JV 199 Frettag, den 1. September 1893. 20. Jahrgang
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40. Geueral-Versammlung der Katholiken Deutschlands.
* Würzburg, 29. August.
Der Abend der gestrigen Tages war im weitesten Umfange der Erholung gewidmet. Im Stadtthrater fand dar KtlianSfestfpiel, in der Lndwigrhalle der Fest- kommerS der Verbandcs der katholischen Studeuten-- vereine, in der Schwanenhalle eine Festverfammlung der katholischen GesellenvereinS, in einem Gartenlokal eine Festverfammlung des katholischen kaufmännischen Verein» „Constantia" statt. Trotz dieser Reichhaltigkeit deS Programm» war jede dieser Veranstaltungen äußerst gut besucht. Alle nahmen einen durchaus erfreulichen Verlauf und halfen dem alten Spruch zur Wahrheit: post laborem jucundum.
Bei prächtigem Wetter fand heute Morgen um 7 Uhr die Pro zefjfion vom Grabe der hl. Kilian zur Marienkapelle auf dem NikolauSberg unter Leitung deS Domdechanten Nirfchel und unter Betheiligung von vielen Tausenden statt, auch der Würzburger kathol. Vereine mit über 50 Fahnen und 2 Musikchören. Auf dem Wege zum NikolauSberg wechselte Gesang und Rosenkranzgebet, in der Marienkapelle wurde eine hl. Messe mit Gesang celebrirt.
Um 10 Uhr fand die zweite Generalversammlung der katholische« BolkSvereiuS im Hutten'schen Garten unter überaus starker Betheiligung statt. Der Vorsitzende Brandts begrüßte in einer Ansprache die Erschienen«» und erörterte dm Zweck deS BolkSvereinS: Vertheidi« gung der christlichen Staats« und Gesellschaftsordnung, Strebm nach Wiederkehr einer wahrhaft christlichen Regierung; er forderte auf zu emmüthigem Zusammen« halten, um auf sozialem Gebiete Erfolge zu erreichen, wie sie auf kirchenpolitischem Gebiete bereits erreicht seien. Der zweite Vorsitzende, Trimbom, erstattete den Jahresbericht: Jetzige Mitgliederzahl 160.000, Zuwachs 1893 über 40,000. Er legte die Thätigkeit des BolkSvereinS dar, betonte das Gelingen des praktisch-sozialen Kursus und schloß mit herrlichm Worten deS DankeS für Gottes Segen. Nachdem sodann Herr Brandts Rechnung abgelegt, wurde dem Schatzmeister Decharge ertheilt und der bisherige Vorstand wiedergewählt? Neugewählt wurde Dompfarrer Braun-Würzburg' welcher namentlich die Süvdmtfchen zum Beitritt und zur regm Thätigkeit im Bolksverein aufforderte, um die schlummernden katholische« Kräfte zu wecken. Dr. Lieber, mit anhaltmdem Händeklatschen begrüßt, hielt eine zündende Rede für den Bolksverein. Richt die Ueberzmgung allein, auch d»s Herz müsse für dm Bolksverein gewonnm werdm. Nicht die Sozialdemo« kratie allein, auch der Liberalismus, der Begünstiger und Vater des Sozialismus, müsie bekämpft werdm. Die liberalen Lehren, welche Gott, Seele, Unsterblichkeit leugnen und damit die Fundammte des Staates untergraben, RrchtSanschauungen, welche die Säkularisation vertheidigm, dürftm nicht öffentlich vom Katheder der Hochschulen gepredigt werden. Der Ansturm des Sozialismus sei in den katholischen LandeStheilm bei der ReichStagSwahl zum Stillstand gebracht; jetzt sei
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(104. Fortsetzung.)
Lucian und die Leute, welche ihn begleiteten, warm gegen zehn Uhr Abends in Belle garde angelangt.
Sie stiegen in einem nahe beim Bahnhof gelegenen Hotel ab.
Am folgenden Morgen begab sich Lucian zur Fabrik und verständigte sich mit dem Besitzer desselben, da die Arbeite«, beren Ausführung er überwachen follte, mit drm folgenden Tag ihrm Anfang nahmen.
Nach dieser Besprechung hielt er er sür angemesim, Herrn Harmant die glückliche Ankunft und den Inhalt der Unterredung zwischen ihm und dem Fabrikbesitzer untzutheilm.
Sr dachte an feine Braut — er konnte eS nicht hindern, daß zu gleicher Zeit ihm auch neben dem Bilde Lvcir'S dasjenige von Fräulein Harmant vor die Seele trat.
Sr erinnerte sich ganz genau der kleinsten Einzel- heilen der Szene, welche am verfloffmen Sonntag iy der Wohnung vorgefallen war.
Er glaubte das bleiche Gesicht ter armen Mmy, ihre zusammengezogenen Lippen und ihre thränener- fülltm Augen jetzt noch zu sehen. . .
der Uebergang zur Offmsive gegen dm Sozialismus nothwmdig. Die Mitglieder des BolkSvereiuS müssen zuerst selbst wahrhaft christliche Männer werdm, dann eine christliche Gesellschaftsordnung anstreben. „Katholisch ist Trumps" gelte zunächst für die Katholiken selbst. Redner schloß unter brausmdem Beifall, indem er den Bolksverein «ach den Worte« der heutigen Epistel mit einer starken Mauer und ehernm Säule verglich. Herr Brandts dankte dem Abg. Dr. Lieber, worauf die Versammlung geschlossen wurde.
Um 11 Uhr begann in der LudwigShalle die zweite geschloffene General-Versammlung Begrüßungs- Telegramme sind eingelaufm von den Herren Bischöfen von Fulda und Linz, dem Männer-Bereine in Olpe, dem Grafen Ballestrem auS Ostende, aus dem Bade Borkum von über 300 Badegästen, auS München vom katholischen Arbeiter-Verein, aus Dortmund vom Verband katholischer Arbeiter-Vereine, ebenfalls aus Dortmund vom Katholischen kaufmännischen Verein, aus Aachen vom Katholifchm Weber-Verein, auS Bochum vom Stiftungsfest der katholischen Bergmannschaft, auS Köln von Redaktion und Verlag der .Kölnischen Volkszeitung', von katholischen Männern Wittm'S, aus München vom Katholischen Kasino, ouS München vom »Bayerischen Courier', von Bremer Katholiken, aus Forst von 16 Knoppen-Bereinen, aus Aachen vom Katholische« MisfionS-Berein.
Major RochuS v. Rochow berichtet über die im Ausschuß für die Römische Frage eingelaufenen An- träge; der Antrag:
„Die General - Versammlung legt dem hl. Vater Papst Leo XIII. für die überaus huldvolle Aufnahme der deutschen Pilger gelegentlich seines fünfzigjährigen BischosS-Jubiläums und für die von väterlicher Liebe durchdrungene herrliche Ansprache, mit welcher Hochderselbe die Pilger in der feierlichen Audienz am 9. Mai beglückt hat, den Ausdruck ehrerbietigste» DankeS zu Füßen und erneuert die vom Hochwürdigsten Herrn Bischof von Eichstätt in der von ihm verlesenen Adresse NamenS aller Katholiken Deutschlands dem Oberhaupte unserer hl. Kirche dargebrachten Gelöbniffe unwandelbarer Treue und Hingebung," wird gemäß dem AuSfchuß-Antrag gmehmigt. Zugleich spricht die Versammlung bem Komitee für bie Wallfahrt nach Rom für bie gute Vorbereitung unb Durchführung bet Wallfahrt ihren Dank auS. Ferner beantragte ber Ausschuß bie Annahme folgender Resolution :
„DaS unverjährbare Recht auf territoriale Unabhängigkeit und Souverainetät deS hl. Stuhles in Rom wird insbesondere mit Rücksicht aus dessen unbestreitbare Weltstellung nachdrücklichst und unverkürzt auch von den Katholiken Deutschlands zurückgefordert und festgehalten." Fürst Löwenstein bean- tragt hinter „unbestreitbar" zu setzen „gebührender". Mit dieser Aenderung wird die Resolution einstimmig genehmigt, desgleichen der Antrag: „Die General-Versammlung beauftragt das von der vorjährigen General-Versammlung zum Zweck der Wiederbelebung der Michaels-Bruderschaft eingesetzte Komitee, auch fernerhin die Interesse» des hl. Stuhles zu fördern."
Avg. OberlandeSgerlchtSrath Im walle bittet im Ramm des katholischen Juristen-BereinS, ber jetzt auch feine General-Versammlung hat, um Aufnahme folgender Resolution:
„Die General-Bersammlung empfiehlt die Ziele und Bestrebungen des Katholischen Juristen-Bereins auf's neue und er- sucht die Herren Geistlichen und Juristen, durch Mittheilung aller interessanten RechtSsälle, namentlich in Schul- und Ehe-Sachen
Recht wohl war er sich ber Leiden bewußt, welche dieses Herz, bar feine Theilnahmlostgkeit brach, leiben mußte, bet Qualen ber Seele, welche feine Liebe zu Lucie bet Verzweiflung überantwortete, unb es war etwas wie Rührung, wie Mitleiben, was er mit ber Unglücklichen empfanb — fast bedauerte er, sie nicht lieben zu können, wenn auch eben nur aas Mitleid gegen sie.
„Sie siecht langsam dahin," dachte er bei sich, „und ich vergrößere ihre Qualen, ich kürz; ihr Leben ad, indem ich meinem Gelöbnisse heu bleibe. Wäre eS nicht wirklich eine gute Handlung, ein Akt der Liebe, sie bis an ihr Ende m dem Glauben zu erhalten, daß ich sie einer TageS doch noch lieben werde? Sie hat ja doch voraussichtlich nicht lange mehr zu leben — die Hoffnung würde sie aufrecht halten und ihre letzten Tage weniger traurig gestalten. . . Wenn ich dieses gute Werk aurübte und Lucie davon in Kmntniß setzte, so würde sie zu hochherzig und edelmüthig sein, um eS nicht zu begreifen und auch nicht zu billigen."
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Unter dem Eindrücke dieser mitleidsvollen Ge- danken, die wir da so eben angeführt haben, schloß Lucian den Brief, welchen er an dm Millionär ge- torieben hatte, mit den Worten:
„Wollen Sie gütigst, ich bitte Sie, Herr Harmant,
und besonders auf dem Gebiete der Erziehung der Kinder, an die Redaktion der Juristischen Rundschau dies Organ in die Lage zu versetzen, die Angelegenheit zu besprechen."
Auf Vorschlag bet Sektion für Schule unb Unterricht (Antragsteller Prälat Dr.Hülskamp) genehmigt bie Versammlung folgende Resolutionen:
„Die General-Versammlung bedauert lebhaft, daß notorisch in vielen deutschen Bundesstaaten, insbesondere auch auf dem Gebiete der Schule nicht jene Parität beobachtet wird, welche die Katholiken Deutschlands, abgesehen von staats- uud verfaffungS- rechtlichen, sowie historischen Gründen aus dem Boden der That- sache, daß sie in allen deutschen Bundesstaaten mit allen andern Staatsangehörigen gleiche Pflicht haben, beanspruchen müssen.
„Die General-Versammlung begrüßt mit Freude die Gründung katholischer Lehr- undLehrer-Bereine in Deutschland überhaupt und insbesondere in Bayern und empfiehlt dringend deren allseitige geistige und materielle Unterstützung.
„Die General-Versammlung empfiehlt dringende anteilige Unterstützung der katholischen ErziehungS-Bereine, sowie der Vereine christlicher Mütter."
Die Sektion für christliche Kunst empfiehlt zwei Resolutionen zur Annahme, in welchen bie Unterstützung ber beutschen Gesellschaft für christliche Kunst unb bie Unterstützung lebenbet christlicher Künstlet empfohlen wirb.
Vom Ausschuß für Wissenschaft unb Presse wirb folgende Resolution empfohlen, welche bie Versammlung genehmigt:
„Die General-Versammlung empfiehlt den Gläubigen der katholischen Kirche in Deutschland und Oesterreich, für die Begründung freier katholischer Universitäten in beiden Ländern, speziell in Fulda und Salzburg, freiwillige und reiche Beiträge leisten zu wollen. Das empfiehlt sie um so mehr und um so dringender, als von der Begründung und Vertiefung des katholischen Glaubens in der studircnden Jugend bekanntlich zum nicht geringen Theil die Erhaltung des katholischen Glaubens überhaupt in Deutschland und Oesterreich abhängt."
Dieselbe Sektton schlägt bie Annahme folgenbet Resolutton vor:
„Die General-Bersammlung erklärt im Hinblick aus die politischen, religiösen und sittlichen Gefahren, welche die sogen, färb- und parteilose Presse für das öffentliche, das Glaubens- und das private Leben der katholischen Bevölkerung in sich birgt, int Anschluß an die in gleicher Richtung sich be- wegenden Resolutionen deS Aachener Katholikentages vom Jahre 1892 es als eine hervorragende und zwingende Pflicht der Katholiken Deutschlands, von jeglicher Unterstützung dieser Art von Presse sich fern zu halten. „Insbesondere erblickt die General- Bersammlung eine Schädigung der katholischen Gesammt-Jn- teressen darin, und sie verurtheilt es aus das entschiedenste, wenn katholische Vereine oder sogar kirchliche Persönlichkeiten und Institute die sogen, farblose Presse, welche unter dem Deckmantel der „Unparteilichkeit" Spekulationen und Interessen ungläubiger Elemente verbirgt, zu Anzeigen und zu Mittheilungen über Vereins- und kirchliche Angelegenheiten benutzen." „Die General- Bersammlung spricht die Erwartung aus, daß diese mißbräuch- liche und irreleitende Begünstigung gesinnungsloser oder ver- kappt anti-katholischer Preß-Erzeugnisse ein Ende nehme, und daß alle dazu berufenen Faktoren sich vereinigen, um offen und bestimmt gegen die überhandnehmende farblose Preffe Front zu machen."
Kaplan DaSbach: Die „inbifferente Preffe" sei weiter verbreitet, als man glaube; sie liefere u. a. viele schlechte Feuilletons, barum müssen bie Eltern solche Blätter ihren Kinbetn voreuthalte«. Die farblose Presse führt, wie LukaS in einer Broschüre mit Recht sagt, zur Versimpelung. DaS katholische Volk muß stets
Fräulei« Mmy meine allzeit dankbare Gesinnung, unb meine tiefe Ehrerbietung ausbrücken."
„Trotz ber Entfernung, welche unS trennt, weilt bennoch Mtny stets in meinen Gedanken. Ich vergesse nicht unb werbe nie vergessen, daß ich, wenn ich bie Ehre habe, Ihr bescheibenet Mitarbeiter zu sein, bieS nur ihr zu verdanken habe. .
„ES bäuchte mir," buchte ber junge Mann bei sich, „baß ich, inbtm ich biete Zeilen beifüge, mein Gewissen von einer brückenden Last entledige."
Damit schloß er ben Brief.
Darauf schrieb er einen zweiten Brief voll ber zärtlichsieu Hingebung unb Liebe an Lucie.
Rachbem er ihr seine Reise emgehenb geschilbert hatte, bat er sie, von ihm auch Mutter Lison zu fltÜ®ie Abendpost beförderte beide Briefe nach Paris.
Wenn Lucie glücklich war, als sie ihren Brief emvsina, so war eS Paul Harmant nicht weniger, als erdie Phrasen laS, welche wir oben wörtlich angeführt ^“gtun, er thut Buße!" dachte er bei sich. „Ich hatte also richtig gerathen, al» ich glaubte, daß diese angebliche Leidenschaft doch im Grunde nichts weiter als eine Spielerei fei. Jedenfalls hat er sich dir Sache «Sher überlegt, — man weist auch nicht so kurzer