Einzelbild herunterladen
 

JV 185 Dienstag, den 15. August 1893« 20. Jahrgang

MdaerSZtitlliig

täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, «icrteliahrlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Wegen des Feiertages „Mariä Himmelfahrt" erscheint das nächste ildtt erst am Mittwoch.

* Die General-Dersammlung der deutschen Katholiken

findet vom 27. bis 31. August in Würzburg statt. Dieselbe wird in diesem Jahre, schreibt die .Kölnische ,Bolksztg? in einem uns freundschaftlich zur Beifügung gestellten werthvollen Artikel, eine ganz besondere Bedeutung haben. Seit der vorigen General-Versamm­lung hat Manches sich ereignet, was dem ruhigen Beobachter der Vorgänge im deutschen Katholizismus nicht zur Freude gereichen tarn. In der Frak­tion des CentrnmS, welche in der Bertheidigung der Rechte und der Freiheit der katholischen Kirche so er­folgreich sich bethätigt hat, trat wegen der Militärfrage eine Spaltung ein. Es war ja nicht das erste Mal, daß die Fraktion in einer politischen Frage nicht ge­schloffen vorging. In so fern hat der Vorgang ebenso wenig Verwunderliches als Bedenklicher. Aber man kann sich nicht darüber täuschen, daß der Dissens dieser Mal tiefer ging als bei früheren Gelegen­heiten, wo eine einheitliche Haltung der Fraktion nicht zu erzielen war. Bei der Reichstag-Wahl wurden in eine Reihe von Wahlkreisen dem CentmmS-Kandidaten katholische Gegen-Kandidaten gegenübergestellt. Das war auch bei den sogenannten Septennats-Wahlen der Fall; aber diesmal waren die Kandidaten nicht ledig­lich offizielle Kandidaturen, sie fanden Unterstützung an- Kreisen, welche dar Centrum sonst stets an seiner Seite zu sehen gewohnt war.

Wie war dies nun in dem fetittj» Bestehen wegen seiner Einigkeit und Geschlossenheit gefeierten und beneidetm Centrum möglich- Eine ganze Reihe von Gründen hat dazu mitgewirkt. Vor Allem ganz gewiß, soweit es um die Centrums-Fraktion selbst sich handelte, der Umstand, daß der Alles überragende weise Füh­rer fehlte, der nicht nur mit sicherem Instinkt die großen Aktionen des CentrumS im Parlament zu leiten verstand, sondern auch für das innere Leben der Fraktion von so großer Bedeutung war. Ueberhaupt hat sich die Zahl der vertrauten Mitarbeiter W ind t- horst's stark gelichtet, und wenn irgendwo, so ist auf dem parlamentarischen Gebiete die politische Ueberliefe- rung von Bedeutung. Die Gegensätze innerhalb der Fraktion haben sich bei der Entscheidung in der Mili­tärfrage mehr geschärft als nothwendig war, und die Nachwirkungen machen sich störender bemerkbar, als für die politische Stellung der Kotholiken überhaupt er­wünscht sein kann. Auf beiden Seiten hat eS nicht au Uebertreibungen und wenig überlegten Aus­sprüchen gefehlt, welche das Empfinden verletzten vnd dm gegnerischen Bemühungen, die Kluft zu erweitern, willkommme Handhaben boten. Heute noch stehm Manche abseits, die wir schmerzlich vermissen und die zu uns gehören, wenn es um die so nothwendige Bertheidigung der Stellung des Katholizismus auf deutschem Boden sich handelt.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(90. Fortsetzung.)

„Genau, in meiner Gegmwart wurde sein Name auSgesprochm, als ich mich in Deinem Kabinet auf der Fabrik befand. Ich hab'« mir gleich gedacht, und vermuthete sofort, daß eS der Sohn eines gewiffm Ingenieurs Labrone sei. Nun, eS war gar nicht so thöricht, daß Du diesm jungen Mann in Dein Ge­schäft zogst, um ihn beständig vor Augen und in Deiner Hand zu habm, um beständig davon unter­richtet zu fein, was er sagt und denkt und treibt. In der That, ein schlauer Streich!"

„Ich habe eS gethan, weil ich die geheimen Ge­danken Lucians Labrone.s kannte," antwortete Jakob Garand.

„Und welche sind diese geheimen Sedankm?" „Dar unerschütterliche und unveränderte Ziel seiner Lebens ist, den Tod seiner Vaters zu rächm."

„Ich finde diesen Gedanken sehr sonderbar: der Tod seiner Vaters ist ja gerächt! DaS Gericht hat ja einstimmig Johanna Portier zu beständiger Haft ver- mtheilt."

„Ec hält einfach Johanna Portier nicht für die Schuldige."

In dieser Lage tagt die Generalversammlung der deutschen Katholiken. Bei dieser Kundgebung hat sich bisher Alles vereinigt, was katholisch denkt und fühlt, was Verständniß und Herz für die großen Interessen des deutschen Katholizismus hat. Wenn irgendwo, so kommen für die Aufgaben der Generalversammlung politische Schattirungen nicht in Betracht. Alle Stände, alle Gesellschaftskreise der großen katholischen Familie haben sich dort stets einträchtig zusammenge­funden, um das zu berathen und zu fördern, was Allen gemeinsam ist und worüber Meinungsver­schiedenheiten nicht Platz greifen können. Wir sehen ganz und gar keivm Grund, weshalb das in diesem Jahre anders sein sollte. Die Aufgaben der General­versammlung haben sich nicht verändert und die Ge­sinnungen derjenigen, welche diesen Versammlungen Richtung und Bedeutung gaben, eben so wenig. Im Gegentheil möchten wir sagen: wenn es je nothwen­dig war, die katholische Einheit in die Erscheinung treten zu lassen, so ist das in diesem Jahre der Fall, wo so manche Irrungen und Wirrniffe Verstim­mungen und Mißverständnisse erzeugt haben. Jetzt ist der Augenblick, das Ganze zu sammeln und über den Wirrnissen des Tages Erhebung und Befriedigung in dem zu suchen, was unS immer einig finden muß. Ohne weiteres nehmen wir an, daß die Männer, in deren Händen die Vorbereitungen zu der bevorstehenden Zusammenkunft in Würzburg liegt, keinen Augenblick vergessen haben, daß es um eine Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sich handelt. Jeder hat das Recht, dort zu erscheinen, der sich als Katholik fühlt und im öffentlichen Leben bekennt. Ausschließ­lichkeit ist dort in keiner Weise am Platze. Ueber Militär- »mV srmersragen wird.' in Würzburg nicht verhandelt, nicht einmal über dar größere oder geringere Muß von Vertrauen, welches die gegenwärtige Regie­rung verdiene. Was die Katholiken als solche zu thun und zu erstreben haben: das ist der einzige Gegenstand der Berathung, und die Aufgabm auf die­sem so begrenzten Felde sind wahrlich so bedeutsam und so manigfaltig, daß daneben Meinungsverschieden­heiten auf anderen Gebieten auSfchlaggebend nicht in Betracht kommen können.

Die deutschen Katholiken waren bisher durch ihre Eintracht und ihr Verständniß für die Aufgaben der Zeit ein Vorbild für die GlaubenSgenossm aller Län­der. Wir brauchen die Einheit, wie zuvor; der Man­gel derfelben würde unS früher oder später, vielleicht schon bald, auf daS Schwerste schädigen und nur den verschiedenartigen Gegnern ihr Werk erleichtern. Damm hoffm und erwarten wir, daß die Würzburger Gene­ralversammlung ihrer Vorgänger sich würdig erweism und wie diese das Schauspiel brüderlicher Eintracht, ernsten gemeinsamen Strebens und segensreicher Wirk­samkeit biete« werde.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. August.

* Nachdem die Offiziösen wochenlang alle möglichm Angaben über die Miquelffche» Pläne verbreitet hatten,

„Ah — und weshalb?"

„Weil er, wie es wenigstmS scheint, eine Ahnung von dem wirklichen Sachverhalt hat. Er beschuldigt einfach Jakob Garand und behauptet, er sei gar nicht tobt!"

„Sehr fatal, wirklich! Jetzt bin ich allerdings selbst ganz anderer Meinung. Weil es sich so verhält, so ist allerdings die Anwesenheit Lucian Labrone'S in Deinem Geschäfte sehr gefährlich."

„Und noch gefährlicher würde die Sache werdm," ergänzte Garand, „wenn ein böses Verhängniß wollte, daß er Johanna Portier wicderfände und diese Frau mich wiederkänntr. . ."

„Dies ist unmöglich."

„Weshalb?"

„Nun. weil Johanna sich ja int Gefängnisse befindet."

„Sie ist dem Gefängnisse entronnen — sie ist frei!" 85.

Ooide schnellte von seinem Sitze empor.

„Frei!" wiederholte er. „Allerdings sehr unange­nehm. In der That könntest Du ihr wirklich eines Tages begegnen und daS darf nicht fein! Du meinst also, Lucian Labrone müßte beseitigt »erben?"

„Nern," antwortete der Millionär.

„Dann vielleicht Johanna Portier?"

„Ich weiß gar nicht, wo sie sich aufhält."

fand es die ,Nordd. Allgem. Ztg.' für gut, vor allen unbeglaubigten Stmergerüchten und namentlich vor Mit­theilungen über die Frankfurter Berathungen zu warnen. Dem offiziösen Telegraphen wird man aber wohl glauben dürfen und dieser meldete gleich am ersten Tage, daß eine erfreuliche allseitige Uebereinstimmung über die allgemeinen Grundlagen einer Reform der finanziellen Verhältnisses des Reicher zu bett Einzel­staaten sich gezeigt habe. Also mit ber Empfangnahme eines festen Postens aus ben Reichs - Einnahmen sind alle einverstanben. Die Berathungen sollen sich an eine vom Reichsschatzamte vorgelegte Denkschrift geknüpft haben. Herr Dr. Miquel ist also so höflich gewesen, die von ihm verfaßte ober wenigstens in ihren leitenbn Gedanken von ihm inspirirte Denkschrift als eigenes GeisteSprobukt des Reichsschatzamts-SekretärS vorlegen zu lasten. Die bei dm Vorlagen für den nächsten Winter zu erstrebenden Ziele sind nach weiterer offi­ziöser Meldung eingehmd besprochm wordm. Ueber die Mittel und Wege, wie man zu diesen Zielen ge­langt, wird man vielleicht nicht ganz so rasch und glatt einig. Die Börse hatte sofort eine Deputatton von Maklern an Herrn Miquel gesandt, um ihn um Schonung zu bitten. Wenn aber überhaupt eine neue Steuer kommt, so wird sicher die Börsensteuer erhöht werden. Deshalb hat Herr Miquel den Herren nur wmig Trost spenden können. Die Börsensteuer-Erhöhung, sagte er, sei bei der gegenwärtigen Lage unvermeidlich, die Steuer solle aber in schonmder Weise erhoben werden, eine Koyttngmtirung derselben sei nicht geplant. Der Mini­ster sollte die Börsensteuer auch als die einzige Volks- thümliche Steuer bezeichnet haben, was aber nachher bestritten wnrd- «■ a auch nicht gesagt, so ist es doch wahr. Auch die Gastwirthe hatten eine Deputation zu Miquel, Maltzahn und Schraut geschickt, um sich über ihre Lage zu verbreiten und über den ihnen verhaßten Flaschenbierhandel der Kauflmte zu beklagm, scheinen aber mit einigen wohlwollenden Redens­arten abgespeist worden zu sein. Neben der Börsen- steuer wird wohl zunächst eine Tabakfabrikatsteuer beschlossen werden, an dritter Stelle scheint eine Wein­steuer geplant zu fein. Genannt wird noch eine ganze Reihe weiterer Steuern, da wir aber bald Näheres er­fahren sollen, so lohnt es sich nicht, jetzt hier darauf einzugehen.

* Mit dem Plane, das Packetporto zurück zu reformiren, ist der preußische Finanzminister sofort auf den Widerstand der Staatssekretärs von Stephan ge- stoßen, der in Uebereinstimmung mit der gesummten Presse in der ,Nordd. Allg. Ztg.' für die Aufrecht­haltung des 50 PfennigS-PacketS eintrat. Der Gedanke an die Abschaffung dieser Einrichtung zeigt aber deutlich, wohin unS der Militarismus noch zu führm droht.

* Die Entlastung des Reichsschatzamts-Sekretärs Frhrn. v. Maltzahn-Gültz unter Verleihung des Kronenordens erster Klaste wird im .ReichSanzeiger^ amtlich verkündigt und gleichzeitig die Ernennung des Landeshauptmanns der Provinz Posm Dr. Grafm v. PosadowSki-Wehner zum Staatssekretär des Reichsschatzamts unter Beilegung des Charakters als

„Dann weiß ich nicht, was Du eigenttich willst?" „Ich fitill mich deutlicher erklären."

„Dies ist mir nur angenehm."

„Du weißt, daß ich meine Tochter Mary liebe."

„Ob ich es weiß! Diese Gerechtigkeit muß ich Dir wiederfahren lastm, daß Du ein Vater comme il faut bist. Für meine kleine Base würdest Du alle Thor- heiten begehen."

Für sie würde ich ganz Paris in Brand stecken, die ganze Welt vernichten, wenn dies in meinet Macht stände. Ja, ich liebe sie aus ganzem Herzm und aus ganzer Seele, ich liebe sie so, daß ich sterben würde, wenn sie stürbe — und Du weist, daß sie sehr krank tst.

„Natürlich muß sie leben, so lange als möglich, wenn Du mit ihr ft erben würdest 1" rief Ovtde lebhaft aus. „Aber wozu denn übrigmS diese ttaurigm Ge- bauten — waS hat deine Tochter mit alldem zuthun.

„Ein Wort wird genügen, um Dir Alles klar zu machen."

„Schnell dann!"

„Mary liebt Lucian Labrone."

„O, ist dies Alles, was Dir Kummer macht?" sagte Ovide lachend. „Wirklich, alter Freund, Du wirst alt! ich erkenne Dich nicht mehr! Ich meine ge­rade, daß Deine theuere Mary, wenn sie die Gattin Lucians wird, gerade Deine Rettung ist. Beeile Dich