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1888 unter bisher nicht aufgeklärten Umständen im

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* Die Gerichtsferien gehen am 15. d. M. zu Ende und werden alsdann die Geschäfte in ihrem ganzen Umfange wieder ausgenommen.

* Wie bereit- mitgetheilt, wird die Einstellung der Rekruten in diesem Jahre erheblich früher er­folgen. Es find darüber jetzt endgiltige Feststellungen dahin getroffen worden, daß die Einstellung der Mann­schaften bet der Linien-Infanterie am 14. Oktober, bei der Kavallerie am 5. Oktober und für daS Winter­halbjahr deS TrainS am 2. November erfolgt. Bei der Garde werden die Rekruten bei der Infanterie am 17. Oktober, bei der Kavallerie am 4. Oktober und bei dem Train am 2. November eingkstellt. Bei der Linie erfolgt auch die Einstellung der Rekruten für Jäger, Feld- und Fußartillerie und Pioniere am 14. Oktober. Die Oelonomie-Handwerker-Rekruien treten am 2. Oktober ein.

± Das neben dem „Hotel zum Kurfürsten" gele­

gene HauS in der FriedrichSstraße, das sogenannte ___w

„$ttfatcnbäcf err, an welchem gegenwärtig gebaut Posse eine gewisse Grundlage gewährt, find die Könige wird, dürste wohl eines der ältesten unserer Stadt sein. 11 <vx " ' "1 ~ •

Nach Schneider'- .Buchonia' war daselbst vor sechzig Jahren noch im dritten Stock die Jahreszahl 1563, zu ebener Erde aber die von 1583 zu sehen. Der da­malige Besitzer, ein Bäckermeister Weißmüller, der es in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts umbaute, soll auf die Reste einer Kapelle gestoßen sein, deren Fenster er habe zumauern lassen. Wenn diese, auf mündlicher Ueberlieferung beruhende Mittheilung wahr ist, dann wäre wohl auch die Bermuthung richtig, daß dieses HauS dasjenige war, welche» eine gewisse Helene mit unbekanntem Familienname, in ihrem Testament den Tertianerinnen zu Fulda vermacht hat. Das er­erbte Haus besaßen die frommen Schwestern, welche dem dritten Orden des hl. Franziskus angehörten, als Nebenklause, da ihre Zahl so gewachsen war, daß die große, im Ackerhof befindliche Klarste keinen Raum mehr für die ganze Klostergemeinde bot. Im Jahre 1430 hob der Fürstabt Johannes II. von Henne­berg jedoch die kleinere Klause auf. Aber wir wollen auch noch eine andere Meinung erwähnen. Im Jahre 1309 vermachte ein Pfarrer von Hostnfeld, The obe- rich von Bickenbach, dem Nonnenkloster zu Blan­kenau ein in der Schmiedgasse zu Fulda gelt- genes Haus. Mehrfach wurde angenommen, daß dieses dar oben genannte Haut gewesen sei, indessen behaupten Andere dieser Annahme gegenüber, dar dem Nonnenkloster zu Blankenau geschenkte HauS in der Schmiedgasse sei viel wahrscheinlicher das ehemals von | Stendors'sche Steinhaus gewesen, welches sich, umgebaut, jetzt im Besitze des Heim WachSfabrikanten Fr. E. Berta befindet.

* Bei den gegenwärtigen hohen Butterpreise« wird eS unseren Hausfrauen nicht unerwünscht sein, zu erfahren, daß sie beim Einkauf von Marktbutter besondere Vorsicht anzuwenden haben, nachdem es in jüngster Zeit mehrfach vorgekommen ist, daß Fälschun­gen mit Magarine (ttunstbntter) wahrgenommen wor­den sind.

* Der ,Reichsavzeiger^ schreibt: Durch die Presse geht die Nachricht, daß von dem Kultusminister eine Verfügung getroffen sei, welche betreffs der Volksschulen Begin« und Ende des schulpflichtige« Alters in neuer Weise, und zwar derart regele, daß Aufnahme und Entlassen der Kinder auf ein früheres Lebensalter herabgesetzt sei. Diese Nachricht beruht auf Jrrthum. ES ist von dem Kultus-Minister auf diesem Gebiete etwas Neues nicht ang-ordnet, ja in neuerer Zeit über­haupt keine Verfügung getroffen worden. Um übersehen zu können, ob eine der Königlichen Regierungen eine Verfügung getroffen hat, welche den Nachrichten in der

ES dauerte nicht lauge, als auch die Gerufenen auf dem Schauplatz M Verbrechens erschienen, der Arzt und der Kommissar an der Spitz- der kleinen Gruppe.

Hintendrein kamen vier Geusdarmen, von welchen zwei eine Tragbahre trugen, während die beiden An­dern Fackeln hielten.

Die Beiden Letztgenannten beleuchteten daS Ganze mit unheimlichem Schein.

Bleich und mit geschlossenen Augen lag Lucie da, und gab kein Lebenszeichen von sich.

„Was ist daS für eine Frau?" frug der Kom­missar, als er Johann Portier gewahrte, die fast ebenso bleich als die Verwundete und mit Blut be­deckt war.

Johanna erklärte die Veranlassung zu ihrer An­wesenheit.

Der Kommissar mußte diese Erklärung, welche übrigens ja auch mit den Angaben der Frau Lebrl übereinstimmte, durchaus natürlich finden.

Er fuhr also fort:

„Was haben Sie gesehen und gehört?"

Johanna ergänzte die bereits gegebene Auskunft, indem sie kurz Alles erzählte, was wir bereits wissen.

„Allem Anschein gemäß ist die Veranlassung zu dem Verbrechen Diebstahl gewesen," bemerkte der Kom- miffar. „D-r Mann, welchen Sie im Dunkel der Nacht haben fliehen sehen, war ohne Zweifel der Mörder. Um diese Stunde können wir ihn natürlich nicht weiter verfolgen, morgen früh werden wir nähere Nachforschungen anstellen. Der Schurke gehört jeden­falls zu der Baade, welche seit einiger Zeit hier diese Gegend unsicher macht; ich hrffe, daß er uns nicht entschlüpft."

Während deS langen Verhörs, welches der Kom­missar mit Johanna angcstellt hatte, batte der Arzt, während die beiden Gensoarmen die Fackeln hielten, die Wunde deS jungen Mädchens aufmerksam unter» sucht

„Run, Doktor?" frug der Kommissar.

„Die Verletzung ist schwer," antwortete der Arzt, aber ick glaube sagen zu können, daß fie nicht rödt- lich ist"

„Möge Gott es geben!" lief Johanna mit thränen- erfüllten Augen aus.

„Die Korsetstangen haben die Waffe abzrlenkt," fuhr der Arzt fort, „und ich glaube nicht, daß die Spitze der Waffe zur Lunge gedrungen ist."

„Sie kennen also dieser junge Mädchen?"

Ja."

„Wer ist sie denn?"

„Ein achtbares, fleißiges Mädchen, welches in Paris mit mir jm nämlichen Hause wohnt."

„Wie kommt es denn, daß sie nach Mittecnacht sich hier ganz allein auf freiem Felde bifiabet?"

„Sie ist nach ihnm Stande Näherin und hatte so­eben der Gemahlin der Bürgermeisters h-.rrselbst, en Ballkleid gebracht. Sie sehen, ihr Karton liegt neben ihr."

„Und war machten Sie denn hier zu dieser vorcc- rückten Stunde?"

Stadt, Provinz mrd Nachbargebiet.

Fulda, 11. S-.prember.

X Gestern fand am Neuenberge das Rbschießen der hiestgen Schütze«verei«S statt. Nach der Preis- vertheilung blieben die Schützen und einige geladene Gäste bei den Klängen einer von hiesigen Dilettanten vorzüglich ex kutirten Corcertmusik noch mehrere Stun­den zusammen. Es war für die Thrilnehmer ein schö­ner und genußreicher Abend.

Der GenSdarm theilte dem Beamten rasch alles Nähere mit, indem er berichtete, waS er selbst Frau Lebe! vernommen harte.

Der Kommissar wandte sich jetzt an Johanna sagte:

Centrumsoigau. Entweder müsse der ,Kurier' von der Partei angekaust oder ein nm-s Centrumsorgan ge­gründet werden. Augenscheinlich ist etwas Derartiges im Werke.

* Metz, 8 S ptbr. Die bemerkenSwertbe Rede, welche der Hochwürdigfte Herr Bischof von Metz bei dem Emvfange deS Kaisers in Urville hielt, hat fol­genden Wortlaut:

Euere Kaiserl. Majestät mögen mir gnädigst gestatten, Aller- höchstderselben im Namen der Geistlichkeit der Diözese Metz und in meinem eigenen Namen unsere Huldigung darzubringen. Die Ehre, welche unserem Lande durch den Besuch des deutschen Kai­sers zu Theil wird, schätzen wir um so höher, weil Eure Maj. einen eigenen Wohnsitz in Lothringen haben wollen und wir freuen uns dieses Umstandes wegen ganz besonders, weil Eurer Kaiserl. Majestät die Gelegenheit dargeboten wird, mit unserem Volke in engere Beziehung zu treten, dessen friedlichen, arbeit­samen und religiösen Sinn kennen zu lernen und demselben Aller­höchst Ihr väterliches Wohlwollen entgegenzubringen. Was die Geistlichkeit Lothringens betrifft, möchte ich Eure Kaiserl. Maj. bitten, uns nicht nach dem, was feindlich gesinnte Blätter gegen uns in die Welt ausstreuen, sondern nach unserer Handlungs­weise gütigst beurlhellen zu wollen. Unser vorzügliches Bestreben geht dahin, jene verderblichen Lehren, welche die menschliche Ge­sellschaft untergraben und was dazu führt, wie Genußsucht und Zügellosigkeit, von unserem Volke fern zu halten durch die Pflege der Religion und der guten Sitten. Dadurch hoffen wir, dem deutschen Reiche nach Vermögen nützlich zu werden und die hohe Anerkennung unseres Kaisers zu verdienen.

Der Kaiser dankte darauf besonders für daS, waS der Bisckof von dem Wirken der Geistlichkeit gegen die sozialen Umtriebe gesagt habe. Seine Urrt rhalirmg mit dem Papste bei der letzten Romreise habe sich auch vorwiegend um diese Frage gedreht. Die Umsturzlihren vom Volke fernzuhalten, sei sein vorzüglichstes Z el, er sei Jedem dankbar, der ihm dabei behülfl ch sei.

* Straßburg, 9 Sept. Der Kaiser traf 9 Uhr 55 Mm. auf dem Bahnhof Neufeld ein, bestieg als­bald ein Pferd und ritt nach dem Polypu, wo die Paradeaufstellung inzwischen beendigt war. Der Mo­narch wurde von der Volksmenge jubelnd begrüßt. DaS Wüter ist prächtig.

Ausland.

* Wie aus Pest gemeldet wird, werden für den Aufenthalt des deutschen Kaisers auf ungarischem Boden und für den Empfang des hohen Gastes bei den Mavövern und bei den sich an diese anschließenden Jagden die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. In der Begleitung des Kaisers Franz Joseph werden sich anläßlich deS Empfanges feines hohen Bundesgenossen die obersten ungarischen Würdenträger, der Minister­präsident Dr. Wekerle an der Spitze, der Minister des Aeußern Graf Kalnoky und der Botschafter am Berliner Hose, v. Szögyeniy sich befinden. Wie von anderer Seite mitgetheilt wird, wird sich in der Begleitung unsere- Kaisers bei dem Aufenthalte in Ungarn der Geh. Legationsrath v. Kiderlen-Wächter als Vertreter des auswärtigen Amtes befinden.

* In Belgien ist die Berfaffungsrevision endlich \ zu einem „glücklichen" Abschluß gediehen. Biel ist damit freilich nicht erreicht; aber für Belgien bedeutet fie immerhin einen großen Fortschritt und zu unserer Beschämung müssen wir gestehen, daß sie bester ist als daS neue preußische Wahlgesetz.

* In England ist in der vorigen Woche, wie wir wiederholt erwähnt haben, die Hornerule-Bor- lage im Unterhause mit 301 gegen 267 Stimmen an­genommen worden. Luch das Oberhaus hat sich bereits mit diesem Gesetze beschäftigt, aber trotz der glänzenden EinsühiungSrede Gladstone'S steht es fest, daß das Oberhaus die Homerule-Bill mit großer Mehr­heit verwerfen wird. Und dann?

I lichen Regierungen zu baldiger Anzeige veranlaßt worden, ob doriseits eine Verfügung erlassen sei, auf welche sich die Zeitungsnotiz beziehen könnte.

* Das Kommunalabgabe«- Gesetz tritt zusammen i mit dem Gesetze über die Aufhebung direkter Staats­steuern und dem Ergänzungssteuergesetze und zwar erst am 1. April 1895 in Kraft, also nach einem Zeitraum von l* 1/2 Jahren, dennoch denken die Behörden der ' verschiedensten Gemeinden j tzt schon an die Ausführung dieses Gesetzes. Die Erhebung der Gemeindeabgaben nach dem bisherigen Modus ist bekanntlich nur roch für 1894/95 gestattet. Dann muß die Vertheilung der Gemeindelaften nach dem neuen Maßstabe erfolgen, der, soweit er Gebühren und indirekte Steuern nicht betrifft, in der Hauptsache dahin geht, daß die vom Staate veranlagten Realsteuern in der Regel mindestens zu dem gleichen und höchstens zu einem um die Hälfte höheren Prozentsätze zur Kommunalsteuer heranzuziehen sind, als Zuschläge zur Staatseinkommensteuer erhoben werden. Wie diese Bestimmung, so lassen eine ganze Anzahl anderer den Gemeinden innerhalb gewisser Grenzen freie Hand, und es wird nun barcuf an» kommen, baldigst fkstzustellen, welcher Modus den Inter- essen der Ortseinwohnerschaft entspricht. Die Borar- beiten hierzu sind nicht gering. Es handelt sich aber für die Gemeinden auch nicht bloß um diese Abgabe, sie haben auch die Verpflichtung, alle Observanzen,

[ Statuten, Regulative, Gemerndeabschlüfse u. s. w. über die Aufbringung von Gebühren, Beiträgen, indirekten oder direkten Steuern ober Diensten mit den Vor­schriften deS KommunalabgabcngesetzeS in lieberem» stimmung zu bringen. Zu dem Zwecke ist eS ihnen gestattet, die zur Ausführung des Gesetzes erforderlichen Gemeindebeschlüsse bereits innerhalb eines Jahres vor dem Inkrafttreten im voraus zu faffen. Es ist also den Gemeinden nicht nur die Aufgabe der Neuerung in ihrem Abgabenwesen, sondern auch der entsprechenden Umgestaltung älterer Anordnungen gestellt. Hierüber können sie innerhalb des genannten Zeitraums im vor­aus Beschluß fassen. Aber auch zu oiefen Beschlüssen sind Vorarbeiten nöthig, die, da eS sich vielfach um recht mannigfaltige Angelegenheiten handeln wird, nicht frühzeitig genug begonnen werden können. Jedenfalls wird die Beschäftigunq der Gemeindebehörden im nächsten Jahre auf dem Gebiete deS kommunalen Abgabenwesens einen Umfang annehmen müssen, wie er wohl selten bisher in die Erscheinung getretenes.

* Die Prinzessin Sibylle von Heffeu-Kaff-l, welche als Verlobte des russische« Thronfolgers aenamit wird, ist als die jüngste Tochter des am 14. Oktober 1884 verstorbenen Landgrafen Friedrich und der noch lebenden Landgrüfi« Anna geb. Prinzessin von Preußen, am 3. Juni 1877 geboren und also jetzt 16 Jahre alt. Der älteste Bruder der Prinzessin, Landgraf Friedrich Wilhelm, ertrank am 14. Oktober

toaffneten Macht einflößte, und sie stieß einen Freuden- ruf aus.

„Ah," sagte sie, „ko-rmen Sie schnell zu Hülfe, daS arme Kind liegt im Sterben."

„Sind Sie gewiß, daß sie schwer verwundet ist?" frug der Beamte.

„Sie hat eine Wunde an der Brust. Ich weiß nicht, ob sie tief ist, aber da« Blut fließt unaufhörlich. Wir müssen sie von hier fortschaffen."

„Sogleich werden Leute kommen, ich habe den Kommissar, sowie zwei Mann und eine Tragbahre bestellt."

„Aber vor allen Singen wäre hier ein Arzt nö­thig !" rief Johanna verzweifelnd aus.

„Sie baden R-ckt . . .," antwortete der Gens­darm. „Nun, der Kommissar wird wohl daran ge­dacht have»!"

Plötzlich erscholl in der Stille der Nacht eine Stimme.

Bald wurden einzelne Lichter in der Finsterniß sichtbar, und hastige Schritte ließen sich in der Ferne vernehmer.

Larchand, ganz außer Athcm und die Stirne in Schweiß gebadet, eilte im Laufschritt der kleinen Truppe voran, welche ihn begleitete und und hatte bald seinen Borgesetzten erreicht.

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„Hier ist der Herr Kommissar," sagte der Gens­darm mit gebrochener Stimme, „ich habe ihn bei dem Herrn Duval, dem Arzte getroffen, als sie zusammen Billard spielten. Sie werden zugleich mit den anderen Kameraden unb ber Tragbahre kommen."