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Die Minderung der Katholiken, in DeutschLano.

In Deutschland gab es noch amtlichen Ausweis im Jahre 1867: 24,291,000 Protestanten und 14,564 000 Katholiken; 1891 dagegen: 31,027,000 Protestanten und 17,672,000 Katholiken. Im Jahre 1867 befanden sich unter 1000 Einwohnern 621 Protestanten und 383 Katholiken, 1891 waren es 628 von jenen und nur noch 357 von diesen. Die Katholiken haben also 6 Tausendstel verloren, die Protestanten 7 Tausendstel gewonnen. Diese haben »och über den Verlust Der Katholiken hinaus zugenommen. Bon diesem einen Tausendstel abgesehen, sind die Katholiken im letzten Bierteljahrhundert um 287,000 Seelen zu kurz ge­kommen. Wir dürfen daher für unser Jahrhundert dreist den Verlust von einer Million annehmen, den die katholische Kirche im Gebiete der heutigen deutschen Reiches erlitten hat.

Welches sind die Ursachen unserer Verluste? Seit Beginn der Jahrhunderts stehen die Kacholiken Deutsch­lands, dar einzige Bayern ausgenommen, unter prote­stantischen Fürsten. Es wurde Parität für beide Be­kenntnisse in ganz Deutschland, sogar durch Verträge, als Grundlage der Rechtsverhältnisse ausgestellt. Die protestantischen Fürsten durchsetzten die gewonnenen katholischen Landestheile schnell und reichlich mit proto- stantischen Beamten, Offizieren und Soldaten, für welche da- gleiche Recht sofort zur Wahrheit wurde. Ader für die nach protestantischen Gegenden verschlagenen Katholiken, sür die dorthin versetzten Soldaten und (übrigens sehr seltenen) Beamten blieb gewöhnlich dar alte Berhältniß fortdestehrn. Kirchen »ud Schulen wurden ihnen nicht beschafft, meist noch verhindert, wenn sie sich solche aus eigenen Mitteln gründen wollten. Erst nach 1878 wurde eS etwas bester.

Einen schlagenden Beweis für das Gesagte bildet Elsaß-Lothringen, wo die Katholiken von 1866 bis 1891 von 1,304,000 auf 1,227,000 zurückgegangen, die Protestanten von 245,000 auf 337,000 gestiegen sind. Das Reichsland hat in unseren Tagen dasselbe Schicksal erlebt, wie die meisten andere« katholischen Landestheile zw Anfang deS Jahrhunderts. Es ist unter protestantische Herrschaft gekommen, wurde dicht mit meist protestantischen Beamten und Soldate« be­setzt, während sich eine starke Auswanderung nach Frank­reich ergab. An diesen hatte naturgemäß die katholische Mehrheit dm größten Arttheil. Die Katholikm verloren 77,000 Seelen, während die Protestantm 92,000 ge­wannen. Daß die protestantischen Beamten und Soldaten auch andere protestantische Einwohner nach sich zichen, ist selbstverständlich.

Zu diesem Rückgang der Katholikenzahl in Deutsch­land tragen ferner überaus viel bei die Gesetze der ver« schiedmeu Staaten über die Erziehung der Kinder aus Mischehen. Diese Gesetze sind meistens von der Ab­sicht eingegeben, den Protestantismus zu fördern, oder aber sie begünstigen denfelbm durch die thatfächlicheu Verhältnisse und werde« von den protestantischen Be- amtenuno Richtern am günstigsten für die Prote­

stanten gehandhabt. Ueberall gilt die Bestimmung, daß die Kinder der Religion des Vaters zu folgen haben. Wenn nun aber in katholischm Gegenden nur prote­stantische Beamte und Offiziere sind, ist es natürlich, daß sie vielfach Katholrkwen herrschen. Die Kinder werden um so mehr protestantisch, als eS den prote­stantischen Offizierm verbotm ist, ihren katholischen Frauen katholische Kindererziehung zu geloben. Um , seine Kinder katholisch erziehen zu lassen, muß über­haupt der in Mischehe lebende Protestant mehreren umständlichm Vorschriften genügen, bei verschiedenen Behörden mit Zeugen seinen bezüglichen Willen be­urkunden lassen. Daß dadurch dem betreffmsm Vater nicht blos Umständlichkeiten, Zeitverlust und Kosten verursacht werden, ist bekannt: Die protestantischen Be­amten machen ihm ost Vorhaltungen, weisen ihn an den Prediger, suchen die Beurkundung zu erschwere« und zu vereiteln. Wenigstens ermangeln sie nie, dem Manne vorzuhalten, daß nach dem Gesetze seine Kinder protestanttsch erzogen werden müßten. Kurz, eS wird, besonders in überwiegend protestantischen Gegenden, der Grundsatz durchzuführen gesucht, als sei eS ein Verstoß gegen Gesetz und Vaterland, seine Kinder katholisch werden zu lassen, selbst wenn er dies seiner Frau ver­sprochen hat. In Mischehen lebende Katholiken und Katholikinnen lassen sich dadurch auch vielfach ein­schüchtern, und hatten die protestantische Erziehung ihrer Kinder für eine durch Gesetz gebotene Pflicht.

Kürzlich meldeten konservattve Blätter: „Der lieber- tritt der Katholiken zur evangelischen Kirche hat sich in den Jahren 1880 bis 1891 in Deutschland sehr günstig für letztere gestaltet. SS sind über 24,000 Personen von der katholischen zur evangelischen Kirche übergetreten, hingegen nur 4700 Protestanten katholisch geworden." Letztere Ziffer ist wohl etivas höher, reicht aber keinesfalls an die erstere heran. Die zum Prote­stantismus Uebergetretenen sind zum guten Theile Kinder au! Mischehen, welche katholisch getauft waren. Ein guter Theil dieser Uebertritte kommt auf die großen Städte mit ihren zahlreichen Mischehen und mangelnder katholischer Seelsorge. Besonders Berlin stellt viele dieser Uebertritte, obgleich ohne dies kaum ein Drittel der Kinder aus 27,000 Mischehm katho­lisch getauft wird. Dort, wie überhaupt in den pro­testantischen Städtm kommt eS oft vor, daß katholische Dimstboten und sonstige abhängige Personen zum Ab- falle verleitet, ja gepreßt werden.

Daß die Errichtung katholischer Kirchen und Schulen, auch oft dort, wo ihnen keine gesetzliche Hiudenriffe eutgegeustehm, durch Stadt- und Staatsbehörde« er­schwert und behindert wird, ist man gewohnt. Allein i« Preußen find 200,000 katholische Kinder zu» Be­suche protestantischer oder solcher Schulm gezwungm, welche zwar katholisch ober simultan heiße-, aber von protestantischen Lchrern geleitet, von protestantisch« Pre- •teigem und Inspektoren überwacht werd«.

Wie wäre mtn dieser stete« Abnahme der Katho­likm DeutschlMdS entgegenzuwirken? ES ist «ne unbe­streitbare Christenpflicht, an der Ausbreitung Der Kirche mitzuwirken. Jeder soll das •eurige thun, nm den

Heiden die frohe Botschaft zu bringen; und ein Jeder kann durch Gebet und Gaden dazu beitragm. Nicht minder dringend ist die Pflicht, dafür zu sorgen, daß unsere Glaudensbrüder auch dec Kirche erhalten bleiben. Gegen unsere Volksgenossen ist dieß um so mehr eine heilige Pflicht, als darin eine Abwehr gegen das wei­tere Ueberwuchern deL- Protestantismus, also die ge­botene Selbsterhaltung liegt. Jemehr unsere Volksge­noffen, durch Mangel an Seelsorge und Schulen dem Protestantismus verfallen, desto mehr werdm wir Alle, und unsere Nachkommen, vom Protestantismus bedroht. Da§ sieht doch jeder ein, daß wir heute besser da- stehen würden, wenn wir noch die Million Katholiken mehr zähltm, welche wir unzweifechaft in diesem Jahr­hundert durch Begünstigung des Protestantismus ver- loren haben.

Die dermaligen ungünstigen politischen und sonstigen Verhältnisse werden sobald nicht behoben werden, so sehr auch die Gewaltigen des TageS alle Ursache hätten, die der Seelsorge, Liebe- und Lehrtätigkeit der Kirche entgegmstehenden Hindernisse zu beseitigen. Wir müssen aber unter solchen Umständen zu größerer Emigkeit, zu einträchtigem Wirken bewogen werden. Politisch sind wir schon gezwungm wordm, uns enge zasammenzuschließen, um unsere höchsten Güter zu ver- theidigm. Dieselbe Solidarität soll auch bezüglich der Wahrung unserer Besitzstandes allgemein durchgeführt werden. Alle Pfarreien, alle Kapellen, Vereine und Bruderschaften sollen mitwirken, um unsere in prote­stantischen Gegenden wohnenden Glaubens­genossen Kirchen, Priester, Schulen zu be­schaffen. In Frankreich steuern 1,200,000 bis 1,500,000 Personen je 2 Mark jährlich für die Glaubensverbreitung bei. In Deutschland, wo das Volk nickt entfernt ähnlich der Kirch; entfremdet ist, würden sicher l1/» bis 2 Millionen Beisteuernde für dm St. BonifatiuS-Berein zu findm fein,wenn derselbe überall eingeführt würde. Derselbe ist auch ein besonderer Mittel, Den Glaubenseifer zu wecken und zu befestigen. -rn.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Ostober.

* Der Kaiser wohnte gestern der feierlichen Ent­hüllung deSDenkmalS Kaiser Wilhelm I. in Bremen bei. Der Empfang, dm die alte Hanfastadt dem Kaiser bereitete, war glänzend. Die Stadt war reich geschmückt; Vereine, Schulm und Jnnungm bildeten vom Bahn- Hofe ab Spalier und eine nach vielen Tausenden zählende Menge begrüßte den Kaiser mit Hurrahrufen. Bei der BmkmalSenthüllung hielt Der Präsident deS Senats, Bürgermeister Dr. Pauli, die Ansprache, welche in einem dreifachen Hoch auf dm Kaiser gipfelte. Die Waiherede hielt Pastor Dr. Thiekötter. Nach der Ent- hüllung begab sich der Kaiser nach dem Dom, wo der philharmonische Chor daS Händel'sche „Hallelnjah" vor- trug. Die Rückkehr des Kaisers von Bremen wird heute Abmd nach 11 Uhr im Neuen Palais bei Pots­dam erwartet. — Der gestern in Elberfeld erfolgten

Endlich entlarvt!

Roma« von R. von Wollersheim.

(147. Kortsetzunz.!

»Was haben Sie gesagt?" ries sie ereegt aus. „Sie dürfm sie nicht mehr tieben ?N

»Rein," amworttte Lucian mit dumpfer Stimme.

»Was geht denn vor? Entweder täuschesSie »ich im Emverstäuduiß mit »eine» Vater durch eite Regung des Mitleides, ober diese verwünschte Ncheukmhlerin ist Ihrer unwürdig gewordm. Ist es dies vielleicht?"

„Ja, daS ifi'S."

„Sse lügen nicht?"

„Rein, ich schwöre eS!"

„Aber was ist eS denn?- Was hat sie denn ge- than, dieser elende junge Mädchm, wegen seren ich so diel gelitten habe, so viel in meinen langen schlaflosen Rächtm gemeint habe?"

„Rehmen Sie sich in Acht, sie zu beleidigen! Lucie ist etn vor Allen ehrenhaftes Mädchen — sie ist rein wie ein Engel."

41.

„Sie sagen selbst, daß Sie sie nicht mehr liebm dürfen und doch vertheidiqenSie dieselbe in derartigen begeisterten Worten!" rief Mary zitternd auS.

»Ich muß aus meinem Herzen jene Liebe bannm,

welche eS erfüllte! Leider! Ich habe nicht »ehr das Recht, die Tochter deS Mörders »eines Vaters zu liebm!"

„Wie — Lucie?"

„Lucie ist die Tochter der Johanna Portier, welche vom Asstsmhof verurtheilt worden ist, meinen Vater ermordet zu habm."

„Jst'S möglich!" rief Fräulein Harmant fast ra wildem Tone au». „Erfinden Sie nicht eine Fabel, um mir Hoffnung zv machen, daß Sie doch eines Tages zu mir kommen werden?"

„Wenn Sie Beweise haben wollen, Fräulein, so haben Sie hier eisen solchen Beweis — derselbe ist unumstößlich."

Damit überreichte Lucian Mary das Protokoll aus dem Fächelhunse. Die Tochter des Millionärs nahm es unv las eS aufmerksam durch.

„Ah," sagte sie dann im Uebermaße ihrer Freude, „ich bin gerächt!"

Diese Freude schnitt Lucian in's Herz.

„Rein," fuhr Mary fort, „nein, Sie können dieser Mädchen nicht mehr lieben! Sie müssen sie hoffen! Ah, eS ist Gottes Fügung, welcher Sie mir näher bringen wollte, indem er Ihnen die Angen öffnete über die Unwürdigkeit Derjenigen, welche Sie zu lieben glaubten! Gott schützt mich sichtlich. Bon jetzt an

werde ich lebe« körmrn, ich werde lebe«, Denn ich darf wieder Hoffnung schöpfen!"

Lucian hatte daS verhängnißvolle Papier wieder zu sich gesteckt.

„Hören Sie mich noch einen Augenblick an, Fräu­lein", sagte er. „Ich habe Ihnen noch nicht Alles ge­sagt, was ich Ihnen zu sagm hatte. Nein, ich Haffe Lucie nicht, den« das Kind kann nicht verantwortlich gern-cht »eiche« für die Fehler seiner Mutter, aber die Ghre gebietet mir, sie zu vergeffen. Ich »erbe mich bemühen, wie dies meine Pflicht ist, Die Tochter der Johanna Portier nicht mehr zu lieben; freilich die Trennung ist schmerzlich, die Wuvdeist tief und brennend, «nb ich muß auf die Zeit hoffen, daß sie vernarbe. Diek möchte ich von Ihnen erbitten, bis die Heilung vollständig sein ttirb."

AthemloS, den Blick fest auf ihrrn Gast gerichtet, hörte Mary zu.

„Sie würden mir nicht glauben, wenn ich Ihnen sagte, daß ich nicht leide", fuhr der Sohn Julius Labronc'S fort, „ich leide sehr, aber ich kämpfe gegen mein Leiden an. Ich will vergessen und ich hoffe eS zu erreichen: sobald ich vergeffen habe, ist mein Herz frei. AlSdanu wird sich ohne Zweifel die ehrfurchts­volle Hochachtung und die tiefe Dankbarkeit, welche ich zu Ihnen hege, sich ro ein zarteres Gefühl verwandeln,