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Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(113. Fortsetzung.)

Zu Frau Lebe! gerichtet fuhr sie fort:

„Ihre Tochter wartet auf Sie ... . Sie dürfen den Zug nicht verfehlen, gehe« Sie also schnell. Ich bitte nur, daß Sie am Bahnhof von Bois-de-ColombkS von dem Geschehenen Mittheilung machm, damit mau Jemanden hierhin schickt, der mir dieses arme Kivd retten hilft. Ich will inzwischen bei ihr bleiben/

„Gat, ich will Jemand bestellen. Aber noch ein­mal, kennen Sie die Person?"

„Gewiß, gewiß kenne ich sie," rief Johanna aus, indem sie abermals heftig zu schluchzen begann. „Ja, ich kenne und liebe sie, als wenn es meine eigene Toch­ter wäre."

„Kommen Sie schnell, Madame," mahnte die Magd, wir verfehlen den Zug, wenn wir uns nicht beeilen."

Damit nahm sie Frau Lebel bei der Hand und zog sie mit fort.

Die beiden Frauen langten athemloS au dem Bahn- Hofe an, nur wenige Minuten vor Abgang des Zuges.

Zwei Gendarmen, welche heute Nacht Dienst hatten befanden sich am Bahnhofe.

„Meine Herr« . . . meine Herren ..." sagte > die alte Dame, indem sie Athem zu schöpfen suchte, zu

Deutsches Keich.

Berlin, 9 September.

* Der Kaiser begab siu gestern (Sonnabend) früh von Schloß Urville »ach Straßburg, um die Parade über das 15. Armeekorps abzumhmeu. Straßburg hatte reichen Festschmuck angelegt mb aus der Umgebung war die Bevölkerung in Schaarm herbrigesttömt, um den Kaiser zu sehen. Der Kaiser wurde allerwärtS, wo er sich zeigte, von der Mmze jubelnd begrüßt. Die Parade selbst verlief glänze,d. Nach derselben ritt der Kaiser auch die Front der Kriegervereine aus dem Ober- und Unter-Elsaß ab. Der Kronprinz von Italien, der, wie die übrigen fürstlichen Gäste mit dem Kaiser nach Straßburg gekommen war, wurde von einer Depu­tation der dort lebenden Italiener begrüßt, die ihm eine Adresse überreichte. Mittags kehrte der Kaiser mit den Fürstlichkeiten nach Metz zurück, woselbst die Parade­tafel stattfand. H.ute hat der Kaiser die Reichslande verlassen, um sich nach Karlsruhe zu begeben, wo er bis zum 14. d. M. verweilen wird.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht die anläßlich der gestrigen Anwesenheit des Kaisers in Elsaß er- theilten Auszeichnungen. Es wurden verliehen der Rothe Adler-Orden 2. Kl. mit Eichenlaub, die Königl. Krone zum Rothm Adler-Orden 4. Kl., der Stern zum Kronerorden 2. Kl. und der Kronen-Orden 2. Kl. je einmal, der Rothe Adler-Orden 3. Kl. mit der Schleife dreimal, der Rothe Adler-Orden 4. Kl. 23, der Kronen-Orden 3 Kl. 5 der Kronen-Orden 4. Kl. 11 und dar Allgemeine Ehrenzeichen 29 mal. Außer­dem erfolgten 13 Rangerhöhungen. Unter dm Deko- rirtm befinden sich der Präsident der LandeSauSschusseS Dr. Schlumberger und die ReichStagSabgg. Dr. Höffel und Dr. Petri.

* Frechen v. Schorlemer - Alst war, wie die .Krmzzeitnng' bestätigt, bei der Galatafel in Koblenz anwesend und wurde vom Kaiser nach Schluß dnselben durch eine längere Unterredung ausgezeichnet.

* Mit der im Reichsschatzamt tagenden Steuer- konferenz bekommt man, tote der ,Fr. Ztg.' aus Berlin geschrieben wird, allmählich Mitleid, denn dank der strengen Geheimhaltung dringt durch einen Be­richterstatter nur die eine Kunde täglich in die Oeffent- lichkeir, daß die Berathungen sich in die Länge ziehm und dm Theilnehmern große Schwierigkeiten bereiten. Wenn dar noch einige Zeit so foitgeht, muß man sich womöglich auf daS Entsetzliche gefaßt machm, daß die berathendm Kommissare der Schwierigkeiten nicht Herr werden. Die Bertteter der Seestädte sollen außer­dem zur Wahrung ihrer besonderen Jnterefien Privat- besprechungen abhalten. Wir können dieser Nachricht noch hinzufügeu, daß die am Handel mit überseeischem Tabak interessirtm Hansastädte im Verein mit der Großindustrie eine Herabsetzung deS Eingangs­zolles auf Tabak von Mt. 85 auf Mk. 40 per Doppelcentner anstcebm und daß der preußische Finanz- mimfter diesem Vorschlag sreundlich gegenüdersteht.

* Emin Pascha'S Ermordung kann nun einem Zweifel wohl nicht mehr unterliegen, sie wird jrtzt auch bestätigt durch in England eingegangene Briefe, welche ein Offizier der Expedition an seinen Vater, einen Lon­doner Offizier, gesandt hat. Der Briefschreiber theilt mit, er habe in Nyangwe in e uer Zinnbüchse Briefe und Depeschen Emins gefunden, welche am Tage vor der Ermordung in deutscher Sprache geschrieben feien. Die Briefe berichteten eingehend über mehrere Kämpfe mit den Arabern, welche 800 Mann verloren und wo­bei zwei oder drei Europäer getödtet worden seien.

* Fürst Bismarck kehrt von Kissingen direkt nach Frikdrtchsmhe zurück. Der Besuch Barzins ist mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Fürsten auf- gegeben. Die Abreise von Kisfingm soll, wie neuer­dings verlautet, erst in etwa 14 Tagen erfolgen.

* AuS Thorn wird gemeldet: Da die Cholera in Russisch - Polen sehr abgenommm, ist die Gefahr einer Einschleppung der Seuche auf dem Landwege nach Westpreußen erheblich geringer geworden; deshalb wird die Sperre an der preußischen Grenze theilweise auf­gehoben, so daß der Uebertritt au bestimmtm Orten, wie Leibitsch, Gollub, wo eine ärztliche Kontrolle er­folgt, gestattet wird. Der Ueberwachungsdienst am Weichselstrome bleibt bestehm, da bei Kurzebrak der Tod eines Flößers choleraverbächtig ist.

* Neisse, 8. Sept. Im praktisch-sozialen Kursus sprachm gestern Nachmittag Herr Dr. Strauvm (Nm- wied) über Darlehenskassen nach Raiffeisen'schem System und Frhr. v. Huene über den Schlesischm Bauernverein, die aus ihm hervorgegangene Wirthschasts-Genofimschast, Ausdehnung des Vereins, seine Organisation unb fegens» reiche Thätizkeit. Frhr. v. Huene drückte seine Freude über den Vortrag des Herrn Dr. Strauvm aus, welcher auf die hiesigen Verhältnisse so große Rücksicht genom­men habe und empfahl der Versammlung, die überaus segensreiche Einrichtung der Darlehmskassen mit Eifer zu fördern. Eine lebhafte Erörterung schloß sich an diese beidm Borträge. Au: Mittwoch Abeud fand eine Versammlung des BolkSvereinS für das katholische Deutschland statt. Nach Begrüßung der Erschienmm durch Herrn Ober-Kaplan Stoll übemahm Herr Rechts­anwalt Radbyl den Vorsitz und brachte ein Hoch auf Papst und Kaifer aus. Darauf fprach Dr. Pieper (M.-Gladbach) über dm Kampf gegen dm Liberalismus. Herr Pfarrer SzadowSki (Königsberg) empfahl die Un­terstützung der kath. Prefir. Dann sprach noch Prof. Dr. Schädler über die Zwecke und Ziele der Volks- Vereins und ermahnte Alle zu eifriger Thätigkeit im Dimste dieser Vereins. Heute fand die Schluß-Ver­sammlung statt.

* Krefeld, 9. Sept. Herr Oberpfarrer Dr. Schmitz wird am 27. September im hohm Dome zu Köln als Domkapitular installirt. An welchem Tage die Konsekration der hoch». Herr« zum Weih bis chofe von Köln erfolgen wird, ist noch nicht bekannt.

* München, 9. Sept. Die,Postzeitung' sagt, der ,Bayerische Kurier' sei kein ausgesprochenes, zielbewußtes welche ihm die Nachricht von dem Verbrechm mitgr- theilt hatte.

„Ihr Name, wmn ich bitten darf?" frug er.

„Wittwe Lebel."

„Stand?"

„Rmtnerin."

„Wohnort?"

„Pariser Straße Nr. 41, in La Garenne de Co- ! lombes."

„Gut, weiter brauche ich nichts zu wissm."

Nachdem der Beamte diese Angabe in sein Notiz- | buch eingetragen hatte, schritt er rasch der Stelle zu, wo das Verbrechen verübt wordm war.

Jnzwischm war der Zug eingelaufm unb hielt im Bahnhöfe.

Die Magd der Frau Lebel hatte die Fahrkartm gelöst und Beide bestiegen dm Zug.

Jnzwischm hatte der Gensdarm sich so rasch als möglich an Ort und Stelle begebm und bald war er in der Nähe Johanna's angelangt, welche auf der Erde saß und daS Haupt Lucie'S auf ihrm Kniern in dm Händen hielt.

DaS junge Mädchm lebte zwar noch, aber sie war ohnmächtig und noch nicht zum Bewußtsein zurückge- tehrt.

Als die Flüchtige von Clermont dm GenSdarm herankommm iah, dachte sie nicht einmal an dm Schrecken, welches ihr gewöhnlich der Anblick der be-

Selbstredmd soll die Jnlandstmer dann ganz fortfallm und durch eine Fabrikat st euer von etwa 33*/g pCt. des BerkaufSwertbeS der fertigen Fabrikate ersetzt wer­de«. Gelingt dieser Plan, so wäre die deutsche Tabak­produktion vernichtet!

* Eine Beschränkung der parlamentarischen Redefreiheit für den RetchStag soll nach der .Saale- Zeitung' Seitens der Regierung geplant werden. Das genannte Blatt schreibt: „Der nach Abschluß der letz­ten Legislatur-Periode in Verbindung mit dem Akten« Skandal des Abgeordneten Ahlwardt erörterte Gedanke einer Verstärkung und Erweiterung der parlammtari- schm Strafgewalt nach englischem Muster ist keineswegs als aufgegeben zu betrachtm. Es schweben auch heute noch innerhalb deS BundeSrathes bezügliche Erör­terungen, die nach seinem Wiederzusammentretm im Oktober zu bestimmten Vorschlägen verdichtet werdm dürften. Neben dem Verweise und der Verpflichtung zur Entschuldigung soll insbesondere eine Aendernng der Verfassung und geltenden Geschäfts-Ordnung des Reichstages dahin erstrebt werden, daß in gewissm Fällen eine Ausschließung von Mitgliedern auS dem Reichstage auf bestimmte Zeitdauer, die sich bis zum Ende der Legislatur-Periode erstrecken kann, statthaft fein soll. Indessen steht diesem letzterem Vorschläge der größte Theil der süddeutschen Mitglieder des Bun- desrathes entgegen." — Zu einer Einschränkung der verfassungsmäßig garantirtm Redefreiheit auf dem Wege einer BerfassungS-Aenderung würde auch der Reichstag feine Zustimmung ganz gewiß nicht geben und inso­weit die Redefreiheit durch die Geschäfts-Ordnung des Reichstages geregelt wird, hat nach Artikel 27 der Reichsverfasiung der Reichstag feinen SeschäftSplan und feine Disziplin selbst zu regeln. Dm Bundesrath geht das nichts an.

* Dem Mädchentnrnen soll nach einer neuerli­chen Ministerialverfügung an die Schulbehörden eine erhöhte Sorgfallt gewidmet werden. Der Turnun- tericht soll in allen niederen unb höheren Mädchen­schulen durch alle Klassen hindurch betrieben werdm, und zwar betrifft diese Anordnung nicht nur die öffmt- lichm, sondern auch alle Priv rt-Töchterfchulm. Ins- besondere soll in dem eingeforderten Bericht über dm zeitigen Stand des Mädchenturnens die Frage beant­wortet werden, ob die Lehrerinnen, die den Untericht zu ertheilm habm, auch die nöthige Qualifikation als Turnlehrerinnen besitzen. Grabe auf dm Befähigungs­nachweis der betreffenden Lehrerinnm ist befondereS Gewicht zu legen, da hiervon in erster Linie die Er­folge deS Unterrichts bedingt werdm. Uns würde eS lieber fein, wenn eine erhöhte Sorgfalt der Schulbe­hörde wmiger dem Turnunterrichte als einem christli­chen Unterricht und einer christlichen Erziehung zuge- toenbet würde, namentlich in dm höheren Mädchen­schulen. Aussatz-Themata für „höhere Töchter", welche von Zeit zu Zeit an die Oeffentlichkeit bringen, und andere Dinge lassen gerade hier eine erhöhte Sorgfalt als weit dringlicher erscheinen.

denselben, „foeben ist ein Verbrechen begangen worden."

„Ein Verbrechen?" wiederholte der Beamte. Wo beim?"

„Auf der Straße... auf dem Wege, welcher längst der Eisenbahn nach Saint-Germain herläuft."

„Und was für ein Verbrechm ist denn begangen wordm?"

„Man hat ein junger Mädchm ermordet. Eine Fran, die mit uns kam, ist bei ihr geblieben, sie kennt die Ermordete."

„Ist daS junge Mädchen tobt?"

„Sie ist bewußtlos."

„Bezeichnen Sie mir genau die Stelle, wo das Verbrechm begangen worbm ist."

„Nahe bet bem Pfade, welcher quer über daS Feld geht, neben einer klemm Baumgruppe."

„Gut, wir werdm uns sogleich dahin begeben."

„Sie müssm eine Tragbare mitnehmen, um daS unglückliche Kind zurückzubringen."

„Schnell, Larchavt," wandte sich jetzt der eine SmSdarm an dm zweiten, „gehm Sie dm Kommiffar weckm, und nehmen Sie dann in der Gensdarmerie eine Tragbahre und zwei Lmte. Ich gehe jnzwischm an die Stelle deS Verbrechens,"

„Werbe tS sofort befolgen." Der Gensdarm eilte weg.

Der Schutzmann trat bann wieder zu der Person,

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Dienstag, den 12. September 1893.

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