Einzelbild herunterladen
 

20. Jahrgang

Donnerstag, den 7. September 1893.

JV 204

MaerMZeitülig

Erscbeint täalick Sonn- und Feiertaae ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechercker Statett- Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Briugerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen rn Fulda und auswärts 1 Mark SO Psenmg.

Die Würzburger Generalversammlung der deutschen Katholiken

hat darin das schöne Beispiel der Vorgängerinnen nach- geahmt, daß sie lediglich mit ihren eigenen Ange­legenheiten sich befaßte, in die Angelegenheiten der andern Bekenntnisse aber sich nicht eingemischt hat. Insbesondere ist streng jedes Wort vermieden worden, durch welcher die Evangelischen als solche sich ver­letzt fühlen könnten. Am letzten Tage der General­versammlung hat sogar ein geistlicher Redner, Benefi- ciat Hauser von Augsburg, einen sehr warmen Appell an die „evangelischen Brüder" gerichtet, in dem Kampfe gegen den Massenunglauben mit dm Katholiken zusam­menzustehen: „Wenn auch getrennt in so Manchem, in Einem sind wir vereinigt: im Glauben an Chri­stus JesuS und in der Liebe zu ihm! (Beifall.) Mögen die evangelischen Brüder er erkennen: jeder Schlag, der geführt wird gegen die katholische Kirche, ist auch ein Schlag gegen dm gläubigen Protestantis­mus. (Lebhafter Beifall.) Mögm deshalb unsere evan- gelischm Brüder kämpfen gegm den gemeinsamm Feind: den Unglauben."

Dieser Appell wurde von der Gmeralversammlung mit lebhaftem Beifall aufgmommen. Gegnerisch; Blät­ter bezeugen, daß Benrficiat Hauser sehr wirkungsvoll gesprochen habe. Ein nationalliberales Organ nennt die Hauser'sche Rede dar „einzige Lichtbild" und be- zeichnet dieselbe als „Mahn- und Hilferuf a« die evau- gelischm Brüder", der nicht ungehört verhallm werde. Wir könnm nur wünschen, daß Letzteres sich bewahr­heite, wollen aber doch bemerkm, daß die Hauser'sche Rede als ein eigentlicher „Hilserus" nicht bezeichnet werdm kann. In dm katholischm Theilm der dmtschm Reicher ist bisher der Kampf gegen dm Massmuvglau- bm noch mit vielem Erfolg geführt wordm, auch die Massen hangm dort noch zum großen Theil an dem Glauben der Väter. Biel schlimmer sieht er in .dm vorwiegend protestantischen großen Städtm aus. Der Appell des Herm Bmeficiaten Hauser war daher weit eher ein Mahn- als ein Hilfemf, aber ein wohlge­meinter und wohlberechtigter, welcher dar Trennmde zurücktretm ließ und dak Gemeinsame betonte.

So in Würzburg. Ganz anders iv Speier, wo vorige Woche die General-Versammlung der Evan­gelischen Bundes getagt hat. Da folgte ein An­griff auf die Katholiken dem andern, als hättm die BundeSbrüder nichts DringmdereS zu thun, als am Katholizismus sich zu reibm. AuS dm Betriebenen Kundgebungen greifen wir nur eine heraus, um die­selbe dm Worten der katholischm Geistlichen in Würz­burg gegenüberzustellen. Der Hofprediger Rogge auS Potsdam hielt bei der Grundsteinlegung der Protcha- ttonSkirche eine Rede, die mit folgenden Wort« schloß: „Wir sprechen eS hmte nochmals au», wai vor drei Jahren an dieser Stätte gesagt wordm ist bei« ersten Spatenstich für diesm Grundstein, und laut möge er hinaus schallen in alle dmtschm Laude: Wir

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(109. Fortsetzung.)

9.

Er betrat also den Mefferladen.

Eine Dame kam chm mtgegen.

„Sie wüuschm, «ein Herr?" frug sie.

„Ich wünschte ein Küchmmeffer", antwortete er, „ein solider Messer, in der Art, wie die Metzger er brauchen, um die Knochen auS dem Fleische zu ent* fernen."

„Hier ist ein solcher Meffer", sagte die Dame, in­dem sie dm gewünschtm Gegenstand auS de« Schau- fmster nahm. „Er ist ein sehr guter Stoff, wir ver­fertigen ihn selbst, und ich kann für die Güte ein* stehm."

Ovide betrachtete die Klinge.

Sie schien ihm sehr gut zu sein.

„Wie viel kostet er?" frug er also.

„Zwei Frauken füufuudsiedzig CmtimeS."

„Hier sind sie; wickeln Sie er mir gütigst ein." Die Dame schützte die scharfe Klinger de» MefferS durch Kork, wickelte er in starkes Papier ein nnd über­gab er dann dem Käufer, welcher dm Ladm verließ und sich wieder zu seinem Wagm begab.

Ohne weiter darauf zu achten, in welcher Richtung der Kunde sich entfernte, trug die Ladeninhaberin in

wollen Frieden halten mit unser« kacholischm Mit* bürgem allerwärtS, aber wir protestirm dagegen — und um mit dm Worten des alten Reichskanzlers zu reden: eingeschworm auf das weltliche Kaiserthum —, daß die Leitung in Staat und Reich abhängig gemacht werde und beeinflußt auch nur werde von einem poli­tischen Katholizismus, dem die Jnteressm der katho­lischen, der römischm Kirche höher stehm, als die des dmtschm Vaterlandes. (Lebhafter Beifall.) Wir pro­testirm gegen einen vaterlandjslosen Katholi­zismus, der zwar deutsch redet, aber nicht deutsch denkt, der sein Vaterland jenseits der Berge hat und sich kein Gewissen daraus macht, dir Forderung der Wiederherstellung der weltlichen Macht des PapsteS wieder auSzupresseu, selbst auf die Gefahr hin, einen Weltbrand dadurch zu entfesseln und den Friedm in Frage zu stellm. Wir protestirm gegen die Rückkehr der Jesuiten und sonstigen Orden, weil wir wissm, daß mit ihrer Thätigkeit der konfessionelle Friede in unserm Vaterlande unvereinbar ist. Wir protestirm gegen dm unduldsamen Katholizis­mus, der uns die Berechtigung absprechm will, und der sich einschleicht in daS Heiligthum der Ehe nnd der Familie, insonderheit in der Frage der Misch-Ebe.

DaS waren andere Töne, als man sie in Würz­burg gehört hat. Ueber die gleißnerische Unterscheidung zwischen „vnsern kacholischm Mitbürgern" und dem „vaterlandSlosm Katholizismus" verlieren wir kein Wort. Man kennt daS. Im Uebrigen: Protest und nichts als Protest gegen bett Katholizismus. Das ist alles, waS biefe Leute können; damit glauben sie dm An- forderungm der Gegenwart zu genügen, mag auch im Protestantismus der Maffmunglaube immer größere Verheerungen anrichten. Mögen die positiv gerichtetm evangelischen Blätter, welche nicht blind find gegenüber dm Zeichen der Zeit, die vorstehendeSegmübetstrllung einmal zum Gegmstaud fteimüchiger Erörterung machm.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. September.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht die anläßlich der Anwesenheit bei Kaisers in Lothringen ver- liehmen AuSzelchnungen. Fürst zu Hohenlohe-SchillingS* fürst, kaiserlicher Statthalter in Elsaß-Lochringen er­hielt die königl. Krone zum Sroßkcmz des Rothm Adler-OrdmS. Der Rothe Adler-Ordm 3. Klaffe mit der Schleife wurde viermal, die königl. Krone zum Rothen Adler-Orden 4. Klaffe einmal, der Rothe Adler-Ordm 4. Klaffe 21 mal, der königl. Kronen* Orden 2. Kaffe viermal, der Kronen-Ordm 3. Klaffe fünfmal, der Kronm-Ordm 4. Klaffe 24 mal, das Allgemeine Ehrenzeichen in Gold zweimal und daS Allgemeine Ehrmzeichen 38 mal verliehm. Dazu 5 Rangerhöhungen.

♦ Heute hat die Berathung der Kommissare, welche zum Zweck der zu treffenden AuSfübrungSbestimmungm der auf der Frankfurter Ministerkonserenz gefaßtm

ihr TageSjourual ein: „Ein Küchmmeffer, zwei Franken fünfundsiebzig Centimes", und ba^te nicht weiter an die Sache.

Ovide befand sich feit zwei Minuten wieder tm Wagm, als Amanda zurückkehrte.

Zuvorkommmd reichte er ihr die Hand, um ihr beim Einsteigm behüflich zu sein.

„Zum Gasthof „Zum eifernen Thurm!" rief er dem Kutscher zu, und sagte bann zu bent jungen Mädchen:

„Wissen Sie jetzt, war Sie wissm wollten?"

„Ja."

„Wirb dar Kleid für morgen fertig sein?"

„Gewiß, gewiß, um so mehr, als Sude jetzt Hilfe hat."

„Sie werben finde morgen begleiten?”

„Rein, ich habe ihr weisgernacht, baß Moderne Augustine mir aufgetragen habe, itgenbwo hinzugehm, fo baß fie also allein nach La Garenne be Colombes gehen muß."

Ovide zitterte, als er diese Worte vernahm, und ein eigenthümlicheS Lächeln umspielte seine Lippen.

Der einzige Punkt, welcher ihm bisher al» em ernst­haftes Hinderniß bei der Ausführung seines Planes gewesm war, nämlich daß Amanda Sucte begleiten sollte, War jetzt nicht mehr zu fürchten.

Die AuSsthrrmg des ganzer Planer wurde i'tzt so einfach als möglich.

Beschlüsse hierher zusammenberufen find, begonnen. Mit der Berathung über die vorgeschlagme Wein­steuer ist der Anfang gemacht. Den Vorsitz der heu­tigen Konferenz führte der Direktor im ReichSschatzamt, Aschenborn. t ,

* Dem Kaiserlichm Gesundheitsamt sind ,n der Zeit vom 1. bis inkl. 4. Sept. 7 neue Cholerafälle gemeldet, davon Berlin 5 Erkrankungen (3 weitere Kinder nnd eine Schlafstellmvermietherin, die bereits früher erkrankte Frau Schuster, ferner ein Knabe, welcher in den Nordhafen gefallen war); Rheingebiet: 2 Todes­fälle in Weiderich (Ruhrorter Hafen), beide Fälle von einem aus Rotterdam kommenden Schiffe stammend. Aus dem Weichselgebiet ist kein neuer Fall gemeldet. Die Zahl der Cholerakrankm in Berlin beträgt zur Zeit acht. — Seit geftern (Montag) find dem KaisüF. Gesundheitsamt vier weitere Cholerafälle gemeldet Worben: in Anbernach die Frau eines dort bezw. in Neuwied bereits am 28. August an der Cholera er» krankten Schiffers in Köln ein italienischer Hafenarbeiter zwischen Ruhrort und Essenberg ein Schiffer und in Papiermühle bei Solingen ein Arbeiter.

* Zu dm preußische» LandtagSwahle» theilt H'. Volk mit, daß eine Anzahl alter Herren — daS Volk meint damit jedenfalls konservative Abge­ordnete — mandatsmüde sind und nennt darunter v. d. Reck (Miudm-Lübbecke) und Knobel (Wolfhagm). Im Anschluß hieran empfiehlt daS Volk, daß Der- waltungSdeamte sich der Bewerbung um frei Werdende Sitze möglichst enthalten sollen. Landräthe usw. feien im Abgeordnetenhaus«! jetzt schon zu stark vertreten. ES müffe neben ihnen der unabhängige bäuerliche und adelige Grundbesitz in der konservativen Fraktion mindesten» die Vertretung habm, die er jetzt habe. Speziell von dem Landrath v. Buttlar in Wolfhagm erwartet daS Volk, daß et dafür Sorge tragen helfe, daß an Stelle Knobel'» ein Bauer ober sonst ein un­abhängiger Mann aufgestellt werbe.

• Nachfolger des Grafen PosadoWsky als LanbeShauptmann in Pofen u .rb, nach dem Dziennik Pozu., unzweifelhaft bet Oberpräfidialrath Dr. von DziembowSki werben.

* Xante», 4. Sept. Durch bie Zeitungen lief in voriger Woche eine Nachricht, daß bie Hauptzeugin in dem Knabenmord-Prozeß, die Magd Dora Moll, welche die «eine Leiche zuerst gefunden, von der Clever Staatsanwaltschaft von Neuem vernommen sei und daß die Untersuchung sich diesmal in einer ganz bestimmten Richtung bewege. Diese Meldung ist falsch. Die Magd Dora Moll erklärt, daß sie in diesem Jahre m dem Mordprozesse nicht wieder vernommen wordm sei.

* München, 5. Sept. Der Kriegsminister zdgte dem Magistrat die Aufhebung der. Kaserne der Leib- Regimmtr an.

* Bamberg, 3. Sept. Nachdem der praktisch- soziale Kursus vor Kurzem in Bamberg einm so glänzendm Verlauf genommen, hat die schöne Repmtz- stadt die Ehre, Wieder liebe Gäste in chrm Mauem

„Um so bester!" rief er au8. „Dann brauchen Wir in unserm Gewohnheiten nichts zu ändem"

„Wir könnm sogar etwas ftüher zusammen speisen" bemerkte Amanda.

„Wie so?"

„Ich muß morgen Nachmittag gegen fünf Uhr zu einer Dame in Saiut-Mandb Stoffproben tragen. Sie werden mich natürlich begleiten, nud wir werben bann ein ländliches Mahl einnehmen könnm."

„Natürlich — ein herrlicher Gedanke!"

„Sie sind also einverstanden?" .

„Mit vern größtm Bergnügm. Morgm früh beim Frühstücke könnm wir daS Nähere mit einander über- legen, und ich freue mich schon im Voraus auf diesen kleinen ländlichen Aurflug" h t

Um andern Morgm kam Amanda zur gewohntm

Stunde zum Atelier. _

Sie berichtete Madame Augustine über ihren^ Be­such bei Lude nnd setzte hinzu, daß die Mge Arbeiterin einen großen Carton wünsche, worin sie da» «leid

^Madame Augustine gab sofort Westung, daß der gewünschte Carton Lude geschickt werde.

Gegm halb zwölf Uhr ging Amanda hinunter zum Frühstück.

Sie wollte schnell an der Loge der Schließerin vorübergehm, als die Letztere ihr zurief :

„Hier ist ein Brief für Sie, Fräulein."