäftfom ,,nd
vorhanden"?? däÄb überhaupt überftmndlichen Gehülfen Erklärten, sie hätten gmau
vorhanden ist, deshalb muß künstlich DerarttgeS be- denselben Stoff im Stück rum halben Nr-tt,
fthafft werden, es findet sich schon eine förmliche Jndu- I ließ mir diesen zeigen und sah sofort den Unterschied
L«usschubwaare" herzu- „Sofien fte’mi«| bn«Ten W& SÄ äb?r bfl8 fflptESe bie£ bei be" schlechten Zeiten und nach einigem Zaudern kam er auch mit Mühe het- aber das Geschäft am wemgstm zu klagen. Unter der j vor. Vorher wollte der eine Gebilfe das aanre Shirf f4«t ,
doppelt zu theuer sind und, wenn es sich um Stoffe toaare toie "e im Ke fte6t U
Im meittm"bÄ"Sm'/ Sf? biej.e,r Schwindel zu enden, forderte ich den einen Gehilfen^au^den nm w-istm blüht, das Machm nicht wetth sind. I Rest nachzumessen. Nach einigem Zögern tfiat er es
Die Thatsache, daß die Inhaber solcher Schund- auch die Länae ftimmte\b£ / e”
R°°,ch.L°«« fcta SiitM ber SÄme ftelu J ÄS.S
S" virl«chl werd», dich R--lam-lappm will üb« Ä
-h^llche Handel kann sich dar I Werth mit dem geforderten Preise zu bezahlen Mit mcht leistm, soviel Prozente sitzen am reellen Stoffe I der verbindlichm Erklärung bafi itfi für hi.
ist rnst dieser Geschäfts digung meine? Kauflust L ausspr!cheL-' Manipulation die Ausnutzung emeS Meinen Unfalles I ließ ich die Räume des würdigen Manner ™ ' b^^r waßlosen Reklame. So hatte z.B. ein Schuh- ! Diese Ausführungen können da es uns leid-r waarenhandler tn G. das „Mißgeschick", daß ein Wasser- I jeder irgendwie genügenden Gesetzesbestimmung aeaen ü^E"H°nsb brach und einen Theil der Maaren I dm „unlauteren Wettbewerb" fehlt, nur den Zweck S “S --«t- d-r M°°» - °°r dem Schwi-d-l, d» dich L-,
Ld-^^diesen Unfall aus, um ^enchtgewordmeS | getrieben wird, zu warnen, was angesichts der kom- 2 / b1?efielencn Per* «enden Weihnachtssaison, in der solche Ramsch-
kaufm^-^Honnte nicht sindm, daß er um einen waarmhändler die meiste Reclame machen, wohl doppelt
* Die neuliche Mittheilung, daß der Kaiser eine KabinetSordre gegen das Hazardspiel tn der Armee erlassen habe, wird in der .Kreuzztg/ bestätigt. ES sei auch anzunehmen, daß bie geeigneten Mittel ergriffen kunft bebeutet, sowie von ber Verbindung, welche er mir anjntragen mich für würdig erachtete."
„Und was haben Sie geantwortet?" stammelte Math mit vor Erregung zitternder Stimme.
„Daß ich zuerst gezögert habe, da ich an die «er- wtrklichung eines Traumes nicht glauben konnte, der meine kühnsten Erwartungen übertreffen mußte."
„Ferner daß er," setzte der Künstler rasch hinzu, „sich die Sache überlegt und daß er, da er schließlich einsah, daß die Verwirklichung des Traumes möglich sei, mit Freuden eingewilligt hat."
Mary tpar allzu freudig erregt, um zu bemerken, daß Stephan und nicht Lucian den letzten Satz ge- sprachen hatte. Ohne also weiter auf diesen Umftanb zu achten, frag sie mit abermaliger freudiger Aufwallung:
„Haben Sie meinem Vater bereits dm Entschluß mitgetheilt, welchm Sie gefaßt habm?"
„Nein, noch nicht, Fräulein," stammelte der Sohu Julius Labrone's.
„Unser Freund ist ein wenig schüchtern," sagte der Künstler. „Er dmkt mehr, als er sagt, aber in diesem Augenblicke sind Georg und ich gewiß, daß wir bald Zmge einer glücklichen Verbindung sein werden."
„Die Zengm?" wiederholte Mary lachend. .3« welchem Sinne?"
„Nun, im weitesten Sinne der WotteS, Fräulein. Lucian keimt zu gmau unsere Wünsche, als daher uuS
Endlich entlarvt! Tuche bedeckt und dann das Gestell, auf welchem es
hon » hnn «in • sich befand, in eilte Ecke der Ateliers gerollt. Er wm-
Roman von R. von Wollersheim. bete sich lebhaft um.
fflpnrn Dan». »Wir sagten so wenig Böses von Jhnm," bemerkte
wS9-tretcn‘a> t er lachend, „daß wir Herrn Lucian aufrichtig beglück- «I» mich SÄ *“ bK R-chrichl.w-lch. er Ml- millheilte.-
«Ebenso wie mich," antwortete Maiy. „Um Sie „Welche Nachricht?" frag Mary zitternd und Lurion gnade Beide Wsammen zu treffen, muß man, wie eS neugierig ansehend.
V? ^*3 'emlichweit von ber Rue Murillo kommen, I „Herr Labrone sprach uns." saateStevban lebbakt ohm Sie ben Weg ganz vergessm zu habm scheinen." „von sehr ehrenvollen Anerbietungen, welche ihm Ihr taÄ ÄÄÄftÄ** I ««Statanfl, di- »m ^sich-LÜm«:
Georg versetzte:
Wir dachtm eben an Sie, Fräulein, unb ber Be
tons dafür ist, daß wir eben von Ihnen sprachen."
«Ihr Vormund sagte es mir."
„Sie sehen also, daß ich auch nicht die Unwahrheit sagte."
-8. „Zurückgesetzte Maaren"
sind mehr und mehr ein schwungvoll gehandelter Arttkel geworben unb werben es von Tag zu Tag mehr. An bie „Ausverkäufe unter bem Einkaufspreise" unb wie sie sonst heißen, glaubt das Publikum vielfach so recht nicht mehr, mindestens ist dies Zugmittel nicht mehr modern genug; an seine Stelle treten vielfach die „leicht- beschädigten", zurückgesetzten Maaren, die Artikel mit Schönheitsfehlern rc. Es kommt ja gewiß vor, daß ein Kaufmann sogenannte „Ladenhüter" in größerer Menge bat, welche er gern los sein will unb zu sehr geringen Preisen abgiebt, aber wenn ein Geschäft Jahraus Jahrein nur solche „beschädigte" Maare zu verkaufen hat, so muß der Inhaber ein sehr ungeschickter Einkäufer oder — ein Spekulant auf diejenigen, „welche nicht alle »erben", fein. Unb das Letztere ist zumeist ber Fall.