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Beilage zu Nr. 231 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 8. Oktober 1893.

„Ich sage eS Ihnen .

Die Gesichtszüge des vor Entzücken.

„Also." fuhr sie fort, mit Freuden erhalten?"

„Ja gewiß, sie war Hinsicht, einmal insofern

Das Steuer-Lied.

Mel.: Stimmt an mit hellem, hohem Klang.

ES ist bestimmt im weisen Rath

Des Vaterland'S, des theuern,

Daß man von Allem, was man hat, Mnß tüchtig zahlen Steuern!

Der Fiskus kommt in jedeS Haus

Und zählt genau nach Köpfen;

Er sucht, so viel er kann, heraus, Und weiß recht gut zu schröpfen.

Du mußt, auch wenn Dir's nicht gefällt.

Mit Ruhe stets eS dulden.

Daß unser Staat, so wie vom Geld, Erfährt von Deinen Schulden.

Trinkst Du ein'» Wein, trinkst Du ein Bier —

Glaubst Dich dabei ganz einsam —

Der Staat steht lächelnd an der Thür Und kneipt mit Dir gemeinsam.

Vom Rind, vom Schaf, wie auch vom Schwein, Bom Speck und auch vom Brode,

Bon Seide, Pelz, von Wolle, Lein, Zahlst Du dem Staat 'ne Quote.

Der Tabak, der — dies weiß man ja — Bom Zolle schon recht theuer,

Bekommt noch — bald ist sie da — Die Fabr i katen - Steuer.

So wird schnell jeder Gegenstand,

Ob roh, ob er vernickelt.

Ob nützlich er, ob er nur Tand, Im höchsten Maß vermiquelt.

Am Ende gar verlangt der Staat, Daß Zündhölzchen selbst zahlen. Die Quittung auch, das Inserat --

Wer weiß, was noch für Qualen!

Fragst Du, wozu denn all' dies Geld?

Für Bildung, Kunst und Schulen? — O nein, das wäre weit gefehlt, Die können lange buhlen!

Es fließt zumeist dem „Moloch" zu

Der Niemand mag verschonen. Verschlingt in größter Seelenruh' Biel Hunderte Millionen.

Wie nun, wenn alle Findigkeit

Und alle Kunst zu Ende —

Den Steuer Künstlern weit und breit Versagt die Steuer-„Spende"? —

Kannst ruhig sein, lieb' Vaterland, Brauchst d'rum noch nicht zu wanken. Dann nimm als Neu'stes in die Hand Die Steuer auf Gedanken!

Genügt auch dies noch immer schlecht

Den Moloch-Ungeheuern, Dann setze nur gauz schlicht und recht 'ne Steuer auf die Steuern!

Damit hielt er inne.

(Forts, folgt.)

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(136. Fortsetzung.)

Arn folgenden Morgen begab er sich nach Cour- bevoie, um dort seine gewohnte Thätigkeit wieder zn übernehmen. Paul Harmant war noch nicht da.

Lueian benutzte seine Abwesenheit, um sich über alles, was in der Zwischenzeit geschehen war, zu unter­richten und die Arbeiten, welche in der Ausführung begriffen waren, zu besichtigen.

Erst gegen acht Uhr erschien der Vater Maiy's in der Fabrik. Kaum hatte er sein Kabinet betreten, als Lucian sich zu ihm begab, um ihm über seine Reise Bericht zn erstatten.

Der Millionär reichte dem jungen Manne in der freundlichste» Weise die Hand.

„Es freut mich, Sie wiederzusehen, mein lieber Freund," sagte er zu ihm, „um so mehr, als ich Ihnen meine besten Glückwünsche aussprechen kann. Meine Geschäftsfreunde in Bellegarde haben mir geschrieben, daß sie mit Ihren Leistungen in jeder Hinsicht durch­aus zufrieden seien, und es scheint, daß Sie mit den- H6en in den angenehmsten Beziehungen gestanden haben."

„Sie haben meine Einladung mir werthvoll in doppelter

I Sie können sich dann ja zu uns von dort aus in unser Haus verfügen."

Lucian begriff, daß er, obwohl ihm der Wunsch des jungen Mädchens sehr unangenehm war, doch diese Einladung nicht durch eine ebenso wohl unerklärliche als verletzende Ablehnung beantworten könne.

Lucie halte seine Rückkehr festlich begangen. Auch Mary wollte ihn also feiern.

Wie Lucie, so war auch sie sterblich in ihn verliebt. Was hätte er nicht darum gegeben, ein Mittel zu fin­den, um aus der zugleich lächerlichen und doch wiederum äußerst peinlichen Lage, sich von zwei Damen zu gleicher Zeit geliebt zu sehen, befreit zu sein!

„Ich nehme an," sagte er also, „und eS wird mich sehr freuen, Ihrer Fräulein Tochter meine gehorsamste Aufwartung zu machen."

„A la bonneheure!“ ries der Millionär entzückt aus.

„Ich wußte im Voraus, daß Sie Mary und mir nicht die Unannehmlichkeit einer Ablehnung bereiten würden.

Weiter war von der Abend-Gesellschaft nicht mehr die Rede.

Der Tag vrifloß für Lucian mit der Besichtigung der verschiedenen Ateliers dahin und gegen 4 Uhr ver­ließ er die Fabrik, um zu Hause für daS Mahl bei Paul Harmant Toilette zu machen.

Während der junge Mann die lange Avenue de Nruilly und die Avenue de la grande Armoe langsam hinaufging, fühlte er sich sehr düster und traurig ge­stimmt. Es war ihm jetzt leid, die Einladung ange­nommen zu haben, die ihn für mehrere Stunden mit Mary zusammenführte, deren unsinnige Liebe er ebenso wohl kannte als bedauerte.

Wer wußte, ob diese Einladung nicht eine Falle war? Wer bürgte ihm dafür, daß Paul Harmant nicht in Gegenwart seiner Tochter seine ihm früher gemach­ten Anerbieten wiederholen würde?

Unter dieser Voraussetzung — wie würde er sein Verhalten einrichten, und welche Antwort würde er geben müssen, um nicht unhöflich und verletzend zu er­scheinen?

Die Antwort, die er dem Millionär gegeben hatte, war so einfach als möglich gewesen, er gehörte sich nicht mehr an, er hatte sich bereits verschenkt.

Würde er aber auch Mary gegenüber diese lakoni­schen Worte zu wiederholen den Muth haben? Würde er den Muth haben, zu sagen:

„Sie wissen, daß ich Lucie liebe, weil sie eS Ihnen selbst gesagt hat, und daß ich in Ihrem Blicke die helle Flamme der Eifersucht habe lodern sehen!"

„Nein, tausendmal nein, ich werde nicht den Muth finden, ihr diesen Kummer zu bereiten," dachte Lucian bei sich selbst; „aber ich kann sie ebenso wenig in der Meinung belassen, daß ich sie liebe."

ES war etwa halb sieben Uhr, als der Verlobte Lucie'S in sehr erregter Stimmung und gepreßten Herzens im HMse der Rue Murillo erschien.

Paul Harmant war vor etwa einer halben Stunde heimgekehrt und empfing den jungen Mann in seinem Arbeitskabinet.

„Meine Tochter erwartet uns im Salon," sagte er zu ihm. „Gehen wir also."

Literarisch»».

Für katholische Lehrlinge! Durch viele bischöfliche Empfehl­ungen wurde ausgezeichnet das Gebet- und Unterrichtsbüchlein für katholische Lehrlinge, herausgegeben von Dr. I. A. Kelle r, Pfarrer. Erzbischöflich approbiert. 397 Seiten. Broschiert 80 Pf., Gebunden M. 1,20, M. 1,50, M. 1,80. Verlag von Dr. Fr. Paul Satterer in Freising (Bayern): In emem Schreiben deS Hochwürdigsten Herrn Bischofs Adolf von Straßburg wird das Buch wie folgt empfohlen: „Dem sehr empsehlenswerthen „Gebet- und Unterrichtsbüchlein für katholische Lehrlinge" von Dr. I. A. Keller, Pfarrer, wünsche ich die weiteste Verbreitung zur Ehre Gottes und zur Förderung des Seelenheils aller, die dasselbe lesen und benützen. Möge es besonders in allen Jüng­lings- und Gesellenvereinen Eingang und Beherzigung finden. Straßburg, gez. f Adolf, Bischof von Straßburg.

nach einer vierwöchigen Trennung wieder die Han^ drücken kann."

Sie reichte damit dem jungen Manne die Hand, welcher sie nahm und sie fieberheiß fand.

„Auch ich, Fräulein," antwortete er mit einer ge­wissen unwillkürlichen Verwirrung, „auch ich freue mich, Sie wiederzufehen, ich freue mich sehr, ich ver­sichere es Ihnen."

„Wirklich?" rief Maiy in leidenschaftlicher Auf-

sie der Beweis Ihrer auf­richtigen Freundschaft ist, wie sie soeben sagten, und sodann auch der Achtung, welche Ihr Herr Vater gegen mich hegt."

„Es ist mehr als Achtung, es ist wirkliche Zu­neigung, was mein Vater gegen Sie hegt," fuhr Mary fort. „Er hat es mir sehr oft gesagt."

„Ich bin stolz darauf und sehr dankbar dafür."

Lucian, welcher in nicht geringer Verlegenheit war, daß das Gespräch eine derartige Wendung genommen hatte, konnte nur zögernd antworten:

„Ich hielt mich nicht sür berechtigt . . ."

Wallung aus.

Lucian sah ein, daß eine allzu deutlich hervor­tretende Kühle für das unglückliche Geschöpf tödtlich sein könne, und so versetzte er lebhaft:

. . ich schwöre er!" jungen Mädchens strahlten

Mary wartete also ihrer, Gott weiß, in welch' fieberhafter Stimmung.

Sie hatte, den Vorhang eines der Fenster des Salons wegschiebend, Lucian in den Hof hereinkommen sehen, sie hatte alle Mühe aufbieten müssen, um ihre Fassung nicht zu verlieren. Sie empfand eine unaus­sprechliche Freude. Lucian war jetzt wieder in Paris zurück, er war in dem Hause ihres Vaters — dies war für sie die Rettnng, die Genesung, das Leben!

Einige Minuten verflossen, bann öffnete sich eine Thüre, und Harmant erschien, seinen Gast vor sich hinschiebend, auf der Schwelle.

Mary wollte aufstehen und ihnen entgegengehen: aber die Heftigkeit der Erregung beschleunigte bei ihr eine Art Ohnmacht. Sie wankte und sank auf den Sitz zurück, von welchem sie sich soeben erhoben hatte.

TodeSblässe bedeckte in diesem Augenblicke ihre Ge­sichtszüge. Ihr Vater eilte auf sie zu.

Lucian fühlte sich beim Anblicke des abgemagerten Gesichter und der verzerrten Züge des unglückliche» junge» Mädchens von unsäglichem und schmerzlichem Mitleid ergriffen. Seine Augen wurden feucht.

„Fräulein ..." stammelte er.

„Du fühlst Dich unwohl?" frug der Millionär.

„Nein, Vater, ich fühte mich nicht unwohl," ant­wortete Mary, welcher die Stimme Lucian's wie in etwa zu galvanisiren schien. „Ich fühle mich nicht un­wohl, im Gegentheil. Ich habe nur so etwas wie Be­täubung gespürt . . . eS war nichts ... eS ist schon vorbei. Es freut mich sehr, daß ich Herrn Lucian wieder hier sehe, er weiß gewiß, daß ich mich freue, denn er weiß auch, daß ich ihn liebe ... in aufrich­tiger Freundschaft. Ich freue mich sehr, daß ich ihm

„Ich kann mich nur in jeder Hinsicht auf'S Lo­bendste über diese Herren aussprechen. Sie waren mir gegenüber stets die größte Zuvorkommenheit."

„Vielleicht haben dieselben Ihnen Anerbieten ge- niacht?" frug Paul Harmant einigermaßen beunruhigt; „ich habe zufällig vernommen, daß sie einen tüchtigen Geschäftsführer für sich suchen."

„Wenn ich mir den Anschein gegeben hätte, als ob ich gewisse doppelsinnige Ausdrücke, die so ungefähr wie Anerbieten lauteten, verstanden hätte," antwortete Lucian lachend, „so würde man mir vielleicht ernst­hafte Anerbietungen gemacht haben. Aber ich bin durch» mis unempfindlich geblieben, und Sie wifsen es, mein Herr, daß eS keine schlimmere Tauben gibt, als die- Migen, welche nicht hören wollen."

„Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, daß Sie diese halbsersteckten Anerbietungen weder hören noch ver­stehen haben wollen. Sie sind diese Nacht zurückge­kehrt ?"

„Gestern Abend."

„Haben Sie sich da drüben gelangweilt?"

„Oft . . .," antwortete Lucian, indem er an seine Braut dachte.

Weiteres frug ihn heute Harmant nicht. ES war ihm darum zu thun, sich den Anschein zu geben, als interesstre er sich heute lediglich für GeschäftS-Angelegen- Helten. Die Unterhaltung erstreckte sich deshalb meist über derartige Angelegenheiten, über Pläne, welche Lucian mit zurückgebracht hatte, über neu herzustellende Maschinen, welche demnächst abermals die Aussendung von Arbeiter« erheischen würden.

Die Unterredung dauerte länger als eine Stunde.

„Er spricht gar nicht von meiner Tochter," dachte der Millionär.

Kaum aber war dieser Gedanke in ihm aufgetaucht, als Lucian zu ihm sagte:

„Ich habe Sie noch gar nicht gefragt, wie eS Ihrer Fräulein Tochter geht?"

„Sie ist noch sehr leidend," versetzte Paul Harmant.

„Ist eS von Bedeutung?"

„Gerade nicht, aber immerhin genug, um mir leb- pofte Besorgniß zu verursachen. Sie werden sie ja sehen und können dann mit eigenen Augen urtheilen, ®je sehr meine Besorgniß begründet ist und wie sehr ich Recht habe, wenn ich meinem Kinde etwas Glück verschaffen will, das für sie ihre Rettung bebeutet. Ich habe ihr mitgetheilt, daß Sie demnächst zurückkehren würden und ihr erster Gedanke war heute Morgen für Sie."

„Wirklich — für mich?" wiederholte Lucian etwas gezwungen, denn er fühlte im Voraus die Verlegen­heiten und die Stellung, in welche die Neigung der lungen Mädchens ihn bringen würde.

„Ja, Sie will Ihre Rückkehr festlich begehen, sie erwartet Sie also heute Abend zum Mahle bei mir und er würde ihr angenehm sein, wenn sie uns Beide häufig in ihrer Nähe sähe .... Ein wirkliches Familien- kränzchen."

32.

„Aber," stammelte der junge Mann.

„O, keine Entschuldigungen. Sie dürfen keine Vor­wände machen, um die Einladung meiner Tochter ab­zulehnen," fiel ihm der Millionär lebhaft in's Wort. „Sie können ihr Ihre Sympathie nicht besser beweisen, als indem Sie diese Einladung annehmen, welche sie mich Ihnen zu übermitteln beauftragt hat. Was mich | fttbst betrifft, so muß ich sagen, daß eine Ablehnung auch mir unangenehm sein würde. Es handelt sich um «n durchaus vertrautes Mahl, wir werden nur zu un­serer Drei sein. Sie können die Fabrik ein wenig früher ! verlassen, um sich zu Hause entleiben zu können unb i