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Beilage zu Nr. 195 der „Fuldaer Zeitung".

Soeben erschien;

Die Substanztheorie bei Cartesius im Zusammenhang mit der scholastischen und neueren Philosophie.

Eine historisch-kritische Untersuchung von Carl Ludewig S. Dr. phil. und theol. gr. 8° 128 S. Preis M. 1,80.

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Sonntag, den 27. August 1893.

stolzen Amanda den Hof machen will.

(Fortsetzung folgt.)

wegen mag der Herr sie besuchen . . . Lucie ist ein

Kommissionsverlag der Fuldaer Actiendruckerei.

auf lesen

nicht

Metall- 8t Holz-Särge, stftirMtr, Serjcn, Stint,

Die Schließerin dachte bei sich, während sie ihn über den Hof schreiten sah:

„Ein einsichtsvoller Dienstmann, muß ich sagen! Jedenfalls steht er sich nicht schlecht bei seinem Hand­werk, denn man sieht, daß er kein Neuling ist. Jeden-

sehr stolzes Mädchen, welches etwas mehr als Andere zu sein glaubt und sich hier nur sehen läßt, um ihre Arbeit zurückzubringen und andere Sachen mitzu­nehmen."

„Ich danke Ihnen, Fräulein."

„Und wie ist der Herr?" frng'das Mädchen.

„Hm! Nicht übel," sagte Ovide, listig mit den Äugen blinzelnd.

Damit empfahl er sich. DaS Mädchen kehrte in den Anprobe-Saal zurück und war ziemlich unangenehm berührt von dem Glücke, wie sie es nannte, welches die „kleine" Lucie habe.

„Sie scheint sehr neugierig zu sein und ihrer Kameradin nicht sehr hold zu sein, diese Dame da," dachte Ovide, indem er die Treppe hinabstieg. „Viel­leicht kann sie mir für meine Zwecke nützlich sein ... Ich muß jeden auch noch so geringfügig erscheinenden Umstand benutzen."

in größter Auswahl empfiehlt

J> Hohmann’s Sarglager, Köuigstraße Nr. 1004, nahe der Hospitalskirche.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(100. Fortsetzung.)

Als er sich noch einige Schritte vor dem Hause m welchem Lucie wohnte, entfernt befand, zog er auS seiner Tasche ein Papier hervor, auf welchem er sich die Adresse des jungen Mädchens ausgeschrieben hatte.

„Ist eS diejenige, welche da drüben steht, mit dem Zeichen unten auf der Wange?" fragte Ovide.

„Ja, sie ist'S."

„Sind sie auch zuweilen über Tag abwesend?"

„Sie haben eine Stunde zum Frühstück und be­geben sich also Eine nach der Andern von elf Uhr an in dar nahe kleine Gasthaus.

„Sie sagten mir, glaube ich, daß die hübsche Brünette mit dem schwarzen Zeichen Amanda heißt?"

„Ja — vielleicht kommen Sie gerade ihretwegen?"

„Dies könnte sein. Ich danke Ihnen, liebe Frau." Ovide wußte jetzt, was er wissen wollte, und ent­fernte sich.

Anstatt sich also zu entfernen, betrat Ovide, welcher den Gedanken, der ihm soeben gekommen war, sogleich auSfübren wollte, wieder das Geschäft und schritt auf die Loge der Schließerin zu. Der Gatte der Frau war in der Stadt, und die Frau beschäftigte sich eben wie auch die Schließerin vom Quai Bourbon mit der Zubereitung ihres Frühstücks.

„Sie entschuldigen," begann der falsche Dienst­mann, „ich möchte Sie um eine kleine Auskunft bitten."

„WaS wünschen Sie zu wissen?" antwortete die Frau.

„Können Sie mir sagen, um welche Zeit die Arbeiterinnen der Madame Augustine das Atelier ver­lassen?"

Die Schließerin lächelte bedeutungsvoll — sie kannte die Geheimnisse des Pariser Lebens sehr genau.

„Was Sie mich da fragen, fragen Sie mich gewiß nicht für sich selbst?" sagte sie also.

Ovide begann zu lachen.

„Sie haben die Sache auf den ersten Blick durch­schaut!" versetzte er also. „Sie haben offenbar ein sehr gutes Auge, Madame!"

Inzwischen hatte er ein Goldstück in die Hand der Dame gleiten lassen.

„Allerdings," fuhr er dann fort, „hab: ich es nicht I für mich gefragt. Es ist nur ein Auftrag, den ich aus­richten soll.

Die Schließerin warf einen forschenden Blick auf das Geldstück, und als sie erkannte, daß es rechtes Gold sei, wurde ihr Lächeln immer wohlwollender.

„Gur, erklären sie sich also näher," sagte sie.

„Was können Sie mir also sagen?"

„Bei Madame Augustine sind verschiedenerlei Arbeite­rinnen thätig: Näherinnen, Ladenfräuleins und An- probirerinnen."

„Diese meine ich gerade."

„Gut — sie gehen um acht Uhr Abends nach Hause."

„Sind ihrer viele?"

Literarisches.

Der Militarismus im deutschen Reich. Anklageschrift von einem deutschen Historiker. 3. Auflage. Stuttgart. Verlag von Robert Lutz. 60 Pfg.

Der Verfasser schildert die Gefahren des Militarismus in höchst anschaulicher Weise. Man kann auch kaum sagen, daß er übertrerbi. Es ist vielmehr die Darstellung eines unbefangenen wenn auch scharfen Beobachters unserer militärisch-politischen Verhältnisse. Er zeigt, wie der Militarismus durch die Bevor­zugung des doppelten Tuches, die Hervorkehrung der Eigenschaft als Reservelieutenanl, das Gebühren der Kriegervereine den Uebertritt Pensionierter, die bürgerliche Gesellschaft und den Bolksgeist beeinflußt. Er verweist aus die Vorrechte des mili­tärischen Elementes und den Geist des Militarismus im Staate in der Regierung,, Verwaltung und Gesetzgebung. Die Sprache ist eindringlich, kräftig, aber nie unedel oder plump. Ehre dem Manne, der bekannt hat, was gewiß viele mit ihm fühlen, aber nicht gleich offen zu sagen wagen. Möge sein Wort nicht ver- * loren sein!

„Ja, sie . . . Fräulein Lucie."

„Sie arbeitet nicht hier im Hause, sie nimmt ihre Arbert mit zu sich in ihre Wohnung."

„Quai Bourbon nicht wahr?"

„Ja ! Haben Sie vielleicht einen Bmf für sie?"

„Nein, einen Auftrag."

„Ah — einen Auftrag! Von wem?"

„Bon Seiten eines Herrn."

-Dachte ich's mir wohl — sie hat also Bekannt-

Herz Jesn-Bitte!

Lieber Leser! Ist ein Tanz- saal eine geziemende Kirche für eine Pfarrei von 18 000 Seelen? Noch dieses Jahr muß dem gött­lichen Heiland eine würdigere Wohnung geschaffen werden. Willst Du uns nicht dabei helfen ? Das Herz Jesu, das Herz der Güte und der Barmherzigkeit bittet Dich darum; eS lohnt'S Dir auch. An jedem ersten Monatssonntag will ich für Dich und Deine Anliegen das heil. Meßopfer darbringen. [341 Alesch, Pfarrer von Her; Irfu.

Berlin N., Fehrbellinerstr. 99.

„Fräulein Lucie wohnt ja hier, Madame, wahr?" \

, ..®8 sind Ihrer drei, Fräulein Irma, Fräulein

, !" —I- I Reine und Fräulein Amanda, eine ziemlich hübsch und

schafr mit Herren, diese Scheinheilige! Nun, meinet* kokette Brünette. ... Die letzte ist die jüngste der menen man her .fierr fi# FifOwn’m •£l | U

Draußen angelangt, blieb er einige Augenblicke falls hat ihn irgend ein Lebemann geschickt, der dieser stehen und frug sich, waS er M solle. 1 •- ~ 1

„Lucie kommt also nur hierhin," murmelte er, „wenn sie Arbeit zurückzubringen hat — vermuthlich also am Hellen Tage, und daS Tageslicht ist mein größter Feind. Ich muß also weitere genaue Auskunft haben, wenn ich mit Erfolg weiter handeln soll. Aber woher soll ich sie erhalten?"

Er dachte eine Zeitlang nach und sagte sich dann, sich vor die Stirne schlagend:

„Ich Dummkopf — daS Fräulein von oben wird'S gewiß gerne thun, sie scheint ja ohnehin Lucie nicht sehr grün zu sein. Jedenfalls muß ich mich an sie wenden, und ich denke, daß ich durch sie zu meinem Ziele gelangen werde."

Renn Uhr schlug ei eben auf dem Thurme der Kirche Saint-LouiS auf der Insel.

Der falsche Dienstmann trat unter da- Thor- gewölbe, durchschritt der Hof, ging geraden WegeS aus die Loge der Schließerin zu, und sagte dann, indem er sich stellte, als ob er den Namen dem Papier, welches er in der Hand hielt, zu versuche: X

(Immer derselbe.) Bon einem Wagen des Gesundheits­amtes wird ein Eckensteher überfahren. Er reibt die Knochen und murmelt, dem enteilenden nachblickend, vor sich bin: ..Na nu? Det soll woll 'n Witz sind?"

(Nicht ausgeschnitten.) „Na, wie hat sich bei Ihnen die Saison angelassen?" — „Danke, das Geschäft geht glänzend. Vor einer Viertelstunde waren so viele Kundinnen im Laden, daß die Stühle nicht ausreichten!" — „Wie viele Stühle haben Sie denn?" — „Zwei!"

(Sehr richtig.) A.: „Sie wohnen ja wohl neben dem Kirch­hof, ist das eigentlich nicht peinlich?" — B.: „Wie so denn? Ich versichere Sie, ich habe in meinem Leben nicht so ruhige Nachbarn gehabt."

(Rette Familie.) Richter (zu dem jugendlichen Angeklagten): „Sind deine Eltern vielleicht hier anwesend?" — Angekl.: „Nee, die werden irgendwo anders abgeurtheilt!"

* (Eine Schmeichlerin.) Frau (wüthend): „Aber Marie, was fällt Ihnen denn ein, meine Schuhe mit der Zahnbürste zu putzen?" Marie: „Gnä' Frau, die anderen Bürsten sind für Ihre Schuhe zu groß!"

* (Inserat.) Zu einer großartigen Erfindung wird ein reicher Kompagnon baldigst zur gründlichen Ausbeulung gesucht.

* Auf der Seereise. Aus einem Briefe. Postskriptum: „Entschuldige die Schreibfehler, aber das Schiff schaukelte so furchtbar!"

Gothaer Lebensversicherungsbank.

Der unterzeichnete Vertreter dieser ältesten und größten deutschen Lebensversicherungsanstalt empfiehlt sich zur Vermittelung von Versicherungen und erbietet sich zu jeder gewünschten Auskunft.

Fulda, Hinterbnrg 712. Hermann Israel.

Vermischtes.

• Die „Stadt der Millionäre" kann sich Ham­burg, die erste Handelsstadt Deutschlands, nennen. Im Jahre 1887 gab es in ihr 162 Einwohner, die ein Einkommen von mehr als 1 Million Mark ver­steuerten. Zusammen gaben diese 162 Millionäre ein Einkommen von 302 Millionen mit einer Steuerquote von 1056000 Mark an. Nach den neuesten Ver­öffentlichungen des Hamburger steuerstatistischen BureauS hat sich die Zahl der Millionäre bis zum Jahre 1891 erheblich verwehrt. Für dieses Jahr versteuerten 219 Einwohner ein solches Einkommen, im Ganzen 642 Millionen, die der Staatskasse einen Steuerertrag von 2 247 300 Mark eintrugen.

„Sa, sechster Stock."

„Ist sie zu Hanse?"

„Ich glaube, ia."

„Danke sehr."

Ovide betrat die Treppe und begann die Stufen hinaufzufteigen.

Auf dem zweiten Stockwerk angelangt, blieb er stehen.

„Wenn die Kleine um diese Stunde noch nicht auS- gegangen ist," dachte er bei sich, „dann arbeitet sie zu Hause. Vielleicht begibt sie sich überhaupt nur zu ihrer Schneiderin, um fertige Arbeit dahin zurückzu­bringen. Dies muß ich wissen."

Er wartete noch vier oder fünf Minuten und stieg dann wieder hinunter.

Die Schließerin, welche gerade mit der Zubereitung ihres Frühstücks beschäftigt war, sah eS nicht ein­mal, daß er vor der Loge vorbeikam und das Haus verließ.

2.

Vom Quai Bourbon weg begab sich Ovide nach der rue Samt-Honore, wo er das Haus der Madame Augustine nicht lange zu suchen brauchte.

In großen vergoldeten Buchstaben war der Name der bekannten Schneiderin an dem Balkon des Ge­schäftshauses lesbar.

Der falsche Dienstmann begab sich geraden WegeS zu den Ateliers und klingelte.

Ein Bedienter in reicher Livree öffnete und ver­wies ihn an eine Dame auS dem Anprobe-Saale, ein «ehr hübsches Mädchen, welche- nach der neusten Mode gettetDet war und als lebendige Probefigur, wenn wir so sagen sollen, für die wundervollen Toiletten biente, welche der erfinderische Geist der Madame Augustine ersann.

Ovide hielt es für angemessen, seiner Sprache einen etwas fremdartigen bestimmten Ton zu verleihen und zwar so, daß man ihn für einen echten Sohn der Auvergne halten mußte.

„Fräulein Lucie vielleicht hier?" frug er also in dem rwähnten Dialekte.

„Fräulein Lucie — wen meinen Sie?" frua die I Angeredete lachend.

»Eine Arbeiterin aus Ihrem Geschäft!"

0 „Ah, Lucie!"