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Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(121. Aortletznng.)

„Beruhige Dich — die Dunkelheit war zu groß und der Scdrecken hat sie vollständig wie gelähmt. Sie hat der Justiz über die Person, welcke sie angegriffen hat, keine Auskunft geben können. Man schreibt das Verbrechen den Vagabunden zu, welche sich in der Um* gebunq von Pans uwhertreiben."

„In diesem Falle brauchte man ja nur von vorne wieder anzufangen und die Sache besser zu überlegen."

„Davor werden wir unS schön hüten," versetzte Jakob Garand. „Ein zweiter derartiger Versuch würde ohne Zweifel Verdacht erwecken — und daS müffen tote vor allen Dir gen vermeiden.

19.

„Dann gedenkst Du also wohl die Paitie aufzu­geben?" meinte Eoliveau. .

„Die Partie avfgeben, ton das Leben meiner Tochter auf dem Sptrle steht! Niemals!"

„Hast Du denn einen anderen Plan?"

„Ja."

„Und welcher Plan ist es?"

Paul Harmanr überreichte Soliv.au ein Papier,

Deutsches Reich.

Berlin, 19. September.

* Der Kaiser wohnte gestern den ungarischen Manövrrn bei Güns bei. Der Hanvtzegenstand des Interesses blldetea die beiderseitigen Reitermassen, die dm Kampf der beiden Armeen einleiieten. Kaiser Wil­helm führte die Attake der Husaren-Regimrnts an und machte auch den Rückmarsch mit. Gestern hatte ferner unser Kaiser mit dem Kaiser von Oestrrreich eine lt/2 stündige Unterredung. — Der Kaiser trifft am Samstag in Kiel ein, um vor Auflösung des Herbst- Übungs-Geschwaders noch eine Revue über dasselbe ab- zuhalten. „ r

* Der .Reichsanzeiger' pabliztrt amtlich Die an­anläßlich der Auwesendeit des Kaisers bei den großen Herbstübungen des VIII. und XVI. Armeekorps an Militärpersouen verliehenen Auszeichnungen Der kommanoirende General dis XVI Armeekorps Graf ö. Haeseler erhielt daS Großkreuz des Rothen Adler* Ordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe.

* Der russische Finanzminister Witte hat, wie auS Petersburg relegraphirt wird, der deutschen Botschaft dortselbst angezeigt, daß die Abreise der Delegirtm Rußlands zur Zollkonferenz in Berlin definitiv am DimStag nächster Woche erfolge.

* Der deutsch - rnffische Zollkrieg hat unS brS jetzt noch wenig Kopfzerbrechen gemacht. Dafür werden aber die ruffischen Landwitthe manches Opfer für die Politik des „Väterchens" haben bringen müffm. Am 1. Oktober beginnen die Verhandlungen über einen deutsch-rvssischen Zollvertrag aus's neue. Zwei nordische Excellmzen sollen jetzt schon in Berlin, bezw. in deutschen Häfen „herumorientiren"; oder wie man zu deutsch sagt, sie sind am Schnüffeln. Ob's diesmal waS wird, das kann noch Niemano sagen. Jedenfalls ist eS eine echt russische Maier, dem Lande, mit welchem es einen Vertrag schließen will, erst die Zoll* Pistole auf die Brust zu setzen. Dafür wird der Bär aber seine Krallen ganz gehörig einziehen müssen.

* In der heutigen Sitzung der Tabaksteuer- Konferenz wurdm mehrere Sachverständige ver­nommen. ,, ,

• Dem kaiserlichen Gesundheitsamt tst vom 15. bis 18. September nur ein Cholerafall angezeigt wor­den. Derselbe ereignete sich in Wanheim bei Duisburg und betraf den inzwischen gestorbenen Vater eines Ar­beiters, der schon früher als cholerakcavk gemeldet worden. , m

* Der Kolonialrath ist heute unter Vorsitz des Dirigenten der Kolonial - Abtheilung des Auswärtigen Amtes, Geh. Rath Lr. Kaiser, hier zusammengetreten. Der Vorsitzende eröffnete die Session mit einer An­sprache, in der er insbesondere auch^Emin Pascha ge­dachte und dessen Verdienste hervorhob. Dann wurde über Abänderungen der Zollordnung für Ostafcika be- rathen.

* Der Gouverneur von Deutsch - Ostafrika Frhr. v. Soden ist, wie jetzt amtlich bekamt gemacht wird, seinem Anträge gemäß von diesem Posten ab* berufen und unter Erthetlung der Befugniß zur Fort, auf welchem er zu seinem größten Erstaunen die Worte laS:

„Lucie ist im Jahre 1861 dem Findelhause zu Paris übergeoen worden, wo sie unter der Nummer 9 eingetragen worden ist."

„Aber was soll dirS?" stug Ovtde.

„Begreifst Du denn nicht?"

„Ich muß gestehen, nein!" ......

„Mr müssen zu erfahren suchen, wer dteses Kind im Findelhause abgegeben hat."

„Ich begreife die Sache noch wemger, und ich glaube, daß Du auf dem Holzwege bist? Wozu kann er Dir dienen, daß Du weißt, wer dieses Kind im Findelhause abgegeben hat? Zunächst wird man uns jede Mittheilung über diesen Punkt verweigern, wo* fern wir nicht die Gegenstände bezeichnen, welche man bei der Abgabe zugleich übergeben hat, und die im Aufnahme-Äkt verzeichnet sind." ä e ,

„Freilich, aber wir muffen eben dreseS Ausnahme- Protokoll kennen lernen!"

„Wie sollen wir dies zu Wege bringen, wmn wir nicht etwa daS Berzrichniß des Hospital» stehlen?

„Um jeden Preis muß ich toifitn, ob ich auch nre oder nicht."

„Was glaubst Du denn?"

auf die .Fuldaer Zeitung' für daS neue Vierteljahr (Oktober, November,Dezember) nehmen sämmtliche Pchmstalten entgegen.

Im nächsten Bieneijahr finden die preußtschrn Landtagswahlen statt, deren Ergebniß für die Art der Regierung bestimmend sein wird. Dem deutschen Reichstag weiden Steuervorlagm zugehen welche denGeldbeuttl des Volker stark augreffen. Meh­rere Fragen, welch- ben Sauern», Handwerker* und Handelsstand angehen, werden außerdem m Verhandlung kommen. Wir erinnern nur an die Vorschläge zur Organisation deS Handwerkes, cm die korporative Zusammenfaffunq der Landwinhschast, an die Anträge bett, den Hausirhandel. W-r geben uns also der Hoffnung hin, daß unsere bisherigen Leser Bedacht darauf nehmen, das Abonnement recht bald zu erneuern, und daß sie auch sich bemühen werden, der ,Fuldaer Zeitung' neue Abonnenten zuzu* führen. Aus die Wichtigkeit einer guten katholischen Presse machen ja unsere geistlichen und weltlichen Führer nnausgesetzt ausmerksam. Auch auf der Würz­burger Kalholiken-Versammlung wurde ein eigener Vortrag über die Presse und ihre Bedeutung für das Volk gehalten, und die Versammlung nahm eine eigene Resolution an, welche die katholische Presse empfichlt, indem sie vor der sog. farblosen Preffe warnt. Unser hl. Vater Leo XIII. ermahnt in seinem jüngst er­gangenen Rundschreiben au die ungarischen Btichöfe ebenfalls, den schlechten Zeitungen, welche daS Volk irre fühlen und um sein zeitliches und ewiges H-il betrügen, gute Zeitungen entgegen zu setzen. Auch bei uns bleibt für die katholische Presse noch Man­ches zu thun übrig.

Wir empfehlen unseren verehrlichen Lesern die f o f o r t i g e Erneuerung deS Abonnements für daS 4. Vierteljahr 1893 bei ihrer Postan- statt, damit in der Zusendung deS Blattes keine Unter* brechung em tritt, und bemerken, daß e» zur Erneuerung der Bestellungen, welche am letzten Tage des Viertel- jahrs-MonatS ablaufen, der Vorausbezahlung des Be* träges für die neue Bezugszeit bedarf. Aus den un­unterbrochenen und vouständigen Bezug des Blattes kann aber nur gerechnet werden, wenn die Anmeldung 20 rechtzeitig geschieht.

Die Postbestellzettel pro 4. Quartal find bereit» mit der letzten Sonntags - Nummer der ,Fuldaer Zeitung' versandt worden und befinden sich in den Hände« unserer Leser.

Erfolgt die Bestellung erst nach Beginn der Be- zugszeit, so werden vor Erledigung der Bestellung be­reits erschienene Nummern, soweit sie überhaupt noch zu beschaffen sind, nur auf ausdrückliche» Verlangen nachgeliefert. Für daS in diesem Falle nach dem Ver­lagsorte abzusendende postdienstliche Schreiben ist daS Franco von 10 Pfennig von dem Besteller der Zeitung zu entrichten. Die Redaktion.

führung des Prädikats Excellenz in den Ruhestand versetzt worden. , .

* Zur Badereise Verfügung der Koblenzer Regier- ung erklärt die ,Nordd. Allgem. Zeitung' in der be* kannten osfiziösm Schrift, daß, wenn ein solcher Erlaß ergangen, die Anregung dazu ohne Borwiffen deS Ministers geschehen sei. So erfreulich diese Klar- stellung ist, sagt die .Germania', so wollen wir doch auch gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck geben, daß es bei dieser Berichtigung nicht sein Bewenden hat, son­dern die betreffenden Regierungen auch veranlaßt »er­ben, ihre eigenmächtig erlassene Verfügung schleunigst zurückzuziehen. ES erscheint dies um so mehr ge­boten, als bekanntlich die Koblenzer Regierung in der Mindener bereit« eine Nachahmerin gefunden haben soll.

* Friedrich Engels, der Testamentsvollstrecker von Karl Marx und Nestor der sozial-demokratischen Partei, weilt seit SamStag in Berlin. Er hat mit seinem Freunde Bebel nach dem internationalen Kon­greß in Zürich, auf welchem Herr Engels die Schluß- Ansprache hielt, eine Erholungsreise angetreten und ist nun über Wien, wo Beide in einer sozial-demokratischen Massenversammlung als Redner auftraten und die österreichischen Sozial-Demokratm zum AuSharren im StimmrechtSkampse anfeuerten, hier eingetroffen. Engels ist trotz feiner 73 Jahre noch fehr rüstig und macht den Eindruck eines gemüthlichen Professors. In Wim hat man ihn durch ein Bankett in den Drei-Engel- Sälen gefeiert. Der .Vorwärts' erinnert daran, daß Engels feit 1842, wo er hier feiner militärischen Dienstpflicht als Kanonier genügte, Berlin nicht wieder betreten habe. Ans der damaligen Beamten- und Gar* nisonS-Stadt sei in dem verflossenen halben Jahrhundert die gewaltige Metropole geworben, „auf deren arbeitende, revolutionäre Bevölkerung die Augen aller Proletarier gerichtet seien." ___

* DaS Reichsgericht hat die vom RerchstagSabge- ordneten Ahlwardt gegen seine Bermtheilung in dem sogen. Judeuflinteuprozeß eingelegte Revision v er» warfen. Ahlwardt vertheidigte sich selbst; er habe, sagte er, Niemand beleidigen, sondern nur daS Vater­land vor Schaden bewahren wollen.

* Admiralitätsrath Prof. Dr. Hage» wurde zum Direktor bei der Physikalisch-Technischen Rrichsanstalt ernannt.

* Stuttgart, 18. Sept. Stadtschultheiß Rnemelm veröffentlicht ein Schreiben deS Kaisers, worin der­selbe zugleich Namens der Kaiserin anläßlich deS Aufent­haltes in Württemberg, insbesondere in Stuttgart, der Bevölkerung für dm wohlthuenden Empfang dm wärmste« Dank und die lebhafteste Befriedigung zu er­kennen gibt.

* Karlsruhe, 17. Scpt. DaS erste deutsche Mädchengymnasium wurde gestern durch den Ver­ein für FrauevSbildungSreform eröffnet. Der Frier wohntm Vertreter der Behörden und der Schulen bet.

Ausland.

* Prag, 19 Sept. Unter den Jungczechen ist ein so tiefer Zwiespalt auSgebrochm, daß gestern in

„Ich glaube, daß Lucie die Tochter Johanna Por- tier'S ist, welche man zu lebenslänglicher Haft vrr- ; urtheilt hat."

„Was veranlaßt Dich zu dieser Annahme?" „Zunächst ihr Rame. Das Kind Johanna Por* j tier’8 hieß Lucie." ., n ,,

„Da» beweist nichts — Wie viele Lucie s mag eS i in drr Welt geben?"

„Frnlich, mehr aber noch ihre GestchtSzüge: sie ! gleicht Johanna, als Letztere jung war, genau so, Wie ! zwei Abzüge einer Photographie sich gleichen."

„Dies läßt sich eher hören — wofern Du Dich nicht täuschest."

„Ich täusche mich mcht." „ .

Em- derartige Sehnlichkeit würbe allerdings einer Gewißheit gleichkommen - . oder wenigstens eine große Wahrscheinlichkeit geben."

Paul Harmant fuhr fort:

„Im Jahre 1861 ist Johanna Portier verurthellt worden — im nämlichen Jahre ist auch Lucie dem Fmdelhause übergeben woroen, jedenfalls schon ein sonderbarer Zufall, wenn es ein Zufall ist. Da die Amme nicht bezahlt wurde, so hat man ganz sicher da» Kind nach Paris gebracht, nachdem mau eine ent- ! sprechende Erklärung an ihrem bisherigen Aufenthalt»-