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20. IabrgM

1893.

Dienstag, den 26.

Erscheint täalich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 18 Pf., bei Wiederholungen entsprechercker Rabatt, vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen in Fulda und auswärts 1 Mark 80 Psenmg.

AM* Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' für das am 1. Oktober beginnende

4. Guartal 1893

wolle man schleunigst machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritf.

Der Post - Abonnementspreis auf die .Fuldaer Zeitung' mit der Mustrirten Sonntagsbeilage ggs Sterne und Ülmnen = beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

atr Reu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung Nr Post-Quittung bis Ende September gratis.

zeitgemäßes Wort.

Die nationalliberale ,Dortmunder Zeitung' das amtliche (!) Organ für den Stadt- und Landkreis Dortmund bringt seit einiger Zeit in ihrem Feuilleton einen Roman, welcher inBeschimpfung der katho­lischen Kirche und ihren Einrichtungen bis zum Aeußersten geht. Die katholische SeelsorgS-Geist­lichkeit d<S Dekanats Dortmund hat sich deshalb zu einer energisch rn Gegenwehr veranlaßt gesehen. In allen katholischen Kirchen deS Dekanates Dortmund wurde am vorige« Sonntag btt nachstehende Mahn- und Weckruf verlesen, welcher auch anderwärts alle Beachtung verdient:

paß •>,. Liebe, theure Pfarrkinder!

Von den vielen Gefahren, die Euren hl. Glauben und da­mit Surr zeitliches und ewiges Glück bedrohen, ist eine der furchtbarsten jene, die auS dem Lesen glauben-feindlicher, gott­loser Schriften entsteht. So alt als das Christenthum, so alt ist diese Geiahr, so alt ist aber auch die Sorgfalt und Umsicht, womit unsere vom hl. Geiste erleuchtete und geleitete Kirche die Gläubigen vor dieser gefährlichen Klippe hütet und warnt. Schon der hl. Paulus, dieser jo hochbegnadigte und hochbegabte Apostel, hatte die Schärfe seine- Wortes zu richten gegen den Frevel, womit auch schon damals aottesfeindliche Menschen schlechte Schriften benutzten und verbreiteten. Auf sein thatkräftige-, standhaftes Bemühen hin wurde zu Ephesu- auf einmal eine solche Menge jener glaubenswidrigen Bücher verbrannt, daß sich der Werth davon auf 50,0C0 Denare oder 36,000 Mark belief. (Ap.-Gesch. 19, 19.)

Seit jenen Tagen aber ist diese Gefahr wahrlich nicht ge­ringer geworden, aber auch nicht geringer geworden die Sorge, mit der unsere hl. Kirche bemüht ist, die ihr anvertrauten Gläubigen vor der so leicht ansteckenden Pest der schlechten Schriften zu bewahren Auf zahlreichen Synoden und allge­meinen Konzilien hat sich warnend und weckend .ihre Stimme hiergegen erhoben.

Wenn ober je, dann ist gerade heutzutage? diese Gefahr groß, ja aufs HSchfte gestiegen. Jeder verständige Christ wird mit uns die Srkenntniß theilen, daß, wenn unser Volk zu Grunde

Endlich enttarnt!

.lNüiroks j}otnan von 88. von Wollersheim.

(125. Fortsetzung.)

„ES ist eine unschirldige, ungerechter Weise ver- urtheüte Person," antwortete Oside im Tone der Ueberzeugung. „@8 ist eine Frau, welche ich geliebt habe, die, abgesehen von diesem ihrem Fehltritt, durch­aus achtenSwerth dasteht und ihr Stab noch einmal sehen möchte, ehe sie stirbt. Uebtigmä kann Ihnen ja die Berurtheilnng und das Errrrumen der Unglück- lichen Frau durchaus gleichgüttig sein. Wenn sie dem Gefängnisse wcht entronnen wäre, würde ich nicht nach Joigry und nicht zu ihnen in'S Bureau gekommen und rrit Ihnen nicht zu dem Herrn Petitjean gegangen sein. Bedenken Sie, daß ich Ihnen Ihre Ehre nicht hätte retten, Sie nicht vor dem Bagno hätte bewahren können, und so ihrer alten Mutter die Ruhe ihre- LebenSabeudS verschaffen können! Bereiten Sie einer Murter dar Glück, daß sie ihre Tochter wiederfinden und wieoer umarmen kann!"

„Gewiß, ich werbe er thun, mein Herr, feien Sie ohne Sorgen. Ich werde keinen Augenblick Bedenken tragen. Wann müssen Sie die Abschrift der Protokolls haben?"

"Ssbcüd als möglich."

„DaS Verzeichnt, welches daS Original nebst der Abschrift er thält, befindet sich sichet im Archiv. Mot-

„Ja, mein lieber Freund, ich begreife sehr wohl jetzt, wie weit Sie mit ibr gekommen sind. Aber sie rst nicht mehr in Joigry?"

„Rein, sie hat Jotgry verlassen, vor ermgen Monaten wat eS, sie wollte nach Paris zurückkehren, nicht ohne ein kostbares Andenken zu hinterlaffen: denn sie hat in dem Laden, in welchem sie angestellt war, zwei Stücke Spitzen gestohlen, von welchem jedes einen Werth von fünf Taufend Franken hatte."

„Ah! ... . Und man hat sie nicht verhaften

„Nein mein Herr. Durch ihr Bitten und Flehen hat die Geschäftsinhaberin sich erweichen lassen, und man hat lediglich eine Anerkennung von ihr verlangt, baß sie den Diebstahl begangen hat, außerdem muß sie den Verlust binnen einem Jahre ersetzen. Die Dame war durchaus entschlossen, sie der Justiz zu übetlieferu, falls sie ihr Berfprechen nickt hielte."

„Behr snangenehm für sie!"

Ich habe gettbe deshalb meine Dummheit be­gangen, um ihr die Mittel zu verschaff m, die Sache in Ordnung zu bringen."

„Und wetter?"

„Als sie einmal daS Geld in Händen hatte, sagte sie: Ich habe noch ein Jahr vor mir, ich werde später bezahlen, und sie hat die Summe vergeudet."

'Hat sie dann seitdem die Sache in'S Reine ge­bracht."

Katholische Glaubensgenossen! Wir haben unsere Sorge nicht länger mehr unterdrücken können, das Pflichtgefühl treibt uns, einmal in einem öffentlichen Appell uns mahnend und bittend zu wenden an euere so oft treu bewährte katholische Ge­sinnung. Angesichts des Unheils, das wir drohend vor uns an­wachsen sehen, rufen wir euch zu aus dem wohlmeinendsten terzen: Helfet uns, die furchtbar wirkende Macht der fchlechten ektüre brechen! Schaffet fort aus eueren Familien jedes glaubensfeindliche Buch, jede sittenlose Schrift, jede unkatholische Zeitung!

Greifet zur gesunden Kost christlicher Lektüre, die euch für jeden Stand und Bildungsgrad in Fülle geboten wird. Lernet von den Andersgläubigen, von denen ein Jeder sich schämen würde, jemals eine Zeitung in die Hand zu nehmen, die seine religiöse Gesinnung in solch' gemeiner Weise verhöhnte.

Wir aber werden nicht rasten noch ruhen, wo und wie immer wir können, ein Schriftstellerthum zu bekämpfen, das sich täglich versündigt an den heiligsten Jntereffen der Menschheit. Wir werden nicht stumme Hunde sein bei dieser Gefahr, damit wir an jenem Tage nicht erscheinen müffen belastet nut dem Verbrechen der Pflichtvergeffenheit. Wer immer zu Christus hält, der leihe uns seinen Arm und sein scharfes Schwert in diesem Kampfe; denn nur in der Einheit liegt die Kraft. „Ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater Aller" (Eph. 4, 5) aber auch eine Lektüre, die da wahrt und hütet die Ehre dieses einen wahren Gottes und die geistigen Interessen derer, die ihm an­hangen.

Dortmund, am NamenSseste Mariä, 17. Sept. 1893.

Die katholische Seelsorgsgeistlichkeit Dortmunds.

Welch energischer Geist bie Katholiken Dortmunds brfeelt, geht ferner daran» hervor, baS gleichzeitig am Sonntag folgende» Schreiben an bie königliche Staats­anwalt f chaft in Dortmund, die Bertteter de» Stadt- und LanbkreifeS Dortmund, die Herren Oberbürger­meister Schmieding und Landrach von Rynfch adge- gegangen:

Die Vorstände der unterzeichneten katholischen Vereine Dort­munds erheben hiermtt Protest gegen die schmählichen Beschimpf­ungen der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen durch das Feuilleton der .Dortmunder Zeitung' „Unter den Dolomiten",, Roman von Konrad Telmann. — Jahrelang haben wir den schweren Kränkungen ruhig^ngesehen, welche die hiesige irreligiöse Presse den Katholiken Dortmunds ungestraft zugefüät hat. Die neuesten besonders in den Hummern 247, 248, 249, 2->0 u. ff. der .Dortmunder Zeitung'MefeS Jahres enthaltenen Beschimpf­ungen unserer heiligen Kirche sind indes so unerhört, daß kein gläubiger Katholik dazu schweigen kann, «'s Bürger eines pan- tättschen und christlichen Staate- fordern -trnr Schutz gegen diese Verletzung unserer heiligsten Gefühle unt ersuchen bie königliche Staatsanwaltschaft, gegen die Redaktion der .Dortmunder Zeit-, ung' aus 8 166 des Str.-G.-B. das Strafverfahren einzuleiten.

Als Bürger der Stadt Dortmund protestiren wir ferner da­gegen, daß die Behörden des Stadt- und Landkreise- Dortmund ein Blatt als amtliches Kreisblatt benutzen, welches die religiösen Gefühle eine- großen TheilS der Bevölkerung so mit Füßen tritt wie eS fortgesetzt durch die .Dortmunder Zeitung' geschieht. Wir haben zu unserer weltlichen Behörde daS Vertrauen, daß sie nach Prüfung des Sachverhalts diesem Zustande im Jntereffe deS konfessionellen Frieden- in der Bevölkerung baldigst ein Ende machen wird. _ ,

Die Vorstände des germ. PIuS-Bereins, deS St. Johannes- Vereins deS St. Josephs-Vereins, des Katholischen Knappen­vereins deS Leo-Bereins, des St. CanisiuS-VereinS, des St. PauluS-Vereins, des St. Liborius-BereinS, deS St. AntoniuS- Polen-Vereins, des Polenvereins „Einigkeit."

(Folgen die Unterschriften.)

DaS Vorgehen der Katholiken DortmunbS verdient Anerkennung und Nachahmung.

geht, es hauptsächlich in Folge deS Giftes geschieht, womit gerade in unserer Zeit glaubenslose, gottentfrembete Schriftsteller die Gemüther der Menschen in gewiffenloser Weise tränten. Wie eine gewaltige Schlammfluth, in der jedes Lebende erstickt, jedes Reine besudelt, jedes Heilige entweiht, jede Sitte verderbt, jedes Erhabene verspottet wird, so wälzt sich täglich der Strom von schlechten Schriften, Zeitungen und Unterhaltungsbroschüren aus den Druckereien eines chrijttrSfeindlichen, sittenlosen Schriftsteller- thums hinaus auf den Markt des Lebens. Wehe, wer von dem Gifte nimmt, er kann nicht wieder gesunden, er muß daran zu Grunde geben. Wer zählt die Tau ende, die jährlich zum Schmerze jedes edlen Menschen, aber zum größten Schmerze unserer hl. Kirche auf diese Weise sich selbst zu Grunde richten! Väter, Mütter, Vorgesetzte! Könnt Ihr ruhig und sorglos bleiben bei dieser furchtbar drohenden Gefahr? Kannst du, katholischer Mann, es ansehen, daß man dir alle Tage daS Gift der schlechten Schriften in dein Laus trägt, wird nicht deine ganze Familie bald durchseucht sein mit jenem Geiste, den solche Schriften athmen, wirst du nicht selbst, und wärest du auch der entschiedenste christliche Charakter, bald stürzen, unterjpütt und unterwühlt von den fressenden Wassern einer solchen täglichen Lesung? Täusche dich nicht, steter Tropfen hat noch immer auch den härtesten Stein gehöhlt. Gerade die tägliche schlechte Zeitungslektüre ist die vor allen verderblichste und verhängnißvollste. Durch sie werden die wahren Giftpilze in das christliche Herz und in die christliche Familie eingepflanzt. In den schlechten Zeittingen werden die giftigsten Angriffe gerichtet gegen unsere hl. Kirche, gegen die von Christus ihr übergebenen Dogmen, gegen ihre alle Wechselfälle überdauernden Einrichtungen, gegen ihre alt­ehrwürdigen, weihevolle Gebräuche. ES gehört nun zwar nach Christi Vorhersagung die Verfolgung znm Wefen der Kirche, und sie würde aufhören die Kirche Jesu des Gekreuzigten zu fein, wenn sie ruhend am Busen der Weltfreundschaft hier schöner Tage genösie. Aber grausam und unnatürlich herzlos handeln jene Katholiken, die eine solche Pressein ihrem teuflischen Werke unterstützen, die den Arm noch starken, der täglich Keulenschläge ins Angesicht unserer hl. Kirche führt. Mit diesem Verbrechen aber be­lasten sich alle, die einer solchen Zeitung Eingang in ihr Haus gestatten; sie können sich nie und nimmer reinigen von dem Vorwürfe, daß sie Mitarbeiten an dem ver­suchten Siege der Hölle über Jesus und sein Werk.

Liebe Pfarrkinder! Erst in den letzten Tagen haben wir wieder erfahren müssen, was man unS katholischen Christen alles an Beschimpfung und Hohn in solchen Zeitungen zu bieten wagt. Unserer nratten heiligen Kirche, die nun schon fast 2000 Jahre hindurch christliche Gesittung und Kultur über den ganzen Erd­ball hin verbreitet, wird ein besudelter Spottmantel umgeworfen, um sie der Verachtung und Lächerlichkeit preiszugeben. Ihre Religion wird hingestellt als ein Wust von Aberglauben, ihre Ziele und Absichten als -uf Mord und Verbrechen ge­richtet, ihr erhabener Gottesdienst alS rin todteS phantastisches Formelwesen, ihre Priester als Scheusale der Niedertracht, ihre Anhänger als ein von seinen Priestern schmählich betrogenes und verführtes, gedankenloses Volk. Gottes Sohn selbst wird hinabgezogen in den Koth und der Gott der Christen dargestellt als ein blutdürstiger Tyrann, in dessen Namen die schwersten Verbrechen begangen worden sind, welche das Gedächtniß der Menschen kennt. Das wagt man unserer Kirche zu bieten, die auS sich ein Geschlecht von Heiligen geboren hat, deren Geschichte freilich mit Blut geschrieben, aber mit dem edlen Bekennerblnte von Millionen von heiligen Märtyrern!

Katholischer Christ! Kannst Du ohne die tiefste Entriistung wahrnehmen diesen höllischen Frevel, den man an Dir und Deinem Glauben übt. Willst Du noch ferner unterstützen eine solche Presse, die Dich als katholischen Christen für einen aber­gläubischen Narren hält? Willst Du für Dein eigenes Geld Dir täglich die Verhöhnungen eines glaubenSlofen, feilen Skribenten ins Haus bringen lassen? Willst Du mit Del em Gelbe die Buben dingen helfen, welche die altehrwürdige Kirche Jesu mit ihrem ekelhaften Geifer täglich besudeln? Willst Tu mitarbeiten an dem Unglück Deiner Kinder und KindeSkinder?

gen werde ich mich also frühzeitig zum Bureau be­gebt«. Ich werbe bie Zeit, wo bie B-amten sich beim Frühstück befinden, benutzen, u« da» Register zu suche» uab ihren Wunsch erfüllen. Um welche Zeit soll ich baS Schriftstück übergeben, b> ssen sie bedürfen?"

„Ich will gegen elf Uhr hier auf Sie warten." „Gut, ich werb: pünttlich zur Stelle sein." „Ich hoffe e», unb ich werde ihnen olsbanu gegen baS fraglich« Schriftstück die Summe übergeben, die Sie nöchig haben, um Ihre Schuldes bezahlen zu können. Ich benke, baß Sie in Zukunft keine solche Liebeleien mehr pflegen — Sie sehen, wohin Sie die­selben Sie bringen."

„Ich schwöre ei Ihnen!"

War Sie wenigstens hübsch Ihre Dame?"

„Sehr hübsch, mein Herr, diese Elende! Brünett, mit blauen Augen, einem kleinen schwarzen Male auf den Wangen, eurem unvergleichlich hübschen Wuchs! Amanda war eine Pariserin, welche hier in einem Modewaarengeschäft angestellt war."

„Amanda!" wiederholte Soliveau, welchem bet Nenrung dieses Namen» gewiffe Erinnerungen wieder ausstiegcn.

„Ja, mein Herr, Amanda Regamy "

„In der That sonderbar, sehr sonderbar, muß ich sagen!" rief Ooiede mit immer wachsendem Erstaunen au».

„Sie kennen Amanda, mein Herr?" stug Duchnnin.