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Beilage zu Nr. 201 der „Fuldaer Zeitung

Sonntag, dm 3. September 1883.

* Male — Kismarck — Miquel.

Jchrr 1863 die vorgmcumte prmßi<

komme in weniqen Minuten zurück, denn ich habe nicht lange zu thuv "

Gut"

Der Reisende verließ den Fiaker, schritt auf die Fabrik Paul Harmant's zu und sagte dann bemThür- Hüter, daß er dm Chef selbst zu sprechm wünsche.

Der Schließer vrrwieS ihn hieraus an da» Bureau, welche» wir bereit» kenn«.

Ovide hatte vorher einige Zeilm m einem gut ver. schlvssenen Kouvert an Harmant abgeschickt.

Der von dem Besuch in Kmntmß gesetzte Harmant gab sogleich Weisung, den Reismdm ewruführm.

9 Als^die Thüre sich hinter ihm geschlossen hatte, sagte er zu ihm:

„Nun, wa» bringst Du?

Man kann doch nicht hörm, wa» wir hrer sprechm? fragte Ovide seinerseits mit leiser Stmime.

U Nein, e» hört un» Niemand. Gibt» wa» Neue»?

",9a."

„Und wa» denn?"

Die" Bedeutung diese» einfachm Worte» wmde Jakob Garand sofort in schrecklicher Werse klar.

I Er erbleichte und schauderte am ganzm Lecke zu-

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(106. Fortfetzung.)

Nach Verlauf von vollm drei Viertelstunden und nachdem Lucie sich mit ihr unter unsäglicher Mühe herumgrplagt hatte, war ste mdlich einigermaßen zu­friedengestellt, und Lucie war bereit, wieder zu gehen, nachdem sie sich die dringmdm Anempfehlungen und die kleinlichen AuSstellungm der Frau Bürgermersterm wohl ihrem Gedächtnisse eingeprägt hatte.

„Sie wissen," bemerkte die Frau Bürgermeister, „daß ich diese» Kleid morgen Abmd habm muß?

„Ja, ich weiß e», Madame."

„Spätesten» um neun Uhr."

„Za, man hat e» mir bereit» gesagt.

„Sie werdm mich nicht wartm lasten, nicht wahr?

„Madame können sich auf meine Pünktlichkeit ver-

^„Run, da» ist Ihre Sache," antwortete der Roste- lmker, sich die Augm reibmd. „E» ist jckt fünf Uhr, setzte er dann, die Uhr ziehmd, hinzu. „Wohm geht» jetzt?"

„Nach Courbevoie."

„Welche Straße?"

„Quai d' ASniere»."

SXrte^@©ttmb^n später hielt der Wagm am Anhaltspunkte des Quai d' ASnierck.

„Welche Nummer?" fmg der Kutscher.

„Ich weiß eS nicht. Bleiben Sie nur hier, ich

weil die meisten der oppofitionellm Organe durch eme langjährige Gewöhnung des Publikums und durch die industrielle Seite der betreffenden Unternehmungen eine Verbindung besitzen, welche nicht leicht zu bekämpfen ist" Wie wir au» dieser Motivirung sehen, hat auch der damalige Herr v. BiSmarck eine Erschwerung de» Jnseratmwesm» lediglich al» ein politische» Kraftmittel betrachtet — da» fehlende Inserat sollte die oppositio­nelle Presse unmöglich machm und da» lesende Publi­kum den „gesinnungstüchtigen" Amtsblättern zuführm.

Seitdem sind 30 Jahre vergangm. Lassalle ist tobt, BiSmarck wettert gegm das Großprmßmchum — und Herr Miquel ist am Ruder. Die idealen Güter der Mmschhrrt — und daß selbst Lassalle diese, wmn auch in seiner Art, angchrebt, kann nicht abge- lmgnet werden — gehören nicht mehr zum „Restort eines führmdm oder sührm wollmdm Ministers, und so wird auch die Jnseratmsteuer als geldbringendrr Selbstzweck betrachtet. Gewiß, weder die sozialistischm Utopien Lastalle'S, noch die reaktionärm Gelüste Bis­marcks vom Jahre 1863 können unS einen AnSrnf der Senugthuna entlocken, aber wie himmelhoch standen dennoch jene Vorschläge über Miquels »u Frankfurt

fammen. .. , «

„Morgen?" wiederholte er also.

Ja, und zwar unter möglichst harmlosen Umstan­den," unter Umständen, wie ich sie mir nicht bester wünschen könnte!"

„Erkläre Dich deutlicher.

DieL wollte ich gerade thun.

Ovide erzählte nun ausführlich, war der Leser be- reitS kennt, und legte Garand fernen Plan un Em-

Hy dazu?" meinte er schließlich.

"Ich meine," antwortete der Millionär, sich die schweißbedeckte Stirne abtrocknend, „daß man die ganze Sache wohl einem von den zahlreichen Wegelagern, wie sie sich dranßm vor der Stadt hernrntreibm, zur "Ä« »M>. d°i wir w-r.

dabei im Spiele haben tonnten, kann doch kaum Je- rnand kommen. Du Hast die Sache sehr geschickt an»

9°^9,Nicht wahr, nicht wahr?" sagte Ovcke entzückt. ES ist mir nur angenehm, für einen totrflidjm Freund, tote Du bist, thätig fein zu tonnen.

Ick werde Dir gewiß sebr erkenntlich sem.

"Natürlich, benle ich! Wmn Alles erledigt ist und "Lucian meine kleine Base geheirathet haben wird, wirst Du meiner gedenken."

„Bedarfst Du meiner?" , ,

Ja, deshalb habe ich Dich eben anfgesucht.

"WaS soll ich thun?" ..

"Du mußt irgend eine Arbeit vor schütz«, die Dich bis ziemlich spät in die Nacht hinein hier festhalt.

„Dies läßt sich leicht machen. Sonst noch etwas?

Mir die Möglichkeit gewahren, daß ich hier in die Fabrik hinein kommen unb zu Dir gelangen kam^ ohne" raß mir Jemanb zu öffnen hat und ich mich beim Schließer sehen lassm muß.

„Ebenfalls sehr leicht, ich »erde Dir «men Schlussel zu der kleinen Thüre der Fabrik übergeben, »« er ?

8 Dein Wagen muß bereit stehm, so daß wir un schärfsten Galopp nach Paris fahren und es so ein» I ruhten, daß Jedermann glauben muß, daß wir den gcmzen Abend zusammen gearbeitet haben. Ich muß im Nothfalle ein einfaches Alibi haben.

Natürlich," versetzte der Millionär, „kannst Du gegen sechs Uhr Abends kommm?"

"Ich werde Dich also ermatten, und wir werden dann hier in meinem Kabinet zusammen spnse«-

Unter allen Umständen muß ich um halb neun Uhr"aN'Ort und Stelle sein." .

9 Das Mahl wird schnell erledigt sein. 3ch werde den Mann, der uns bedient, fortschickm. W«bleiben allein und Du entfernft D'ch durch eme Hwterthür. Sobald Du dranßm bist, schlägst Du dmWegvon Paris nach Argmtmil etn, und kehrst auf dem nam ließen Wege zurück. Mein Wagm wird auf dnu Quat bereit stehm. Natürlich wird jnan glauben, daß wir

£ ÄSSteS! fto b«fe jip A. £ M Gebot tut allergrößten Klughelt,

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Zbue9 mir ben Gefallen und verwahre mir diefe Reise- ^^WaS^befiE/sich'bann?" fmg Harmant indem er dte Reisetasche anS der Hand Ovide S mtgrgm-

Kleider, welche ich heute gebraucht habe, um meine Beobachtungen anzustellen, und die ich morgen ab”S ÄÄ stch.-.m ort. N4.

(Fortsetzung folgt.)

„gestreistm" Seelenwunsch, die Jnseratmsteuer lediglich zu Pickelhaubm und Kanonenbooten zu benutzen! .

In unserer Zett, in der auch im StaatSlebm dar «old dm Gedcmkm verdrängt, thut eS gut, hie und da auf die alten Zeiten zurückzukommen, wo selbst die ärgste Reaktion sich ans Ideen ausbaute. Lassalle- Bismarck—Miquel ! Jeder von chnm wollte die Presse „anzapfm": Laffalle im Interesse der Frnheit, und Miquel, ja, Herr Miquel möchte bet dieser Geschichte nicht» weiter als „etwas verdimm." So ändem fich die Seiten und — die Ideale. . . .

Bei der Frankfurter Minister-Konferenz soll u. A. auchdieJnseratensteuer gestreiftwordensem- DF man dort über diese Stmerart trgmd welche Beschlüsse ■ gefaßt hat, scheint auigeschloffm zu s«n; damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß diese Jnseratenstmer nicht früher oder später wieder einmal auf der Tagesordnung erscheinen wird; denn gerade eine Besteuerung oder auch staatliche Monopolisirung der pnvatm Ankündt- gungm in der Preffe ist seit jeher ein LteblmgSwunsch verschiedener Parteien unb Einzelmachthaber gewesen.

Ez ist sowohl für bie Jnseratmsteuer selbst, als auch für Herm Miquel, bet ihr nicht abgeneigt zu sein scheint, bezeichnmd, daß diese Stmem niemals und Niemanbem bis jetzt als Selbstzweck, als e'gen liche Steuerquelle erschtmen war; stet» warm er Nebm- abfichtm, welche dies« Plan auflommen ließen, und zwar — wunderbarer Weise! — Absichten, welcheHald eine schrankenlose Freiheit bezwecktm, bald sich SM jedes FreiheitSgefühl richteten. Die Erklämng hierfür liegt in dm Sache selbst: daS Inserat hängt so eng mit der Presse und diese wiederum mit dm allerersten Erscheinungen eines freien öffentlichen Lebens zusanunm, daß man sich darüber nicht wundem darf, wenn vvc- schiedme Staatsreformer da» Inserat, je nachdem, für oder gegm die Freiheü gewinn« wollt«.

E» war im Jahre 1863, vor rund 30^Jähren, zur Zeit de» Jnkrasttretm» der berüchttgtm damaligen preußischen Preßordnung, al» Ferdmand Lassale tu ettter seiner Red«, die er damals au verschick«« Ort« Rheinland-Westfaleu» geholt«, d« Vorschlag machte, den Zeitung« da» Veröffentlich« von Annoncen gänzlich zu verbiet«. „In einem sozialdmtokratischm Staate", meinte er, „muß ein Gesetz gegeben werd«, welche» ieber Zeitung verbietet, irgend eine Annonce zu bringen, und diese ausschließlich und allem dm vom Staate oder von dm Gemeind« pubftzirtm Amt»- blättem zuweist. Bon Stund' an hörm die Zeitungen auf, eine lukrative Geldspeknlation zu sem. Durchi bte vom Staate ober von ben Gemeinbm publizirtm Annoncenblätter mürben jährlich, viel zu mckng ver­anschlagt, minbeftenS 1-2 Million« gewonnen werdm, nm so mehr, als fich semer diese Blatter keme Kon- kmrmz unter einander machm und m Inner noch so großen Gemeinde mehr als ein einzige» Blatt erschein« würde. Diese Million« tonnten also benutzt werden, um eb« so viele Millionen von j«m «direkten staat- lichm oder städttschm Stmem zu streich«, bte am meist« auf bte ärmer« Klaff« drück«, «ck die widrige Reklame der heutig« Zett hätte so mwdestm» ihre gernettmützige Wmnng." .

Wa» Laffalle damals vorschlug, war emersntS ge- wissermaßen eine Jnseratmsteuer in höchster Potmz, em Jnseratmmonopol; aber andererseit» totrb man zu- geb« müssm, daß dem Schöpfer der dmtschm Sozial- dernokratie damals mit seinem Vorschläge etwas rem Geistiges, ja vielleicht sogar etwas Ethisches vorge- schwebt hat. Rur hatte er sich nicht gesagt, daß gerade sein Vorschlag der stockpreußischen Reaktion der 60er Jahre daS beste Mittel zur Durchfühmng dieser real- tionärm Bestrckungm abgebm mußte.

So war eS auch thatsächlich. Herr v. BiSmarck, der zu jmer Zeit sich zu Lassalle shingmngt fühlte, arbeitete im selben Jahre 1863 die vorgmannte preußi- sche Preßordnung au», die jede freiheitliche Regung miterdrückm sollte, und wieder war daS Inserat alS bestes Mittel dazu auSerseh« — vcS Laffalle für die Freiheit angeführt, sollte nunmehr gegen die Freiheit w'S Feld geführt werden, und so stand mxder Be- gründung zu jmer Preßordnung zu lesen: „Die positive Gegenwirkung gegm die Einflüsse derselben (d. h- der freiheitlichen, volkSfrmudlichm Preffe) kamt schon deS­

(nftftt N

„Sie bringen dann wie das letzte Mal mit, war I nötbig ist, nm etwaige kleine Verbeffemngen zu machm mid können mir dann bei der Toilette behilflich sein. I ES wäre mir dies sehr angmehm. Sie tonnen noch bester als meine Kammerfrau bie Garnitur« natür­licher »turnen, welche bet Gärtner mir heute schicken wird, mir auf bie Taille unb ben Rock befestigen.

„Recht geme, Mabamr."

„Also bis Motgm, Fräulein!

Lucie, nichtZwmia stoh, -,ese unangenehme Arbeit bemdet zu sehen, stieß -mm Seufzer der Erleichterimg aus, verließ baS HauS unb schlug ben narnftchm Weg Wicker ein, ben sie gekommen war.

Als sie an bet klemm Baumgmppe vorbnkam, sah sie, baß bet Mann von vorhin noch immer da lag und schlief, aber dieses Mal empfand fie mcht bte geringste Jurckt und ging rasch vorbei.

" Als sie einige dreißig Schritte zurückgelegt hatte, machte der sonderbare Schläfer genau so, wie er eS aus I dem Hinwege Lucie'» gemacht hatte: langsam nchtete er dm Kopf ein wmig empor, öffnete seine Augm und blickte dem jungen Mädchen eine Zeit lang nach.

AlS er sich versichert glaubte, daß Niemand in der Nähe sei, kroch er langsam in lurjen Bewegungen bl» zu der Baumgruppe, wo er mitten m dem dichten wildwachsmdm Gestrüpp verschwand

Hier richtete er sich empor, schob da» Gesträuch etwa» bei Seite und langte eine «eme Reisetasche her­vor, welche er alsdann öffnete.

Dieselbe mthielt einige Kleidungsstücke.

Ovide Solivean, dm der Leser ohne Zweifel bereits erkannt habm wird, enttckigte sich jetzt seines blauen Kittels, seiner abgetragenm Mütze, welche eme roch- j licke Perrücke bedeckt, unb zog dafür die Kleider an, welche sich in der kleinen Reisetasche befanden.

Hierauf barg er seine Arbetterkleider m die Reise­tasche, und er war wieder wie ein vomehmer Stadter

Ovide 8flttmflroWje hervor und schlug

uunmchr dm Pfad ein, welcher quer durch bte Felder lief und in die Straße von Paris einmänbete.

„Arnanba hat mich genau unterrichtet, .dachte er bei fich, während er dahinschritt, eS »st wirklich der Weg, welchen Lucie benutzen sollte, und welch« sie natürlich auch morgen Abmd benutzen wird. Unglück­licherweise ist sie nicht allein — dies ist uttangenegm, aber ich kann nicht» daran ändem. Um so schlimmer I für Amanda!"

Auf der Straße angelangt, trat Ovide an einen Wagm heran, welcher hier hielt.

Der Kutscher schlief.

Solivean weckte chn. . .,. ,

„Ich bin länger auSgckltebm, al» ich dachte, sagte