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2^ 261 Dienstag, den 14. November 1893. 20. Jahrgang

FiildakrWZeitiing

; Fernsprechdienst ist nun eigeführt oder wird binnen - Kurzem eröffnet werden in Marburg, Dülmen, Urnstadt, l Jena, Eupen, Salzwedel, SchwiebuS, Oppeln und an­deren Orten.

* Die Kommission für die zweite Lesung des bür­gerliche« Gesetzbuches hat in ihren letzten Sitzungen die Vorschriften über die Reallasten berathen. Im Zusammenhänge damit waren Anträge auf besondere Regelung der Rentenschuld gestellt, während von an­derer Seite beantragt wurde, die Rentenschuld im An­schluß an die Vorschristen über die Grundschuld zu regeln. Die Berathung dieser Anträge wurde bis zur folgenden Woche vertagt. Die Reallasten anlangend, so wurde der Standpunkt des Entwurfs festgehalten, daß der vertragsmäßigen Begründung von Reallasten reichsgesetzlich keinerlei Schranke gezogen, dagegen die landesgesetzlichen Vorschriften unberührt bleib« sollen, welche die Belastung eines Grundstücks mit Reallasten beschränken oder ausschließen. Erledigt wurde ferner ein Theil der Vorschristen über das Verkaufsrecht.

* Die Branutweiuproduktio« des deutschen Reicher betrug im Oktober d. IS. 176,100 Hektoliter reinen Alkohols (gegen 189,741 Hektoliter im Oktober v. IS.). In demselben Monat wurden 185,659 Hekto­liter nach Entrichtung der BerbrauchSabgabe in den freien Verkehr übergesthrt.

* Im Jahre vom 1. August 1892 bis dahin 1893 wurden in Preußen 196,771 Jagdscheine ausgegeben, d. i. 8250 mehr als 1881/92. Bon diesen Scheinen waren 4900 unentgeltlich abgegeben, 228 mehr als 1891/92.

* Stuttgart, 11. Nov. Bei der heute in Reut­lingen stattgehabten Landtags - Ersatzwahl siegte s der BolkSparteiler Payer über den Nationalliberalm Rvpp.

* Donaueschingen, 11. Nov. Bei der gestrigen ReichStagSersatzwahl im zweiten badischen Reichstags- Wahlkreis wurde Fürst Fürstenberg gewählt.

* Oldenburg, 10. November. Der Landtag ist heute Nachmittag um 3*/2 Uhr unter Verlesung der Thronrede durch den Minister Janffen eröffnet wordm.

Ausland. "

* Luxemburg, 9. Nov. Der Vorstand der Ab­geordnetenkammer hatte gelegentlich der Vermählung des ErbgroßherzogS mit der Prinzessin Anna Maria von Braganza eine Geldsammlung im Lande veran­staltet, deren Ertrag zur Anschaffung eineS H ochzeitS- geschenkeS für die Erbgroßherzogin bestimmt war. Der Präsidmt machte in der vorgestrigen Sitzung der Kammer die Mittheilung, daß die Sammlung im Ganzen eine Summe von 24,890 Franks ergeben habe. Nach dem schon früher von der Erbgroßherzogin kand- grgebenen Wunsche soll der ganze Bettag zu einer wohlthätigen Stiftung verwandt werden, die dm Namen der jungen Fürstin tragen soll.

* Wien, 11. Nov. Tas Ministerium Windisch- grätz hat sich wie folgt konstituiert: Präsidium: Fürst Windischgrätz, Innerer: Marquis Baeqnehem, Unter­richt : Madeyrti (Pole), Finanzen: Dr. Edler v. Plmer (Deutschliberal), Minister für Galizien: Jaworski. Die Minister Graf Schönborn, v. Falkmhayn und

.ausgenommen. — Inserate kosten di« einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt

«le^ekiahrücherA banne mentsp reis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fuld/und auStoärttl M5O Pfennig.

WelserSheimb behalten ihre ftüheren PortefmilleS. Zum Handel-Minister ist der Dmtfchliberale Graf Wurmbrand ernannt.

* Barcelona, 11. Nov. Der Belagerungszustand ist hier verkündet worden. Vierzig Anarchisten werden vor ein Kriegsgericht gestellt. — In Sevilla sind sechs Anarchistm unter dem Verdacht der Theilnahme an dem Ättmtat im Theatro Liceo verhaftet worden. — Weitere sieben der durch die Explosion im Theatto Liceo Verwundeten find in Bracelona gestorben.

* Konstantinopel, 11. November Der Sultan vwlieh dem französischen Ministerpräsidenten Du­puy den Großcordon de- OsmanieordenS. — Am Donnerstag kamen hier 27 Erkcankungm an Cholera vor, von denm 22 einen tödtlichen Ausgang nahmen.

* Washington, 10. Nov. Der Staatssekretär Gresham erhielt ein Telegramm des nordamerikanischen Gesandten in Rio de Janeiro, welcher besagt, daß Admiral Mello verlange, von der Regierung der Ver- einigtmStaaten als Kriegführender anerkannt zu werden. Gresham ercheilte darauf nach einer Unter­redung mit Cleveland dem Gesandten folgende Instruk­tion : Mello habe nicht eine politische oder militärische Organisation herzustellen vermocht, woraufhin er an­erkannt werden könnte; die Bereinigten Staaten be­obachteten absolute Neuttalität. — In einem an den Präsidenten gerichteten Schreiben tadelt Gresham die frühere amerikanische Politik in Hawaii und verur- cheilt die provisorische Regierung. Er meint, daß die Bevölkerung sich der Annexion widersetze und die ge­setzmäßige Wiederherstellung des früheren Zustandes unter Wahrung der Unabhängigkeit Hawaii'- nöthigte.

Joseph Gallaud f.

Am Freitag, den 10. November, Vormittags 11'/, Uhr, starb zu Bremen nach nur zweitägigem Krank«, lager der PfarrerDr.Joseph Salland^Hüher Kaplan an der St. Ludgeri-Pfarrkirche zu Münster, seit Ostern d. I. katholischer Pfarrer in Bremen. Der Verstor­bene, geboren am 28. Februar 1851 zu Westerholt in Westfalen, wurde in der Blüthe der Jahre plötzlich vom Tode hinweggerafft; aber man kann auf ihn mit vollem Rechte da- Wort der heil. Schrift anwenden: „Früh vollendet hat er viele Jahre erreicht! Unermüdlich war er auf wissenschaftlichem und praktischem Gebiete thätig; und nur zu nahe liegt die Bermuthung, daß er sein« allerdings ungewöhnlichen Kräftm zu viel zugettaut hat. Pflegte er doch währmd seiner Studienzeit, wie wir aus dem Umgänge mit ihm wissen, täglich 16 Stund« zu arbeiten, sodaß er schon als junger Mann von 25 Jahr« zur Säkular - Feier des Geburtstages Joseph von Görres' 1876 dessen Lebensbild in der bei Herder in Freiburg erscheinendeu Sammlung historischer Bildnisse herauSgeben konnte, welcher bereits in zweiter Auflage erschien. 1880 veröffentlichte er als Vereins- schrist der GörreS-Gesellschaft eine Monographie über die Fürstin von Gallitzin und ihre Freunde. 1887 gab er als Festschrift zu dem goldenen Priester-Jubiläum de- heil. BaterS eine Biographie Leo'S XIII. heraus, welche im vorigen Jahre zur Feier des goldenen Bischofs-

Deutsches Reich.

Berlin, 11. November.

* Der preußische Landtag soll zu dem verfas- sungsmäßig spätesten Zeitpunkt, zum 16. Januar «. I. berufen werden. Das gesummte Material, das für den Landtag bestimmt ist, ist in den Vorarbeiten soweit gefördert, daß es dem Hause größtentheils gleich bei dem Zusammentritt unterbreitet werden kann. Eine Reihe von Entwürfen provinziellen Inhalts soll zunst an dar Herrenhaus gelangen.

* Der Bundesrath, hat heute sämmtliche Etats mit Ausnahme des Militäretats genehmigt und nur am Etat des ReichSamtS des Innern einige Verände­rungen vorgevommen. ES ist ihm eine Vorlage be­treffend Gewährung von Unterstützungen an In­validen aus dem Kriege von 1870 und deren Hinter­bliebenen zugegangen. Die Mittel sollen aus dem ReichsinvalidenfondS genommen werden und zwar die für die Jahre 1893/94 und 1894/95 erforderlichen DeckungSmittel aus dem Kapital des Fonds bis zum Höchstbetrage von 1,250.000'Mark.

* Die Reden des Grafe« Caprivi im deutschen Reichstage, preußischen Landtage rc. 1883—1893 sind bei Ernst Hofmann u. Co., Berlin erschienen. Der Herausgeber Rudolf Arndt hat dem mehr als 400 Seiten umfassenden Werke ein Sach- und NamenSre- fiifter beigegeben, sowie eine kurze Biographie deS Reichs- kanzlers vorauSgeschickt.

* Der Reichskommissar für die Weltausstellung i« Chicago veröffentlicht daS Berzeichniß der bisher endgittig auf der Ausstellung mit Preisen bedachten Firm«. Danach sind ca. 1900 Preise auf Deutschland gefallen. ES scheint, daß noch ein Nachtrag deS Ber- zeichniffeS zu erwarten ist. Die auf Grund der Preise auszugebenden Medaillen und Certifikate find dem Reichs- kommiffar noch nicht zugegangen; doch wird auf die Beschleunigung dieser Angelegenheit mit allem Nachdruck Wgewirkt. Ferner ist Bedacht genommen worden, thunlichst bald Abdrücke der Medaille zu beschaffen, welche demnächst den Ausstellern zur Berstigung gestellt werden. Es kommt noch ein einziger Preis zur Ber- theilung, welcher aus einer Bronze-Medaille nebst einem die Vorzüge des prämiirten Gegenstandes hervorheben­den Certifikate besteht.

* Auf dem Gebiete deS Telegraphen- und Fern- sprechwefeus ist, nachdem der für das laufende EtatS- jahr aufgestillte Plan über den Ausbau und die Er­weiterung der dem Schnellverkehr gewidmeten Anlagen voll durchgeführt werden, er noch möglich gewesen, über denselben hinaus mit der Errichtung von Neuanlagen vorzugehen. Er ist die Einrichtung von weiteren 115 neuen Telegraphenanstalten und 15 Stadt-Fernsprechan­lagen, sowie die Herstellung von 88 Leitungen für die Tclegrammbeförderung und von 16 größeren Fernsprech- verbindungsleitungen in Angriff genommen und zum Theil bereits ausgeführt worden. Bon diesen Anlagen find besonders hervorzuheben die Fernsprechverbindungen Bielefeld-Hamm (Wests.) Gotha-Erfurt-Halle (Saale), Münster-(Wests.) Dortmund, Schwerin-WiSmar-Rostock, Hannover-Bremen, Hannover-Hamburg. Der Stadt-

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(166. Fortsetzung.)

„GleichMig, wenn fie nicht vollzogen wird."

„Sie erschrecken mich wirklich!- sagte Lucian.

„Welcher Geheimniß haben Sie entdeckt?"

„Nichts — ich möchte Ihnen finde zurückgeben — sonst nichts, und es wird gelingen. Gehorchen Sie drei Wochen lang, absolut, sonst nichts. Einverstanden?"

fincian nickte.

„Jetzt könnten Sie mir wohl einige Mittheilungen geben, die ich bedarf — über finde Portier?"

„lieber finde Portier!"

„Sa, als wir zuletzt bei Georg waren, sagten Sie, daß Sie die Beweise hätten, daß diejenige, welche Sie liebten, die Tochter Johanna Portier'- fei?"

„Die Beweise habe ich, fteilich nicht hier, aber zu Haufe."

„Harmant hat Ihnen die Schriftstücke übergeben: Darf ich sie haben?"

„O ja, ich will sie holen gchev."

„Richt nöthig, morgen können Sie sie mit geben."

„Sie werden sie morgen haben."

„Sie begreifen die- Alles nicht recht, ich verstehe

die-; indeß möchte ich die Wahrheit suchen — einige Spuren habe ich; ich hoffe, daß sie mich auf die rich­tige Fährte bringen. Vielleicht ist Alle- vergeben- — vielleicht auch nicht. Dazu werden auch noch andere Leute thätig sein, nicht für mich, sondern für Sie!"

„Ich danke Ihnen sehr!"

„Nun, die- für später. Hat Harmant, ehe er Ihnen den Beweis, daß finde die Tochter Johanna Portier'- ist, übergab, Paris auf einige Zeit verlassen?"

„Nein, ganz sicher nicht."

„Sie wissen nicht, wie er sich dar Schriftstück der» schafft hat?"

„Nein, keineswegs."

In diesem Augenblicke erschien Georg Darier.

„Nun, wie hat die Reise abgegangen?" frug Lucian nach den ersten Begrüßungen.

„Sehr zuftieden. Zwei wichtige Angelegenheiten durchgefochten; eine dritte Sache sollte rch noch in Tour- vertheidigen, verlor aber am Tage meiner Ab­reise ein Schriftstück. Er war nicht zu Hause, auch hat er bi- jetzt Niemand gefunden. Jetzt muß ich e- öffent­lich durch Maueranschläge bekannt machen, da da- Packet wichtige Beweisstücke enthielt. Ich hoffe, daß ich sie wiedererhalte, um so mehr, als sie außer mir und meinem Klienten Niemand von Nutzen sein können."

In diesem Augenblicke meldete der Dien«, daß das Mahl servirt sei.

Alle drei begaben sich also in den Speisesalon.

60.

Sie befanden sich in der heiterst« Stimmung. Da- Mahl zog sich, durch lebhafte Unterhalttmg gewürzt, fast bi- zwei Uhr Nachmittag- hin.

„Wmn wir einmal in mein Atelier hinüb ergingen ?" sagte Stephan, nachdem der Tisch abgettagen war. „Dieses Zimmer ist zn klein, und wir hab« bereit» so kräfttg geraucht, daß wir fast erstick«."

„Gewiß, gewiß," rief« die beiden jung« Leute einstimmig au-.

Ganz im Vordergründe der Ateliers befand sich auf einem Gestelle die Leinwand mit dem Umriffe des Portratts von Mary Harmant, daS übrig«- schon ziemlich weit vorangeschritten war.

Da- Bild, welches die Verhaftung der Johanua Portier im Pfarrhause darstellte, war wie gewöhnlich mit einem grünen Tuche verhängt.

„Also Fräulein Harmant hat hier zu ihrem Bild« gesessen?" frvg Georg.

„Ja, fünf oder sechs Mal. Sie will mit diesem Bilde ihrem Vater eine Uebertaschung bereiten."

„Sie hat e- also wohl eilig."