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jV 200 Samstag, den 2. September 1893. 20. Jahrgang

MdaerNZkitiing

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltig« Zeile oder deren Raum 15 bei Wiederholungen entsprechend« vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mar! -O Psenmg.

40. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands.

* Würzburg, 29. August.

Gestern um 11 Uhr fand in dem ober» Saale der Schrannenhalle eine Besprechung statt über die Grün­dung eines «nterfräukifcheu Baueru-BereiuS aus christlicher Grundlage. Die von Landleuten sehr gut besuchte Versammlung, an welcher u. A. auch Graf Konrad Preysing und Dr. Daller theilnahm«, wurde eröffnet durch Reichs- und Landtags - Abgeordneten Burger, der in längerer Rede die Rothwendigkeit des Vereins begründete Md feine Zwecke darlegte. Die Gründung eines Kmdwirthfchaftlichen Vereins auf christ­licher Gmndlage sei schon seit längerer Zeit erstrebt worden, da ein wirksames Mittel gegen die wirthschaft« liche Rothlage mit zu erblicken sei in der Rückkehr zu den christlichen Grundsätzen. (Lebhafter Beifall.) Von dem vor einiger Zeit in Berlin gegründeten „Bund der Landwirthe" mit preußischer Spitze hätten die süddeut- schm Landwirthe kein Heil zu ermatten; das beweise schon die Haltung dieses Bundes in bet Frage des KmtitätS-NachweiseS und der Staffel-Tarife. ES solle deshalb fürUnterfrantat und Aschaffenburg ein Bauern- Verein auf christlicher Gmndlage geschaffm werdm, der den Wahlspruch an die Spitze stelle: „Au GotteS Segm ist Alles gelegm." (Bravo.) Der Verein strebe an, die Einnahme der Landwirthschaft möglichst zu erhöhen; er werde deshalb die Volksvertreter ersuchen, keinen Zoll-Berträgm zuzustimmw, welche die Schutzzölle er­mäßigen ober gar beseitigen. (Bravo!) Weiter werbe bet Verein banach trachten, bie Ausgaben bet Land« wirchschast möglichst zu vermindem. Endlich verlange bac Verein staatliche Hilfe zum Schutze ber Laubwirth- schäft. ES sei in letzter Beziehung baran gedacht, baß bet staatlich geleitetm Hagelversicherung auch eine staat­lich geleitete Mobilar-Verstcherung an bie Seite trete. (Bravo!) Den laudwirthschastlichen Landes« und Be« zirkS«Beteinm wolle ber neue Verein durchaus keine Konkurrenz machen. Ihre Verbimste erkenne man voll an. Aber ihre JahreS-Beiträge feien für minder be­mittelte Oekonomen zu hoch. (Zustimmung.) Die be­mittelten Detonomen wftrben bei dm Bezirkt- und Lan­des-Vereinen bleiben Md trotzdem dem BMem-Berein beitretm. Beide Dtganifatronen würden also Hand in Hmd die Jnteteffm der Landwirchschaft fördern kön­nen. Auf Ersuchen des Borsitzmden gab Freiherr v. Koeth, der RechtSbeistand des hessisch« Bauem-Vet« eins, einige Mttthellnngen über die Thätigkeit beS hesfi- schm Vereins. Bor 8 Jahren mit 16 Mitgliedern be­gonnen, zählt derselbe heute gegen 4000 Mitglieder. Dm Mitgliedern rentirt sich die 1 Mk. JahreS-Beittag außetotdmtlich gut; denn eS ist gelungen, mit einer Reihe von Firmen und Gesellschaften vortheUhafte Ver­träge abzuschließen. So liefern Maschinen- Fabrik« dem Verein lanbwirthschaftliche Maschinen mit Preis- Ermäßigungen bis zu 23 pCt.; auch Feuer-*und Hagel- vetfichemngS-Gesellschaftm habm ÄergünstigMgen ge­währt und die Frankfurter Hypotheken-Bank gewährt

Endlich tntlaroi!

Roman von R. von Wollersheim.

(105. Fortsetzung.)

Wir erinnern uns noch, daß Ovide Soliveau, welchm Amanda unter dem angenommenen Namm Baron Alfted de Reiß kannte, dem jungen Mädchm angekündigt hatte, daß er am folgend« Tage nicht mit ihr frühstücken werde, da er in geschäftlichen Ange­legenheiten nach Fontaineblau reifen müsse.

Am folgmdm Morgen verließ er, als ein gewöhn­licher, harmloser Bürger gegen neun Uhr mit einer Brille, deren Gläser leicht blau gefärbt warm, unb bie feinem Gesichtsausdruck ein ganz veränderter Aussehen verliehen, feine Wohnung.

Er begab sich, gemüthlich dahinschlendernd, nach der Eisenbahnstation der Rue Saint Lazare.

Hier nahm er ein Billet nach BoiS-ColombeS. Der Zug war im Begriffe, abzufahren.

Ec stieg in ein Koupee zweiter Klaffe ein, verließ ben Zug an feiner Bestimmungsstation, begab sich vom Bahnhofe weg unb ging bie Straße entlang, welche chn zur Versailler Linie führte.

Wir seh«, baß Ovibe offmbar sich der Weges, welchen Amanba, die Dame aus dem Geschäfte von Madame Augustine TagS vorher beschrieb« hatte, sehr genau erinnerte.

den Mitgliedern unkündbare amorttfirbare Darlehen zu sehr günstigen BedingMgen. Die Hauptwirkung deS Vereins besteht darin, daß der unseligen Prozeß-Krä« merei Einhalt gethan sei. DieS wird erreicht durch Behonblnng der GesetzeSkunde in dem VereinS-Organ, ferner durch Rechtsbelehrung auf jede einzelne Anfrage hin. Redner hat im vorigen Jahre etwa 1500 An­fragen über Fragen rechtlicher Natur erledigt. Ferner sind BergleichS-Aemter und Schiedsgerichtete eingerich­tet, so daß eine Mmge Prozesse verhindert worden ist. Redner kann nur empfehlen, Mch hier baldmöglichst ein« solchen Verein zu gründen und stellt seine Er- fahrungm gern zur Verfügung. (Lebhafter Beifall.) Die Frage, ob ein besonderes VereinS-Organ zu grün­den ist, soll einstweilen zurückgestellt werden. Die vor- geschlagenen Statuten fanden schließlich unveränderte Annahme, desgleichen die beretts in einem Flugblatte bekannt gegebenen speziellen Fordemngen des Vereins. Mit lebhaftem Beifall wurde insbesondere bie Forbe- tung ausgenommen: keine wettere Steigerung ber Mitt- tärlastm. Da ber zum ersten Borsitzmden durch Zn- ruf erwählte Freiherr Bodeneck die Wahl unter Ver­sicherung seiner wärmsten Sywpathim für ben Verein ablehnt, so wirb ebenfalls mieber durch Zuruf Abg. Burger zum ersten Vorsitzenden gewählt. Derselbe nimmt nach anfänglichem Zaudern das Amt bis zur nächsten General - Versammlung an. Unter derselben Bedingung erklärt sich Abg. Baumann bereit, das Amt des zweit« Vorsitzmdm zu übernehmen. Zum Kasfirer wirb berufm Herr Franz Xav. Burlein von Dettelbach, zum Schriftführer Herr Pfarrer Dr. S ch m i b t in Donnersdorf. Die Wahl beS Ausschusses soll in ber nächsten General-Versammlung, bie noch in diesem Jahre stattfindm wird, vorgmommen werd«.

Heute Nachmittag um 5Uhc begann in ber wieder überfüllt« LudwigShalle bie zweite öffentlicheGeneraft Versammlung Rektor Schiffers («ach«)fchilderte feine Wallfahrt nach Palästina, biefelbe bringenb unb begeistert empfehlend.

Bon Freiherr« von Schorlemer-Alst lief em Telegramm ein, wonach derselbe durch einen schwer« Krankheitsfall im HanSpersonal am Erschein« ver­hindert ist.

Profeffor Straub (Uschaffenbmg) sprach hiernach über Mittelschulen. ES sei eine falsche Idee, daß die Alten uns mit ber Ausbildung ihre» HumanitStS- begriffe» noch Vorbilder sein könnt«. DaS Leb« müsse h«te einen anderen Inhalt hab«. In der ganzen Schule müffe daS Christmthum wieder eingeführt werd«. Das ganze Schulwesen muß wieder christlich werden. In dm Mittelschulen sei vielfach der Seist deS Atheismus eingeriffen. Die Religion darf nicht so baga­tellmäßig behMdelt werdm, wie eS bei gewiffen Kirchm« feie« zu beobachtm ist. Er muß bei den Jüngling« durch fortgesetzte Bethätigung zur zweit« Natur werden, die hl. Messe auch in der Woche zu besuch«, die hl. Sakramente öfter zu empfangen. Die Jngmd muß sich am kirchlich« Leben mehr betheilig«. Der ganje Unter­richt müsse wieder von der Religion durchdrungen

An dem Wegeübergange, welcher augmblicklich ge- schloff« war, mußte er einige Minuten wart«, bis ein Zug vorbeipassirt war nnb die Barrier« wieder geöffnet warm.

Er überschritt daS Geleise.

AmMda hatte gesagt:

„Man geht an dem Gekeife der Eisenbahn aus einem klein« Wege zur Recht« einher."

Ovide schlug also dm Weg zur Rechten em, er war höchsten» zwei Meter breit.

Auf der ein« Seite war derselbe von einer dicht­gewachsenen Domenhecke begrenzt, während auf der anderen Seite bie Umfassungsmauern verschiedener kleiner Privatgebäude sich befanden, welche alle ziemlich wett vom Eifenbahngeleife entfernt lagen.

6.

Ovide hatte inzwischm etwa zweihundert Meter zurückgelegt, wie bemerkt, einerseits zwischen der Dornen­hecke und andererseits zwischm dm Umfassungsmauern, als er plötzlich an einem weiter« Eismbahnübergange cmlongte, wo die Mauern ein Enve hattm.

Zu seiner Link« dehnte sich eine ziemlich wette Ebene aus, welche hier und da durch einige kleinere Gebüsche unterbrochm wurde.

So hatte er also an ber einen Sette bte Dornen­hecke, an ber anderen Seite vollständig bebaute» Acker­land. Bor sich, so weit das Ange reichte, standen

werd«. Redner zeigte an einzeln« Fällen, wie bie» nöthig unb möglich sei. Besonders müffe ber Geschichts­unterricht konfessionell gestaltet werben. Unser Streb« müffe bie konfessionelle Trennung ber Mittelschulen sein. Die Lehr- unb Lesebücher vermeiden vielfach Alle», was einen religiösen Hauch verrath« könnte. DaS Wes« deS Lehrers theüe sich allmählig den Schülem mit. Die Lehrer müßten eine feste, religiöse Heber- zeugung haben, die Katholiken müßten mit all« Kräften dahin streben, daß auch in den Mittelschulen die Reli­gion wieder in ihre Rechte tritt. Solutio omnium quaestionum Christus. (Stürmischer Beifall.)

Profeffor Pater Kuhn (Einsiedel«) hielt ein« gedankenreichen Vortrag Über christliche Kunst. Derselbe führte im Wesentlichen aus, daß bie religiöse Kunst bem berechtigten Zuge ber Zeit folg« müsse. Sie bürse ber profanen Kunst ba» Felb nicht räumen. Nicht ein einzelner SM sei allein berechttgt. Wir Kacholik« hab« bie schönste Vergangenheit in ber Kunst, aber wer ber Zeit nicht entgegenkommt, wirb von ihr nicht oerftanb«. Wir müssen zeigen, baß bie katholische Kunst all« berechtigt« Bestrebungen gerecht werd« kann.

ReichStagSabgeorbneter Gröber, stürmisch begrüßt, spricht über bie Hebung de» Mittelstandes. Wie in allen Dingen, steht auch hinter ber sozial« Frage bie Theologie. SS sei kein Zufall, baß zuerst ein Bischof Retteier ihre Bedeutung erkannt unb ber Klerus her­vorragend an ber praktisch« Lösung beteiligt sei, daß die bestm OrdenSleute, auch bie, über ber« Rückkehr bie Schlacht auf märkischem Sanbe geschlagen werbe (Stürmischer Beifall), sich ihr wibmen. Rur durch Retttmg und Hebung beS MittelstmbeS fei zu hindern, daß bie Kluft zwischen Reich unb Arm immer größer werbe. Die Gesetzgebung müffe bie Arbeit vor Aus­beutung burch baS Kapital siche« (Lebhafte Zustim- mang), ber Handwerker, ber gute Kleiber nnb Stiefel liefert, ist mir lieber als ber Minister, ber schlechte Gesetze vorlegt. (Änbauetnber Beifall.) Die Handwerker schützen, muß die erste Aufgabe der SesetzgebMg fein. Wir verlang« obligatorische Organisation nach Berufs- ständ« für Handwerker und Landwirthe. Für dm Baue«stand ist die Organisation am allernothwmdigstm, weil er die wirthschastliche Gmndlage für daS Sedechm des ganzen Staates bildet, bie Gewähr für bie poli­tische und wirthschastliche Unabhängigkeit und weil er der Kirche die besten Priester, dem Staate die bestm Soldaten liefert. SS muß ein dm ländlichen Verhält- niffen angepaßteS Agrarrecht geschaffen werden. Ist der Bauemstand organiftrt, wird man bte anberen Stande leichter organisirm tonnen. Wenn bie vorliegenden Vor­schläge zur Drganifation deS Handwerks auch nicht den Handwerkern gefall«, so ist eS doch der erste Schritt zur obligatorischen Organisation, der verbeffert werdm kann und muß, well dm Innungen ihre Rechte bleiben müffm. Andernfalls sind bie Vorschläge unannehmbar. An Stelle ber sozialen Anarchie und de» sozialen Kampfes muß ber soziale Friede gesetzt werd«, wobei der KlemS eine große Ausgabe hat, die er jedoch in große Bäume, zwischen welchen sich eine lange Straße hinzog.

ES war die» bie Straße von Paris nach Argen- teUtDmbe schritt langsam vorwärts, bettachtete jebm einzelnen Segmstavb anfcheinmb sehr ausmerksam unb verfolgte stets b« schmalen Pfad, welcher neben ber Eisenbahn herlief.

Ez blieben ihm noch etwa fünfhundert Meter zu mach«, biS er bie Chauffe erreicht hatte, an welcher zu beiben Seiten einige Häuser mitten in Garten unb

Etwa in ber Mitte beS Wege», an ber linlen Seite, i befonb sich eine Gruppe von elwa drnßig Pappeln, welche mitten in einem dicht« Gestrüpp von Dorn« und einer Mmge von anbern wild wachsend« Schling- ; pflc$ Ovid^n der Nahe dieser klein« Baumgruppe angelangt war, hielt er inne unb blickte aufmerksam m da» kleine Dickicht hinein.

Gleich nebenher war ein schmaler Pfad sichtbar, . welcker sich in eine Ebene hinein verlor.

Ovide schlug dies« Pfad ein, um die kleine Baum- gruppe herum, betrachtete sie sehr genau, kehrte dann , an seinen Ausgangspunkt wieder zurück und fuhr fort, . bis zum Fuße ber Böschung ber Straße zu gehen, > beten Krone man zunächst auf einer kleinen in bie Erbe