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Freitag, den 10. November 1893.

uldaerWZeitung

von der körperlichen Arbeit leben, und den Mittel­

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(163. Fsrtietznng.)

Dnchemin zitterte am ganzen Leibe. Er versuchte den Unschuldigen zu spielen.

„Ich wüßte nicht, was ich zu fürchten hätte!"

„Schweig' mir mit solchen Thorheitenl" antwortete Amanda achselzuckend. „Du weißt recht gut, daß ich nicht so dumm bin! Auf welche Weise hat sich Baron de Reiß jene Wechsel verschafft, welche Du mit einer falschen Unterschrift versehen hast?"

„Er hat sein Geld dafür bekommen."

„Kanntest Du diesen Mann bereits lange? War er mit Dir befreundet?"

„Ich lernte ihn an diesem Tage zum ersten Male kennen." „ „ ,

„Und er hat Dir sogleich, als er zum ersten Male mit Dir zusammentraf, geholfen?"

„Ja."

„Freilich, aber wie ist dies denn eigentlich herge- gangen?"

Duchemin fürchtete Amanda. Er erzählte ihr also kurz, auf welche Art und Weise der Baron Arnold de Reiß ihm seine Dienste aygebotev habe.

bleiben, oder wenn er dies will, muß er im Lande bleiben?" Bei solcher Auffassung mag denn ruhig der Kleinbetrieb dem Großbetriebe weichen, wenn letzterer ein größeres Quantum Lebensmittel hervorzubringen vermag. Ja, es kann sür die Gesammtheit vortheil- haft werden, daS platte Land vollständig zu entvölkern, etwa durch Verwandlung der ganzen Fläche in eine große Schafweide, wenn auf diese Weise Güter erzeugt werden, für welche mehr Unterhaltungsmittel eingetaufcht werden können, als das Land beim Anbau mit Ge- treibe herrvorzubringen im Stande ist. Sobald wir aber erkennen, daß der Bauer die städtische Bevölke­rung nicht bloß mit Fleisch, Brod, Butter, Käse und Gemüse versorgt, sondern daß von der Qualität und Quantität des ländlichen Zuzuges die physische Kraft und das geistige und sittliche Niveau des Mittelstandes abhängig ist, gewinnt der Bauernstand eine ganz an­dere Bedeutung. Er ist dann in der That die eigent­liche Grundlage des Staates und jedes Volt, das nicht einem raschen Verwelken entgegengehen will, hat seine vornehmste Aufgabe darin zu sehen, sich einen zahl­reichen und kräftige», sittlich und geistig gesunden Bauernstand zu erhalten. Diesem Gesichtspunkte gegen- über ist die Frage der Rentabilität eine untergeordnete. Will man vielmehr beurtheilen, ob Großgrundb-sitzer, ob bäuerlicher Betrieb oder Zwergwirthschaft für ein Land den Vorzug verdienen, fo hat man in erster Linie sein Augenmerk nicht darauf zu richten, welches der Wirtschaftssysteme den höchsten Reingewinn er­zielt, sondern darauf, bei welchem System sich der zahlreichste und für die Gesammtheit geeignetste Be­völkerungsüberschuß ergiebt. (Schluß folgt.)

in geistreicher Weise begründet und sodann der Ansicht entgegengetreten, daß die drei Klassm, jede ihre beson­deren Funktionen ausübend, in dem Staate selbststän­dig neben einander bestehen und, wenn auch hier und da ein Uebertritt aus der einen in die andere statt­findet, dieselben im Ganzen sich doch dnrch eigene Kraft erhalten. Nein, die drei Klaffen bestehen nicht neben­einander, sondern sind nur als die verschiedenen Ent- wickelungSstufen derselben Bevölkerung zu betrachten. Rar die erste Klasse, der Stand der Grundbesitzer ist dauernd; aus dem Ueberschuß an Kräften, welchen er erzeugt, bildet sich zuerst die städtische Bevölkerung, aus ihm wird sie immerfort erneuert und ersetzt. Hansen erbringt durch zahlenmäßig statistische Darlegungen den Nachweis, daß die städtische Bevölkerung in fortwäh­rendem Absterben begriffen ist und sich durchschnittlich in zwei Menschenaltern vollständig erneuert, also ein auL eigenen Kräften sich erhaltender Mittelstand nicht existirt. Wenn die Städte dennoch bestehen, ja sogar anwachsen, so wird diese Zunahme nur ermöglicht durch ein permanentes Zuströmen der überschüssigen länd­lichen Bevölkerung, oder soweit dieses nicht der Fall ist und eine Vermehrnng aus eigenen Kräften statt­findet, wie es theilweise bei den Groß- und Industrie­städten der »eueren Zeit geschieht, ergibt sich die Zu­nahme nicht durch ein Wachsthum des Mittelstandes, sondern der besitzlos n Arbeiter und des Proletariates.

Das Volk besteht nämlich keineswegs bloß auS Individuen, die unter gleichen Bedingungen in den Konkurrenzkampf eintreten. Das Auf und Nieder, daS Verdrängen und Verdrängtwerden, das scheinbar so regellose Turcheinandergewoge in Bevölkerungsstrome ist in Wirklichkeit ein stetiges und ununterbrochenes Fortschreiten in derselben Richtung. Fortwährend tritt der Ueberschuß der ersten Bevölkerungsstufe in die zweite über, fortwährend werden hier die minder- werthigrn Elemente ausgeschieden und in die dritte Bevölkerungsstufe hinübe rgedrängt. Die Vernichtung des Bauern bewirkt eine Beschleunigung des Bevöl- keruugSstromes und hiermit erreicht die Kultur schein­bar ihre höchste Blüthe, aber dieselbe gleicht den Todes- rose» auf den Wangen der Schwindsüchtige». Sobald die ländliche Bevölkernng aufgezehrt ist, muß im Mittel­stände ein rasches Sinken des geistigen Niveaus und damit ein allgemeiner Verfall des Volkes eintreten. ,

Es ist kaum ein Jrrihum auf socialem Gebiete von ; so schlimmen Folgen begleitet gewesen, wie derjenige, i daß man diese Bedeutung des Bauerrstandes in der " Neuzeit vergessen hat. Nur so ist es erklärlich, daß ; Ansichten laut wurden, wie sie der RedLkteur des man- - chesterliche» „Vierteljahrs - Zeitschrift sür Volkswirt« schäft ausspricht, indem er fügt: „WaS liegt daran, wenn der Grundbesitz erst »ach dem Zusammenbruch der Vorgänger in die Hände derjenigen gelangt, welche alle mitarbeitenden Kräfte am besten zu verwerthen verstehen? - Muß ein Landwirth denn Landwirth

Deutsches Reich.

Berlin, 8. November.

* DaS Resultat der Wahlen zum Abgeordneten­hanfe liegt nunmehr vollständig vor. Danach wird das neue Abgeordnetenhaus zählen: Centrum 95 Mitglieder einschließlich der Hospitanten Dr. Bruel, 149 Konservative, 59 Freikonservative, 89 Nationalliberale, 14 von der Freisinnigen Volkspartei, 6 von d-r Freis. Bereinigung, 17 Polen, 2 Dänen und 2 vom Bunde der Landwirthe aufgestellte Mitglieder, deren Partei- stellung unbestimmt ist. Auch bei den beiden konser­vativen Fraktionen wird sich die genaue Stärke erst feststellen lassen, wenn daS FraktionS - Berzeichniß im Abgeordnetenhause ausgegeben ist, da bei einer Anzahl von Abgeordneten nicht sicher feststeht, ob sie der kon­servativen ober freikonservativen Fraktion beitreten wer­den. DaS Centrum zählte in der voraufgegangenev Legislatur-Periode 98 Mitglieder, eS hat jetzt drei Mandate verloren, keinS gewonnen. Verloren sind die beiden Mandate von Ratibor und ein Mandat in Konitz-Tuchel. Die größte Zahl von Verlusten haben die Freisinnigen erlitten, sie haben wiederum „die Wahlzeche bezahlen" müsse». Im Abgeordnetenhause zählte die freisinnige Partei zuletzt 29 Mandate, nachdem sie schon 1888 von 40 Mandaten auf 29 zurückgegangen war. Trotz der Wiedererobeeung von BreSlau haben die beiden freisinnigen Parteien neun

„Wo denn?"

„Hier am Orte — in BoiS-le-Roi."

„Aber weshalb?"

„Er fühlte, daß ich ihn durchschaut hatte. Er hat offenbar eingesehen, daß ich mich durch seine MaSke nicht habe täuschen lassen. Dieser Mensch hat mehr als ein Verbrechen auf seinem Konto, und ich glanbe, daß er einer begehen wollte, daS nur dnrch ganz von seinem Willen unabhängige Umstände nicht zur AuS- sühruvg gekommen ist."

58.

„WaS für ein Verbrechen ist es?"

„Bor einem Monate", fuhr Amanda fort, „wollte der angebliche Baron de Reiß, in Wirklichkeit Ovide Soliveau, ein junges Mädchen bei Seite schaffe», eine Waise, welche im Findelhause auferzogen worden ist. Seine That gelang ihm nnr zum Theil. Die Waffe wurde von einem Messerstich getroffen, wurde verletzt, starb jedoch nicht an dieser Verletzung."

„Und Du bist gewiß, daß dieser Mann der Mörder war?"

„Ich habe eine ganze Reihe von Gründen, dies an- zumhme». Um meiner Sache ganz gewiß zu sei», br- darf ich nur eines kleinen Fingerzeiges. Wenn man mir Liefen Fingerzeig liefern könnte, so werde ich im

„Und Du hast dies nicht auffallend gefunden?" tief die junge Frau auS.

Freilich, es däuchte mtr etwas sonderbar."

"Gleichwohl hast Du fei» Anerbieten angenom­men?"

„Weshalb sollte ich ein Anerbieten ablehnen, daS mich" gerade aus einer sehr großen Verlegenheit be- freite?"

„Glaubst Du, mit weis zu machen, daß der Mann von Dir nichts gefordert habe?"

„Was sollte er von mir fordern?"

„Wenn ich cs wüßte, würde ich eS nicht sagen! Nun, Raoul, sprich, sage mir die Wahrheit! Ich wiederhole eS Dir, wir find Beide ebenso sehr be­droht, und wir müssen unS verbinden, um diesem Elenden zu entfliehen, welcher ebenso wenig Baron ist als Du!"

„Nicht Baron? Bist Du dessen gewiß?"

„Durchaus."

„Wie heißt er denn?"

„Ovide Soliveau. SS ist ein Dieb und ein Mörder, welcher auch vor einigen Tagen beinahe mich vergiftet hätte."

„Dich vergiftet?"

„Sa.“

Ö Die soziale Bedeutung des Bauernstandes. dessen wesentlichste Einkommenqaklle die geistige

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Bauernstandes. Alle die klasssffchen Oekonomisten stel­len trotz der Wärme, mit der sie an manchen Stellen ihrer Werke daS Lob des Landbaues singen, die Land- wirthfchaft auf gleiche Stufe mit anderen Gewerben, auch sie soll der allgemeinen Konkurrenz unterworfen sein. Indessen sollte der Bauernstand mit Fug und Recht eine Sonderstellung im Wirtschaftsleben der Nationen einnehmen, vielleicht weniger um seiner selbst wegen, als im Interesse der Gesammtheit. Um mit dieser Behauptung aber nicht den Vorwurf einsei­tiger Parteilichkeit auf uns zu laden, wollen wir die Bedeutung des Bauernstandes und was demzufolge zu feiner Erhaltung zu geschehen hat, uns klar zu machen suchen an der Hand eines vor einiger Zeit erschienenen Werkes von Georg Hansen: „Die drei Bevölkerungsstufe». Ein Versuch, die Ursachen für das Blühen und Altern der Völker nachzuweffen," welches keine Tendenz- ober Parteischrift ist, sonbern ben wissenschaftlichen Beweis bafür antritt, „daß es davon abhängig ist, ob ein gesunkenes Volk sich wie­der erheben kann, daß sein Bauernstand gesund geblie­ben ist, oder vielmehr, da ein Volk, das einen tüchti- gen Bauernstand besitzt, überhaupt nicht sinkt, der Bestand der Nation davon abhängig ist, daß für einen kräftigen Bauernstand noch die Existenzbedingungen vorhanden sind." Gewiß wollen wir nicht allen Aus­führungen dieses Werkes zustimmen, nein, wir sind vielmehr der Ansicht, daß dasselbe auch seine bedeuten­den Schwächen hat. Besonder« sind einzelne statistische und andere Beweisführungen ganz verunglückt und in der Beurtheilung konfessioneller Verhältnisse zeigt sich vielfach eine starke Voreingenommenheit. Aber daS Werk ist groß gedacht, baut sich auf einem breiten, historischen Fundament auf, regt außerordentlich zum Nachdenken an und zählt bei aller Einseitigkeit der Auffassung immerhin zu den erfreulichen Erscheinungen der modernen volkswirtschaftlichen ßitteratur, nament­lich ist eS auch eine wahre Fundgrube gegenüber den sozialistischen Träumereien und Thorheiten. Wir möch­ten nicht unterlassen, die den Bauernstand betreffenden wichtige« Resultate der Abhandlung hier in kurzem Auszuge niederzulegen, damit dieselben ihren Theil dazu beitragen, den Muth und die Energie deS Bau- ervstandes anzufeuern, daß er sich seines inneren Wer- theS selbst bewußt, mit allen Kräften anstrengt, den Kopf über Wasfer zu halten, und daß die Manchester- lichen Nörgler der verschiedenen Schattirungen, die jede Maßnahme zu Gunsten des Bauernstandes mit scheelen Augen betrachten, endlich einsehen, daß sie selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen, wenn sie den Bauer zu Grunde gehen lasse».

Hansen nimmt drei Einkommenzweige an und teilt demnach die Bevölkerung in drei Klassen, nämlich in den Stand der Grundbesitzer, deren wesentlichste Ein­kommenquelle er in den freiwirkenden Kräften der Na­tur findet, den Stand der besitzlosen Arbeiter, welche