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Mittwoch, den 13. September 1893,
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E- Grgamsation des Handwerks.*)
Veranlaßt derch die Freund- und V-rtheidiger der Forderungen des Handwerks in der ReichStogSsitzung vom 24. November 1891 stellte der Staatssekretär v. Bötticher eine andere Organnation deS Handwerks bezw. Einführung von Handwerkeikammern in Aussicht. Jetzt endlich, nachdem l8/< Jahr ins Land gegangen, hat der Handelsminister v. Berlepsch einen Eatwmf an die Herren Oberpräsidenten gesandt, welcher daS bestätigt, waS man in Handwerkerkreüen befürchtet hat, nämlich daß diese Organisation auf Kost n der mühsam errichteten und m t großen Opfern ousgebauten Innungen eingeführt weiden soll. Man sieht es dem Entwürfe und feiner Begründung Sofort an: Man fürchtet sich, mit dem Prinz'p des ManchesterthumS zu brechen. Man möchre wohl dem Handwerk- einiges konzediren, aber — man will er auch nicht gern mit der jüdisch- fortschrittlich-manchesterlichen Plutokratie verderben.D ese, welche im Landtage in dem famosen Wahlreformgesetze mit stumm-r Einwilligung der Regierung einen so großen Rechtsantheil d.r Mittelstände erbeutet hat, darf man im Reichstage nicht mit „reaktionären" Zunftgesetz- Vorlagen belästigen. Die Herren mögen sich iudeß nur trösten; denn dieser Entwurf ist nicht nur äußerst zahm, sondern sogar sehr geeignet, falls er Gesetz wird, den Innungen — diesen Dorn im Auge des liberalen ManchesterrhumS — den Todesstoß zu geben. Trotzdem macht die jüdisch-liberal-manchesterliche Posse einen Heidenlärm, als ob dem Handwerker etwas Besonderes für seine „Sonderinteressen" geboten würde, ohne zu bedenken, daß eS im Interesse unserer ganzen gesellschaftlichen Ordnung liegt, die Mittelstände zu kor« poriren, zu organ siren und so in chrer Existenz zu schützen. In dieser Korporirung der einzelnen Beruf« stände auf christlicher Grundlage liegt allein die Gewähr einer friedlichen Lösung der sozialen Frage, wenn dieselbe nach der Richtung geschieht, daß die Eigenarten der einzelnen Bervfstände möglichst berücksichtigt und fremde Elemente möglichst auSgeschieden werden. ES ist daher sehr erfreulich, daß die Regierung diesen Weg beschreitet und vor Allem, daß der Entwurf mit dem fakultativen Charakter bricht und eine obligatorische Organisation sür'S Handwerk in's Auge faßt. Insofern bedeutet der Entwurf entschieden einen Schritt zum Bessern; aber er verkennt vollkommen das eigentliche Bedürfniß für's Handwerk, wenn er die Hasdwetker« kamnvrn nicht auf der Grundlage des Befähigungsnachweises aufbaut.
Im preußischen Abgeordnetenhause wurde am Schlüsse bet letzten Legislaturperiode, am 4. Juli ds. Jr. ein Antrag des Vorsitzenden des Rheinischen Bauernvereins Febx v. 8ce auf Korporirung des Bauernstandes an- genommen. Wenn man nun den Bauern zamuthen würde, alle möglichen Elemente in ihre Genossenschaften aufzunehmen, z. B. die Groß-Fruchthändler, die doch zum Tdeile Börsenjobber und dem Landwirlhe schädlich
* Bon einem in der Handwerkerbewegung hervorragend thätigen Handwerksmeister.
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(114 Fortsetzung.)
Auf dem Hinwege richtete der Kommissar noch verschiedene Fragen an Johanna, welche sie in schlichter, genauer Form beantwortete.
Bald war man an de« Hause angelangt, wo Lucie die gastliche Pflege finden sollte; er war eine hübsche Billa mitten in einem großen Garten.
Die Fron deS Beamten sowie seine Magd machten alsbald ein Lager für das junge Mädchen zurecht.
Sobald man Lucie zu B-tt gebracht hatte, untersuchte der Arzt die Wunde nochmals, um sich zu ver- gereiftem, daß er sich nicht geirrt habe, als er dieselbe für gefahrlos erklärte, und legte sodann einen Roth« verband an.
Während dieser Zeit durchsuchten der Kommissar und der G-nSdarm die Kleider der Näherin.
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„Jedenfalls hat man dieses Kind tödteu wollen, um sie zu bestehlen," meinte der Beamte, „denn in t:„ Taschm ihres Kleides befindet sich nicht- mehr und außerdem ist hier an der Taille ein Knopfloch zerrissen, wahrscheinlich hat der Mörder einen daran befestigten Gegenstand chr entrissen.
„ES war dies ihre Uhr," ergänzte Johanna. „Sie steckie sie j-deSmal ein, wenn sie ausging."
find, oder die Groß-Biehhändler u.s.w. würde man dadurch die Existenz der Genossenschaft nicht von vornherein unterbinden? — Genau so ist es aber mir den geplanten Fachgenossenschafteu für'S Handwerk, wenn man jeden Möbel- oder Schuhhändler bezw. jeden Magazininhader ober Bauspekulanten (welche bekanntlich ja auch Arbeiter beschäftigen) in die Genossenschaften aufnehmen muß. Will man das Handwerk kor poriren, bann wird man dock wohl zunächst untersuchen müssen: Wer ist Handwerker? Und diese Frage ist beim Magazin- Inhaber (sofern er nicht gelernter Handwerker ist) ebenso gut zu verneinen, als bei Korporimng des Bauernstandes beim Fruchthändler.
Es bleibt daher, sofern man eine wirkliche Handwerker-Organisation schaffen will, nichts anderes übrig, als dieselbe auf dem Befähigungsnachweise aufzubauen; denn wenn nach wie vor Jedermann, ob er ein Handwerk erlernt hat oder nicht, dasselbe betreiben darf, dann hat auch die ganze Organisation wenig Werth. Wenn in den Erläuterungen zu dem Entwürfe gesagt wird: „dagegen hat die Forderung den Betrieb eines Handwerk- von dem Erbringen eines B-fähigungS-Nachweises abhängig zu machen, nach wie vor al8 mit der gegenwärtigen Gestaltung des EcwerblebenS unvereinbar und daher unerfüllbar erscheinen müssen", so ist man für diese Behauptung den Beweis schuldig geblieben, man hat damit aber deutlich gesagt, daß man „die gegenwärtige Gestaltung des ErwerblebenS" beibehalten will. — 92an, wir sind in der Lage, den Beweis zu erbringen, daß die Einführung des Befähigungsnachweises r.oth- wendig, und auch durchführbar ist, um eben dem gegenwärtigen Erwerbsleben eine andere, für's Handwerk nicht allein, sondern auch für Staat und Gesellschaft bessere Gestaltung zu geben. — Wir wollen eS heute unterlassen, deS Nähern auf Oesterreich hinzuweisen, wo feit 1883 der Befähigungsnachweis eingeführt ist und trotz aller Verdächtigungen der manchesterlichen Press-, welche alle möglichen Mißstände zu berichten weiß, von den österreichischen Handwerkern um keinen Preis wieder entbehrt werden möchte — wir wollen nur im eigenen Vaterlaadr Umschau halten, und die Hufschmiede fragen, welche Folgen die Einführung der Befähigungsnachweises fett 1885 für ihre Gewerbe gehabt hat. Darüber gab uns auf dem großen Handwerker« und JnnnngStage zu Berlin vom 14. bis 18. Februar 1892 ein Gchmiedemeister anl Kiel in einer persönlichen Unterredung folgende Erklärung: „Seit Einführung des Befähigungsnachweise- für da- Huf« beschlag-Gewerbe ift ein neuer fester Zusammenhalt unter den Fachgenoss:n bemerkbar geworden. Die frühere Voreingenommenheit gegen die Innung ist verschwunden, alle Fachgenosfm sind beigetreten und Lust und Liebe herrsckt wieder allgemein zum Handwerk. Mit einem gewiss.n Stolze blickt man auf die bestandenen Prüfungen zurück und man merkt iS gut, daß da- bereit- völlig abhanden gekommene StandeSbewußtsrin sich wieder hebt. Unsere Gesellen, welche last durchgängig vor 1885 der sozialdemokratischen Partei an«
ES wurde jetzt ein ausführlicher Protokoll abgefaßt und gegen 3 Uhr ging die ganze Gesellschaft nach Hause.
Lucie, welche noch immer ohnmächtig war, blieb unter der Obhut Johanna'-.
Der Kommissar gab den Gen-darrnen, al- er sich entfernte, Weisung, sich mit Tagesanbruch auf dem Schauplätze deS Verbrechens einzufinden, indem er hinzufügte, daß er auch selbst dorthin kommen würde.
In wilder Hast war Ovide Soliveau auf der Straße nach Paris in Der Richtung auf Courbevoie zu dahin» gestürmt.
Ohne irgenb welche Mühe fand er die kleine Thür, durch welche er iw die Fabrik Eingang fand.
Paul Harmant, am ganzen Leibe zitternd, erwartete ihn auf der Thürschwelle und frag ihn, als er ihn heravkommen sah, mit kaum vernehmbarer Stimme:
„Nun?"
„Alle- erledigt," antwortete Ovide. „Wir können nach Pari- zurückkehren. Lucian Labrone ist jetzt Wittwer zur linken Hand — er braucht jetzt nur noch Deine Tochter zu heirathen."
Harmant schloß die kleine Thür und Beide begaben sich in'S Bureau.
Draußen auf dem Quai ließ sich zur nämlichen Zsit das Geräusch eine- Wagens vernehmen.
Ovide trat an'S Fenster und horchte.
gehörten und meistens Stümper waren, sind heute durchweg gut geschulte brave Arbeiter, welche abgesehen von verschwindend kleinen Ausnahmen mit der Sozialdemokratie gebrochen haben und nur ihrem Berufe und ihrer künftigen Existenz leben. Die Fachschulen toetben fleißig besucht, weil jeder weiß, daß er eine Prüfung zu bestehen hat, bevor er selbständig werden kann, kurz und gut - es hat ein ganz anderer Geist Platz gegriffen" — Und, so fragen wir, wird das Pferde besitzende Publikum nicht auch in dieser Lob einstimmen? Wir sind fest überzeugt, daß man auch von dieser Seite bedeutende Besserungen ut Hunderten von Fällen nachweisen kann.
Betrachten wir ferner daS Schorusteinfegerhandwerk, welches ebenfalls den Befähigungsnachweis erbringen maß, ob dort nicht in den Innungen und ebenso im Gesellen- und Lehrling-stande ein anderer Geist herrscht, als in den anderen Gewerben, wo jeder Pfuscher und jeder Großkapitalist die Existenz der wirklich tüchtigen und gelernten Handwerkers in Frage stellen kann. Und nun die Frage: Jnwiesern ist dieser Befähigungsnachweis nun mit der gegenwärtigen Gestaltung des Erwerbslebens unvereinbar? Hat nicht Jedermann im deutschen Vaterlande das Recht, Hufschmied oder Schornsteinfeger zu werden? Gewiß — es steht Jedem frei, eS zu erlernen, und der junge Nachwuchs dieser durch den Befähigungsnachweis geschützten Gewerbe rekratirt sich heute schon weniger ans den unterfteti Schichten der Bevölkerung, als bei den übrigen ©enterben, weil die Schutzmauer de- Befähigungsnachweises die spätere selbständige Existenz sichert. Und auch dies ist ein Moment, welche- für die Zukunft nicht außer Acht gelassen werden darf und für den Befähigungsnachweis spricht. Nur in so fern ist der Befähigungsnachweis mit der „gegenwärtigen Gestaltung deS Erwerbslebens unvereinbar", als nach Einführung desselben daS Großkapital in feiner systematischen Ausbeutung de- seßhaften Handwerk- eingeschränkt wird.
Will man daher im Ernste an eine Hebung und Korporirung deS Handwerks Herangehen, welche geeignet ist, den kranken Körper de- Handwerks gesunden zu lassen — nun, so höre man endlich mit dem Experi- mentiren auf und sage einfach und bestimmt:
1. Jeder junge Handwerker ist nach abgelanfener Lehrzeit verpflichtet, seine Gesellenprüfung zu machen.
2. Nach zurückgelegtem 24. Lebensjahre ist jeder ordnungsmäßige Geselle zum Meister-Examen zuzulassen.
3. Wer ein Gewerbe selbständig betreiben will, hat nach abgelegter Meisterprüfung der am Orte (im Bezirk) errichteten (noch zu errichtenden) Innung (Fachgenoffenschaft) beizutreten.
DaS find die Grandzüge, daS Fundament, auf welchem die Organisationen deS Handwerks, insbesondere die Handwerkerkammern, müssen aufgebaut werden. Wir H mdwerker wollen nnS nicht um das Wort Fachgenossenschaft grämen, wenn solche nur in dem Rahmen der heutigen Innungen, oder im Zusammenhänge mit
„WaS ist daS?" frag er bann.
„ES ist mein Wagen, der hier anfahren soll." „Dann wollen wir ihn nicht warten lassen." Soliveau wechselte rasch seine Kleider, pickte seine Baurnkleidung zusammen, barg sie in seine Reisetasche und steckte schließlich die Uhr und daS Portemonnaie, welches er Luc e entwendet hatte, zu sich.
„Ich bin fertig," fugte er, indem er feine Reisetasche nahm.
Jakob Garand löschte das Licht im Bureau und Beider verließen die Fabrik.
Draußen stand in der That der Sagen Harmant's bereit. Die beiden Männer stiegen ein.
„Wohin soll ich Dich bringen lassen?" frag der ehemalige Werkmeister seinen angeblichen Vetter.
„Rach dem Boulevard deS Batignolles. Ich bin dann ganz nahe zu Hause."
„Boulevard deS BatignolleS," ruf Harmant dem Kutscher zu, indem er den Wagenschlag schloß.
In wenigen Minuten hatte der Wagen daS angegebene Ziel erreicht und die beiden Verbrecher schieden von einander.
Jakob Garand ließ sich nach Hanse bringen.
„Mary ist gerettet," dachte et bei sich. „Ihre Nebenbuhlerin ist nicht mehr — binnen Kurzem wird j-Lucian Labrone von selbst zu ihr t mmen."
* Ovide seine, seits murmelte, während er zu Hause