JV 197
Mittwoch, den 30. August 1893.
20. Jahrgang
uldaerMZeitiing
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40. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands ;u Würzburg.
* Würzburg, 27. August.
Das Verzeichniß der Mitglieder und Theilnehmer der Generalversammlung, welche beim Bureau enge» m-ldet find, zählt schon heute über 1300 Namen auf. Wenn auch d,e Mitglieder ihrer Heimath nach überwiegend, wie daS erklärlicb, Bcy rn und Süddeutschland einschließlich Elsaß-Lothringm angehören, so ist doch auch Norddeutfchland und Westdeutschland und selbst der entfernte Osten verhältnißwäßig nicht weniger stark vertreten. Auch aus dem Aus lande fbb nicht wenige Mitglieder angemeldet, u. Ä. der Präsident des vorjährigen österreichischen Katholikentages, Graf Sylva Tarouca.
Sehr zahlreich ist der Adel vertreten bezw. angemeldet. Das erste Berzeichniß weist folgende Namen auf:
Prinz von Arenberg. Gcaf Blinkard von Helmstadt, Frhr. von Bodmann, Frhr. von Buol-Berenberg, drei Grafen zu Droste-Bischering, Frhr. v. Franckenstein, Frhr. v. Frryberg, Dr. v Fuchs (Wien), Graf v. Fugger-Glött, Franz Graf Fugger von Kirchberg, Graf Raymund Fugger, Graf Galen, Gordon of Ellen (englischer Gesandter a. D.), Graf v. Greinberg, v. Groote, Frhr. v. Heereman, Frhr. v. Hertling, v. Kehler, Frhr. v. Ketteler-Hmkotten, Frhr. v. Loö Terporten, Graf Montjoie, drei Grafen Oberndorff, v. Pap'ws, Graf Pnystng, Frhr. Rink v. Baldenstem, Graf Rech- berg-Rothenlöwen, Frhr. RochuS v. Rochow, Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst (derselbe soll jedoch, wie verlautet, da» im Fränkischen Hose bestellte Quartier abbestellt haben), Frhr. v. Schorlemer-Overhagen, Graf Dr. v. Stolberg, Frhr. v. Stotzingen, Frhr. v. Thünefelo, Frhr. v. Bietinghrff-Schell, Graf v. Walderdorff, Frhr. v. Wolff-Metternich, Frhr. zu Rhein.
Bon Abgeordneten find, soweit vorstehend nicht bereits aufgeführt, angemeldet: Bender, Braun, Cahensly, Daller, Dasbach, Dieden, HouS, Hesse, Jm- walle, KrebS, Lohmann, Dr. LingenS, Müller, Neckermann, Dr. Oftrop, Pichler, R-ngS, Schulz, Stephan, Wattendorf und Willebrand.
Außerdem weist schon das erste Berzeichniß von Mitgliedern und Theitnehmern eine Reihe bekannter Namen von hervorragenden Männern auf; wir finden darin u. A. die Namen Franz Brandts jc. M.-Glad- bach, Propst Dr. Dobszay-Fünfkirchen, Landgerichts- rath EverS-Bielefeld, LandgerichtSrath Grüiering-Cleve, Domkapitular Dr. Hergenröther Würzburg, Prof. Dr. Heß-Bamrecg, Prälat Dr. Hül-kamp-Münster, Propst und fürstbischöflicher Delegat Prälat Dr. Jabnel-Berlin, päpstlicher Kammerherr Knab-München, UniversitätS- Professor Kurth-Löwen, Präses Mchler - R-genSburg, Pater Rupert Mettenlriter 0. 8. B. und königlicher OberregierungSroth Treppner.
Die katholische Presse ist stark vertreten. Bis Sonnabend waren bereits 72 Vertreter der Presse an- gemeldet aus allen Theilen Deutschlands, auch aus Oesterreich. Der Monde und der UniverS in Paris haben ebenfalls ihre Vertreter nach Würzburg entsandt,
Endlich entlarvt!
Roman von R. von Wollersheim.
(102. Fortsetzung.)
Abermals blieb Amanda vor dem Schaufenster eines Wäsche-GeschäfreS stehen.
Dieses Mal trat Ovide zu ihr heran.
„Ich hab- wohl die Ehre, mit Fräulein Amanda zu sprech'»?" murmelte er ihr in einschmeichelndem Tone in's Ohr.
DaS junge Mädchen sah den Mann an und that, als ob sie erstaunt wäre.
„Ja, mein Herr, ich bin eS," antwortete sie, „aber ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen."
Ovide versetzte in galanter Weise:
„Die Zahl Ihrer Bewunderer ist groß. Sie können sie unmöglich alle kennen."
Amanda erröthete vor Stolz, als sie dieses Kompliment vernahm.
Sie dachte:
„Er ist nicht mehr jung, der Mann, aber doch noch immer sehr galant!"
Sie fitzte ihren W.-g fort, aber dieses Mal ging Ovide, annatt ihr nachzugehcn, neben ihr her.
„Die Rue des Morlyrs ist lang und bergig, also etwas ermüdend," meinte er. „Wollen Sie mir er-
ebenso wie Tyd in Amsterdam. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch die deutschen Kolonien diesmal auf der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands vertreten sind, und zwar durch den hoch». Pater Walter, Missionär in Kamerun.
Als BerathungSgegenstände liege« bereits zahlreiche Anträge vor; die erste Nummer der Festschrift zählt 17 auf; inzwischen sind aber noch sehr viele eingegangen. Sie beschäftigen sich mit dem Vereinswesen nach den verschiedenen Richtungen h n, der römischen Frage, der sozialen Frage, Schule, Wissenschaft, Parität, Presse, Missionen rc.
Schon vor Eröffnung der Katholikentages Nachmittags von 3 Uhr ab hielt der AugustinuS-Ver- ein, der auf einer früheren Versammlung in Würzburg gegründet wurde, seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des AugustinuSvereinS, Herr Otto- Crefeld, legte bei Beginn der Versammlung die Geschichte und den Zweck der AugustinuSvereinS kurz dar und machte namentlich darauf aufmerksam, daß ein größerer Anschluß der süddeutschen CentrumS-Journa- listen und Gönner der Centrumspreffe erwünscht sei. Dieser Gedanke wurde auch von anwesenden süddeutschen Mitgliedern und Theilnehmer» der Versammlung freudig begrüßt und dann beschlossen, durch eine besondere Kommission eine weitere Besprechung und Verhandlung für die nächsten Tage in die Wege zu leiten. Die Frage der Bildung einer Invalid en kaffe für den AugustinuSverein wurde sodann in Verbindung mit der Frage eines eventuellen Anschlusses an die neuerdings in München gegründete Pensionkasse für deutsche Journalisten und Schriftsteller eingehend erörtert, die Debatte darüber jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern bis morgen (Montag) nach der geschloffenen Generalversammlnng vertagt.
Um 4 Uhr fand auch eine Versammlung deSCen« tral-Komitees derArbeiter-Vereine statt, welches den Beschluß faßte, dar katholisch-soziale Programm zur weiteren Berathung Männern der Theorie und PrexiS zu unterbreiten.
Ihren offiziellen Anfang nahm die 40. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands mit der Begrüßungsfeier, welche heute Abend von 8 Uhr ab in der Ladwigshalle stattfand. Schon vor 7 Uhr begann sich der gewaltige Raum zu füllen. Die Ersten waren die Damen, welche die ihnen reservirten Tribünen dicht besetzten. Aber auch daS gewaltige Parterre war lange vor 8 Uhr, dem Beginn der Begrüßungsfeier, bis auf daS letzte Plätzchen besetzt. Auch der äußerste Winkel war mit Zuhörem gefüllt. Nach der Einleitung der Feftversammlung durch Weber'S Jubelmarsch begrüßte der Vorsitzende deS Lokal-Komitee'S, Rechtsanwalt Dr. THaler, die Erschienenen und führte aus, seit der letzten Würzburger Versammlung habe sich Vieles geändert, der schwere Kompf gegen die Katholiken habe nachgelassen. Inzwischen seien Diejenigen herang'wach- seit, welche die damals auf den Schulbänken empfangenen Lehren in die PrcxiS übersetzen sollen. Unzufriedenheit und Drang, NmeS zu schaffen, zeige sich überall. Selbst drm Landmanne suche man ben letzten
tauben, Fräulein, daß ich Ihnen die Stütze meints ArmcS anbieten darf?"
Amanda glaubte einwenden zu müssen:
„WrShalb soll ich Ihnen dies erlauben, mein Herr? Ich wiederhole Ihnen, daß ich Sie nicht kenne."
„Mag sein, aber ich kmne Sie bereits seit langer Zeit, Fräulein! Seit langer Zeit sehne ich mich sehr darnach, Sie noch näher kennen zu lernen, aber ich bin etwa? schüchtern und ich habe es bis heute Abend nicht gewagt, Sie auzureden, um es Ihnen zu sagen."
„Ich kann mir diese Sehnsucht, von welcher Sie sprechen, nicht erklären."
„Und dennoch ist dieser Wunsch sehr wohl zu begreifen."
„Für Sie vielleicht, ober für mich ist er ein Räthsel."
„Drei Worte werden Ihnen den Schlüssel dieses Räthsels an die Hand geben."
„Welche?"
„Ich liebe Sie!"
„Sie lieben mich?" wiederholte Amanda lachend. „Ah, mein Herr, Sie erlauben mir wohl, dar nicht zu glauben."
„Weshalb denn?"
„Weil die Männer dies allen Frauen sagen."
„Die anderen mögen lügen, ich bin aufrichtig, ?ch I sage Ihren die Wahrheit."
Trost auS der Seele zu reißen. Unverändert stehe dem gegenüber die Kirche mit ihrer Lehre und dem Sitten» gesetz. Zwischen den Streitigkeiten der Throne, Meinungen und Theorien erhebe sich die Stimme deS Friedensfürsten in Rom, bei besten Jubiläum bie mächtigsten Fürsten frember Bekenntnisse Geschenke dargebracht, nicht bloß als Zeichen der Verehrung seiner gewaltigen Person, nein, im Banne einer Göttlichkeit, die sich in ihm verkörpert. (Bravo ) Unbewußt folgten sie der Macht deS weltbeherrschenden und einigenden Glaubens, ben er die Völker lehrt. Möge seine Stimme bie Feinbe schrecken, bie Furchtsamen aufrütteln, die Flammen schüren zu hoher Gluth für die Sache GotteS. (Bravo.) Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den hl Vater.
Bürgermeister Seidl begrüßte die Versammlung NarnenS der Stadt, die dankbar sei für die wiederholte Auszeichnung, die General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu beherbergen. Die Verhandlungen Würben sicher segenspendend wirken. Sein AmtSvorgänger habe 1864 den Zweck der Katholiken-Bersammlung dahin zusammengefaßt, Menschenliebe und Vaterlandsliebe zu pflegen, sowie die Achtung wie vor der geistlichen, so vor der Weltlichen Obrigkeit. Redner schloß mit einem Hoch auf den Prinzregenten Luitpold, unter dessen Aegide die Versammlung tage, der in der Treue deS Glaubens und Erfüllung jeglicher Pflicht ein leuchtendes Vorbild für jeden Katholiken genannt werden könne. Die Versammlung nahm das Hoch jubelnd auf und sang stehend bie KönigShymne.
Professor Henner brachte ein stürmisch aufge- nommeneS Hoch auf ben Kaiser auS; Wo von ben ver» schiebensten Seiten gegen bie Autorität angestürmt werbe, gelte eS zu zeigen, baß wir einig sind in der Ehrfurcht gegen die höchste Autorität. Die Katholiken hätten dazu besonderen Grund, weil Se. Majestät der Kaiser wiederholt seinen Willen bekundet habe, er wünsche allen Unterthanen gerecht zu werben, und weil der Kaiser mit dem Papst; in diesem Jahre eine lange Unterredung über die wichtigsten Probleme des Völker- Wohles gehabt habe. Möge seine Regierung stark nach außen und vortheilhaft für den konfessionellen und sozialen Frieden sein.
Die Versammlung beschloß die Absendung eines HuldigungStelegrammS an den Prinzregenten und bett Kaiser. (Stürmischer Beifall.)
Grüße überbrachten Pfarrer Blumenhagen von ber Mosel, mit Dank für bie gute Aufnahme so vieler Geistlichen in Bayern währenb deS Kulturkampfs, Graf Rech berg von ben Württemberger Katholiken, Schlosser König von ben Katholiken Mannheims, Pfarrer Kl eizer von den Katholiken unb ber Regierung Freiburgs (Schweiz).
Bei Wetteren Anstrichen und Musikvorträgen blieb bie Versammlung noch lange in bester Stimmung zusammen.
* Würzburg, 28. Aug.
Heute Vormittag um 8 Uhr celebrirte ber hoch«. Herr Bischof von Würzburg im hohen Dome ein Pontifikalamt zur Anrufung beS hl. Geistes.
„WaS für Absichten haben Sie also, wenn Sie mich lieben?"
„Meine Absichien sinb durchaus ehrenhafter Natur, dies können Sie glauben."
„Sie würden sich wohl in einiger Verlegenheit befinden, wenn ich von Ihnen verlangte, mir den Beweis hierfür zu liefern."
„Keineswegs, aber es ist schwierig, ja unmögltch, hier auf offener Straße eine ernsthafte Unterredung zu halten. Vielleicht haben Sie übrigens auch noch nicht gespeist."
„Allerdings nicht." , ,
„Ich ebenso wenig. Nun, so ertauben Ste muc, Ihnen ein kleines Mahl anjubieten, etwa Austern, Huhn unb Krebse. Dann können wir gemüthlich und unge- stört mit einander plaudern."
Amanda beganp zu lachen.
„Also ein Schäferstündchen und dteS jefct schon so- gleich!" meinte sie.
„Weshalb nicht?"
' Sie wissen, daß eS nicht gerade sehr ehrenhast IEL "
ES hat dieS bei einem Manne in meinem Alter nichts zu sagen, dessen Absichten durchaus ehrenhafter Natur find. Nehmen Sie also ohne Bedenken an, Sie können mir'S glauben."