denselben mit entsprechenden Rechten und mit obligatorischem Charakter erngeführt werden, und geeignet sind, unS die Schmutz-Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Dar ist aber m dem Rahmen des Entwurfes nicht möglich, sondern es werden die handwerklichen Betriebe bis zu 20 Gehülfeo, deren Inhaber nicht gelernte Handwerker, sondern meist Bauunternehmer, Bauspekulanten, Magazinbesitzer und so weiter sind, in diesen Fachgenossenschaften und zweifelsohne auch in den hieraus hervorgegangenen Handwerkerkammern die Haupt- rolle spielen und nach wie vor die kleinen Existenzen aufsaugen. Ein Schutz für's Handwerk ist hierin nicht zu erblicken, und daß eine derartige Organisation mit fremden Elementen ebensowenig wie der Meistertitel im Stande sein wird, das Handwerk zu heben, wenn man sonst ruhig zusieht, wie der Unberufene sich auf den Boden des Handwerks wirst — ja in Folge seines größeren Betriebes noch die Hauptrolle in der Genossenschaft spielt, in die er eigentlich nicht hineinge- hört — und unbarmherzig eine selbstständige Existenz nach der anderen ins Elend stürzt, wird wohl jedem Unbefangenen einleuchten. Will «an dem Handwerke aushelfen und dasselbe dadurch wieder befähigen, seine soziale Aufgabe als Stütze von Thron und Altar zu erfüllen, dann muß man das Uebel an der Wurzel fassen und ihm dieselben Konzessionen machen, die auch andere Stände der Gesellschaft durch die Erbringung des Befähigungsnachweises in ihrem Erwerb schützen. Auf dieser Grundlage läßt sich dann leicht die Organisation weiter auSbauen uno wirkliche Handwerkerkam« mein einführen, wie sie dem Handwerke in seiner Eigenart entsprechen.
Für die Erziehung und Ausbildung der Lehrlinge gibt es keine wlrksamere Vorbedingung, als den Befähigungsnachweis. Letzter« aber in das Belieben jeder Einzelnen zu stellen, ist absolut verwerflich. Das stufenweise Aufsteigen vom Lehrling zu» Gesellen und vom Gesellen zum Meister soll tut durch den Markstein der Prüfung eneicht werden, dann wird auch daS fast verschwundene StandeSbewußtski» von selbst wieder geweckt, sowie ein gedeihliches Berhälttüß zwischen Meister und Gesellen hergestellt werden. Der angehende Meister wird wieder in seiner Existenz geschützt, sofern er nnr ein fleißiger und tüchtiger Handwerker ist, und dieses Bewußtsein wird ihn ansporneu, sein W-ssen und Können immer mehr zu bereichern und ihn von den Abwegen der Umstürzler fernhalten.
Erfreulicher Weise hat auch die CentrumS- und die konservative Presse deu Regierungsentwurf in ähnlicher Weik beurtheilt und inSgesammt an der Focherung des Befähigungsnachweises festgehalten. — Hoffm wir, daß auch die Regierung, welche doch schon die Wandlung von den fakultativen Innungen bis zu de» obligatorischen Genossenschaften durchgemacht hat, sich bei der Berathung über Organisation der Handwerks zu weitern Konzessionen, d. h. zum Befähigungsnachweis verstehen wird.
Daß die sozialdemokratische Presse, »wt« auch aus andern Gründen, mit der jüdisch-liberal-fortschrittlichen Manchesterpresie io em Horn stößt, nimmt uns nicht Wunder. Sie muß ja allerdings jchen Schutz des Handwerks und der Mittelstände. jedes Streben nach korporativer Organisation und wirklicher Ordnung bis aufs Messer bekämpfen; denn nur ans ds» Boden der Unordnuug blüht der Weizes der Sozialdemokratie. In demselben Maße, wie das selbstständige Handwerk durch den unlauteren Wettbewerb unser« heutigen sogenannten Gewerbefteihett von der Bildfläche verdrängt wird, in dsnselben Maße gewinnt die sozialdemokratische Partei au Boden. In demselben Maße aber andererseits, a!s daS selbstständige Handwerk in seiner Existenz geschützt und gefestigt wird, in demselben Maße wird die sozialdemokratische Partei an Boden verlieren. Was Wunder also, wenn ihr Alles vom Uebel erscheint, waS zum Schutze des Handwerks dienen kann!
angelangt und sich zu Bette zu gehen ausch'ckte, vor sich hin:
»Ich glaube, mein lieber Vetter, daß meine Rech- nung, wenn ich sie Dir vorlege, gerade nicht klein sein wird!"
Mit Tagesanbruch waren der Polizei - Kommissar von BoiS - Colombes , sein HilfSschreiber und die GenSdarmen in der Nähe der Baumgrvppe, wo Lrcie, von der Hand Ovide Soliveau'S getroffen, zu Boden gesunken war, versammelt.
Die eingehende Untersuchung, selche angestellt wurde, ergab, daß der Mörder in dem kleinen Gehölz, wo seine Spur noch sichtbar war, versteckt, seinem Opfer aufgelauert haben müsse. DaS Heft de« MefferS, an welchem sich die zweite Hälfte desselben befand, war nicht aufzufiaden.
Alle begaben sich wieder nach BoiS-ColombeS zurück.
Lucie war endlich nach langer, langer Ohnmacht wieder einig;r«aßen zum Bewußtsein gekommen.
AlS sie die Augen öffnete, warf sie einen anfangs unstäten, dann unruhigen Blick um sich.
Ihre Stirn legte sich in Falten — ihr Geist schien heftig zu arbeiten.
Plötzlich gewahrte sie Mutter Lison und wollte einen Freudenschrei auSstoßen, der indeß in Folge des
Deutsches Reich.
Berlin, 11. September.
* Allmählich beginnt die Presse sich mehr und mehr mit den bevorstehendes preußische» Landtagswahle» zu beschäftigen. Die Stellungnahme der Parteien zu einander ist noch nicht recht geklärt. Ans liberaler Seite tritt die Neigung hervor, alle diejenigen zusammenzuschließen, die gegen die „konsetvativ-klerlkale Reaktion" sind, d.h. alle Gegner des Zedlitz'schen Schulgesetzes. Auf konservativer Seite neigt man zu der Parole, daß alle-, was christlich ist, zusammengehen soll. Daneben dauern aber die Ausfälle gegen das „Lieber'sche" Centrum, das man doch andererseits zur Bildung einer doppelten Mehrheit gern zur Verfügung hätte, fort. Wir unsererseits, sagt die ,D. Reichsztg.', haben auch gar keine Veranlaffung, alles unbesehen als christlich hinzunehmen, was sich konservativ nennt. Wir werden überall den mittelparteilichen Bestrebungen ent- gegentteten und im Nebligen aber freie Hsnd behalten und namentlich Keinen wählen, der nicht für die Ab- änderrmg des neuen Wahlgesetzes stimmen will. Daß dieses Gesetz blos im Westen so überraschende Ergeb- niffe aufweise, weil dort früher zu niedrig eingeschätzt sei, wird jetzt auch durch immer neue Thatsachen widerlegt. Am Osten ist dieselbe ungeheuerliche Vermehrung deS Wahlrechts der Geldleute eingetreten, wie im Westen. So wählt in Elbing bei den Stadtverordnetenwahlen in der ersten Klaffe ein einziger Steuerpflichtiger, während es 1891 noch 53 waren; in der zweiten Klaffe sind jetzt 153 Wähler start früher 346. — Auch in 93 oben rüstet man zu den Kammerwadlen. Es haben jetzt 32 Abgeordnete aus der zweiten Kammer auszu- sckeiden. Hoffentlich wirb nunmehr die kulturkämpferische nationallrberale Mehrheit, bie seit zwei Jahren an einer einzigen Stimme hing, gründlich unb endgil- tig beseitigt.
* Seitens des Reichsgesundheitsamtes wird mstge- theitt: Am 8. und 9. Sttnember sind dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vier neue Cholerafälle gemeldet worden. In Papiermühle bei Solingen erkrankten im Zusammenhang mit einem andern schon mitgetheilten Fall 2 Personen, in Andernach erkrankte die Magd des bereits früher als Cholerakrank gemeldeten Schiffers Loßrnanu, dessen Frau ebenfalls, wie früher mirge» theilt ist, an der Cholera erkrankt ist. In Hamburg endlich ist am 1. September der englische Dampfer „Gallina", der am 6. aus Rotterda» abgefahren war, mit 6 erkrankten Personen eingetroffen; bei einer (inzwischen verstorbenen) Person ist Cholera festgestellt. Durch die sogleich getroffenen umfassenden Schutzmaßregeln steint die Gefahr einer Verschleppung im Hafen oder Lande beseitigt zu fein. Im ganz-n sind innerhalb der letzten 5 Wochen nur 13 Fälle vorgekommen; sie betrafen zunächst polnische Arbeiter und eine Genossin derselben, dann Personen, welche mit dem in Folge jener ersten Fälle stellenweise scheinbar inficirt gcroefenen «uSwasser der Spree in Berührung gekommen waren, zuletzt sechs Angehörige der Familie Schuster (bie Mutter, vier Kinder und eine Schlaf- stellenvermietherin). Bon einer Epidemie unter der mehr als l1/» Millionen zählenden Bevölkerung von Berlin kann hiernach nicht bie Rede sein. Eingehende Durchsuchungen der io Berlin befindlichen Schiffe haben stattgefunden; weitere Erkrankungen sind dnbei nicht enthält, vielmehr hat sich durchweg ein guter Gesund« heitSzuftand der Schifftbcvölkersug herausgestellt. Diese günstigen Ergebnisse haben dazu geführt, daß bereits eine Einschränkung unb allmählige Aufhebung der zur Vorsicht angeordneten ständigen Schiffskontrole auf den Gewäffern in und bei Berlin in Erwägung genommen werben konnte.
* lieber den erwähnten Brief eines englischen Offiziers meldet der Standard weiter, derselbe sei aus Nyangwe vom 27. Februar datirt unb enthalte bie Mittheilung, daß unter den Mitgliedern der Expedition
Schmerze-, welchen ihr ihre Wunde verursachte, auf ihren Lippen halb erstarb.
»Sie erkennen mich wieder?" ftugJohanna, indem sie sich zu Lucie niederbeugte.
„3a .... ja sagte Lucie mit schwacher Stimme; „aber ich weiß gar nicht, wo ich bin . . . Ich bin nie hier gewesen — wo bin ich doch eigentlich?"
„Sie befinden sich bei dem Herrn Polizei-Kommissar von BoiS-ColombeS."
Diese Worte genügten, um Lucie Alles, was sich am vorhergehenden Tage zugettagen hatte, wieder in'S Gedächtniß zurückzurufen. x
14.
Auch der Polizeikommissar trat jetzt näher.
»Sie waren verwundet, Fräulein," sagte er zu ihr, „unb ich hielt es für meine Pfl'cht, Ihnen in meinem Hause eine ZnfluchtrstStte zu gewähren."
„Ja ... ja . . . ich erinnere mich," murmelte Lucie, „ich hatte ei« Ballkleid nach La Garenne be Colo«b«S getragen. Ich befanb mich auf d-m Wege neben der Eisenbahn und wollte nach Bms-Colombes, um mit ber Eisenbahn nach Paris zu fahren. Plötzlich tauchte ein Mann vor mir auf und stieß auf mich ein. Bon da ob bis jetzt, wo ich bie Augen öffne, weiß ich gar nichts mehr."
kein Zweifel an ben Gerüchten über ben Tod Emin Paschas obwalte. Derselbe fei am 26. Februar längs des Flusses Lualaba, begleitet von einer kleinen Bedeckung, in der Richtung tber Stanleyfälle marschirt unb habe an bem Kampfe gegen bie Araber theilge- nommen. Emin wäre burch Saidie, einen Berwanbten Tippu T'PPS, wieberkannt worden, unb dieser habe auf Befehl Moharras, einer Bruders von Tippu Tipp, sich auf Emin gestürzt und demselben mit einem breiten krummen Messer ben Kops abgeschlagen.
* Nürnberg, 11. Sept. Die Naturforscherversammlung wurde Vormittags neun Uhr durch Medi- ziualrath Merkel eröffnet. Nach ben Begrüßungen hielten Vorträge bie Leipziger Professoren Hiz über ben Aufbau unseres Nervensystems unb Pfeffer Über bie Reizbarkeit der Pflanzen.
ÄUSlMd.
* Die erste Antwort der ungarischen Regierung auf daS päpstliche Runbschreiben ist erfolgt, und zwar ganz in d/m Sinne, wie man sie von biefer Seite erwarten konnte. Der für gestern in Maria-Theresiepol beabsichtigte britte ungarische Katholikentag ist vom Minister bei Innern, Herrn von Hieronymi, in letzter Stunde verboten worden. Das .Vaterland' enthält von dort folgende Depesche: „Der am 10. September abzuhaltende Katholikentag bei KomitateS Bacs-Bodrogh wurde vom Minister heute (8. d. M ) Nachmittags, nachdem schon alle Vorbereitungen getroffen waren, etn- gifteUt. Die Aufregung des Publikums ist groß." Letzteres ist sehr begreiflich, da bie katholische Bevölkerung in diesem Verbot eine direkte Antwort auf bie Ercyklika bei hl. Vaters sehen muß. Die Regierung selbst hat nämlich bafür gesorgt, baß bie Borschiebung eines anberen GrunbeS unstatthaft erscheint; benn schon vorher hatte ber Minister ben Obergespan aufgefordert, sich zu äußern, ob wegen der Choleragefahr Bedenken gegen die Abhaltung der Versammlung vorlägen. Dieser hatte beim auch ein Gutachten der Fachorgane finge» bolt, welche sich aber bahin aussprachen, daß sie mit Hinblick auf die Cholera bie Abhaltung dieser Versammlung nicht für gefähilich hielten, weil auS ben infizirten Gemeinden nur solche Deputationen unb einzelne Personen an ber Versammlung theilnehmen bürsten, bie burch ärztliche Atteste nackweisen würben, daß sie gesund seien. Trotzdem hat offenkar der Freimaurer Hieronymi sich soviel Sorge um das Leden unb bie Gesundheit der Bacs-Bodrogher Katholiken gemacht, baß er sie nicht in bie Zahl von brei», viertausenb zusammenkommm ließ, wo anderswo weit großartigere MenscheUansammlungen statt finden, und man erst dieser Tage sich in zwei größeren Sozia listen Versammlungen wegen deS Züricher Kongresses recht tüchtig blutig prügeln durfte. Die Katholiken werden daher die rührige Fürsorge des Ministeriums nach Gebühr zu würdigen wissen. Die Versammlung wäre naturgemäß dar Signal gewesen, um dem heiligen Vater für bie Evcyclica an bie ungarischen Bischöfe begeisterten Dank zu fegen. DaS ist nun für's Erste durch bie „liebvolle Theilimhme" deS fteimaurerischen Ministers für bal „Wohl ber Katholiken" vereitelt, ober bie Wirkung biefer Maßregel bürste eine ganz andere fein, sagt die .©erwania', wie sie der Minister erwarten mag.
* Em Mitarbeiter ber ,<erm.' schreibt aus Rom: Die wirthfchaftliche Lage Italien- verschlimmert sich von Tag zu Tag. Immer größer werden bie Schwierigkeiten für ben Privatmann, sich selbst kleine Bettäge in Silber münzen zu verschaffen. Ein hiesiger Arvokat, dem an der Hauptkasse des Staatsschatzamts tausenb Lire in Silber gegen Papier verweigert wurden, hat einen Notar herbeigeholt und durch diesen die Weigerung bei KasfirerS konstatiren lassen, nm dann baS Schatzamt gerichtlich zu belangen, weil auf ben Schatzfcheinm gedruckt steht: „Dem Inhaber auf Sicht in Metollmährung umzuwechfeln". Wenn aber auch biefe Sache zur gerichtlichen Verhandlung kommt, so
„Haben Sie dal Gesicht beS Mannes gesehen, welcher Sie überfallen hat?" frag ber Kommissar.
„Rein, es war zu dunkel."
„Sie hatten eine Uhr bei sich, nicht wahr?"
„Ja, eine golbene Uhr nebst Kette."
„Und ein Portemonnaie."
»3a."
„Was enthielt das Portemonnaie?"
„Einige dreißig Franken und eine Rückfahrtskarte ber Eisenbahn."
„JebenfalS hat man versucht, Sie zu tödten, um Sie desto leichter berauben zu können. Auf jeder Uhr befindet sich eine Nummer. Kennen Sie vielleicht diese Nummer?"
„Nein, mein Herr."
„Wo haben sie dieselbe gekauft?"
„Ich habe sie nicht gekauft, sondern man hat sie wir geschenkt. Nur weiß ich, daß Sie aus einem Laden der rue Saint-Antoinie, Ecke Imp affe Guemenee, stammt."
Der Kommissar notirte sich diese Adresse.
„Darf ich vielleicht fragen," fuhr der Kommissar fort, „von wem diese Uhr getauft worden ist?"
„O ja, die Person ist mein zukünftiger Gatte, Herr Lucian Labrone."
(Forts, folgt.)