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JW 186

DonnersLag^den17. August 1893.

20. Jahrgang

uldaerMZeitiing

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Würzburg, 14. August 1893.

Die sehr durchsichtige .Würzburger Meldung' in der »Kölnischen Leitung' vom keunaen, frtnff8 Verscbie- buna des ff.ithoiitentayg wegen Cdolerag-fahr können und müssen wir al« durchaus der Wahrheit nicht ent- sprechend beze'chnen. Nicht nur weist das Lrcalkomttee für den Katholikentag von einer solchen Maßnahme nicht dos Geringste, noch ist hiezu auck der mindeste Anlaß aeaeben. da der Gesundheit? zustand in Würz­burg der allerbeste ist.

Das vorbereitende Lokalkomitee:

Dr. T ialer. Seuffert, Mag -Rath.

* Die Lage des Zentrums.

Der erste Vcprasilent deS deutschen Reichstages, Frhr. v. Buol, hielt in der vergangenen Woche im Männerv-reine „Ceutrum" zu Mannheim einen Vortrag über die gegenwärtige polit.s he Situation mit besonderer Beziehung auf das Centrum. Redner führte auS: Die RsichstagSfraktion des CentrumS sei durch Auflösung mitten auS wackerer Arbeit herauSgerissen worden; eine ganze Reihe von tief in das wirthschaft- lichr Leben eingreifenden Anträgen sei im Wesentlichen von den Kommissionen genehmigt, der Annahme durch dar Plenum sehr nahe gewesen; nun müßten sie eben die Vorstadien noch einmal durchlaufen. Nach einem Rückolicke auf den vorigen Reichstag bemerkt Redner, der neue Reichstag habe besonders dem Centrum viele neue Elemente zugeführt; fämmtliche Kollegen feien vom besten Geiste und dem Bestreben, gemeinsame tüchtige Arbeit zu leisten, beseelt. ES sei Sorge zu tragen, daß fämmtliche Centrumsanträge in der ersten Stunde nach Eröffnung der nächstm Session erneuert werden. Es fei nicht zu leugnen, daß der Verlauf der Dinge dem Centrum einige s ehr tüchtige Kräfte entzogen habe, und daß auch innerhalb der Partei manch treues Gemüth, wenn nicht entfremdet, so doch etwas erkaltet sei. Er denke dabei nicht an die SepienatSkatholiken Rheinland-Westfalens, auch nicht an ine Karlruher Katholiken, die sich immer als solche austhun, wenn etwas in Frage steht, was die Katholiken als solche gar nicht berührt, aber bann wie vom Erdboden v-rschwundeu seien, wenn eS sich zum Beisp el um die Gleichstellung der badischen Katholiken mit jenen der ganzen Welt Handl-, sondern er denke an cmtmmStreue Katholiken, die ihrem Gewissen fol­gend, in der Militärvorlage anders geurtheilt haben. Theorien, wie z. B. ob das Centrum eine religiöse oder eine politische Partei sei, ob die Militärvorlage eine Princ pien- oder eine ZweckmäßigkeitSfrabe bilde, sei kern großes Gewicht beizulegen. Wenn enorme Z'ff rn sich überhaupt zu Princchimfragen eigneten, so stehe nicht fest, welche Fri-denSpräsenzz ffw nnn das Princ^p bilde, jene von 1887 oder jene von 1890, da daS Centrum beide genehmigt habe; auch sei eS

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(91. Fortsetzung.)

„Heute Abend wird er in der Fabrik schlafen, um morgen die Maschinen versenden zu können, welche er zur Ly wer Eisenbahn begleiten wird."

„Und weiter?"

„Er wird Montag Morgen abreisen."

„Ich weiß schon genug!" sagte Ovide. „Weil er dann einen freien Sonntag hat, wird er den Tag natürlich damit zubringen, seiner Angebeteten sein glühendstes Lebewohl zu sagen."

„Dies ist durchaus wahrscheinlich."

„Mehr als wahrscheinlich, es ist gewiß. Wir wer­den also nichts weiter zu thun haben, als daß wir genau cu'passm, vm zu erführe.!, wohin der junge Manu sich begibt, wenn er die Fabrik verläßt."

„So ist's allerdings."

„Nun, Vetter, wir werden eS schon erfahren, ich verspreche es Dir. Du weißt, daß ich mein Versprechen halte, wenn ich Dir ein solches gebe."

„Hast Du Geld nöchig?" frug Jakob Garand.

„Ich sehe, Du besitzest wirklich Takt 1“ sagte Ovide lachend. „Man steht sofort, daß man eS mit eimm praktischen Manne zu thun hat! Freilich habe ich Geld

außer Zweifel, daß die Fraktion als politische Kröper- schaft in allen wichtigeren Fragen nach politischen Grundsätzen handeln müsse, und daß sich dies nur dann mit Erfolg thun könne, wenn sie einig sei; al sei aber nicht minder klar, daß die höchsten Aufgaben der Partei nur zu erreichen seien, wenn alle kirchen- treuen Katholiken fest zusammenhalten. Es dürfte des­halb heiligste Pflicht sein, Alles sorgfältig zu vermeiden, waS eine Abbröckelung oder weitere Erkaltung bis­heriger warmer Freunde vermehren könnte.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. August.

* Die Garnison der Reichshauptstadt ist um ein Regiment, das 4. Garderegiment, welches bisher in Spandau garnisouirte, vermehrt worden, heute Vormittag 10 Uhr zog eS durch daS Brandenburger Tyor ein. Der Kaiser hatte, entgegen der offiziellen Hofberichten, seinen Aufenthalt in Kiel abgekürzt, um daS Regiment persönlich in seine Hauptstadt emzu- führen. Am Brandenburger Thor begrüßte der Ober­bürgermeister Zelle das Regiment. Der Oberst des­selben erwiderte in einer kurzen kernigen Rede. Dann zog daS Regiment unter den Klängen des Pariser E.nzugSmarscheS mit dem Kaiser an der Spitze durch via triumphales der Linden nach dem Schloß, wohin die Regimentsfahnen gebracht wurden. Alsdann führte der Kaiser das Regiment in sein neues Heim, in die Kasernen an der Rathenowerftraße (Moabit), hielt eine Ansprache an das Regiment und nahm sodann mit den Offizieren desselben im OffizierLkastno ein Früh­stück ein. — Leider hat sich anläßlich dieses Einzuges ein schwerer Unglücksfall zugetragen; bei dem viele Personen — bie Zahl läßt sich noch nicht fest- stellen — verletzt wurden: in der Nähe der Kasernen- gedäude, längs der Juvalidenstraße am AuSstellungS- park, hatte sich eine dichte Menschenmenge zusammen- gedrängt und Rückendeckung ott dem den AuSstellungS- park umfriedigenden eisernen Gitter gesucht. Dieses konnte dem gewaltigen Druck nicht widerstehen, gab nach und riß einige schwere Steinpfeiler mit sich, welche in die Menge fielen und dort viele Verletzungen ver­ursachten. DaS Unglück geschah gerade als dar Regi­ment heranrückte, wodurch der durch den Unfall hervor- gerufene Tummult nur noch größer wurde.

* Unter der polnischen Arbeiterschaft im Osten Berlins sind in den letzten Tagen Erkrankungen an Brechdurchfall vorgekommkn, von denen sich bei der bakteriologischen Untersuchung drei als Cholera heraus­gestellt haben. Die Vermuthung spricht für eine Ein­schleppung auS russisch Polen. Seitens der Behörden sind sofort die umfassendsten Maßregeln ergriffen wor­den, so daß die Erwartung berechtigt erscheint, daß der Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Krankheit tor- gebeugt ist.

* Der Zollkrieg zwischen Deutschland und Ruß­land dauert in verschärftem Maße fort. Nachdem Deutschland die russische ZollkriegSerklärung, die in der Aufstellung eines Mvx maltarifS gegenüber Deutschland

nöchig, denn ohne verschiedene Ausgaben wird sich die Sache kaum machen lassen. Aber bedenke, daß ich sehr liebenswürdig bin, denn für den Augenblick frage ich nichts. Später können wir ja die ganze Sache freund- fchafilich erledigen, so halte ich es für bester. Wenn wir die Arbeit kennen, können wir uns über den Preis verständigen, meine ich wenigstens. Um wie viel Uhr wird Lucian morgen früh die Fabrik verlosten?"

„Zwischen sünf und sechs U?r.“

„Wo b-findet sich seine Privatwohnung?"

„Rue de Miromoril Nr. 87."

„Gut, ich werde ihm schon auf den Versen {.in. Jetzt, wo wir Alle» abgemacht haben, habe ich Hunger wie ein Wolf. Gehen wir also speisen."

„Laß mich zuerst gehen. Ich begebe mich zunächst zu meinem Kutscher, welcher am E.ugange der Straße hält und werde ihn mit der Meldung nach Hause schicken, daß ich nicht zum Mahle komme."

„Ich will mich dann schon in der Zwischenzeit zum Restaurant beim Vater Lathuile begeben. Dort ist man gut aufgehoben und ich pflege dort stets zu speisen."

„Ich werde sogleich nachkommen."

Die beiden Männer verließen nunmehr nacheinander den Pavillon. , ,. Ä ,

j Der falsche Harmant schritt auf seinen Kutscher zu ! und sagte zu ihm:

lag, mit einem Zollzuschlag von 50 Prozent beant­wortet hatte, verhängten auch die Russen einen zweiten Zuschlag von 50 pCt., erhöhten die Ladeabgabe für deutsche Schiffe auf daS Zehnfache und dehnten den Zollkrieg auch auf Finnland aus. Die russischen Staats- und Finanzmänner müssen eine durchaus falsche Aus- fastung von deutschen Verhältnissen gehabt haben, wenn sie glaubten, mit diesem muthwillig heraufbeschworenen Zollkriege Deutschland zwingen zu können, die russischer- seitS gestellten Bedingungen für einen deutsch-russischen Handelsvertrag anzunehmen. Allerdings haben Handel und Verkehr zwischen Rußland und Deutschland unter diesem Zollkriege schwer zu leiden, eine Reihe von Ge­schäftsleuten wird schweren Nachtheil davon haben, aber Deutschland kann doch diesen Kamps leichter und länger ankhalten als Rußland. Rußland wird die Folgen deS Kampfes weit empfindlicher spüren, und schon jetzt tritt in der russischen Presse statt der kampfesfrohen Stimmung eine Resignation zu Tage, eine sanfte Art deS Bedauerns über einen übereilten Schritt, schon fitzt wird aus Petersburg gemeldet, daß die Verhandlungen über einen deutsch-russischen Handelsvertrag trotz der Zollkrieges fortgeführt und hoffentlich noch vor dem Herbst zu einem gedeihlichen Abschlüsse gebracht werden sollen. Auch der Umstand mag die Rassen frappirt haben, daß die deutsche Regierung bei ihrem energischen Vorgehen gegen Rußlands Zollkriegerklärung die einmüthige Zustimmung des deutschen Volkes hinter sich hatte.

* Der Präsident des Reichsbank-DirektoriumS Dr. Koch ist zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Präd.kat Exzellenz ernannt worden.

* Zu der Konferenz über die AuSführungSbestimm- mtgen betreffs der Sonntagsruhe in gewerbliche« Betrieben werden Vertreter der Arbeitgeber entsenden: Der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, der Verein deutscher Salinen und Salzbergwerke, die MannSfelder Kupferschiefer bauende Gewerkschaft, der Verein für die Berg- und Hüttenmännischen Interessen im Aachener Bezirk, der Oberscblessifche berg- und hüttenmännische Verein und der Verein zur Wahrung der bergbaulichen Interessen im Oöer-Bergamtsbezirk Dortmund. Außerdem werden Beamte der bergfiSka- lischen Betriebe an der Berathung theilnehmen. Was die Arbeiter anlangt, so sind in Preußen zunächst die Gewerbea-afsichtsbeamten beauftragt worden, durch In­telligenz und Sachkunde ausgezeichnete Arbeiter der wesentlichen hier in Betracht kommenden Betriebe nach Betriebsarten getrennt zu Bersammlungen einzuladen, mit ihnen die Ausnahmevorschriften zu besprechen und ihr Gutachten entgegenzunehmen. Bon den durch die Gewerbeaussichtsbeamten vernommenen Arbeitern wird sodann ein Theil zu den Verhandlungen, die in B e r 1 in im nächsten Monat stattfinden werden, hinzugezogen.

* Zur weiteren Förderung deS KleinbahuwesenS liegt es, wie offiziös mitgetheilt wird, in der Absicht, eine besondere Zeitschrift für Kleinbahnen im Ministerium der öffentlichen Arbeiten heraus zugeben, bie voraussichtlich vom Beginn deS nächstm Jahres ab in monatlichen Heften erscheinen wird. In der

„Sie führen nach Hause zurück und sagen Fräulein Mary, sie möge nicht auf mich warten, da ich in der Stadt speise und nicht weiß, wann ich nach Hause kom­men werde.'

„Gut."

Der Kutscher fuhr in schnellem Trabe davon.

Mary war an die häufigen Abwesenheiten ihres Vaters zu sehr gewöhnt, als daß sie sich weiter beun- ruhigt hätte. Sie speiste also allein und begab sich dann auf ihr Z'.mmer.

Gegen 11 Uhr verabschiedete sich Garand von fernem angeblichen Vetter. „

„Ovide ist ganz der Mann, besten ich bedurfte, dachte er bei sich, wahrend er sich auf bem Heimwege befand. „Mir seiner Hilfe werde rch schon alle Hmder- niste übetminben.“

Der Dijonneser sagte sich für fernen Theil:

ES bandelt sich sür mich dämm, mir meine Rente zu sichern WaS dm Preis der Arbeit betrifft, so werde ich schon dafür forgen, daß er nicht allzu niedrig ist . Der Vetter ist reich, er kann'-bezahlen." Unter diesem Selbstgespräche kehrte er heim.

Seine erste Sorge war, leine Garderobe nachzusehen, welche noch in jüngster Zeit mit Hilfe des Geldes Garand's eine Erneuerung gefunden hatte und in der- s lhen ein Kostüm zu wählen, Welcher die Aufmerksam-