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20. Jahrg anß

Donnerstag, den 31. August 1893.

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Zugleich ertheilen Wir sowohl Dir, geliebter Sohn, wie Deinen Mitarbeitern und all' jenen, weiche mit euch an der anberaumten General-Brrsammlung theiluehmen werden, auS ganzem Herzen den apostolischen Segen. ,

Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 26. Jul« 1893 tnt 16. Jahre unseres Pontifikates.

Leo XIII, Papst.

Unserem geliebten Sohne, Dr. Johann THaler, Rechts­anwalt zu Würzburg. __

Von dem Herrn Nuntius Ajutl in München ging der Versammlung ebenfalls ein huldvolles Schreiben zu.

Nachdem von Seiten des vorbereitenden Lokal- komitees im Monat Juli l. I. an die Hochwürdigsten Herren Bischöfe Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, der Schweiz u. s. w. ehrerbietigste Einladungen zur 40. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands er­gangen waren, haben die hochwürdigsten Herren mit ihrer Antwort nicht gezögert, die Abhasturg des Katho­likentages freudig begrüßt und unter dem Wunsche eines gesegneten Erfolges, sowie daß alles in Eintracht, Liebe und Weisheit verlaufen wöge, den erbetenen bischöflichen Segen zu dem großen Werke bereitwilligst und von ganzem Herzen ertheilt. Wenn ste auch ihr inniges Bedauern aussprechen müßten, der Generalver­sammlung persönlich nicht anwohnen zu können — einzelne hochwürdigste Herren geben sogar gnädigst ihre Abhaltungsgründe an, als Krankheit, hohes Alter, Amtsgeschäste, FirmuigSreisen, anderweitige Disposi- tionen u. s. to, so seien sie doch sicher im Geiste zu- gegen und drückten ihre Theilnahme sür die General­versammlung aus. Sinuntvierzig Antwortschreiben sind bis jetzt von.den hochw. Bischöfen eingelausen.

Es wird nunmehr zur Bildung des Bureaus ge­schritten. Als Präsident wird vom Lokolkomitee der Erbkämmerer Graf Ferdinand von Galen vorgr- schlagen, welchen Vorschlag die Versammlung durch jubelnde Zustimmung gu'heißt.

Es werden vorgeschlagen und durch Zuruf gewählt: Als erster Vizepräsident Frhr. Mcx von Soden, als zweiter Vizepräsident Unversitäts-Proflssor Henner, als Sekretäre Rechtsanwalt Antoni aus Schweinfurt, Privatier Heder-Bachmann aus Straßburg, Prinz Alois zu Löwenstein, Universitäts-Proftfsor Dr. Göpfert, sämmtliche Gewählte nehmen die Wahl dankend an. Zu Vorsitzenden der Ausschüsse werden gewählt: Sektion P^pst und Römische Frage: Major v. Rochow, Sekretär für Mission und CharitaS: Dr. Pieper aus M.-Gladbach, Sektion für christliche Kunst: Prof. Dr. Anton Weber aus Regensburg, Sektion für Wssenschast und Presse: Prälät Dr. Hü l skamp, Sektion für Schule und Unterricht: Dom- beton Dr. Nirschl, Sektion für Vereinswesen, Aeußeres und Formalien: Graf Konrad v. Prey sing.

G as Galen: Wir werden die Koustituirung des Bureaus dem hl. Vater telegraphisch mittheilen und um seinen Segen bitten. ,

Kommissar Fürst Löwenstein theilt mit, daß sein Jahres-Bericht, um Zeit zu sparen, auch dies Jahr wieder gedruckt erschienen sei, dankt drin Lokal-Komitee sür dessen vorzügliche Vorbereitung der Versammlung und b- merkt, daß den im vorigen Jahre in der Presse

40. General-Versammlung der Katholiken " DlUtschiandS.

* Würzburg, 28. August.

Der heutig? eiste osfizfllle Genera'.versammlungs- tag begannn mit einem feierlichen P ontifikalam te im hohen Dome, welches der hochw. Herr Bischof Dr. v. Stein unter Assistenz der Herren Dcmkapitalare Dr. Franz und Schlöc und der Domvckare Kraus und Störlein celebrirte. Der Dowchor sang: Ecco sacer- dos von Haller, Missa de ascensione s5stimmig^ von Mitterer, Graduale: Os justi von O.twein, Offer» torium: Justus ut qalma (6 timmig von Haller. Bor dem Abichußgitter deL Chores hatten die 21 Ver­treter der katholischen deutschen tacbentragenden Studen­tenverbindungen mit ihren Fahnen und in voller Wichs Ausstellung genommen.

Die erste geschloffene Generalversammlung wurde um 93/t Uhr in der Ludwigshalle durch den Präsi­denten de? Lokalkomitees, Herrn Rechtsanwalt Thaler, mit dem christkatholischen Gruße eröff nt. Der Besuch war ein starker. Der Präsident des Lokalkomitees theilte mit, daß daS Lokalkomitee Sr. Heiligkeit den Beginn der 40. Generalversammlung in einem Schreiben an- gezrigt hat, auf welches in der Uebeifchung folgende Antwort ergangen ist:

Breve des hl. Vaters Leo XIII.

Leo XIII Papst

Geliebter Sohn! Gruß und apostolischer Segen.

Mit Freuden entnehmen Wir dem Schreiben, welches Du im Vereine mit Unsern geliebten Söhnen, den Mitgliedern des Komitees, an dessen Spitze Dn stehest, unterm 16. Juli l. I. an Uns gerichtet hast, daß ihr im Begriffe seid, unter der Ob­hut des Bischofs eurer Stadt, Unseres ehrwürdigen Bruders, zu der gegen Ende des Monats August in Würzburg zusam- mentretenden Generalversammlung der Katholiken Deutschlands die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. War schon diese Nach­richt Uns willkommen, so wird, wie wir zuversichtlich hoffen, der Verlauf der Versammlung selbst uns noch weit willkomme­ner sein; denn das viele Gute, welcher seit geraumen Jahren bin General-Versammlungen zu verdanken ist, leistet uns sichere Gewthr,'"vlch auch diese von euch vorbereitete 4). Generalver­sammlung sich als fruchtbar erweisen und die besten Früchte zeitigen werde. Vor Allem versprechen Wir vut von dem Zusammentritt fo vieler Männer, dem Austausch von Reden und Rathschlägen sicher die Förderung gegenseitiger Liebe und ein streng einheitliches Zusammenhalten der Katholiken Deutsch­lands. Sache eurer Klugheit wird es sein, Alles vorzukehren, was da geeignet ist, die Eintracht der Geister bei euch recht stark und den Zusammenhalt unverbrüchlich zu machen. Als einen gleicherweise überaus würdigen Gegenstand eurer Be­strebungen und Sorg-n erkennen Wir die soziale Frage, wie ihr dieses ganz richtig bemerkt habt, und wie solche ja schon seit geraumer Zeit in euren Versammlungen verhandelt worden ist, von woher denn auch bereits zahlreiche der Bevölkerung zu­trägliche und dem staatlichen Gemeinwesen nützliche Einrichtungen und Schöpfungen ihren Ursprung genommen haben.

Wenn ihr auf diesem Wege fortschreitet und Weiteres auch fernerhin hegt und pflegt, was zur Erleichterung der Lage des Arbeiterstand, s dienlich erscheint, dann muß Jedermann ein­sehen, daß ihr um euer Vaterland euch aus's beste verdient macht und muß wohl Jedermann euch Förderung und ge­bührendes Lob zu Theil werden lassen.

Wir indessen wollen zu Gott flehen, daß er euch, die ihr diese hochangesehene Generalversammlung vorbereitet, huldreich beistehe und all' denen, welche eurer Einladung Folge leisten, in reichlichem Maße Hilfe und daS Licht seiner Weisheit spende.

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher A bann euren lspreis obne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(103. Fortsetzung.)

4.

Ovide schien jetzt der Augenblick, si; näher zu fragen, gekommen zu fein, und er frug also:

„Hat Madame Augustine viele Arbeiterinnen außer dem Hause?"

„Nein," antwortete die Avprobiererin. „Sie hat eS nicht gerne; indch hat ste Einige ausnahmsweise, die sie auch gerne behalten möchte, und die auS irgend einem Grunde nicht zum Atelier kommen können oder wollen. So ist es bei Lrcie der Füll."

„Wer ist Lucre?" fragte Ovide.

„DaS ist die Arbeiterin, zu welcher ich mich be­gebe."

„Ein junges Mädchen?"

I Hübsch?"

„Richt schön und nicht häßlich, wie man's nimmt," versetzte Amanda eifersüchtig. „Aber sie ist eine ge- sch ckce Arbeiterin, diese Gerechtigkeit muß man ihr widerfahren lassen, und Madame hält große Stöcke auf sie, mit Recht. Da haben wir eine Ballrobe, welche wir übermorgen in Garenne de Colombes an- paßen müsfen, und die unfehlbar Samstag Abend um

bekannt gewordenen Wünschen nach Acnderungen in der Geschäftsführung nicht habe näher getreten werden kön­nen, weil der betreffende Herr aus demJncognito nicht herauStrat, daß er aber erfahrene Herren bitte, wenn sie Aenderungen in der Geschäftsführung vorzuschlagen wünschten, dies ungehindert zu thun, da ja die Gr- schäftSleitung selbst immer an ihrer weiteren Ausbil­dung arbeite.

Inzwischen ist daS an den hl. Vater gesandte Tele­gramm folgendermaßen redigirt worden: „An den Staatssekretär Kardinal Rampolla. Die 40. General- Beisammlung der Katholiken Deutschlands bringt dem hl. Vater die Gefühle der Hingebung, des Gehorsams, der Ehrerbietung dar und bittet um den apostolischen Segen.

Dr. v. Steinke auS Frankfurt a. M., der Füh­rer der im Mai nach Rom gegangenen Wallfahrt, er­stattet Bericht über diesen Pilgergang, hebt dabei be­sonders dir rührende Sorgfalt hervor, bieder hl. Vater dm deutschen Pilgern habe zu Theil werden lassen und spricht der bayerischen Bahnverwaltung seinen Dank für die Gewährung niedriger Fahrpreise aus.

Schluß der Sitzung 11 Uhr.

Um 5 Uhr Nachmittags begann in der Ludwigs- Halle die erste öffentliche General-Brrsammlung, welche sehr stark besucht war. Anwesend waren auch der Erz­bischof von Bamberg und der Bischof von Würzburg. Graf Galen eröffnete die Bersammlung und forderte dieselbe auf, den Bischöfen durch Erheben von dm Sitzen den Dank für ihr Erscheinen abzustattm. Unter Hinweis auf den christlichen Gruß „Gelobt fei Jesus Christus!" legte Redner dann die Bedeutung der Re­ligion und der freien Kirche für Familie, Gemeinde, Staat und Monarchie dar. Er erinnerte an die Worte des Reichskanzlers vom Christenthum und Atheismus. Es gebe keine Religion ohne Konfession. Nur die Re­ligion könne die soziale Frage lösen.

Der HerrjBifchof von Würzburg dankte für dm Gruß des Vorsitzenden. Gegenüber der einreißendm religiösen Erkaltung feien eine hocherfreuliche Erscheinung die immer mehr sich wiederholenden Massenkundgebungen katholischen Geistes, wie die jetzige Katholikm-Versamm- luug. Dank, tausend Dank für die warme GlaubenS- treue, welche Sie in die schöne Mainstadt gebracht haben! Seien Sie auch Namens des BiSthumS herz­lichst willkommen. Redner verwies auf die sozialen Ge­fahren, welche Zmch daS Abweichen von den christlichm Grundsätzen enistchen. Unser christliches Volk wolle mit Entschiedenheit christlich bleiben, daS sei unser Trost. DaS Christenthum sei vom ersten Augenblick an, wo das deutsche Volk dazu übertrat, der Haupifaktor unserer ganzen Geschichte gewesen; das deutsche Volk konnte, ohne sich selbst zu verlieren, nie mehr von ihm ab­fallen. (Bravo!) Redner mahnt, emzutrmn mit aller Kraft für die höchsten Güter des Lebens und im Kampfe sich nicht entmutigen zu lassen. Möge die Versamm- hing ruhmvoll und segensreich verlaufen, wie ihre besten Vorgänger. Schließlich ertheilt der Bischof der Versammlung den bischöflichen Segen.

sitzend sei. Sie ist etwas kleinlich, diese Kunde, und nicht leicht zu befriedigen. Sie hat uns bis nach zehn Uhr aufgehalten."

„Sie mußten alsdann noch die Eisenbahn von Colombes bb benutzen?"

„Jo, den Zug um zwölf Uhr sechs Minuten. Die Kunde hätte uns auch ebenso wohl in ihrer Kalesche nach Paris zmückörinam lassen können, aber sie hat sich wohl gehütet ..."

„Es war allerdings nicht sehr angenehm, mitten in der Nacht auf so kleinen öden Wegen wandeln zu muffen. Sie haben sich gewiß sehr gefürchtet?"

„Ich will es nicht leugnen, wir haben Beide ge­zittert tote Espenlaub."

Und Sie würden wieder wegen dieses Kleider da genötigt fein, abermals diesen Weg dorthin b« Nacht zu machen?" sagte Ovide, auf daS auf dem Vorder- sitz- liegende Packet deutend. .

Ich fürchte sehr," versetzte daS junge Mädchen.

'^ES ist ein unangenehmes Handwerk!"

Nun, Geduld, Geduld, meine Theure! Dieser lanaw-ilige Handwerk werden S-e vielleicht nicht lange mehr ausznüben brauchen. Mein kleiner Finger sagt mir, daß Jemand, der für Sie ebenso große Bewun­derung als Hochachtung hegt, Ihnen eine roeit arge- nehmere Stellung anbieten wird."

neun Uhr obgelkfeit werden muß! . . . . Sie wird pünktlich um die angegebene Stunde fertig fein, darauf Will ich schwören!"

„In La Garenne de Colombes, eine Ballrobe!" sagte Soliveau mit erstaunter M ene.

„WaS soll dies Auffallendes sein? Sie ist für die Gemahlin des Bürgermeisters bestimmt, welche bei d'm Seinepräfekten eingelooen ist."

„Und dieses F änlem Lueie muß soweit die Sachen approbieren gehen?"

„Mit der Eisenbahn ist'S ja nirgendwohm weit. „Ich selbst bin mehrere Male bei der Dame gewesen. Man steigt am Bahnhofe S-int Lazare ein und ver­läßt die Eisenbahn au der Station Bois - Colombes, überschreitet die Eisenbahnlinie nach Versailles und be­nutzt längs des GeleiseS einen kleinen Weg, welcher gerade bis an das Haus des Herrn Bürgermeisters führt. Bei Tage wirklich eine angenehme Promenade, aber bei Nacht möchte ich ihn nicht mehr gehen."

„Sie haben den Weg schon einmal bei Nacht ge­macht ?"

„Ja, ein einziges Mal."

„Allein?" . , ~

„Nein, mit 2uc'e zusammen. Wrr hatten der Ge­mahlin des Bürgermeisters ein Kleid zu einer Abend- Unterhaltung gebracht, und sie mußte daL>elbe m unserem Beisein a^ziehen, damit wir sahen, ob Alles