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Donnerstag, de» 24. August 1893.
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was die Innungen über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus bisher hatten (fakultative Verleihung d;S Rechts der ausschließlichen Lehrlingshaltung und Heranziehung von Nichtinnungsmitgliedern zu den Kosten der JnnungS» Einrichtungen) beseitigt werden soll. Die Innungen sollen zwar innerhalb der neuen Organisation bestehen bleiben, da die Fachgenossenschaft aber fast alle ihre Aufgaben übernimmt und über größere Mittel verfügen wird, so werden sie schwerlich noch lebensfähig bleiben. Die Ans gab en, die den Fachgenossenschaften übertragen werden, sehen ja auf dem Papier recht schön aus, und wenn alles das buchstäblich von ihnen geleistet würde, so würden sie das Handwerk sicher heben können. Aber werden sie eS thun? Man darf einmal bezweifeln, ob die Aufsichtsbehörde allgemein einen großen Eifer entwickeln wird, sie zur Erfüllung ihrer „obligatorischen" Aufgaben anzuhalten. Bei der Unbestimmtheit ihrer meisten Aufgaben kommt eS überdies darauf an, in welchem Umfange sie sich derselben unterziehen wollen. Ist die Mehrzahl der Mitglieder lässig oder dabei interessirt, daß möglichst wenig geschehe, so dürfte nicht allzu viel bei der Sache herauSkommen. Jndeß ist es ja noch immer möglich, daß in dem Gesetze selbst schärfere und bestimmtere Vorschriften ang-bracht werden, als die Vorschläge erkennen lassen. WaS aber die Fachgenossenschasten schwerlich erreichen »erben ohne schärfere gesetzliche Bestimmungen, ist eine wirkliche Hebung des ganzen Standes durch die Hebung der Einzelnen. Trotz aller schönen B.fugnisie sind sie dem Einzelnen gegenüber so gut wie machtlos. Da sie alle Betriebe, ohne Rücksicht auf die Person der Inhaber-, umfasien, können sie nicht ein Mal ein unwürdiges Mitglied aus ihrer Mitte auSschließen. Pfuscher und Schwindler, „Schwitzer" und Unwissende, Alle muffen sie dulden, und keinen können sie mit ihren „Vorschriften" bessern. Bestenfalls können sie, so viel wir sehen, beantrag«, daß einem Unwürdigen die Befugnis, Lehrlinge zu halten, entzogen wird. In den „Vorschlägen" ist viel von Gesellen- und Meister- Prüfung die Rede, aber alle diese Prüfungen be- deuten in Wahrheit nichts. Wer diese Prüfungen bestanden hat, darf sich Meister nennen, das ist alles. Ein Handwerk betreiben darf, wer Lust hat. In der Ohnmacht gegenüber unwürdigen StandeSmit- gliedern liegt wohl der schwächste Punkt der Fach- genossenschasten.
* In einer vom deutschen GastwirthschaftSverbande einigen zur Finanzministerkonferenz in Frankfurt a. M. erschienenen böheren Beamten unterbreiteten Denkschrift war auch der Wunsch nach dem Erlaß reichS- gesetzlicher Bestimmungen über die Aichung der Bierfässer ausgesprochen worden. Dieser Wunsch dürfte, nach osfizösm Andeutungen, auf baldige Erfüllung rechnen können, zumal auch von Seiten der Brauerei- Interessenten schon der öfteren die Einführung eines solchen AichgesetzeS befürwortet worden ist.
* Köln, 22 Auq. Gestern Nachmittag starb in Rhöndorf bei Honnef o. Rh. der Buchdruckereibesitzer und Verleger der .Kölnischen Volkszeitung' Herr I. P. Bachem im Alter von 71 Jahren.
Für den Monat September werden Abon- «ements auf die
Dann trocknete sie ihre Stirne ab, welche mit dicken Schweißtropfen bedeckt war, und stieg dann, während sie mit Gewalt gegen die körperliche und seelische Schwäche ankämpfle, die sie zu überwältigen drohte, die Treppe hinunter, durchschritt den Hof, ft':eg in den Wagen nnd sagte zum Kutscher:
„Nach Hause!"
Dann drückte sie sich in eine Wagmeck?, zog den Schleier vor die Augen, und ließ ihren Thränen freien Lauf. Zn Hanse angelangt, ging sie geraden Weges in das Zimmer ihres VaterL, schlug indessen, ehe sie daS- elbe betrat, den (Schleier zurück, nahm ihren ganzen Nuth zusammen, öffnete rasch die Thüre und über- chritt die Schwelle.
Paul Harmant saß vor seinem Schreibtisch und war eifrig mit Schreiben beschäftigt.
Er hob den Kopf in die Höhe.
Eine unbeschreibliche Angst bemächtigte sich seiner, als er das bleiche Gesicht seiner Tochter, ihre verstöcten GksichtSzüge und die gerötheten Augen erblickte. In heftiger Erregung stand er auf und ging auf Mmy zu.
„WaS gibt's . . . war gibr'S mein Kmd?" frug er hastig.
„Ich weiß nicht, was . . ."
Mary ließ ihrem Vater keine Zeit, den angesaagenen Satz zu vollenden, sovd.ru sagte mit dumpfer Stimme:
von allen Postanstalten, Landbriefboten, Zeitungsträgern und von der Expedition . (Harmonie) zum Preise von 50 Pfg. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
Endlich entlarvt!
Roman vor» R. von Wollersheim.
(97. Fortsetzung.)
Ovide war nicht wenig erstaunt gewesen, so un- vermuthet die Tochter seines angeblichen Vetters hier auftauchen zu sehen und sie nach Stete, der Näherin fragen zu hören. Er hatte dann, wie wir wissen, den Hof rasch verlassen.
Während er den Wagen Fil. Harmant'S beob- achtere, sagte er sich:
„ES ist unnöthig, daß ich mich noch länger hier herumtrelbe; weiß ich doch jetzt, was ich wissm wollte. Im Uebrigeu muß ich zunächst ein Wort mit meinem ehemaliger Chef reden. Der Besuch Mary'S bei der Arbeiterin hat irgend Etwas zu bedeuten, was mir nidjt ganz natürlich erscheint. Sedan Labrone weigert Nch, Mary zu heirathen, und Mmy besucht daSMäd- chen, bet welchem sich L c an Labrone b.finbet ? Soll wese Begegnung nur ein Werk deS Zufalls fein — und wenn ja, was wird daraus folgen? Ich will mich mcht damit abmühen, zu versuchen, ein so schwieriges Achsel zu lösen und will es gern Anderen überlassen. Aber mein lieber Vetter wird wahrscheinlich klar sehen, wo ich nichts sehen kann, also muß ich mich zunächst mit ihm benehmen. Gehen wir also sofort zu ihm."
Deutsches Keich.
Berlin. 22. August.
* Die preußische Regierung veröff-ntlicht die von ihr erlassenen Anordnungen gegen die Weiterver-
Unter diesem Selbstgespräch bestieg Soliveau wieder seinen Wagen, wodurch der auf seinem Bocke schlafende Kutscher erwachte.
„Geht'S gut, wie Sie wollen, Freund?" frug der Kutscher verständuißinnig benjenigen, welchen er jetzt noch mehr als vorher als einen verkleibeten Polizei- agenten ansah.
„Sa, Alles gut," erwiderte Ovide kurz, „vorwärts".
„Wohin?"
„Place Clichy!"
Das Gefähr setzte sich langsam in Bewegung.
Ovide verließ an der erwähnten Stelle den Wagen, lohnte den Kutscher und schlich alsdann rasch die Straße hinunter zu seiner Wohnung, ohne daß er die Aufmerksamkeit eines neugierigen Nachbarn erregt hätte.
Er entledigte sich rasch seines Maurer kostümS, kleidete sich wie gewöhnlich und begab sich dann zum Vater Lathuile, dessen ständiger Gast er war.
Kehren wir inzwischen zu Mary Harmant zurück.
Nachdem sie daS Zimmer Lucie'S verlassen, dessen Thüre sie, ohne es zu wollen, heftig hinter sich zu- geworfen hatte, blieb sie einige Sekunden draußen auf dem Treppet flut stehen und umklammerte mit beiden Händen ihre Kehle, wie um das heftige Schluchzen zurückzuhalten, daS hervorbrechen mußte.
f dreitung der Cholera. Im Eingänge heißt eS: Bei der zunehmenden Ausbreitung der Cholera in Frankreich und deren Fortdauer in Rußland ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß die Seuche im laufend« Jahre wieder nach Deutschland eingeschleppt wird. ES er- I scheint deshalb geboten, bereits jetzt alle Vorbereitungen z i treffen, um erforderlichenfalls ohne Verzug und mit Nachdruck den Kampf gegen die Krankheit wieder aufnehmen zu können. Die Anordnungen entsprechen den vorjährigen Maßnahmen mit den Modifikationen, welche durch die Beschlüsse der Dresdener Santtäts-Konvention nöthig geworden sind. Hinsichtlich einiger Abänderungen ist zu bemerken, daß daS Reichsgesundheitsamt als gemeinsame Meldestelle bestimmt ist. Diese- ist nicht nur von jedem ersten festgestellten Cholerafall in einer Ort- schäft telegraphisch zu verständigen, demselben sollen täglich gedrängte Uebersichten ober weitere Cholera- Erkcankangs- und Todesfälle telegraphisch übermittelt werden, damit eS sich ein zutreffendes Urtheil über Bildung von Choleraherden bilden kann. Um voreiligen Beschränkungen deS Verkehrs durch die Einführung der Meldepflicht für zureisende Personen vorznbeugen, sind auLschiießlich die höheren Verwaltungsbehörden znm Erlasse bezüglicher Anordnungen ermächtigt. Auch ist die Meldepflicht nur dm Ankömmlingm aus solchen von der Cholera ergriffenen Orten ober Bezirken auf- zuerlegen, wo sich ein Seuchenherb gebilbet hat. Be- fonbere Grundsätze sind für Errichtung einer gesundheitspolizeilichen Ueberweisung der BinnmschiffsahrtS- und FlößereiverkchrS aufgestellt. Den Polizeibehörden ist die Verpflichtung auferlegt, die Ausfuhr bestimmter Waareu aus solchen Orten, in denen sich ein Cholera- | Herd gebildet hat, zu verbieten. Einfuhrverböte gegen« über dem AuSlande werden, wenn erforderlich, durch landespolizeilicher Verordnung erlassm. Sn besonderen Anlagen sind die Beschränkungen deS Personen- und WaareuvsckehrS bei der Abwehr und Bekämpfung der Cholera aufgeführt, über welche in keinem Fall hinaus gegangen werden darf.
* Die au dieser Stelle auszugsweise schon erwähnten Regierungsvorschläge für Organisation des Handwerks nnd Regelung deS Lehrling,wesen» finden in der ,Köln. VolkSztg/ nachstehende Beurthellnng: Sm Allgemeinen begrüßen wir die Vorschläge. ES ist boch enblich ein Mal wenigstens ein Anfang. 3st er mangelhaft, so wollen wir barum bas Gebotene nicht verwerfen, sonbern als Ausgangspunkt für Besseres annehmen. Einen großen Fortschritt scheu wir barm, daß die neue Organisation einen obligatorischen Charakter haben, also alle Gewerbetreibendm umfassen soll. Obligatorisch« Snnungen hat die Regierung bisher hartnäckig abgelehnt. Da eine Bekehrung zu denselben bei der Regierung nicht anzunchmen ist, so ist man bei dm Fach genossenschasten sicher, daß eS keine Snnungen unter anderm Namen sind. An dem Namm „Snnungen" hüte ja soviel nicht gelegen, wenn die Fachgenossenschasten nur daS sind, was die Snnungen fein sollen Nun schm wir vor allem, daß sie die Aufgaben, die bisher den Innungen oblagen, vollständig absordiren und daS Bißchen Machtbefnguiß,
* Au der Wiege der Gentrumspartei.
WaS Gör res, der erste große Sohn von Koblenz als Journalist, Schriftst-llec m b Professor, das waren die Gedr. Reichensperger als praktische Politiker und Parlamentarier: die Wiedererwecker echt kath. FühlmS, bahnbrechende Vertheidiger christlicher Weltanschauung. ES ist j-tzt nicht die Zeit diese Sdte, die Haupts.ite der Thätiqkeit Peter Rdchenkp rgerS gebührmd zu würdigen. Nur sei daran erinnert, daß er es war, bet ben ersten Anstoß zur Gründung der späteren Centrumsfraktion gegeben hat in einem Artikel ter .Köln. Vztg.' vom 11. Suni 1870, den diese als „von einem der keivsrragendsten Fähr.r der kath. Partei ihr eingesandt" zum Abdruck brachte. Derselbe bedeutete daS erste Wahlprogramm bet Cm- trumkpartei und em hielt schon alle Hauptpunkte deS spätem osfizielltn Programms. Die Forderungen deS Artikels seinen nochmals in Erinnerung gebracht:
1. Unversehrte Aufrechterhaltung der durch die preußische BerfassungSurkunde gewährleisteten Selbstständigkeit der Kirche en Ordnung und Verwaltung ihrer Angelegenheiten, insbesondere auch hinsichtlich der Bildung und Entwickelung kirchlicher Gesellschaften. 2. Abwehrung aller gegen den konfessionellen Charakter des BolkSunterrichts gerichteten Bestrebungen und Angriffe zur Sicherung deS heiligsten Rechts der christlichen Familie, sowie I endliche Verwirklichung der verfassungsmäßig verheißenen Unter- richtsfreiheit. 3 Bewahrung des im Bundesvertrag und in der Bundesverfassung festgestellten föderativen Charakters des Nord- deutschen Bundes gegenüber allen auf Einführung des zentrali- ftrten Einheitsstaates gerichteten, mit der wahren Freiheit und der eigenartigen Entwickelung deS großen deutschen Vaterlandes unerträglichen Parteibestrebungen. 4. Dezentralisation der Verwaltung und Verwirklichung der Selbstverwaltung des Volkes I in Gemeinde, KreiS und Provinz. 5. Ermäßigung der finanziellen Belastung des Landes, insbesondere durch Verminderung der Ausgaben für das Militärwesen, sowie Beschränkung der aktiven Dienstzeit bei der Armee.
Wir halten eS um so mehr für angebracht, unsere Leser hierdurch an bie Wiege bet Centrumspmtri zu führen, als gegenwärtig aus Anlaß bet Katholikenversammlung in Würzburg von gegnerischer Seite mit allen Mitteln auf eine Spaltung bet Partei hinge- arbeitet wird, und bie Gegensätze, bie sich durch die Militärvorlage gebildet Haden, noch nicht ganz ausgeglichen sind. An dem Beispiele der Vorkämpfer, an ihrer Arbeit und ihrer Einheit, an ihren Erfolgen die jüngsten Gegensätze auSzugleichen, wäre die schönste Anerkennung, die höchste Ehrung ber Wade- ren ruhmvollen Gründer unb Vorkämpfer unserer Partei.
_________ 20. Jahrganx
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