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fV Hierzu eine Beilage.

<a Herzog Ernst II. von Sachsen-Koburg

Ein eigenartiger deutscher Kleinfürst ist auS dem Leben geschieden. Vor einem Menschmalter war er der populärste unter den großen und [(eisen Landes­herren in DeutschlarH, der Stolz uvd die Hoffnung des ganzen Liberalismus; er hat aber seine VolkSthüm- lichkeit lange überlebt, m d die jüngere Generation widmete ihm trotz der dreibändigen Srlbstbiographie, di« er vor fünf Jahre herausgab, wenig Aufmerksam- keit. Nur 1888 war noch sein Name in Allen Munde, jedoch keiuesweHs zu seine» Vortheil. Mau hielt ihn für den Verfaffer oder wenigstens dm Patron einer Schmähschrift gegen dm Kaiser Friedrich nah bi« Kaiserin Viktoria. Fest gestellt ist die Urh-K-M.sir der Schrift: „Auch ein Programm aus den 99 Tages", freilich nicht; man hielt aber dm Herzog de« häßlichen Angriffs für fähig wegen feiner leidenschaftliches Neig­ung für „hochpolitische" Seitensprünge.

Er hatte zwar nicht die Fähigkeiten eines Alex­anders, aber sein schönes thüringisches Doppel-Hrr- zogthuin war ihm doch zu klein. Er war wmiger eia starker Charakter, als ein vielseitiges Talent und so widmete ec sein Leben einem mannigfaltigen Dilettantis­mus. Ec war in seinen Mußestunden Schriftsteller und Opern kam ponist und Könner von Literaten und Künst­lern. Noch zum Schluffe seiries Leb-ns hat er bekannt­lich die Opernkonkurrmz und die FHspiele in Gotha veranstaltet, wobei freilich «ich:s Rechter herauSkarn. Auch seine militärische Thätigkeit hatte einen dilet- tantenhaften Zug. An den Sieg von Eckensörl im Jahre 1849, der vielfach auf R chnung seines Kom­mandos gesetzt wird, ist er thatsächlich unschuldig ge­wesen; 1866 und 1870 hielt er sich beim Stabe auf. Mit besonderem Eifer betrieb er den Dilettantismus in der „hohen Politik." Ec wollte die „deutsche Frage" lösen, gab dem „Nationalverein" eia Heim in seinem Lande, beteiligte sich demonstrativ an bett Schützen- fisten und den sonstigen „natioualm" Kundgebungen dec gahrenden Zeit, suchte die prmßische Politik zu Gunsten seines Freundes Napoleon zu beeinflussen, trat während der BiSmarck'schrn Konfliktzeit mit der fort- schrittlichen Opposition in Beziehung, schwenkte aber bei AuSdruch der Krisis von 1866 in das BiSmarck'sche Lager ein. Man sagt, daß er in der Sänger- und Schützenfefiperivde zeitweilig von der Kaiserwürde ge­träumt habe; nach 1866 hat er sich fteilich echt prenß sch gehalten, und wenn er die Kampfschrift von 1888 ver­faßt haben sollte, so hat er jedenfalls geglaubt, dem Fürsten Bismarck damit einen Gefallen zu tbun. Letz­terer schernt freilich gegen die hochpolitische Thatenlust des Koburger Herzogs immer ein gewißes Mißtrauen bewahrt zu Haden.

Daß Her-og Ernst an der Verwaltung seiner Erb­londe kein Genüge fand, erklärt sich wohl auS den eigenthümlichen Schicksalen seines Geschlechts. Der koburgische Stamm wurde in ganz mährchenhaster Weise in poletische Abenteuer verwickelt. Ein Vetter des Herzogs Ernst wurde Gemahl b-t Königin Maria da Glorie vo.t Portugal; ein Onkel bestieg den belgischen Thron. Der jüngere Bruder Albert wurde Prinz-Gemahl in England und dessen zweitge­borener Sohn tritt jetzt das Heizogthum Sachsen- Kolurg-Gmha an. Ein anderer Beeter hatte als Ge­mahl die Prinzessin Leopoldiue von Brasilien Anwart­schaft auf den südamerikanischen Koiserthron, bi» die Revolution Don Pedro entthronte. Ein dritter Vetter ist der Bulgarenfürst Ferdinand. Die politischen Be­ziehungen, welche sich aus diesen Stellungen seiner Verwandten ergeben, namentlich die Bezichungen zum englischen Hofe, wo der Prinz-Gemahl auch eine rege politische Thätigkeit entfaltet und von wo sich starke Fäden nach Berlin spannen, mußte natürlich den selbst­bewußten und unternehmungslustigen Herzog Ernst ver­leiten, sich auch nach Kräften cm großen „Webfwhl der Zeit" zu versuchen. An dynastischer Fruchtbarkeit kann mit dem koburgischen Geschlecht nur daS dänische Königshaus konkuriren. Während Koburg Männer auf die verschiedenen Throne entsandte, versorgte Däne- marck sowohl den russischen als den englischen Thron­folger, sowie den Rechtsnachfolger d« unglücklichen Königs von Hannover mit Lebensgefährtinnen und außerdem Griechenland mit einem König.

Mit dem Fürsten Bismarck hatte Herzog Ernst das

Schicksal gemeinsam, mehr in der Ferne, als in der Nähe beliebt zu sein. Die Nachbarn oer Bismarck'scheu Schlösser haben für die großen ReichSkoften manchmal das Gegencheil von Schwärmerei an den Tag gelegt, und Herzog Trust, der zeitweilig der populärste Fürst in Deutschland war, genoß in seinem Heczogthum keines­wegs ein Uebermaß von VolkSthümlrchkeit. Uebr.genS folgte er darin der Gesammt-Entwicklung des national» vereiulichen Liberalismus, daß die freiheitlichen uvd wirklich freistsmgen Ideen immer mehr in den Hinter­grund traten.

Der alte Kaiser Wilhelm soll in der feierlichm Stunde der Kaiserproklamatiou iv Versailles dem Her­zog Trust dankend bezeugt haben, daß er wesentlich zu dieser Errungenschaft mttgewirkt habe. In Wirklich­keit ist der Erfolg der politischen Rührigkeit b*8 Her­zogs »«hl nicht so sehr hoch zu schützen. Tr war eifrig und vielgeschäftig; und wenn wir auch für dm „Natiosalverem" niemals Sympathie gehabt haben, so wollen wir doch dm guten Willen d-s Herzogs bei seiner Förderung dieser Bestrebungen gern gelten lassen. Es fehlte aber die staatsmännische Tiefe und Kraft und so mußten sie Alle, Bermigsm und Genossen wie der Her­zog Trust, der BiSntmck'schen Gewaltpolitik die über ihre Köpfe hmwegging, sich bescheiden cmschließeu.

Das lebhafte Temperament des Koburger s wird in dem letzten Theil seines Lebens, als er seine hoch­politische Thatenlust der Uebermacht des eifersüchtigen Bismarck opfern mußte, wohl keine volle Sefrtebigung mehr gefüllten hoben. Möge ihm nun die Ruhe be» schieden fein, und möge der Herzog von Edindurg als Erbe und Nachfolger seines Oheims die Herzen der Einwohner des schönen Landes bald gewinnen!

Deutsches Reich.

Berlin, 25. August.

* Gegen die Thronbesteigung des Herzogs Alfred von Edinburgh a!S eines Ausländers erhebt der .Reichs» tote' in erregter Weise Protest. Dte Nachricht habe peinliche Ueberraschung tzervorgerufen, da eS gegen daS nationale Empfinden gehe, daß ein englischer Herzog und Admiral Regent eine» deutschen Landes und als solcher deutscher BundeSsütst sein solle. Inzwischen bleibt Deutschland ruhig, höchstens wundert man sich über den so plötzlich in die Erscheinung getretenen lächerlichen Chauvinismus dcS konservativen Organs, daS ihm zu Liebe sogar das Legitimitätsprinz p in die Rumpelkammer wirft. WaS ist denn so Auffälliges an der ganzen Sache? Oder hat der M-ichsdvte' je etwas darin gefunden, daß ein deutscher Hohenzoller dm ru­mänischen Thron bestieg?

* Dte Errichtung einer Mariuestatiou an der Wcstmündung deS Nord-Ostseekanals ist, wie auS Kiel gemeldet wird, seitens der Marincverwaltung endgiltig beschlossen. Ein Fort wird cm Eingang der Schleuse, ein zweites bei Westerdeich, 5 Strandbatterien werden bei Cuxhaven angelegt.

* Der preußische Minister für Landwirthschast, hat die Regierungspräsidenten der östlichen Grenzbezirke ermächtigt, die Einfuhr von Heu und Stroh aus Rußland noch bis zum 2. September d. I. einschließ­lich zu gestatten, wenn von den Importeuren glaubhaft nachgewiesen wird, daß diese landwirthschaftlichen Pro­dukte nicht aus den seuchmverdächtigen inneren russischen GebietStheilen, sondern auS siuchensreien Gegenden russisch-polnischen Lander stammen.

* Ahlwardt hat am Dienstag wieder ein Mal in Berlin gesprochm. Er verbreitete sich abermals über die Ziele seines Anti-Semitismus, als die er die Aus­treibung aller Juden, auch der getauften und der „Mischlinge" aus Deutschland bezeichnete. Die christlich­soziale Partei gehe nicht weit genug, dagegen empfahl er, mit dem onti-femiten Flügel der Deutsch-Sozialen Hand in Hand zu gehen, den konservativen Flügel derselben (also Liebermann v. Sonnenberg) aber rück­sichtslos zu bekämpfen. Ueberhaupt sei die konser­vative Partei mehr wie jede andere Partei von bat Anti-Semiten zu bekämpfen, weil die Konservativen sie nur zu selbstsüchtigen Zwecken benützen wollten. Die konservative Partei habe ibn bei ben Wahlen auch am heftigsten bekämpft. Im Uebrigen sei eS nothwendig, daß jetzt die veiffchiedenen anti-semitischen Richtungen zusammengehen; so empfehle sich ein Zusammengehm mit der Böckel'schen Reforwpartei. Jedenfalls wüste die anti-s-mittsche Partei eine Bolkspattei fein. Wenn • die Partei in dieser Weise fleißig agitire, dann werde ’

sie, so prahlte Ahlwardt, bei den nächsten Wahlm im Reichstage dir Mehrheit erhalten. Der bevorstehende norddeutsche Antisemitm-Parteitag werde einer. Crntral- punkt für die Agitation schaffen.

* Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen - Handwerker-VereinS hat beschlossen, den für Halle i a. S. 1893 angekündigtm 8. Allgemeinen Deutschen i Handwerkerteg und 9. Delegirtrntäg des Handwerker­bundes bis auf Weiteres aus Zweckmäßigkeitsgründen nicht abznhaltm.

* Der sechsmonatliche Urlaub des bisherigen Gou- i verneurs von Deutsch-Ostafrika Freiherrn v. Soden läuft mit diesem Monat ab. Wie bekannt, kehrt der­selbe nicht nach Ostafrika zurück; es verlautet, daß er überhaupt aus dem Reichsdienste scheidet. Die Ernenn­ung des Obersten Frerherru v. Schola zum Gouver­neur von Deutsch-Ostafrika steht in Kurzem bevor. Zu seinem Stellvertreter ist Major v. Wrocham au8 Hannover ausersehen, der Ende August nach Oftafrika abreist.

* DaS Kaisermauover beim XIII. (württem- bergischen) Armeekorps fällt in diesem Jahre nun endgiltig fort. Tine KabinetSordre vom 11. b. M. bestimmt, daß außer dem VIII., XIV. und XVI. Korps auch daS XV. Korps (in Lothringen) vor dem Kaiser Manöver »n dem bereits durch Kabinstsordre vom 14. Februar d. I. festgesetzten Umfange abhalten wird. D«S XV. Korps wird hierbei an Stelle des XIII. drei Tage hindurch gegen daS XIV. Korps manövriren. Mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit hat das XV. Korps seine sonstigen Herbstübungen, ab» weichend von ben Bestimmungen der Felddienstordnung zu beschränken. ES fei hierbei daran erinnert, daß das VIII., XIV. und XVI. Korps bereits im tintigen Jahre Kaisermanöver abhalten sollten, daß aber durch KabinetSordre vom 5. und 8. Sept, diese Hebungen wegen der Choleragefahr aufgehoben mürben. Im nächsten Jahre dürften daS ostpreußische, westpreußische und pommerfchr Armeekorps (I., XVIL und II.) die einzigen, welche noch nicht von dem j tzigeu Kaiser be­sichtigt würben, Kaisermanöver Haden.

* Die päpstliche Bulle über die Neuordnung des Benediktiuervrdens liegt jetzt im Wortlaut vor. Dieselbe ist vorn 12. Juli d. I. battet und enthält in fünf Punkten die an der bisherigen Konstitution deS BenediktiuerordmS tiorgenommenen Aenderungen, deren hauptsächlichste diejmige ist, daß särnmtliche Benediktiner- klöfter, ohne ihre Setbständigkelt einzubüßen, doch ht der Person eines PrimaS des B-nedlktinerordeuS ein einheitliches Oberhaupt erhalten, dessen Sitz daS neue Bmediktiner-Kolleg aus dem Avmtin ist.

A Würzburg, 24. Aug. DaS Lokalkomitee für die 40. Generalversammlung der Katbolikeu Deutsch­lands hat sich mrterm 16. Juli on Seine Heiligkeit Papst Lrv XIII. gewendet, um den apostolischen Segen für die Generalversammlung zu er­bitten. Schon unter dem 26. Juli traf von der Nuntiatur in München das Antwortschreiben Seiner Heiligkeit ein, tn welchem der hl. Vater seine Freude über die bevorstehende Versammlung ausdrückt und dem Komite und allen Theilnehmern der Versammlung seinen <3?gen ertheilt. Zwei Punkte find es vorzüglich, die der heilige Vater dem Komitee der Generalver­sammlung 'empfiehlt: Förderung und Stärkung der Einheit unter den deutschen Katholiken und Behand­lung der sozialen Frage. Auch der Nuntius selbst spricht der Versammlung seine Sympathien aus und bedauert, an derselben nicht theiluehmen zu können» »eil er erst in neuester Zeit die Geschäfte der Nuntia­tur übernommen und somit nicht abkommen könne. Se. Excellevz der hochwürdigste Herr Erzbischof vorn Bam­berg werden zum Katholikentag höchst wahrscheinlich kommen. Ebenso ein hochwürdigster Bischof auS dem Orient (auS Mosul am Tigris). Die nunmehr eiuge- laufexen Anmeldungen zum Katholikentag laffrn berertS an Zahl der Kommenden, wie ausgezeichneten Persön­lichkeiten nichts mehr zu wünschen übrig. — Ferner geben wir bekannt, daß eine sehr große und mehr als ausreichende Anzahl von meist ganz vorzüglichen Qnar- tieren zu sehr mäßigen Preisen (1 Mk., 150 Mk. und 2 Mk.) desgleichen auch greiquortiere dem Wohnungskomitee für die Theilnahmer der Versamm­lung zur Verfügung stehen, sohin eine etwaige Befürch­tung, eS möchte an entsprechenden ober billigen Woh­nungen mangeln, ins Reich der allerübetflüffigsteu Sorgen gehört. Außerdem gilt das Leben im Süden, und speziell wieder hier im gesegneten Franken und