217 Freitag, den 22. September 1893. 20. Jahrgang
MdaerMZkitlliig
♦ Iu dem Rundschreiben über den Marianischen KoseuKrau;
War dies nickt sehr natürlich?" 68 ist nach meiner Ansicht die strenge Pflicht der Besitzenden, den« jenigen die Hand zu reichen, welche nichts besitzen.
.Ist Herr Harmant auch Ihrer Ansicht?"
So viel ich weiß, hat mein Vater Herrn Labrove vorgeschlagen, in sein Geschäft als Theilhaber einzu« treten.* , ,, , ,
Er ist also Ihrem Rathe gefolgt; übrigens kann ich ihn dazu nur beglückwünschen, denn Lucian La« brone ist ein ausgezeichneter Mensch und ein auSge«
reichneter Arbeiter." ,, .
„Ich glaube auch wohl, daß er sich wohl einer
Tages entschließen wird, aus seine Vorschläge einzu-
8$e”$at er dieselben denn etwa zurückgewiesen?" frug der Künstler überrascht.
„Nein, aber er hat sich noch nicht bestimmt auS- gespr^m^alb? ^nd doch gewiß glänzende Anträge, welche Ihr Vater ihm gemacht hat."
„Vielleicht sind sie seiner allzu großen Bescheidenheit "zu glänzend erschienen." .
Dann würde eS wohl Ihre Sache sein, auf ihn einzüwirken. Einem Anwalt wie Sie sind, würde er doch wohl nicht widerstehen können?"
Mary antwortete auf die letzten Worte de- Künstlers nicht und stieß einen Seufzer aus.
„Ich glaube es nicht."
„Weshalb?"
Mary fühlte, daß sie erröthete.
Sie antwortete indeß rasch:
„Mein Vater wird sich kaum entschließen, seine Heimath zum zweiten Male zu verlassen, übrigens find alle seine Interessen mit Frankreich verknüpft."
„Freilich, aber eS könnten doch vielleicht gewisie
Umstände eintreten?"
„Wie meinen Sie dies?"
„Vielleicht in Folge einer Heirach JhrersettS beispielsweise?"
„Oh," erwiderte Mary lebhaft, „ich werde niemals einen Amerikaner heirathrn."
„Sie haben wohl eine gewisse Vorlrebe für die Franzosen?"
„Allerdings. UebrigenS bin ich ja auch durch meinen
Vater Französin." .
„Letzthin, als ich das Vergnügen hatte, Sie be, meinem Freunde Darier zu treffen, hatten Sie einen Gedanken ausgefprochm, welcher Ihnen alle Ehre macht."
„Einen Gedanken?" antwortete das junge Mädchen.
„In welcher Hinsicht?"
„Hinsichillch Lucian Labrone.
Mary fühlte, daß sie abermals erröthete, und sagte also schüchtern:
(De Mariali Rosario), gibt Papst Leo XIII. einleitend seiner Freude über den Verlauf der Feier seine- fünfzigjährigen BischofS- JubiläumS Ausdruck, sowie dem Dank gegen Gott und die Fürsprecherin, seine heflige Mutter. Die große Liebe der Letztern habe et m verschiedenster Weise während seines langen und wechselvollen LebenS erfahren, sie werde täglich deutlicher und erfülle ihn mit überirdischem Vertrauen. „Wir glauben die Stimme der Himmelskönigin selbst zu hören, die UnS in schweren «eiten der Kirche selbst auftichtet, mit der Fülle deS Raths in den Plänen für daS gemeinsame Heil unter- stützt, und mahnt, im christlichen Volke die Frömmigkeit und die Uebung der Tugend zu fördern." Schon mehrmals habe er dem entsprochen; seine Mahnungen hätten besonders unter dem Beistand der Mutter Gottes zur Verbreitung der Uebung des Rosenkranzes beigetragen. Wenn er jetzt, beim Nahen deS Rosen- kranzmouatr, deS Oktober, wieder sich in Angelegenheit deS Rosenkranzes an die Gläubigen wende, so geschehe dies nicht zur Empfehlung eines an sich so vorzüglichen Gebetes, er wolle vielmehr auf einige besondere Güter Hinweisen, welche man durch dasselbe gewinnen könne und die von hervorragmder Bedeutung seien für daS heutige Menschengeschlecht und die gegenwärtigen Zeitläufte. „Wir haben die festeste Ueberzeugung, daß die Verehrung deS Rosenkranzes tüchttg geübt, so daß die hn angeborene Kraft richtig zur Geltung kommt, nicht nur dem Einzelnen, sondern auch dem ganzen Staatswesen von großem Nutzen werden wird. Jeder weiß, wie sehr Wir in Erfüllung deS Amtes deS höchsten Apostolats Uns um das Wohl der bürgerlichen Gesellschaft bemüht haben und mit GotteS Hilfe bemüht find. Denn die Herrschenden haben Wir ost ermahnt, nur solche Gesetze einzuführen und nach solchen zu handeln, welche der göttlichen Gerechtigkeit entsprechen; die Bürger aber, welche Andere an Seist, erworbenen Verdiensten, Herkunft oder Gütern überragen, haben wir häufig daran erinnert, im gemeinsamem Berathen und Handeln erhaltend und fördernd in ben wichtigsten Angelegenheiten der Gesellest thätig zu sein. Aber nach der Lage der heutigen Gesellschaft gibt eS zu viele Elemente der Auflösung der öffentlichen Ordnung, durch welche die Völker vom rechten Wege der ehrbaren Sitten abgelenkt werden. Dreierlei scheint UnS besonders verderblich für daS Gemeinwohl zu fein: die Abneigung gegen ein bescheidenes, arbeitsames Leben, der Abscheu vor Leiden, das Bergeffen unserer dereiustigm Hoffnungen."
Auch Diejenigen, welche alles mit natürlickem Maßstabe mäßen, klagten. Um die Uebung der Pflicht und Tugend kümmere man sich nicht mehr; Kinder verweigerten den natürlichen Gehorsam, jeder Zucht feindlich gesinnt. Arbeiter seien mit ihrem Loose nicht mehr zufrieden und jagten irgend einer ungewissen Ausgleichung der Güter nach. Kein Gleichgewicht be-
an daS Zukünftige die Liebe zum irdischen Vaterland zerstört und daS Staatswohl untergraben werde. Gehässiger und alberner kann doch nichts sein." Christus habe wohl gesagt, man solle daS Reich GotteS suchen, nicht aber, man solle daS Uebrige vernachlässigen. „Gott ist der Schöpfer der Natur und der Spender der Gnade, nicht, damit beide unter einander sich bekämpfen und sich hinderlich sind, sondern damit sie freundlich mit einander zusammen wirken und wir unter ihrer beider Führung auf einem leichtern Wege zu der uns Sterblichen beschiedenen ewigen Seligkeit gelangen." Gott könne den Menschen nicht schwerer strafen, als indem er zulafse, daß er, die ewigen Güter vergessend, in seinem ganzen Leben dem Reize der Lüste nachgehe. Diese Gefahr aber bleibe demjenigen fern, der die An-
stehe mehr zwischen den Ständen und Denjenigen, welche ihre Hoffnungen nicht erfüllt sehen, stiften Auf- rühr. Gegen diese suche man daS Heil im Marianischen Rosenkranz, welcher zugleich aus einer bestimmten Reihenfolge von Gebeten und auS den frommen Be- trachtungen der Geheimnisse Christi deS Erlösers und seiner Mutter besteht." Die freudenreichen Geheim- Nisse sollten dem Volke erzählt und der Menschheit gleichsam als Bilder der Tugend vor Augen geführt werden, und Jeder werde erkennen, wie viel er daraus ür die Einrichtung feines Lebens gewinnen könne. Man solle daS HauS von Nazareth als Vorbild be- trachten. Welches vollendete Muster eines Familien- ebenS! Der Papst weist auf die Heiligung der Arbeit rajtung vntiefe^dem »erbe feine Arbeit nicht mehr I dacht de»Rosenkranzes übe und lehrreichen Geheim- verächtlich und lästig sei», sondern eine Freude und niste desselben sich oft aufmerksam vergegenwärtige, eine Ergötzung. In Familie und Verkehr werde sich „Wir lernen daraus, daß der Tod mcht em Untergang dtt^ beste Wttkung zeigen. ist, der aller vertilgt, sondern, eine Wanderung und ein
Der Abscheu vor dem Ertragen von Leiden, daS Wendepunkt des Lebens. .W'r lernen, wie Allen dn erbitterte Kämpfen gegen Widrigkeiten fei em wettere» Weg zum Himmel offen steht. Und indem ton Christi Verhängniß. Ein sehr großer Theil der Menfchheit Rückkehr dorthin erschauen, erinnern ton nn« an feine uche feinen Lohn nickt in dn Tugend, sondern habe GlückSverheißung: Ich gehe, euch emen Ort zu be- einen eingebildeten Vollkommenheitsstaat vor Augen, retten. Wir lernen, daß eine Zett kommen wird, wo tn dem er frei von allen Unbequemlichkeiten eine Fülle Gott alle Thränen unserer Augen trocknet und keine irdischer Genüsse erwarte. Dieser Senußtrieb schwäche Trauer, kem Jammer, lern Schmerz mehr feintoirb. >en Charakter nnb führe zu elendem Untergang. Da Sondern wir werden immer bei Gott sem, Gott ahn- biete nun wiederum der Rosenkranz eine geistige I lich, weil wir ihn sehen werden, wie er ist. Wir trinlen Stärkung, wenn man die schmerzensreichen Geheimniffe I aus dem Becher seiner Freuden, im Hettlgthmn wohnend, von Jugend auf betrachte. In ihnen zeige sich daS in seliger Gemeinschaft mit der großen Königin und Beispiel* * * * * * * 8deS leidenden Erlösers, der gehandelt hat, wie Mutters Der Papst betont, tote "ur nn Hinblick auf er gelehrt, in ihnen das Beispiel der schmerzhaften I daS Ewige alles Wahre, Gute und Schöne hier auf Mutter, kräfttg handeln und kräftig leiben, das ist I Erden zur Geltung kommen könne. Die Encyklika christlich .". ." Christliches Dulden fei aber nicht jenes empfiehlt dann die Ros e n k r a n z - B r über scha ft en, atele Prahlen gewisser alter Philosophen mit der Ab- I vor allem auch ben Missionaren, unb schließt mit ber Härtung geg^n den Schmerz, fonbern die Rach- Hoffnung, baß bie Bemühungen zur Förderung der folge Christi, ber bie Freude wählen konnte, aber die Rosenkranzgebetes, zum ^rdnhen der Familien, zum Kreuzigung erduldete und die Schmach nicht achtete Frieden ber Völker unb zu allem Guten gereichen (Hebr. XII 2). Der Katholizismus zähle berühmte würden.
Schüler der hierin liegenden Lehre, Männer und Frauen M ,
au8 allen Gegenden und allen Ständen, die Christi I Deutsches Aeuy.
Spuren folgend um der Tugend und der Religion I Berlin. 20. September,
willen Schmach und Bitterkeiten erduldeten. I
Das dritte namentlich in unfern Tagen auftretende Mit ^dem neuen Reglement über die AuS-
Uebel ift die Gerinafchätzimg des einftigen himmlischen I fuhruug der Wahlen zum preußischen Abgeord Vaterlandes. Wenn auch die Menschen in alter Zeit netenhause hat sich daS StaatSEistermm, wie schon mehr als billig nach irdischen Gütern ttachteten, so kurz erwähnt, in einer am letzten Montag abgehaltenen verichmähten sie doch die himmlischen nicht gänzlich. Sitzung beschäftigt. DaS Ergebmß dn stattgehMeu Auch lehrten die Weisern unter den Heiden, daß dies Berathungen meldet uns der ,R^e*9ehr' unfer Leben nur ein Sastaufenthalt fei, keine ständige welcher daS Reglement über . dluSMmng der Wohnung. „Heute aber jagen die Menschen in ihrer Wahlen zum Haufe der ^geordneten für den Mlfang großen Mehrheit, wenn fie auch in den christlichen der Monarchie mtt Ausschluß der HAnzollernschen Satzungen erzogen sind, den vergänglichm Gütern dieser Lande vom 18. Septembe; 1893* ne^ ba «f bie Lebenr in der Weise nach, daß sie daS bessere Vater- I Wahlen zum Hause der Abgeordneten bezüglichen Se land in der ewigen Seligkeit nicht nur vergessen machen, setzen, sowie daS Reglement über die AuSfüh g er sondern auch schmachvollster Weise ganz anSgerottet unb Wahlen zum Hause ba ebneten in dmHohm vernichtet roiffen wollen. Wenn man nach den Gründen zollern scheu Landen #ojr 18.neue Reale- dieles Bestrebens forfckt, so stößt man zunächst bei den bezüglichen Gesetzen veröffentlicht »as neue megie- Sena^ daß durch da- Denken ment ist in der Hauptsache natürlich em Abdruck der
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(122. Forffetzung.)
„Ihr Großvater war wohl ein berühmter Erfinder ?"
„Gewiß, mein Herr, man hat ihm ebenso wie meinem Vater, manche wichtige und nützliche Erfind- ung zu verdanken.
„Hat Ihr Vater nicht eine Nähmaschine erfunden?"
„Ja, die „Silencieuse", wie man si- nennt, außerdem auch eine Guillochirrnaschine."
Stephan zitterte.
„Tine Guillochirmafchine? wiederholte er.
„Ja, wie eS scheint, eine ganz großartige Erfind- ung, die Millionen abgeworfen hat."
„Hat Herr Harmant lange in Amerika gewohnt?"
„Beinahe zwanzig Jahre."
„Wann ist er denn nach Rew-York gekommen?"
„Im Jahre 1861, glaube ich."
„Jedenfalls hat er sehr große Anstrengungen machen müssen, um dar große Vermögen, welches er besitzt, zu erwerben?"
„Mein Großvater war bereits sehr reich,"
„DaS heißt, tüchtige Ei sinder werden in Amerika schnell reich." Vielleicht werden Sie einer Tage- wieder dorthin zmückkrhren?