JV 252 Freitag, den 3» November 1893. 20. JchrgML
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ittcs. und dem Arzte an dem Hause der Schwester des Letz-
Kenum Sie diesen Mann vielleicht?" frag der terrn angelangt, welcher, wie wir wissen, an bk Billa
Schrittes
Ovide's anstieß.
Doktor neugierig.
er am zu ge- dahin-
Doktor
in wegwerfendem Tone.
Ovide war eben einige Schritte der kleinen Gruppe voraus, als er einen Ruf ausstoßen hörte.
Ovide Merle.
„Und", fuhr der Polizeiagent a. D. fort. „Wenn Sie fich meiner vielleicht nicht erinnern, so erinnere ich mich Ihrer sehr wohl, ich heiße Rene Bose."
Dann wandte er, ohne weiter ein Wort hinzuzufügen, dem angeblichen Baron de Reiß den Stätten; der letztere wurve sehr bleich und entfernte sich eiligen
Er kehrte dann zum Hotel JägerSruh zurück und gab Befehl, ihm für bett folgenden Tag seine Rech- nung zu machen.
Inzwischen war Rene Bose nebst seiner Familie
Endlich enttarnt!
Roman von R. von Wollersheim. (167. Fvrtfetzung.)
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Deutsches Reich.
Berlin, 1. November.
* Der Kaiser beabsichtigt der.Post' zufolge dm Reichstag persönlich zu eröffnen.
* Bei den Wahlmännerwahlen in Berlin hat, wie nicht anders zu erwarten stand, die freisinnige Volkspartei das Feld behauptet; sie hat in allen vier Wahlkreisen die Mehrheit erlangt. Die freisinnige Bereinigung hat ein vollständiges Fiasko erlitten; während die unter dem Namen Reichstteue vereinigte Konservativen und Antisemiten einen Achtungserfolg hattm.
* Wie die .Franks. Ztg.' von zuverlässiger Seite erfährt, werden die Entwürfe der neuen ReichSsteu- er« in etwa 8 Ibis 10 Tagen vorgelegt, worauf sofort der Bundesrath zusammrntritt. Unter dm Ent- würfm wird sich auch der über die Wein st euer befinden, der indeß nicht auf einer Vereinbarung der sämmtlichen in Betracht kommenden Staaten beruhen, sondern im Wesemlichen den preußischen Standpunkt mthaltm soll.
* Die Ernennung des bisherigen stellvertretmdm Vorsitzenden der Kommission für die zweite Lesung des Entwurfs eines bürgerlichen Gesetzbuchs Geheime Ober-Justizrath Küntzel zum Vorsitzenden dieser Kommission ist nunmehr erfolgt. — Dem Staatssekretär des Reichr-JustizamtS ist, wie hier wiederholt sein mag, durch Bundesrathsbeschluß die Befugniß Vorbehalten worden, in besonderen Fällen die Leitung der Berathungm der Kommission zu übernehmen. In ihren letzten Sitzungm hat sich die Kommission mit dem Hypothekenwesen beschäftigt, welches noch einige Sitzungen beanspruchen wird.
* Bei alle« Truppentheilett ist int Winterhalbjahr für die Unteroffiziere und Kapitulanten ein re gel- mäßiger Unterricht eingeführt worden, der sich auf die Fächer: Deutsch, Rechnen, Geschichte, Geographie, Briefstil rc. erstreckt; es werdm dazu Lehrer ba am Orte befindlichen Schulen gdwmicr,. Du- ch diesen Unterricht sollen in erster Linie die Lückm des Wissms wieder ausgefüllt werdm; sodann kommt eS aber darauf an, die Avancirtm im BorauS für ihren künftigen bürgerlichen Beruf vorzubereiten. Dadurch lind schon viele Mckitäranwärter später zu angesehenen Civilstellungen gelangt. Bei verschiedenen Regimentern wird auch in Stenographie und im Französischen Unterricht ertheilt. Wie für die Weiterbildung der Unteroffiziere gesorgt wird, so erhalten auch die Mann- schäften, welche mangelhaften Elementarunterricht ge- «offen haben, Unterweisung int Schreiben, Rechnen «nd Deutsch. Bataillone unterhaltm Bibliotheken zum Gebrauch der Mannschaften. Jeder Regimmt wmdet für bitfett nachträglichen Schulunterricht der Avan- cirten und Mannschaften über 1000 Mark jährlich auf.
* Das Kaiserliche Gesundheitsamt macht solgmde Cholerafälle bekannt: In Tilsit eine Neuerkrankung. In Stettin wurde bei 3 am 26. u. 27. Okt. erkrankten
Als Ovide die Billa verlassm hatte, ging Quai der Seine entlang, um zum Bahnhofe langen. Er überdachte gleichfalls, während er schritt, die Lage.
In einiger Entfernung gewahrte er den Richard in Begleitung des achtzigjährigen Greises, bei welchem er ihn bereits am Tage seiner Ankunft in BoiS-lr-Roi im Walde von Fontainebleau gesehm hatte. Die ältere Frau, sowie dir beiden jung« Mädchm vervollständigten die Gruppe.
Langsam, sich auf dm Arm der Doktor Richard stützmd, schritt RmS Bose dahin. Der Greis trag einen Strohhut mit breitet Rändern, welchen er von Zett zu Zeit mit der Hand festhielt, damit ihn der Wind nicht entführe.
Ovide grüßte im Borübergehm den Doktor, welcher ivdeß feinen Gruß nur sehr kalt erwiderte.
Rens Bose verneigte sich ebenfalls aus Höflichkeit-- rückfichten, während er zugleich Soliveau betrachtete. „Jedenfalls Einer Ihrer Kunden?" frag er den Arzt.
„Durchaus nicht . . .", antwortete der Angeredete
Kindern Cholera nachgewiesm; von dm früher Erkrankten ist einer gestorben. Eine in Niederffnow, Kreis Ungermünde, erkranttr und in das Krankenhaus zu Eberwalde übergefühlte Person ist an Cholera gestorben. Jn Mögelin, Kreis Havelland, eine Erkrankung mit tödtlichem Ausgang.
* In dm Bangewerksschulen zu Buxtehude, Eckernförde, Idstein l Th. und Deutsch-Krone ist je eine Klasse für diesen Winter geschlossen worden. Grund für diese bedauerliche Maßregel ist der angebliche Mangel an geeigneten Lehrkräften. Die „Baugew. Ztg." hat Recht, wenn sie betont, daß geeignete Lehrer für die preußischen Baugewerksschulen wohl zu haben wären, wenn ihnen bessere Bedingungen gestellt würden. Mit unzureichendem Gehalt und Versagung jeglicher Pension wird man keine geeigneten Äräfte für dm Unterricht an solchen Schulen gewinnen können. ES ist die alte Geschichte — der Staat hat für Fachschulen kein Geld, wiewohl der Werth dieser Schulen gerade in unseren Tagen mit ihrer gesteigerten Industrie sehr hoch anzuschlagen ist. Nach dem vorerwähnten Fachblatte fehlen in Preußen mindestens zehn Baugewerksschulen mit je zehn Classen, die unter mäßiger Beihilfe der Städte der Seaat zu errichten die Pflicht hat. Leider waltet beim Staate das Bestreben vor, den größeren Theil der Kosten für Fachschulen auf die Städte abzuwälzm, die solche Lasten zu tragen meist nicht in der Lage sind. Ganz abgesehen von dm BangewerkSschulm, sind überhaupt die Mittel, die der preußische Staat für Fachschulen aufwendet, ungemein gering int Gegensätze zu denen, die Oesterreich und Frankreich aufwenden. Ge- gmüber den militärischen Interessen treten eben hier zu Lande leider alle anderen mehr, als der allgemeinen Wohlfahrt dienlich ist, in den Hintergrund.
* Für das Kaiser Wilhelm-Nationaldenkmal auf der Schloßfreiheit in Berlin wird im nächstm Etat eine erste Rate von 1,100,000 Mark gefordert werden. Im Ganzen sollen die Bildhauerarbenen für dasselbe einen. Kostenaufwand von gcht Millionen Mark
* Neber den Marschall Mac Maho« bringt daS Militär-Wochenblatt' an der Spitze bei nichtamtlichen Theils itt großer Schrift folgenbett Artikel: -
Mit dem verstorbenen Marschall wird einer der ersten Soldaten Europas begraben. Aus allen Ländern vereinigen sich am Sarge des Verewigten Kundgebungen, daß Tapferkeit und Edelsinn überall Anerkennung finden und hochgehalteu werden über alle Kämpfe der Völker und Parteien. So hat auch Se. Majestät unser Kaiser einen Lorbeerkranz am Grabe des Marschalls niederlegen lassen, als ein Zeichen, daß Deutschland und sein Heer den tapfern und edlen Feind zu ehren wissen. In der That hat Niemand uns den Sieg schwerer gemacht und hartnäckiger gestritten als der jetzt verstorbene Marschall in der Schlacht bei Wörth, seinem; Ruhmeskranze fügte er hier ein neues Lorbeerblatt hinzu. Als das Bild eines echten Soldaten fand er bei Freund und Feind gleiche Anerkennung und jedes Soldatenherz freut fich, daß iunsere Zeit noch solche ritterliche Erscheinungen ohne Furcht und Tadel hervorzubringen vermag. Möge dieser ritterliche Sinn,^ welcher in dem verewigten Marschall einen seiner hervorragendsten Bertteter fand, auch ferner unS Soldaten in allen Völkern erhalten bleiben I Fern vom
Er toanbte sich «m und sah, wie ein Strohhuö vom Winbe erfaßt, auf bem Boden hin- und hergetrieben wurde; er hob ihn auf, ging zurück und überreichte ihn dem Greise:
„Der Hut gehört wohl Ihnen?" frag er.
„Sie sind sehr liebenswürdig," sagte Stete Bose, fortwährend die vesichtSzüge Ovide'S scharf betrachtend, „uh . .
Er vollmdete indeß feinra Satz nicht. Seine Ge- sichtszüge nahmen mit einem Male einen ganz veränderten Ausdruck an.
„Ah, Sie hier!" rief er, einen Schritt zurücktretend, aus, „sind Sie nicht mehr in Amerika?"
„Ihre Gesichtszüge find mir nicht unbekannt, mein Herr," antwortete Soliveau, aber ich weiß nicht . ."
„Ich befand mich im Jahre 1861 mit Ihnen an Bord des Lord-Maire" fiel ihm Stere Bose in's Wort.
Getriebe der Politik treten wir erst dann hervor und setzen unser Leben ein, sobald der Schlachtruf ertönt. Als brave Soldaten und Kinder unseres Vaterlandes werden wir unsere Schuldigkeit thun, erhalten wir uns dabei die Gesinnung eines Mac Mahon l
* Hannover, 31. Okt. Die Beweisaufnahme in dem Spieler- und Wucherprozeß wurde heute Mittag beendet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschließt der Gerichtshof, die PlaidoyerS erst morgen ftottfinben zu lassen. Die Sitzung ist daher bis Mittwoch-Vormittag 9 Uhr vertagt.
* Neuß, 31. Ott. Im Wahlkreis Neuß-Greven- broich wurden überall fast nur CentrumS-Wahlmänner ohne Opposition gewählt.
* Elberfeld, 31. Ott. Die Wiederwahl der bis- bergen Vertreter des Kartells, Dr. Graf und Weyerbusch, gegen den Freisinn ist gesichert.
* Creseld, 31. Ott. Glänzender Sieg deS Cen- ttumS. Jetzt schon 50 Stimmen über die absolute Mehrheit (239 Centrum, 151 liberal).
* Köln, 31. Okt. Das Centrum erhielt 650, die Liberalen 362 Wahlmänner. ES fehlen noch 6 Bezirke. DaS Centrum hat also glänzend gesiegt.
* Kaiserslautern, 30. Okt. Der LandtagS-Abge- ordnete Pfaff ((ib.) ist an den Folgen eines Schlaganfalls heute gestorben.
* Metz, 30. Ott. Hebet 700 Weinbauern und Wein-Jntereffenten aus allen Weinbau-Bezirken Loch- ringenS, welche gestern im hiesigen RathhauS versammelt waren, nahmen nach eingehender Erörterung eine Resolution an, welche sich auSspricht gegen die geplante Weinsteuer als den lothringischen Weinbau höchst gefährdend und den Erklärungm des Reichskanzlers widersprechend, sowie die BolkSvertteter auffordert, gegen den Erlaß des Gesetzes zu wirken. Die Versammlung beschloß eine Massen-Prtition gegen das Gesetz und beauftragte drei Mitglieder, Lothringen auf der Wiesbadener Versammlung zu vertreten.
Ausland.
* Wien, 31. Ott. Der Kaiser empfing den Grafen Taaf f e heute Bn-mittay in einstündiger Audienz.
* Rom, 31. Okt. Der Dominikaner-Pater Gugliel- motti, bekannt als Marineschriftsteller, Verfasser eines nautischen Wörterbuches, wurde gestern vom Schlag gerührt und ist heute morgen im Alter von 83 Jahren gestorben.
* Serbien, das alte Wetterloch der europäischen Politik, ist am rumoren. Die Liberalen, deren frühere- Ministerium in Anklagezustand versetzt wurde, scharen sich wieder zusammen. Die neue Regierung rupft und zupft nebenbei den österreichischen Doppeladler, wo sie nur tarnt; so lange sich dieser eS gefallen läßt, gehteS eben, wie eS gehen tarnt.
* Madrid, 20. Ott. Ferdinand von Bourbon, der nach den letzten Nachrichten aus Melilla vermißt wurde, hat sich auf einem vorgeschobenen Fort etngefunben. Es geht daS Gerücht, daß die Kabylen gestern große Verluste erlitten haben. DaS 2. Armeekorps trifft morgen in Melilla ein.
„Ja, ich werde Ihnen dies sogleich erzählen."
Ovide dachte, während er in großen Schritten dem Bahnhofe zueilte: „Dieser ehemalige Polizeimann befindet sich hkr in BoiS-le-Roi und steht offenbar mit dem Doktor Richard in Verbindung. Dies tarnt meine Abreise nur beschleunigen — es ist nicht mehr geheuer für mich hier!" Er dachte einige Augenblicke weiter nach und fügte dann hinzu: „Aber wenn ich Amanda allein hier lasse, so kann sie mit diesem Doktor zusammen und erfährt von ihm, da Rene Bose eS jedenfalls mittheilen wird, vielletcht, daß der Baron de Reiß in Wirklichkeit Ovide Soliveau heißt. DaS heißt, was kann mir daran liegen? Bin ich einmal in Paris, so wird Ovide Soliveau für sie ebenso wenig zu ftnben fein, als der Baron de Reiß."
Am Bahnhofe angelangt, warf er bett Brief, den er bei fich trag, in den Briefkasten, betrat dann daS Telegraphen-Büreau unb gab folgende Depesche auf:
„Paul Harmant, Fabrikant Csnrbevoie, Seine. Komme morgen nach Paris zurück.
Baron de Reiß."