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Beilage zu Nr. 184 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 13. August 1893.

* Die fränkische Kunst- und Alterthums- Ausstrlluug in Würzburg

wurde am Sonntag durch den Herrn Regierungspräsidenten Graf Luxburg in Anwesenheit der Spitzen der Civil- und Militär­behörden, der Geistlichkeit, der Ausjchußmitglieder und der Ver­treter der Presse feierlich eröffnet. Der 1. Vorsitzende des Ver­eins, Herr Oberlandesgerichtsrath Kirchgeßner, begrüßte zu­nächst die Erschienenen und gab dann einen interessanten lieber» blick über das Entstehen des Vereins. Durch Franken ging, so- führte Redner des Näheren aus, die allgemeine Klage, daß die Schätze fränkischer Kultur, die ehrwürdigen Alterthümer der Kunst und des Kunstgewerbes, die Werke fränkischer Meister, mehr und mehr der Heimath entfremdet würden. Da trat Se. Exzellenz der Herr Regierungspräsident Graf Lux bürg, der in nahezu vollendeter 25jähr. Thätigkeit alle Interessen des Kreises zu fördern und zu schützen wußte, auch hier helfend und schützend ein. Dank seiner Initiative wurde am 26. April d. I. der frän­kische Kunst- und Alterthumsverein gegründet, dem sofort 1400 Mitglieder be traten. Die Aufgabe des Vereins besteht in der möglichsten Sammlung von Gegenständen historischen, künst­lerischen oder kunstgewerblichen Werthes, Aufbewahrung, geord­neten Aufstellung und öffentlichen Besichtigung in einem frän­kischen Museum, bis es möglich wäre, dasselbe dem Kreise oder der Stadt Würzburg als Eigenthum zu übergeben. Die Vor­arbeiten gingen trotz der kurzen Zeit schnell von Statten, und der am 1. Juni erlassene Aufruf an die Besitzer von Alter- thümcrn fränkischer Herkunft oder fränkischer Besitzer hatte einen geradezu großartigen Erfolg. Kirchen, Klöster, Edelsitze, Schlösser, Städte, Gemeinden, Stiftungen, Korporationen, Träger der höchsten und bescheidensten Namen, alle Kreise des Landes ohne Ausnahme bethätigten einen rühmenswerthen Eifer.

Der Prinzregent öffnete seine Schlösser in Würzburg, Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg; der Herzog von Edinburg sandte eine herrliche Kollektion werthvollster Gegenstände; in der Ausstellung finden wir Werke von Til. Riemenschneider, Grüne­wald, Tiepolo, Kögler, Urlaub, Fesel, Wohlgemuth, Luc Kranach, Rupdach, van Dyck, Rubens, Leonardo da Vinci rc. Wenn auch Manches nicht vollständig ist, so ist diese Ausstellung nur ein Erstlingswerk, Stückwerk, wie Alles von Menschenhand.

Herr Regierungspräsident Graf Lux bürg dankte in warmen Worten für die Begrüßung; er sprach sich höchst anerkennend für die hervorragenden Leistungen aus und schloß mit dem Wunsche, daß der Zweck der Ausstellung, Kunst und Kunstge­werbe in unserem engeren Baterlande, unserer fränkischen Hei­math, zu fördern, erreicht werde und der Stadt Würzburg zum Segen gereiche. Nach einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. K. Hoheit erklärte er die Ausstellung für eröffnet, worauf rin Rundgang stattfand.

Das Komitee hat eine ungeheure Arbeit in kaum sechs Wochen vollendet. Der sorgsam zusammengestellte Katalog weift 1545 Nummern auf und zwar Edelmetalle, Schmuck, Email und Koftbarkeiten 205, Elfenbein und Perlmutter 29, gottes­dienstliche und religiöse Gefäße 110, Bronce, Kupfer, Messing, Zinn 117, Waffen 174, Steingut 89, Porzellan 38, Gläser 49, Glasgemälde 11, Meßornate 25, Textilarbeiten 25, Kleidungs­utensilien 21, Möbel und Einrichtungsgegenstände 165, Münzen und Siegel 19 und in 6 Kästen ganze Kollektionen, Plastik 119. Kupferstiche und Miniaturen 31, Gemälden 141, Bücher und Urkunden 61 und im Nachtrag 96 Nummern.

Die kirchliche Kunst, welche seit frühester Zeit in Franken reich entwickelt war, feiert auf dieser Ausstellung neue Triumphe. Unter den Arbeiten in Edelmetall, welche allein ein Zimmer fül­len, ragen die für den Gottesdienst bestimmten Geräthe durch Schönheit der Formen besonders hervor. Monstranzen, Kreuz­partikel, Reliquiarien, Kelche, Meßkännchen, Weihrauch-Gefäße rc. vom 12. bis zum Ende des 18 Jahrhunderts sind in herrlichen Exemplaren vertreten. Die bischöfliche Kathedrale wie die kleinste Dorfkirche draußen im Spessart haben ihr Bestes beigesteuert. Neben den von Goid und Juwelen glänzenden Ornaten, die einst die beiden Würzburger Fürstbischöfe aus dem Hause Schönborn getragen, verdienen insbesondere zwei dem hiesigen Ursuliner- Kloster gehörigen Meßgewänder die allgemeine Beachtung. Das eine zeigt die Verkündigung, die Geburt Christi und die heil. Dreifaltigkeit, das andere ist mit der Darstellung des Abend­mahles und der Uebergabe der Schlüssel an Petrus geschmückt. Sie sind von dem Karthäuser Franz Sebert in Engelgarten in Würzburg in tadelloser Zeichnung und mit feinem Farbensinne so genau und so zart gestickt, daß auch die geschickteste Frauen­band ihn nicht zu überwinden vermag. — Fast ausschließlich Werke der kirchlichen Kunst sind im Kreuzgange und in der spät- gothischen schönen Sepultur-Kapelle des Domstiftes untergebracht. Hier finden wir zierliche Flügel-Altäre, deren Theile bis jetzt zerstreut waren, wieder vereinigt, hier schauen die leuchtenden Gemälde des Altmeisters Michael Wohlgemuth u. a. von den Wänden herab, hier stehen die Meisterwerke der Skulptur des 16. und 18. Jahrhunderts. Und Alles stimmt harmonisch zu dem Raume und zur- ganzen Umgebung, so daß man unwillkür­lich fragt, ob das nicht immer so gewesen. Niemand wird un« befriedigt die Ausstellung verlassen.

Endlich entlarvt!

Roman von R. von Wollersheim.

(89. Fortsetzung.)

84.

Jakob Garand hatte seinen Spaziergang wieder aus­genommen.

Abermals blieb er stehen.

„Und er reist ab . . fuhr er fort. „Da habe ich doch eine Dummheit begangen, ihn von hier zu entfernen, in der Furcht, daß er Mary sehe und sie meine Lüge erfährt. Seine Abwesenheit von Paris wird mich hindern, die Person, welche er liebt und welche beseitigt werden soll, auf eine falsche Spur zu bringen. Wenn ich seine Abreise verzögerte? Aber nein, möge er nur tckreis«! Ich werde meinen Zweck durch Georg Darier erreichen, der ja sein Freund ist unb jedenfalls auch sein Vertrauensmann sein muß. Vorläufig handelt es sich dämm, mich zu vergewisiem, ob ich auf Ovide rechnen kann. Noch heute Abmd muß ich es wisim.

Segen vier Uhr Nachmittag« kam Lucian Labroue, «m Harmavt mitzutheilen, daß die Verpackung der nach Bellegarde bestimmt« Kist« beendet sei und daß

man eben damit beschäftigt sei, sie auf Wagen zu ver­laden.

„Gut", versetzte der Industrielle, und fügte dann, indem er verschiedene Papiere von seinem Bureau nahm, hinzu:

„Hier sind die Pläne der Arbeitm, welche Sie in Bellegarbe leit« sollen, und hier diejenige», welche ausgeführt werden sollen. Studiren Sie dieselben unter­wegs genau, damit Sie bei Ihrer Ankunft über die Sache unterrichtet find."

„Es wird geschehen."

„Außerdem sind hier zwei BonS, welche Sie bei der Kasse erheben können: der Eine über fünstausmd Franken, welcher Ihre Reisekosten-Entschädigung bilb« soll, der Andere über fünfzehnhundert, welcher zur Be­streitung der verschieden« Auslagen für die Sie be- gleitenden Arbeiter bestimmt ist. Ich empfehle Ihnen dann noch an, recht thätig zu fein. . ."

„Sie könnm auf mich rechnen, und Sie werden zufrieden sein," sagte Lucian.

„Montag Morgen reisen Sie also ab."

„Ja, mit dem erst« Zuge."

„Gute Reise also, und Sie schreiben mir ja jeden Tag."

„Ich werde nicht verfehl«."

„Ich werde Sie vor Ihrer Abreise nicht Wieder­sehen, denn ich muß sofort nach Paris zurück."

Lucian drückte also die Hand, welche der Chef ihm reichte und begab sich dann wieder zu seiner Arbeit.

Harmant gab Befehl, anzuspannen.

In dem Augenblicke, in welchem er einstieg, fmg der Kutscher:

„Fahren wir nach Hause zurück?"

„Nein, ins Viertel der BatagnolleS, Avenue de Clichy."

„Welche Nummer?"

„Am Eingänge der Straße halten Sie."

Wie befohlen, hielt also der Kutscher am Eingänge der genannten Straße.

Jakob Garand stieg aus, gab Befehl, auf ihn zu warten und verfolgte dann zu Fuße die Straße bis zu der von Ovide angegebmen Nummer.

Hier fah er sich vor einer Mauer, in welcher sich eine kleine Thür befand.

Hinter der Mauer wurde das Dach eines klein« HaufeS, welches von einig« Bäum« umgeb« war, sichtbar.

Neben der kleinen Thüre an der Straße hing ein Klingelzug.

Garand zog kräftig an der Klingel.

Einige Sekunden später hörte er, wie hinter der Mauer der Sand unter dem Fuße eines Mensch« knirschte.

Die Thüre ging auf.

Ovide Soliveau erschien auf der Schwelle, frisch rasirt, d« Hut auf dem Kopfe, den Regenschirm in der Hand, in tadellosem Anzuge und feinen Hand­schuhen und desgleichen Fußzeug.

Er schien zum Ausgehen bereit zu sein.

Als er den Gast erkannte, der vor der Thüre stand stieß er einen Ruf der Freude aus.

„Wie, Du hier, Vetter!" sagte er dann. „Du hast Glück, denn fünf Minuten später hättest Du mich nicht mehr angetrvffen."

.. „Ist es etwas Besonderes, weshalb Du ausgehen wolltest?"

„Durchaus nicht. Ich wollte blos etwas auf den Boulevards umherschlendern und dann einen Absinth nehmen, bis es Zeit zum Mahl ist."

„Nun, daun komme, wir haben miteinander zu sprech«."

„Mit dem größten Vergnüg«, Vetter."

Ovide trat bei Seite, um Harmant vorbei zu lass« und schloß alsdann die Thüre hinter sich zu.

Während er die eben angegeben« Worte sprach, hatte er die GesichtSzüge seines angeblich« Vetters genau beobachtet.

Diese GesichtSzüge war« düster.

Der Dijon«ser schloß aus dieser Thatsache, daß der Besuch Hanuant'S eine ernste Veranlassung hab« müsie.

„Geht etwas nicht ganz nach Wunsch?" frag er ihn allo mit leiser Stimme.

„Tret« wir ein, Du wirst hören."

„Ovide führte also sein« ehemaligen Cbef durch b« klein« Gart«, öffnete vor sich die Thüre des Pavillons, unb Beide betraten ein kleines, einfach aber ziemlich luxuriös anSgestatteteS Gemach.

„Du stehst," hob Ovide an, „daß ich, seitdem ich von mein« ober vielmehr von Deinen R«t« lebe, ziemliche Drbnung habe! . . . Eine Stunbmfrau ist mein Kauunerbiener unb macht mir jeden Morgen alles zurecht. Ich kann mir kein« Luxus erlauben, aber sch bin doch ausreichend und nett möblirt Was sagst Du dazu? Sieh nur einmal näher zu «nb sage mir bau Tttive Meinung."

„Freilich bist Du ganz hübsch möblirt, dies muß ich sagen, aber laffm wir dies bei Seite, ich habe mit Dir von ernster« Dingen zu sprechen."

„Ich wollte eben zum Mahl geh«."

„Wir werd« zusammen speisen. Heute nehme ich die Einladung an, welche ich vor einigen Tag« abge­lehnt habe."

„Könnten wir nicht beim Mahl über unsere Ange- legenheit sprechen?"

„Nein."

„Also bei verschlossenen Thüren gewiß, nicht wahr? Dann muß eS sicherlich etwas Wichtiges sein."

„Du wirst schon seh«."

„Nun, dann setze Dich und laß hör«."

Der Millionär nahm indeß den Stuhl, auf welchem Ovide deutete, nicht, sondern fuhr mit der Hand über die Stirn und begann:

„Du warst neulich bei mir in Courbevoie, damals wo Du fo unvermuthet von Amerika zurückkamst?"

„Gewiß weiß ich eS — war soll dies?" frag Ovide, der nicht wußte, was Harmant eigentlich wollte.

„Du haft Dich vielleicht gewundert, daß ich Dir damals trotz Deiner Bitte keine Stelle in meiner Fabrik geben wollte?"

„Allerdings, ich will'S nicht verhehl«, daß mir dies etwas auffallend war."

„Ich hatte meine Gründe, triftige Gründe."

„So?" antwortete Ovide, die Ohren spitzend.

„Ja, Du durftest nicht in meiner Fabrik fein, um keinen Preis — nun, Du wirst eS sogleich hören, wes­halb. Aber vorerst eine Frage: würdest Du bereit sein, für mich Alles zu thuu?"

„Gewiß — muß ich es nicht, da ich von Dein« Renten lebe?"

„Auch bann, wenn eS sich um eine Tbat handelte, die baS Licht des Tages zu scheuen hätte?"

Ovide zögerte mit der Antwort auf diese Frage, die er nicht im Entferntesten erwartet hatte.

Er wußte wohl oder konnte es unbestimmt ahn«, um was es sich handele: er sollte ein Verbrech« be­gehen, vielleicht ein blutiges Verbrechen, daS Harmant als hochgeachteter Millionär und Industrieller nicht selbst vollbring« mochte.

Ec bedurfte offenbar eines Helfershelfers.

Nun scheute zwar auch Ovide, ein durchaus roher, zu allen Schandthaten fähiger Charakter, schließlich auch nicht vor einem Morde zurück; da er aber biS- heran nur einige Kleinigkeiten mit der Justiz auSzu- fechten hatte, so wollte er sich seine Lage um sojweniger erschweren, als ersetzt ja ein ganz behagliches Dasein führen konnte.

Er sagte endlich nach längerem Besinnen:

„Ich weiß nicht recht, waS Du eigentlich sag« willst, mein lieber Vetter, nur glaube ich zu errathm, daß es sich um irgend eine blutige That handelt. Da weißt, daß es mir nicht darauf ankommt, in irgend eine Kasse, nötigenfalls mit Gewalt, einen kühnen Griff zu thun, aber Blut . . . Hui, mich schaudert. Solche Dinge liegen nickt in meinen Gewohnheit«, Du weißt, ich bin ein Mensch von sanfter Gesinnung und ruhigem Charakter ..."

„Ich weiß eS," erwiderte Harmant mit sarkastischem Lächeln, „aber eS handelt sich um meine Rettung und Du weißt sehr genau, daß Du die ©tellmig, welche Du Dank meiner inne hast, und behalten kannst, wenn

ich gerettet bin."

„Bist Du dmn in Gefahr?" frag Ovide erschrocken, indem er schon mit Angst an die Möglichkeit dachte, seine geliebten Renten zu verlier«.

„Ja . . . Außerdem ist einstweilen noch keine Rede von Blutvergießen, so schrecklich ist die Sache nicht."

„Gut bentt, dann bin ich zu Allem ohne Ausnahme bereit," erwiderte Ovide, „wer Dich bedroht, bedroht ja auch zugleich mich. Du bist ja mein Bankier, und ich habe alles Interesse daran, daß Dn nicht m Ge­fahr geräthst. Soll etwa die Geschichte von vor ein unb zwanzig Jahren jetzt, nach so langer Zeit, wieder auf tauchen?"

„Ja, so ist es."

„Aber es liegt ja Verjährang vor.

„Bok Verjährung kann keine Rede fern, wenn « sich um ein« öffentlich« Skandal handelt, und em öffenlicher Skandal kann mich eb«so sicher zu Grunde richten als ein richterliches Urthert , ,

Freilich — aber erkläre Dich deuttrcher frei unb offen. Soll ich etwas thun, so muß ich natürlich btt Stärke und die Schwäche Deiner Lage kenn«.

Ich werbe Dir Alles sag«. Nicht lange nach meinem Eintreff« in Paris hat mir ein verhänMiß- voller Zufall bm Sohn Julius Labrove'S auf b« Weg G^SDer bei Dir tat Geschäfte ist? . . . Richtig, richtig, Lucian Labroue, ich wußte es."

„Du wußtest el l" wiederholte der Millionär et- ft turnt. (N»rts. folgt)