Beilage zu Nr. 219 der „Fuldaer Zeitung".
Sonntag, den 24. September 1893. " '
schwieg noch einen Augenblick.
ein Retter in der Noch, vom
Himmel gesandt . . .
Aber was gibt'»
nicht auf einen unfruchtbaren Boden gefallen zu sein.
„Ich möchte wohl," antwortete er zögernd, „aber beben km Sie, wenn ..."
treten sah, erhob er sich zornigen Blickes und fuhr ihn mit harter Stimme an:
„Aber war wollen Sie denn hier?"
Ovide ergriff das Wort und sagte:
„Wir kommen wegen einer Angelegenheit, die Ihnen sicherlich angenehm sein wird. Herr Duchemin will seinen Fehler gut machen und Ihnen Alles, was er schuldet, bezahlen."
„Ec mich bezahlen wollen!" rief der Kaufmann mit sichtlichem Unglauben aus.
„Ja, wirklich, Herr Duchemin hat eine Jugend« thorheit begangen."
„Sagen Sie lieber ein Verbrechen!"
»Mag sein, ein Verbrechen! Wir wollen nicht um Worte streiten, Sie haben aus ihn Rücksicht genommen, und Sie haben wohl daran gethan, ich danke Ihnen dafür."
„Ja, gewiß," bestätigte Duchemin in Thränen aus- brechend.
„Er bereut seine Thal, und wird es gewiß niemals mehr thun!"
„Niimals, niemals, lieber will ich sterben!"
„Ich bin ein Familienfreund," fuhr Soliveau fort, „und es trifft sich gerade sehr glücklich, daß ich bei ihm bin, als Sie von ihm das Geld verlangten. Nun, möge Alles jetzt erledigt sein! Gegen die fraglichen Wechsel will ich Ihnen hiermit tausend Franken, dazu die Zinsen von einem halben Jahre, zahlen."
„Ich will keine Zinsen," antwortete der Kaufmann, „denn ich bin kein berufsmäßiger Bankier. Ich wollte eine Gefälligkeit erweisen und beabsichtigte kein Geschäft, es macht gerade tausend Franken."
Inzwischen hatte Ovide seine mit Banknoten wohl- gespickte Brieftasche hervorgenommen.
Ec nahm eine derselben und legte sie auf die Ecke des Pultes.
Der Kaufmann öffnete feine Kaffe und nahm aus derselben zwei lange Papiere, welche mit einem amt- lichm Stempel versehen waren und sagte bann:
„Hier sind die Wechsel!"
Soliveau nahm die Papiere in die Hand, zeigte sie dem jungen Manne und sagte dann:
„Ist dies es?"
Duchemin, vor Freude und Bewegung außer sich, nickte bejahend mit dem Kopfe und streckte feine Hand aus, um die Papiere zu ergreifen; indeß Ovide faltete dieselben, anstatt sie ihm zu überreichen, sorgfältig zusammen und schob sie in seine Brieftasche, welche er dann zu sich steckte.
„Jetzt ist wohl Alles erledigt?" bemerkte er jetzt, sich an den Kaufmann wendend, „Alles glatt und rein?"
„Natürlich," antwortete der Kaufmann in fröhlichem Tone, „ich habe jetzt nichts mehr mit diesem Herrn zu schaffen. Er mag sich jetzt irgendwo anders hängen lassen."
„Sie yaben nicht das Recht, mein Herr, hier Schimpfworte auszusprechen — Sie sind ja bezahlt!" verfitzte Soliveau. „Nehmen Sie Ihre Zunge etwas in Acht! Wenn Sie es sich beikommen lassen sollten, weiteres Aufheben von einem Jrrthum zu machen, für welchen kein Beweis mehr b-steht, so würden Sie es mit der Familie Duchemin zu thun haben!"
„Gut, wein Hcrr, ich bin alt genug, um selbst zu wiffen, was ich »n thun habe und bedarf Ihrer Rathschläge nicht. JK empfehle mich Ionen!"
„Hier kann nicht das mindeste Bedenken obwalten," fiel ihm Ovide rasch ins Wort. „Ich sagte Ihnen ja, daß ich Ihnen mein Ehrenwort verpfände, abgesehen davon, daß es gerade in meinem Jnterrsse liegt, das unverbrüchlichste Stillschweigen zu beobachten. Außerdem würde em anständiges Trinkgeld der Preis sein — Sie hätten es selbst zu bestimmen."
Der junge Beamte
Dann sagte er: „Nun, so möge es sein. Üebrigens kommen Sie mir wie ein Retter in der NotL. vom
„Aber was gibt» denn?" frug Ovide erstaunt. „Doch nicht etwa ein Unglück?"
„Wie man's nennen kann, doch wohl ... Ich habe da eine böse Geschichte . . . eine Dame spielt eine Rolle bei derselben."
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(124. Fortsetzung.)
„Vielleicht," hob Ovide dann nach einer kurzen Pause wieder an, „vielleicht haben Sie mich nicht ganz verstanden. Die Ausführung meiner Absicht wäre sehr leicht, wofern icb Jemanden hätte, welcher im Gehsimm, versteht sich gegen reichlichen Entgelt, mir eine Aischrfft von dem Protokolle der Erklärungen ver- lchaffte, wie die Ammen hier zu Lande sie auf. der Bürgermeisterei abgeben, sobald sie ein Kmd haben, wr das man sie nicht bezahlt ..."
„Aber dies ist nicht erlaubt!" rief der junge Beamte aus.
„Ich weiß eS," antwortete Ovide, „ich weiß dies ebenso gut als Sir. Aber bedenken Sie dm Skandal, den ich fürchten muß — schließlich wäre eS doch so Wimm wohl nicht, und zu fürchten wäre auch nichts, denn ich würde schweigen wie das Grab, versteht sich don selbst, ich gebe mein Ehrenwort darauf."
Der junge Beamte saß schweigend da uad schien "achzusinnen. Ovide beobachtete ihn scharf; er iaS, in seiner Seele vorging. „Man muß bad Eisen schmieden, so lange es warm ist," dachte er bei sich.
. „Üebrigens," sagte er also, „weshalb könnten Sie 5® v-elleicht nichr diesen Gefallen thnn? Niemand wird auch nicht das Geringste davon erfahren, ich wrede^ole es Ihnen, eS weiß ja überhaupt Niemand, «atz ich bei Ihnen bin Sie werden schweigen, Lies urgt in Ihrem Interesse, und mein Interesse gebietet r6 m r erst recht."
Abermals schwieg Ovise. um den Eindruck feiner ^wte abzuwarteri. Seine Worte schienen in der Thal
auf die .Fuldaer Zeitung' für Las neue Vierteljahr (Oktober, November, Dezember) nehmen sämrntliche Postinftaltm entgegen.
Im nächsten Vierteljahr finden die preußischen Laudtagswahlen statt, deren Ergebniß für die Art der Regierung bestimmend sein wird. Dem deutschen Reichstag wer dm Struervorlagen zugehen welche den Geldbeutel des Bdlkes stark angreifen. Mehrere Fragen, welche den Gauern-, Handwerker- und Handels st and angehen, werden außerdem in Verhandlung kommen. Wir erinnern nut an die Vorschläge zur Organisation des Handwerkes, an die korporative Zusammenfassung der Landwirtschaft, an die Anträge vetr. den Hausirhandel. Wir geben uns also der Hoff mrg hin, daß unsere bisherigen Leser Bedacht darauf nehmen, das. Abonnement recht bald zu erneuern, und daß sie auch sich bemühen werden, der ,Fuldaer Zeitung' neue Abonnenten zuzuführen. Am die Wichtigkeit einer guten katholischen Presse machen ja unsere geistlichen und weltlichen Führer unauSges.tzt aufmerksam. Auch auf der Würzburger Katholitrn-Berfammlung wurde ein eigener Vortrag über die Preffe und ihre Bedeutung für das Volk gehalten, und die Versammlung nahm eine eigene Resolution an, welche die katholische Presse empfiehlt, indem sie vor der sog. farblosen Presse warnt. Unser hl. Vater Leo XIII. ermahnt in seinem jüngst ergangenen Rundschreiben au die ungarischen Bischöfe ebenfalls, den schlechten Zeitungen, welche das Volk irre führen und um fein zeitliches und ewiges Heil betrügen, gute Zeitungen entgegen zu setzen. Auch bei uns bleibt für die katholische Presse noch Manches zu thun übrig.
W.r empfehlen unseren verehrlichen Lesern die sofortige Erneuerung des Abonnements für das 4. Vierteljahr J893 bei ihrer Postanstalt, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt, und bemerken, daß eS zur Erneuerung der Bestellungen, welche am letzten Tage drs Vierteljahrs-Monats ablaufen, der Vorausbezahlung des Betrages für die neue Bezngszeit bedarf. Ank den ununterbrochenen und voUständigen Bezug deS Blattes kann aber nur gerechnet werden, wenn die Anmeldung rc rechtzeitig geschieht.
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„Aber er wir-- mich aus's Rene mit Borwürfen und Schmähurgen überhäufen.
„Fürchten Sie nichts imd kommen Sie mit mir."
Mechanisch gehorchte der jimge Duchemin.
Fünf Minuten später waren die beiden Männer an ihrem Ziele angelcmgi; es war eine Groß-Wein- Handlung.
EM Küfer, welcher im Hofe arbeitete, führte ste in'S Büreau.
Ovide öffnete die Thüre und ließ Duchemin ein» treten.
AlS der Chef des Geschäftes seinen Schuldner em-
„Ah, ich verstehe, Juger-dgeschichten ..."
„Ja," versetzt- der Beamte düster, „eS ist eine wirklich unangenehme Sache . . . Eine kleine Dame hat mir den Kopf verdreht — Sie schweigen ja natür- lich! — Sie wissen vielleicht, solche Damen sind sehr kostspielig .... ich habe mich verleiten lassen, Wechsel zu fälschen .... Die Sache kam heraus, aber man war mir gnädig, das heißt, ich schulde noch immer tausend Franken."
„Aber welche Thorheit, lieber Freund, sich einer solchen Gefahr auszusetzen!" sagte Ovide in strengem Tone, „und dazu wegen einer solchen leichten Kreatur!"
„Freilich, ich weiß, daß icb mich in einer heiklen Lage befinde, aber was wollen Sie, ich war wie wahnsinnig."
„Sie sagen also, daß Sie tausend Franken haben müßten?"
„Ja, außerdem die Zinsen eines halben Jahres."
„War gedenken Sie zu thun? Man weiß wohl von der Sache, will aber aus Mitteiden die Sache nicht zur.Anzeige bringen, wofern sie bald bezahlen, nicht wahr?"
„Sie haben es erratben, aber was soll ich thun, da ich keinen Sou besitze?"
„Ich weiß eS nicht."
„So viel weiß ich, daß ich nur zwischen zwei Dingen zu wählen habe."
„Und dies wäre?"
„Mich ins Wasser stürzen oder auf die Gendarmen warten, die mich verhaften werden."
„Weshalb wenden Sie sich nicht an Ihre Eltern?"
„Meine Mutier ist ohne alles. Vermögen und lebt in Dijon von einer kleinen Leibrente. Mein Vater ist tobt."
„Aber Ihr Onkel lebt ja noch, wie Sie sagten?"
„Freilich, aber mein Onkel ist in solchen Dingen unbeugsam — er würde mir einfach die Thüre weisen, falls ich mich ihm mit einem solchen Anliegen nahen ! würde."
„Um wieviel Uhr verlassen Sie dar Bureau?"
„Sogleich wird es Zeit fein.“
„Wo wohnen Sie?"
„Hier gleich nebenan."
„Allein?"
„Ja, ich sagte es Ihnen bereits, daß meine Mutter i in Dsion wohnt."
„Wo pflegen Sie ihre Mahlzeiten einzunehmen?" i „3m Hotel de,la Sigogne.“
„Dort bin ich ebenfalls abgestiegen. Wir werden ' zusammen speisen."
Verwundert sah der junge Duchemin feinen Gast an; eine solche Herablassung hatte er noch nicht bis dahin erlebt; übrigens war ein gutes Frei-Mahl keineswegs zu verachten.
„Gut, wie Sie wünschen, mein Herr." sagte er also.
„Sie sprachen eben von einem Gläubiger, oder wie man es nennen w ll. Wie heißt der Mann, den Sie um. jede..'. Preis befriedigen müssen?"
„Pnttj an."
„Wo wohnt er?"
„Am Quai, » lüge Minuten von hier."
„Gut, nehmen Oie Ihren Hut und gehen Sie mit mir zu ihm."
„Zn ihm!" wiederholte der Beamte zitternd.
„Allerdings!"
Damir schloß Petujean zornig die Thüre hinter den beiden Männern, welche sich entfernten.
„Sie sind mein Retter!" sagte der junge Mann mit dem lirfden Tankg^ühle zu Ovide.
„Ich weiß es wohl! Dieser Me. sch wollte Sie vernichten. er sch eu große Lust dazu zu toben.“
„W e soll ter. Ihnen,- meven Dank beweisen für b’.e Gefälligkeit, welche Sie mir erwiesen haben?"
„Dies haben Sie ja gehört — erinnern Sie sich niki-l mehr unserer Unterredung, welche wir vorhin auf dem Bu eau mit einander genabt haben? Sie sehen, baß ich großmüthig bin und Ihnen Berirauen schenke: ich tH Ihnen bereits meine pflichtschuldige Eckennt- lickkrit grzeigi für ei: en Dienst, Öen Sie mir noch erweisen sollen. Üebrigens sprechen wir einstweilen nicht weiter davon und yebea wir zunächst speisen: bei Tische überlegt sich alles besser."
_____________________________(F-rts. folgt.)
Vermischtes.
* Begriffsverwechslung Graf B sucht einen Kutscher. Es meldet sich bei seinem Verwalter ein Individuum mit der obligaten gestreiften Weste, dem Symbol des Kutschermetiers. „Sie können doch gut fahren?" fragt der Verwalter. — „Del nich, gnädiger Herr," antwortet er,, „aber ich heeße Johann!"
* Sicheres Kennzeichen. Lehrer: „Nun, jag' mir, Liesel, woran kennst Du einen Apfelbaum und woran einen Birnbaum?"
Liesel: „An den Früchten, Herr Lehrer!"
* Ahnungsvoll. Herr: „Aber, Herr Meyer, weshalb revi- diren Sie so genau die Kasse?" — Meyer: „Aus Vorsicht, denn mein Kasfirer hat vorhin die Landkarte so aufmerksam betrachtet !"