20. Jahrgang
Dienstag, den 24. Oktober 1893.
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MaerWZemlig
daß er Arzt war.
* Geh. Rath Prof. Dr. Virchow, der heute fem 50jährige» Doktorjubiläum begeht, hat sich allen Ovationen entzogen und sich mit feiner Tochter nach DreSdm
Mitten in der Gruppe befand sich ein Mann, deffen schneeweiße Haare, sowie pergamentartige, von vielen Runzeln durchfurchte Haut sein hohes Alter vnrrethen. ES war in der That em Mann von bereits 80 Jahren, indeß noch kräftig, mit lebhaftem Blicke, zwar gebrechlichen Gliedern, die jedoch noch durchaus fähig waren, mit Hilfe eines starken Stockes, welchen er m der Hand hielt, das Gewicht deS Körper» zu tragen.
Zu seiner Rechten befand sich eine Frau von etwa 50 Jahren und zwei junge Mädchen, von denen das eine etwa 18, daS andere etwa 16 Jahre zahlen mochte.
Zu seiner Linken befand sich ein Mann von einigen 48 oder 49 Jahren, welcher sorgfältig rasirt und in tadellosem schwarzen Anzuge war und daS Aeußere emeS Arztes oder Advokaten hatte. Bemerken wir sogleich,
bietigst verbeugte. .
Ich erwarte mit dem Schnellzuge eme Dame, Die mit mir acht Tage hier zubringe» wird. SSewi etwa Briefe oder Telegramme für mich anlangen sollten, so bitte ich, dieselben mir in eigener Person zu übergeben.
„Gut, ich verstehe, eS wird geschehen."
"Wo befindet sich die Post?" ftug Ovide weiter.
"Ganz oben im Dorfe, Herr. Sie können Ihre Briefe ncch schneller im Briefkasten am Bahnhofe nieder- Ie8e@otitieaa schritt also auf dm Bahnhof zu, welchen er in einigen Minuten erreicht hatte und warf hier seinen B-ies in den Briefkasten. Er batte «och eme Stunde Zeit bis zum Eintreffen Amanda S. Der Wmd
Für die Monate November und Dezember werden Abonnements ans die _____
8 • Da» Kaiserliche Gesundheitsamt macht folgmde Cbolerafälle bekannt: Jn Rixdorf, Kreis Teltow, er- krankte eine Frau, nachdem sie die Wasche ihres von Howelberg zurückgekehrtm, an Diarrhöe leidenden Ehe- manne» gewaschen hatte, anSJoIera. Sn 8*fWe, KreiS Nieder-Barnim, eine Erkrankung mit tödtlichem Ausgange. In Havelberg 3 Erkrankungm. Jn Stettm wurde bei 6 zwischen dem 15. und 19. Oktober Erkrankten (davon 5 bereits gestorben) Cholera nachgewiesen; von dm früher gemeldeten Krankheitsfallensind 2 tödlich verlaufen. In Warsow, KreiS Randow, 3 Rmerkrankungm, davon 2 mit tödtlichem Ausgange. In HaderSlebm, Regierungsbezirk Schleswig, wurde bei zwei Matrosen deS schwedische« DampfersHjal- mar" Cholera festgestellt. In Tönning, KrS. Siderstedt, eine tödtlich »erlaufene Erkrankung.
* Zu dem Artikel „Kellnerstand «ud Trinkgeld wird der .Germania' geschrieben: »Damit haben Sie ein sehr zeitgemäßes Thema „angeschnitten. In der ! That verleidet daS Trinkgelder-Unwesen so manchem I daS Reifen resp. die Einkehr in Hotels. Die Sten«,
Der GreiS sprach mit großem Bedacht und mit ehrerbietig« AufmerksauMt schienm ihm die Auderm zuzuhörm. Ovide war inzwischen näh« gekommen. AlS « sich mdlich ganz in der Nähe der Gruppe be- fand, traf die Stimme der 80jahrigen Grnse» deutlich ein Ohr - unwillArlich zitterte « etwas »ud blieb, den Blick fest auf bett Sprechmden geheftet, stehen.
Die Dazwischenkunft Ovide'S sch« dm GretS zum Schweigen vnanlaßt zu habm, denn er hielt alsbald inne und beobachtete auch seiuerfntS dm Borübergeheu- den; aber er vermochte, da daS Alt« feine Augm geschwächt hatte, nichts dmtlich zu unterscheiden,und konnte ebm nnr eivmMmschm dunkelnkennen. Ovide grüßte und ging vorbei. , .
Sondnbar," dachte Ovide bei sich, wahrend er weiter ging, „eS däucht mir, al» ob ich diese Stimme bereits irgenwo einmal gehört habe. Die Stimme war zwar jünger, aber die Klangfarbe hat sich nicht geändert. Ich glaube ebenso, auch dieses Gesicht schon irgendwo einmal gesehen zu haben, ab« wo? Und ebenso kenne ich dm Mann in dem schwarzen Anzüge und der weißen Kravatte, wenn ich mich nicht sehr irre.
Vergebens sann er lange nach.
Lassen wir ihn seine» WegeS ziehen und bleiben wir bei der Gruppe. Es war der Arzt, welcher eben sprach.
Les« aller Mögliche, nur derjenige, welcher „den Rummel tarnt**, weiß aus d«n, was verschwiegen wird, h«auSzulesm, wo der Hase im Pfeffer liegt. DaS Hausiren mit Ratmloosm »st verboten, ab« dennoch wird thatsächlich ein solch« Haufirhandel flott betrieben, namentlich unter dm Industriearbeitern und bei der Landbevölkerung. Schon daSjmige, was noch nach den Gesetzen in die Grenzen deS Reellen fallt, kommt beim RatenlooShandel thatsächlich einer Uebtt- vortheilnng gleich oder ist meistens nur dadurch zu erreichen, daß der Käuf« des LooseS üb« die mit dem Kaufe verbundmm Bedingungm tm Unklaren bleibt. Ab« oft genug gesellt sich b« reine Schwin- del hinzu, d« mit dem „Bauernfang ldentffch ist. Hi« ein Beispiel au» dem Regierungsbezirke Mmben. Sin W. M. in 91. kaufte im Frühjahre 1892 durch Ueberrednng ein Meining« LooS, Pwmien'Anleihe, und zahlte in 16 Monaten je drei Mark, also 48 Mark. Als er im Juli d. I. feine letzte Rate zahlte, sandte er seinen Bezugschein an die bett. LooShand- lunq in Berlin und ersuchte um Zusendung der Ongi- naleffektm. Anfangs kam Überhaupt lerne Antwort, endlich wurde dem Manne gefchriebm, fem LooS fei bereits im Februar 1893 mit 13 M. 50 Pf- gezogen, welche auch per Post eiugefandt wurde«. D« Betreffende ist offenbar über den Löffel barbirt worden, und zwar in einer Weste, die wohl die Stenn» zeichen des Betruges an sich haben dürfte, allen wett- maschigen Sesetzm zum Trotz. Erstens hat der Be- zieher 48 Mark gezahlt, statt 26,27 Mark, wofür das LooS nebst Provision bei jeder Bank zu haben gewesen wäre, aber daS kommt auf daS Konto der Dummheit, gesetzlich ist eS nicht strasbar. Zweitens hat der Ber- käus« den Bezieher bis Juli zahlen lassen, obwohl daS LooS schon int Februar gezogen war, was wohl kaum alS reell gelten dürfte, ob Strafbarkeit vorliegt, kann zweifelhaft sein. Drittens hat der Vnkaufer dem Käuf«, nachdem dies« alle Ratm gezahlt, das Loos selbst ««hi eingesandt, ftudem einen von chm . dem Verkäufer — namhaft gemachten Betrag, waS gegen die Abmachung war und klagbar Jem wird. Wie dem auch sei, der Käufer kann sagen, daß er em
Geschäft" gemacht hat 1 Em LooS, welche» reell 26,27 Mark kostet, bezahlt er mit 48 Mark und ent- sprechenden Portokosten, dann „gewinnt er darauf 13,50 Mark! Diese Thatsache dürfte eine Warnung für Alle sein, sich den RatmlooS-Handl« vom Halse zu haltm, auch so lange es demselben noch gestattet ist, mit allm Mitteln der Reklame seine Waare wett üb'« bett Werth anzupreisen. .
* Anläßlich bes morgigen 50jährigen Militärdienst-Jubiläums des Königs von Sachsen gibt b« amtliche .ReichSanzeign' einen Rückblick auf bie ruhmvolle militärische Vergangenheit be» König». In ber Einleitung heißt e»: „Ebenso wie da» sächsische Volk nehmen Se. Majestät ber Kais« und König, die Fürsten und die Staaten be» beutschen Reiches hnz- lichen Antheil an bem Ehrentage de» Königlichen Jubilars, besten hohe Berbienste um bie Wiederhnstell- um be» Reich» im Herzm be» Volke» wie in bett Annalen b« Geschichte einen ruhmvollen Platz em-
von Fontainebleau, an besten Saum das Dorf Boi»- Endlich entlarvt! le-Roi liegt, bot ihm einen kleinen interestavte«Spazier-
to.® .» g-m» D* 6=3 » m- d-r SSÄLmh'
(149 snttietena.) I welche hi« sich neben bem Geleise der Eisenbahn ymzieyi.
Er schob ben kurzen Brief in ein Kouvert, schrieb Kaum 5att86rnaI^ die Adresse „Paul Harmant, Courbevoie" darauf, rief Snttni von mehr^al» » Wt Var^Ld^d?Reiß, Madame; unter eÄ* im Grase
merke» Sie sich, ich bitte Sie, diesen Namen recht wohl." 1
Gut, ich werde mir denselben recht wohl merke»/ antwortete bie wackere Madame, indem sie sich ehr«
nebst der illustrirten Sonntagsbeilage -Sterne und Blumen' von allen Postanstalten, sowie Landbriefträgern, Zeitungstragern und von der Expedition -Harmonie" zum Preise von 1 M. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegenge- nommen. ______
Erklärung.
Mit dem ,Fuldaer Tageblatt' unterhält die Centrumspartei des Regierungs-Bezirks Kassel keinerlei Beziehung. Vom Central - Ausschuß wird dasselbe vollständig ignorirt. Im,Fuldaer Tageblatt" publicirte Wahlaufrufe, Ankündigungen von solchen und viele das Centrum betreffende Artikel sind aus Centrumsblättern abgedruckt. Leider wird dadurch bei unkundigen Lesern die Meinung erweckt, als sei das ,Fuldaer Tageblatt uus , . .. ■
ein Organ des Centrums. Ma« bewahre welche sich da» Publikum fteiw'llig, ab«, wus bie sich vor Täuschung. Das einzige im Re- ^^»^uun^eiumal l,egm,^mo^l^s^ allem I gierungsbezirk Kassel und m der Diözese Fulda Drutschlanb mehiece Millionen Mark betrogen. Noch I täglich erscheinende Centrumsorgan ist die ,Ful- verkehrt« liegen z. B. in Oesterreich die Verhältnisse, baer Zeitung". Unsere Gesinnungsfreunde wollen to0 ber „Zahlkellnn", oft ohne für den Gast nur eme di°I° «lärung gütigst beachten und im Interesse Hned
der Partei-Disciplm darnach handeln. ckm ans der Speise-" und btto b« „Getränk-Kellner".
Die Redaktion der .Fuldaer Zeitung'. gnter diesen Verhälwissen steht sich, auch bei uns, nicht ____ — selten ber Oberkellner bester, al» ber Wirth., Da»
Rationellste wäre nach unserer Ansicht, bas Trinkgeld I
Deutsches Nelch- . überhaupt abzuschaffen. „Aber wer kann dem
Berlin, 21. Oktober. Gast verbieten ein freiwillige» Tmkgeld zu geben?
* Die Fivanzminrster ber am Weinbau besonders Da» „Freiwillig" bezweifeln wir sehr; e» ist eben je^ interessirten^BuvbeSstaaten trete» am Montag zu einer WWZMWMWEW
So.t.
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